mini|Klagenfurter Dom, Westseite Die Dom- und Stadtpfarrkirche Hll. Petrus und Paulus, kurz Klagenfurter Dom, in der Stadtgemeinde Klagenfurt am Wörthersee, ist die Domkirche der Diözese Gurk-Klagenfurt und eine der römisch-katholischen Stadtpfarrkirchen im Dekanat Klagenfurt-Stadt. Die Kirche wurde ab dem Jahr 1581 als protestantisches Bethaus errichtet und der „Allerheiligsten Dreifaltigkeit“ geweiht und ist die größte in Österreich gebaute protestantische Kirche.Beatrix und Günther Schönet: Klagenfurt. Eine kurze Geschichte der Stadt. Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2003, ISBN 3-8000-7023-5, S. 28. Im Jahr 1600 im Zuge der Gegenreformation geschlossen, wurde sie vier Jahre später den Jesuiten übergeben, die sie Peter und Paul neu weihten und bis zur Ordensauflösung im Jahr 1773 betreuten. Im Jahr 1787 wurde die Kirche durch Bischof Franz Xaver von Salm-Reifferscheidt zur Kathedrale des Bistums Gurk erhoben. Nachdem im Jahr 1960 der sie umgebende Gebäudekomplex, die „Jesuitenkaserne“, abgetragen worden war, erhielt die nun freistehende Westseite eine entsprechende Fassade.

Baugeschichte Historischer Hintergrund Klagenfurt hatte bis zur Schenkung Maximilians an die Kärntner Landstände im Jahr 1518 innerhalb der landesfürstlichen Städte lange Zeit eine untergeordnete Rolle gespielt, was sich auch in der damaligen Anzahl von Kirchen in der Stadt widerspiegelte: Bis ins späte 16. Jahrhundert gab es hier nur zwei Kirchen, die heutige Hauptpfarrkirche St. Egid, damals Vikariat von Maria Saal, sowie die außerhalb der Stadtmauern gelegene Spitalskirche Heiligengeist. Ein Kloster gab es in Klagenfurt bis zur Gegenreformation nicht.

mini|Bekenntnisschreiben Kärntner Pfarrer zum evangelischen Glauben, 1566

Im Lauf des 16. Jahrhunderts erfreuten sich die Lehren des Protestantismus in Innerösterreich immer größerer Beliebtheit, sowohl bei der einfachen Bevölkerung als auch bei den Landständen. Die Reformation erreichte Klagenfurt später als andere Städte, erst im Jahr 1563 verlas Martin Knorr, Pfarrer von Klagenfurt, in der St.-Egid-Kirche „die erste deutsche Messe oder Kommunion nach Gottes reinem Befehl und der Augsburgischen Konfession“. Knorr unterschrieb drei Jahre später neben anderen Kärntner Pfarrern ein Bekenntnis Kärntner Prädikanten, womit der neue Glauben gleichsam zur offiziellen Religion der Stadt erklärt wurde.Claudia Fräss-Ehrfeld: Geschichte Kärntens. Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994, ISBN 3-85366-685-X, S. 371. Auch der zahlreiche Zuzug unter anderem aus Württemberg und Sachsen trug im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts in der rasant wachsenden Stadt dazu bei, dass bereits ab den 1570er Jahren von einer durchgehend protestantischen Bevölkerung Klagenfurts gesprochen werden kann.Deuer, S. 638.

Nachdem die Landstände in ihrer neuen Residenz bereits ab dem Jahr 1574 den Bau des Landhauses sowie einer Ständeschule (dem späteren Europagymnasium) veranlasst hatten, stand die Stadt spätestens ab dem Jahr 1580 vor einer weiteren wichtigen Aufgabe zum Ausbau der städtischen Infrastruktur, dem Bau eines Bürgerspitals, das das baufällige Heiligengeistspital ablösen sollte. Diesem Spital sollte eine repräsentative Kirche angegliedert werden, da die bestehende Pfarrkirche, die heutige Heiligengeistkirche, zu klein geworden und zudem nach einem Brand im Jahr 1535 stark beschädigt war und die Vikariatskirche St. Egid noch immer dem Maria Saaler Dekan unterstand.

Bau der evangelischen Dreifaltigkeitskirche Auf Antrag des Klagenfurter Magistrats beschloss der ständische Kärntner Landtag am 10. Dezember 1580 die Zuweisung eines Bauplatzes südöstlich des alten Stadtkerns, da im bisherigen Stadtzentrum nicht mehr genug Platz für einen Neubau verfügbar war. Die Bauarbeiten für Kirche und Bürgerspital „von neyen grienen wosn“ (von Grund auf) begannen zu Beginn des Jahres 1581.Deuer, S. 639 f. Für die Planung und den Bau des Spitals war der Ratsbürger und spätere erste Bürgermeister Klagenfurts, Christoph Windisch, verantwortlich. Der Baumeister der Kirche ist unbekannt, wird jedoch im Umkreis von Johann Anton Verda vermutet, worauf auch stilistische Ähnlichkeiten mit dem Klagenfurter Landhaus hinweisen.Dehio Kärnten, S. 350 und Deuer, S. 650.

mini|hochkant|Die Kirche auf dem Klagenfurter Stadtplan 1605

Am 28. April 1591 wurde das Bauwerk von Stadtpfarrer Bernhard Steiner als ständische und zweite protestantische Predigerkirche der Stadt eröffnet und der „Allerheiligsten Dreifaltigkeit“ geweiht. Zu diesem Zeitpunkt waren weder Kirche noch Spital vollständig fertiggestellt. Das Bürgerspital wurde ab dem Jahr 1593 genutzt, für die Kirche bemühte sich Windisch noch im Jahr 1597 um Geldmittel für eine Orgel.

Die Dreifaltigkeitskirche wurde als einfacher, weiträumiger Saalbau mit einer doppelgeschoßigen Empore auf drei Seiten errichtet und ist in der heutigen Kirche noch gut zu erkennen. Das ursprüngliche Bauwerk ist bauhistorisch insofern von Bedeutung, als dass es sich vermutlich um die älteste große Wandpfeilerkirche Österreichs handelt. Der Innenraum war weitläufig und hell und mit einer Größe von etwa 20 auf 20 bei einer Höhe von 18 Metern hatte er fast die Form eines Kubus. Im Obergeschoß waren zum Kirchenraum hin für protestantische Kirchen typische Arkaden angebracht worden, an den Längsseiten je vier und an der Westseite drei.Allmaier, S. 5 f.

Über die Ausstattung der Kirche zur Protestantenzeit ist nur wenig bekannt. Urban Paumgartner, der in einem Epos im Jahr 1605 die neu aufgebaute Stadt Klagenfurt beschrieb, erwähnt die von lebensgroßen Gestalten getragene Kanzel, den Altar mit einem Bild des letzten Abendmahls sowie die Orgel auf der Westempore. Der Innenraum war, wie eine spätere Restaurierung ergab, seinerzeit vollständig mit farbenfrohen Ranken- und Blattwerkfresken dekoriert, vermittelte also nicht die für protestantische Bethäuser typische schlichte und strenge Atmosphäre.Fräss-Ehrfeld, S. 554 f.

Außen schloss sich an die Kirche westseitig der dreiflügelige, zunächst einstöckige Bau des Spitals an, das ungefähr die Fläche des heutigen Domplatzes einnahm. Im Osten der Kirche, dem heutigen Pfarrhof, wurde ein Friedhof angelegt.

Umbauten unter den Jesuiten Bereits um das Jahr 1580 leitete die katholische Kirche die Gegenreformation ein, was in Kärnten jedoch zunächst keine unmittelbaren Folgen hatte. Die Situation verschärfte sich erst, als der innerösterreichische Erzherzog Ferdinand am 1. Juni 1600 per Dekret die Schließung aller protestantischen Kirchen und Schulen in Kärnten und die Ausweisung der Prädikanten und Schulmeister verfügte. Nachdem die landesfürstliche Anordnung nichts bewirkt hatte, entsandte Ferdinand eine Reformationskommission unter dem Seckauer Bischof Martin Brenner nach Kärnten, um eine Bekehrung vor Ort zu erwirken. Klagenfurt war die letzte Station dieser Mission, von 11. bis 13. November verhandelte die Kommission mit den Ständen. Letztlich wurden dem Bischof die Schlüssel von Dreifaltigkeits- und Heiligengeistkirche ausgehändigt und diese bis auf weiteres verschlossen.Fräss-Ehrfeld, S. 609 ff.

Die Kirche wurde im Jahr 1604 den Jesuiten übereignet. Der Weihbischof Karl von Grimming weihte die Kirche nunmehr den Aposteln Petrus und Paulus. Der Spitalbau wurde um ein Stockwerk erhöht, um dort einer Jesuitenschule und der Ordensgemeinschaft selbst Platz zu schaffen. Das Spital wurde in einem Gebäude einige hundert Meter weiter untergebracht, im Jahr 1663 wurde daran eine neue Bürgerspitalskirche angebaut.

mini|Die Kirche um 1730. Im Vordergrund das ehemalige Spitalsgebäude, das den Jesuiten als Kloster und Schule diente.

Die Jesuiten gestalteten zunächst den Innenraum im Stil des Barock um. Bereits im Jahr 1606 waren die bisherigen Nischen an den nördlichen und südlichen Seitenflügeln in Kapellen umgewandelt und darin sechs Altäre aufgestellt. Wesentliche bauliche Veränderungen an der Kirche erfolgten jedoch erst Jahrzehnte später, was einerseits an mangelnden Mitteln, andererseits daran lag, dass die Jesuiten der ihnen zunächst sehr feindlich gestimmten Stadt gegenüber demonstrative Aktionen zu vermeiden suchten.Deuer, S. 652. Im Jahr 1661 wurde eine Stiftung der Familie Orsini-Rosenberg für den Anbau der Franz-Xaver-Kapelle, der heutigen Marienkapelle, im südlichen Teil verwendet. Die Wand vor dem ursprünglichen Altar wich einem weitläufigen Presbyterium und im Jahr 1664 wurde eine Krypta mit 50 Begräbnisstätten sowie einem dem Hl. Bischof Valentin geweihtem Altar eingerichtet. Der Umbau des ursprünglich polygonförmigen Priesterchors im Osten des Gebäudes in eine halbrunde Apsis wurde im Jahr 1665 vollendet. Gabriel Wittini begann im Jahr 1668, die Kirche mit Stuck auszuschmücken. Dabei wurde der gesamte Deckenschmuck, der noch aus der protestantischen Zeit stammte, überdeckt. Wittinis Werk ist heute noch zum Teil noch erhalten (an der Westempore und am ehemaligen Eingang an der Nordseite).

In den Jahren 1715 bis 1720 erhielt die Kirche neue Altäre, die schon im Jahr 1723 einem Großbrand zum Opfer fielen. Dieses Feuer, das von einem der Nachbarhäuser auf die Kirche übergegriffen hatte, vernichtete auch einen beträchtlichen Teil der Einrichtung sowie das Dach. Neben der Beseitigung der Schäden vervollständigten die Jesuiten in den darauf folgenden Jahren die Ausschmückung der Kirche. In den Seitenkapellen wurden Altäre errichtet, die Gewölbe des Chors und des Langhauses, der Seitenkapellen und der Emporen wurden ab dem Jahr 1725 neu stuckiert, und schließlich erhielt der Turm im Jahr 1729 einen neuen Helm in Form einer Doppelzwiebel. Die Neugestaltung des Hochaltars wurde mit der Vollendung des von Säulen gerahmten Gemäldes vom Abschied der beiden Kirchenpatrone im Jahr 1752 vollendet.

Erhebung zum Dom, Nutzung und Umbauten bis heute Nach der Aufhebung ihres Ordens durch Papst Clemens XIV. im Jahr 1773 mussten die Jesuiten Klagenfurt verlassen. Das Klostergebäude wurde um eine weitere Etage aufgestockt und fortan als Kaserne genutzt. Diese sogenannte „Jesuitenkaserne“ bestand noch bis ins Jahr 1960 und diente im Kärntner Abwehrkampf kurzzeitig als Internierungslager. Die Kirche, die bis dahin lediglich eine Filiale der Pfarre St. Egid gewesen war, wurde im Jahr 1784 zur Pfarrkirche erhoben. Im Jahr 1787 verlegte der damalige Bischof der Diözese Gurk, Franz Xaver von Salm, seine Residenz von Straßburg (bzw. Pöckstein) nach Klagenfurt und erhob die Kirche zunächst provisorisch und im Jahr 1793 endgültig zum Dom der Gurker Bischöfe.

mini|Volksaltar von 1990/91

Während der Franzosenkriege wurde Klagenfurt dreimal (1797, 1805 und 1809) besetzt. Nach dem Sieg der napoleonischen Streitmacht im Jahr 1809 wurde der Kirchenbau in ein Mehl- und Brotlager umfunktioniert. Die dabei entstandenen Schäden konnten erst in den Jahren 1823 und 1824 wieder behoben werden. Und erst gut weitere einhundert Jahre später, in den Jahren 1927 bis 1929, erfuhr der Dom unter Fürstbischof Adam Hefter und dem Dompfarrer Josef Maier seine nächste Renovierung. Auf diese Erneuerungsarbeiten ging unter anderem auch die bis ins Jahr 1990 bestehende Farbgebung des Innenraums in weiß, gelb und grün zurück.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Dom mehrmals durch Bomben beschädigt. Auch die „Jesuitenkaserne“ wurde schwer getroffen und schließlich in den 1960er Jahren abgetragen. Die Schäden an der Domkirche selbst wurden erst bei einer umfassenden Außenrenovierung zwischen den Jahren 1974 bis 1977 vollständig behoben. Die Westfassade wurde nach einem Entwurf von Ewald Kaplaner neu gestaltet und erinnert an das Erscheinungsbild des Klagenfurter Landhauses. Anlässlich dessen wurde auch der Domplatz neu gestaltet. Bei der bisher letzten Umgestaltung des Innenraums in den Jahren 1990 und 1991 wurde dieser in den ursprünglichen Farben des 17. Jahrhunderts gestaltet und schließlich ein neuer Volksaltar geweiht.

Baubeschreibung mini|Domplatz und Westfassade des Klagenfurter Doms mini|Fassadenmauer vor dem nördlichen Seiteneingang