mini|hochkant=1.2|Das historische Rathaus, ein Wahrzeichen der Stadt. Im Hintergrund ist die Ulrichskirche, am rechten Bildrand der Marktplatz mit dem Andreasbrunnen, dem Deidesheimer Hof und dem Dienheimer Hof.
Deidesheim ist eine Landstadt und ein Luftkurort im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim im Nordwesten der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Stadt hat Einwohner () und gehört seit dem 1. Januar 1973 zur Verbandsgemeinde Deidesheim, deren Verwaltungssitz sie auch ist.
Der Ort entstand vermutlich im 9. oder 10. Jahrhundert als Tochtersiedlung der Nachbargemeinde Niederkirchen. Mit dem Bau der fürstbischöflich-speyerischen Burg als Amtssitz übertraf Deidesheim bald das ältere Niederkirchen an Bedeutung. Im Jahr 1395 wurden Deidesheim von König Wenzel die Stadtrechte verliehen; seitdem gilt es – mit Ausnahme der Jahre 1819 bis 1838 – als Stadt.
Seit 770 wird in Deidesheim Weinbau betrieben. Anfang des 19. Jahrhunderts war es der erste Ort in der Pfalz, dessen Weingüter Qualitätsweinbau betrieben. Heute ist Deidesheim eine der größten Weinbaugemeinden in der Pfalz, und der Weinbau ist neben dem Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt.
Geographie Lage mini|Südlicher Ortsteil, dahinter die Rebenlandschaft des Weinbaugebiets Pfalz mit der Deutschen Weinstraße, am rechten oberen Bildrand die Haardt Deidesheim liegt in der Pfalz im Bereich des Haardtrands, etwa einen halben Kilometer östlich der Haardt, auf einer Höhe von . Der Ort befindet sich im Nordwesten der Metropolregion Rhein-Neckar inmitten des Weinbaugebiets der Pfalz und wird von der Deutschen Weinstraße durchzogen. Folgende Städte und Gemeinden grenzen an Deidesheim:
Entfernungen – Luftlinie von Ortszentrum zu Ortszentrum – sind auf den halben Kilometer gerundet.
Flächenaufteilung Das 2654 Hektar große Areal des zur Stadt gehörenden Gebietes erstreckt sich über die drei morphologischen und landschaftsökologischen Einheiten Pfälzerwald, Hügelzone des Haardtrands und Rheinniederung.
Mit 1784 Hektar bedeckt Wald den größten Teil der Gemarkung. Früher war der Stadtwald mit einer Ausdehnung von etwa 3000 Hektar noch größer. Der Wald auf ihrer Gemarkung ist nicht vollständig im Besitz der Stadt; ein Teil wurde an die Nachbargemeinde Niederkirchen abgetreten, ein weiterer Teil an das Land Rheinland-Pfalz verkauft.Schnabel (2015): S. 9. Der Waldbesitz Deidesheims und Niederkirchens auf der Gemarkung der Stadt gehört heute zum Forstrevier Wallberg.
Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen, dem mit 626 ha zweitgrößten Anteil der Gemarkung, befinden sich Weinberge, die vor allem westlich und nördlich der Stadt in der Vorhügelzone vor der Haardt liegen, teilweise aber auch bis in die Ebene hineinreichen. Östlich der Stadt sind Wiesen vorherrschend.Schnabel (2015): S. 7.
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 31. Dezember 2016.
Erhebungen mini|Kirchberg, auf der Hangnase die Michaelskapelle Die höchsten Erhebungen sind Berge des Pfälzerwalds im Westen der Gemarkung: der Hintere Stoppelkopf (), der Vordere Langenberg (), der Hermannskopf (), der Mittlere Stoppelkopf () und der Eckkopf () mit dem Eckkopfturm. Zu den Bergen mit weniger als 500 Höhenmetern zählen der Kreuzberg () und der Eichelberg (), beide finden sich im äußersten Südwesten der Gemarkung an der Grenze zu Lambrecht; ferner Vordere Stoppelkopf (), der Mittelberg (), das Saulochköpfchen () und der Zimmerberg (). Näher am Ort, am Ostkamm der Haardt, liegen der Kirchberg () – auf seiner Kuppe befindet sich die Burgruine Heidenlöcher, und auf seinem Hang steht die Michaelskapelle – sowie der Waldberg () mit dem Turnerehrenmal.
Gewässer mini|Weinbachspring Am südöstlichen Rand des Siedlungsgebiets entspringt die in West-Ost-Richtung verlaufende Marlach. Sie mündet östlich von Dannstadt-Schauernheim in den Floßbach. Seinen Ursprung im Martental des Pfälzerwaldes – auf der Gemarkung Deidesheims – hat der Weinbach, dessen Quelle, die Weinbachspring, gefasst ist. Der Weinbach nimmt etwa 400 m östlich seiner Quelle Wasser vom Grimmeisenbrunnen auf. Er fließt in West-Ost-Richtung durch die Bebauung und mündet östlich von Niederkirchen bei Deidesheim in die Marlach. Östlich von Deidesheim hat der Alte Weinbach seinen Ursprung; der östlich des Eckkopfs entspringende Moosbach ist ein Zufluss davon. Durch den Osten der Gemarkung fließt der Stechgraben, der in Forst seinen Ursprung hat und in Dannstadt-Schauernheim in die Marlach mündet.
Der Mußbach, der auf der Waldgemarkung von Wachenheim an der Weinstraße entspringt, fließt ein Stück durch Deidesheimer Gemarkung; er nimmt in diesem Bereich von links den 700 m langen Bach vom Schnokebrunnen auf. Er durchquert das Benjental, und an der Grenze zu Neustadt an der Weinstraße passiert er das Alte Jagdhaus Looganlage. Östlich des gleichnamigen Ortes Mußbach mündet er in den Rehbach. Im äußersten Westen der Gemarkung entspringen der zunächst nach Osten fließende Schlangentalbach, der kurz nach einer Änderung der Fließrichtung nach Süden die Grenze zu Lindenberg überschreitet und dort von links in den Speyerbach mündet, sowie der in Nord-Süd-Richtung fließende Luhrbach, der in der Stadtmitte von Lambrecht ebenfalls in den Speyerbach mündet.
Klima mini|Der Pfälzerwald erhebt sich westlich der Stadt. Makroklimatisch wird Deidesheim vom Relief der Umgegend mitgeprägt: Die Regengebiete, die von Westen und Südwesten heranziehen, müssen wegen des westlich vorgelagerten Pfälzerwaldes aufsteigen und sich dabei abregnen. Danach fällt die trocken gewordene Luft östlich des Pfälzerwaldes wieder herab, wo sie sich erwärmen kann. Aufgrund dessen ist im Lee des Pfälzerwaldes die Niederschlagsmenge recht gering, die Sonnenscheindauer dagegen relativ hoch. Die Zahl der Sommertage übersteigt mit 40 bis 50 den Bundesdurchschnitt deutlich.Frankenberg, Kappas (1995), S. 18.
Lokalklimatisch gesehen ist die Stadt Teil der klimatisch begünstigten Vorhügelzone der Weinstraße. Von einer mittleren Höhenlage von 235 m ü. NHN am Waldrand reicht das Gelände der Deidesheimer Umgegend bis etwa 130 m ü. NHN zum unteren Mittelhangsbereich der Vorhügelzone herab. Die Ausläufer des Martentals und des Sensentals sowie nordwestlich von Deidesheim des Einsteltals bilden Abflussbahnen für die von der Haardt kommenden Kaltluftströme. Daneben haben kleine Mulden und Dellen, in denen sich Kaltluft sammeln kann, lokalklimatische Wirkung.Frankenberg, Kappas (1995), S. 23.
Die klimatischen Verhältnisse in Deidesheim haben beinahe mediterrane Züge, was sich durch das Reifen von Feigen, Mandeln und Bitterorangen in der Gegend zeigt; davon profitieren insbesondere wärmeliebende Kulturpflanzen wie die Weinrebe. Dies begünstigt den hier in großem Stil betriebenen Weinbau: Durch die lange Vegetationsperiode kann der Wein voll ausreifen, und Frostschäden sind selten. Dort ausgebaute Weine können eine hohe Qualität erreichen.
Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 10,9 °C; im Juli beträgt die mittlere Temperatur 20,1 °C, im Januar 1,9 °C. Die höchsten Temperaturen und die meisten Niederschläge gibt es in den Sommermonaten, wobei die Niederschläge oft bei Gewittern niedergehen und lange trockene Phasen im Sommer nicht selten sind.Frankenberg, Kappas (1995), S. 20.
Geologie mini|Rheingrabenrand-Verwerfung beim Geotop Ein bedeutendes Ereignis in der Landschaftsentwicklung bei Deidesheim und der ganzen Vorderpfalz war der Einbruch des Oberrheingrabens gegenüber der Haardt, der im Alttertiär vor etwa 65 Millionen Jahren einsetzte und bis heute andauert. Während der Eiszeiten kam es zu allmählichen Abgleitbewegungen der Hänge und zur Abschleifung durch den Wind; ferner wurde die Fläche vor dem Haardtgebirge von Bächen zerschnitten, die im Pfälzerwald entspringen. Diese Umformungen des ursprünglichen Oberflächenreliefs resultierten in der Ausbildung einer Schwemmfächerebene mit Aufschüttungs- und Abtragungsterrassen. In trockenkalten Phasen bildeten sich in der Umgebung durch Windeinflüsse Lössschichten:Frankenberg, Kappas (1995): S. 13. Die vorherrschenden Ostwinde wehten kalkhaltigen Sand und Staub aus dem Rhein, der damals häufig kein Wasser führte. Die Winde wurden von der Gebirgsmauer der Haardt abgebremst, so dass sich Löss dort an Verwerfungen sowie im Lee von Kleinmulden ansammelte; bei Deidesheim sind diese Ablagerungen bis zu acht Meter hoch.Infotafel Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen/Portal Deidesheim
Beim Geotop Rheingrabenrandstörung am Hahnenbühl nordwestlich der Stadt ist anhand der Anordnung der Gesteinsschichten das Absinken des Oberrheingrabens gut zu erkennen. Es wurde in die Liste der Nationalen Geotope aufgenommen.
Westlich und nordwestlich von Deidesheim ist der im mittleren Pfälzerwald vorherrschende Voltziensandstein aus der Trias neben den Rehberg-Schichten die älteste stratigraphische Einheit auf der Gemarkung. Im Südwesten der Stadt sind pleistozäne Ablagerungen zu finden; sie entstanden vor etwa 1,5 Millionen Jahren. Im Norden sind sie von einem Band pliozäner Ablagerungen umgeben, die sich vor etwa drei Millionen Jahren bildeten. Im Osten befinden sich mit holozänen Ablagerungen die jüngsten stratigraphischen Einheiten. Mit Fremdmaterial wie Basalt, Ziegeln und Stallmist hat der Mensch den natürlichen Aufbau der Böden verändert. Die wichtigsten Bodentypen bei Deidesheim sind unterschiedliche Rigosole, Rendzina, Parabraunerde und kalkhaltige Terra-fusca.Frankenberg, Kappas (1995): S. 13–15.
Geschichte Ortsname mini|hochkant|Der Stein mit dem Relief der Jahreszahl 699 als Hinweis auf die Erstnennung des Ortsnamens steht nicht in Deidesheim, sondern in Niederkirchen. mini|Ein einem Ortsschild nachempfundener Aufkleber auf einem Auto mit der pfälzischen Ortsbezeichnung als Bekenntnis zu Deidesheim Die frühesten Erwähnungen des Ortsnamens finden sich in Urkunden des Klosters Weißenburg (699), des Klosters Fulda (770) und des Klosters Lorsch (770/71 bis um 800). Sie beziehen sich auf das benachbarte Niederkirchen bei Deidesheim,Andermann (1995): S. 82–83. die Muttergemeinde Deidesheims. Heute wird angenommen, dass der Ortsname aus fränkischer Zeit stammt. In der Gegend um Deidesheim gab es zahlreiche fränkische Ortsgründungen, die heute die Endung -heim aufweisen. Der Ortsname bezieht sich möglicherweise auf Theodin, der Niederkirchen gegründet haben soll. Der Name „Didinnischaime“ aus der Urkunde von 699 steht dieser Erklärung zufolge für Heim des Theodin (Dîdîn).Schnabel (2015): S. 4.
Die erste nachweisliche Unterscheidung zwischen Niederdeidesheim, dem heutigen Niederkirchen, und Oberdeidesheim, dem heutigen Deidesheim, gab es erst im 13. und 14. Jahrhundert. Nachdem zu Anfang des 14. Jahrhunderts eine Kirche in Deidesheim errichtet worden war, nannte man die Kirche der Muttergemeinde Untere Kirche oder Niedere Kirche, während das Deidesheimer Gotteshaus als Obere Kirche bezeichnet wurde. Auf diese Weise entstand der Name Niederkirchen für die Muttergemeinde, und der Name Deidesheim war zum Ende des Mittelalters von Niederkirchen auf die Tochtergemeinde übergegangen, das heutige Deidesheim.
Im örtlichen Dialekt – auf pfälzisch – heißt die Stadt „Deisem“.
Mittelalter und frühe Neuzeit Entstehung
Deidesheim entstand wahrscheinlich im 9. oder 10. Jahrhundert als Tochtersiedlung neben Niederkirchen auf dessen Gemarkung.Karn, Mertzenich (1995): S. 138. Die einzelnen Siedlungen verselbständigten sich mit dem Bau der fürstbischöflichen Burg in Deidesheim, auf die es im Jahr 1292 den ersten Hinweis gab. Deidesheim übertraf das ältere Niederkirchen durch seine günstige Lage an einer Straße und die Errichtung der Burg bald an Bedeutung. Eine solche Schwerpunktverlagerung infolge des Baus einer Burg oder Befestigung ist nicht ungewöhnlich und gibt es zum Beispiel auch bei Bad Kreuznach und Ingelheim am Rhein.Staab (1995): S. 52–53.
Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer