mini|Heinrich-Heine-Denkmal des Bildhauers Waldemar Grzimek im Dichterviertel, 1956 eingeweiht

Ludwigsfelde ist eine amtsfreie Mittelstadt im Norden des Landkreises Teltow-Fläming in Brandenburg mit rund 30.000 Einwohnern. Sie liegt rund elf Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze und ungefähr acht Kilometer östlich von Potsdam in der Agglomeration Berlin. Das Stadtrecht besteht seit dem 18. Juli 1965.

Die Kernstadt Ludwigsfelde, die der gesamten Stadt den Namen gab, befindet sich auf der Teltow-Hochfläche, während die zwischen 1997 und 2003 als Ortsteile eingemeindeten elf Dörfer überwiegend in angrenzenden Niederungen liegen. Ortsteile wie Ahrensdorf und Gröben entstanden im 12. Jahrhundert mit der Deutschen Ostsiedlung als Kolonistendörfer. Die Kernstadt ist eine Neugründung von 1750/1753 unter Friedrich dem Großen im Zuge der Binnenkolonisation. Mit dem Bau eines Flugzeugmotorenwerks durch Daimler-Benz erhielt Ludwigsfelde 1936 den entscheidenden Entwicklungsimpuls zur heutigen Industriestadt.

Rund 80 % der Bevölkerung lebt in der Kernstadt, die von technologieintensiven Industriezweigen, insbesondere in den Bereichen Automobilproduktion und Luft- und Raumfahrttechnik, geprägt ist. In den dörflichen Ortsteilen, die 87 % der Gesamtfläche (circa 110 km²) einnehmen, dominiert nach wie vor die Landwirtschaft. Die naturnahen Dörfer, zum Teil im Naturpark Nuthe-Nieplitz gelegen, haben zudem Anteil am touristischen Aufschwung, der seit der deutschen Wiedervereinigung Teile des südlichen Berliner Umlands erfasst hat.

Geografie Geografische Lage Die Gesamtstadt Ludwigsfelde ist von folgenden Städten und Gemeinden umgeben: im Nordwesten von dem Stahnsdorfer Ortsteil Sputendorf, im Norden von Großbeeren, im Nordosten von Blankenfelde-Mahlow, im Osten mit einem kurzen Stück am Rangsdorfer See von Rangsdorf und dann von dem Zossener Ortsteil Glienick, im Südosten von dem Zossener Ortsteil Nunsdorf, im Süden von den Trebbiner Ortsteilen Märkisch Wilmersdorf, Thyrow, Glau und Blankensee, im Westen von den Nuthetaler Ortsteilen Tremsdorf, Fahlhorst und Saarmund.

mini|hochkant=1.5|Gröbener Kietz

Die Kernstadt wird in West-Ost-Richtung von der Autobahn 10, dem Berliner Ring, durchlaufen und in Ludwigsfelde-Nord und -Süd geteilt. Mit zwei Bahnhöfen hat Ludwigsfelde Anschluss an die Anhalter Bahn, die Berlin über Wittenberg mit Halle an der Saale verbindet. Ein weiterer Bahnhaltepunkt verbindet Ludwigsfelde mit der Bahnstrecke Potsdam–Berlin Flughafen BER. In Nord-Süd-Richtung durchläuft das Stadtgebiet die zur „Gelben Autobahn“ ausgebaute Bundesstraße 101 (oder B 101n) mit mehreren Anschlussstellen in der Gesamtstadt.

Naturraum Teltow und Niederungen mini|hochkant=1.5|Stadtkern auf der Teltow-Zunge, Ortsteile überwiegend in den westlichen und östlichen Glazialen Rinnen

Die Gesamtstadt Ludwigsfelde zählt kulturräumlich zum Teltow. In geologischer Hinsicht liegt allerdings nur die Kernstadt auf dem Teltow-Plateau, denn die geologische Grenze des Teltow ist enger gefasst als die kulturräumliche, wie die beiden Grenzziehungen auf der nebenstehenden Karte verdeutlichen. Danach befindet sich die Kernstadt auf der südwestlichen Teltowzunge, die im Süden an der Thyrower Pforte durch die eiszeitliche Saalow-Christinendorfer Abflussbahn von der Trebbiner Platte getrennt ist. Die Ortsteile hingegen liegen überwiegend in angrenzenden Niederungen. Westlich geht der Teltow in die Trebbin-Potsdamer Abflussbahn über, deren Niederung heute die Flüsse Nuthe und Nieplitz durchfließen. Nach Osten fällt die Teltow-Zunge zur Löwenbrucher Talsandfläche und zur ehemaligen Rangsdorf-Thyrower Abflussbahn ab, die heute von einem ausgedehnten Grabensystem mit dem Hauptgraben Nuthekanal durchzogen ist.Sämtliche Bezeichnungen der glazialen Abflussbahnen und Platten in diesem und den Folgekapiteln nach Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins, in: Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe, S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95, ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003.

Die flachwellige, im Durchschnitt zehn bis zwanzig Meter mächtige Grundmoränenoberfläche des Teltow entstand vor rund 20.000 Jahren im Brandenburger Stadium der Weichseleiszeit. Die Höhenunterschiede zwischen dem Plateau und den glazialen Abflussbahnen spiegeln sich im unterschiedlichen Höhenniveau des Ludwigsfelder Stadtgebietes wider. Während die Kernstadt auf einer Höhe von 43 m ü. NN liegt, befindet sich Schiaß auf einem Niveau von 35 m ü. NN und Ahrensdorf als niedrigstgelegener Ortsteil auf 32 m ü. NN. Bei Groß Schulzendorf auf der östlich der Teltowzunge gelegenen Glienicker Platte erreicht die Stadt dann wieder 43 m ü. NN.

Kernstadt – Heide, Sand und Pechpfuhl

Die Kernstadt ist umgeben von der Ahrensdorfer Heide, der Siethener Heide am Landschaftsschutzgebiet (LSG) Pechpfuhl, der Genshagener Heide, der Damsdorfer Heide und der Ludwigsfelder Heide. Dabei musste die Genshagener Heide seit 1936 in weiten Teilen den Industriebauten weichen. Aufgrund der trockenen, sandigen Teltow-Böden dominieren in den Wäldern ausgedehnte Kiefernbestände. Angewehte Sandablagerungen veranschaulichen die Etikettierung des Kurfürstentums Brandenburg als „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ in Ludwigsfelde fast idealtypisch.

mini|hochkant=1|LSG Pechpfuhl

Am Rand der Binnendünen bildeten sich auf lehmigem Grund des Teltow einige feuchte Senken mit Bruchgebieten und stehenden Gewässern heraus. Dazu zählt das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Pechpfuhl, das direkt an die Wohngebiete der nordwestlichen Ludwigsfelder Kernstadt grenzt. Die ehemalige Glaziale Abflussbahn entwässert über den Leopoldsgraben in den Siethener See und weiter in den Gröbener See. Ursprünglich floss sie westlich der Nuthe entgegen der heutigen Fließrichtung der Nieplitz weiter über den Schiaßer See und den Grössinsee bis zum Blankensee. Der Pechpfuhl ist im langgestreckten Südteil geprägt von vier offenen Wasserflächen und im Nordteil, in dem er Hochmoorcharakter annimmt, von Wollgras-Moorrasen und Erlenbruchwald. Unter der Flora und Fauna sind der in Deutschland besonders geschützte fleischfressende Sonnentau (Drosera) und der streng geschützte Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), Vogel des Jahres 2004, bemerkenswert.

Ortsteile der Nuthe-Nieplitz-Niederung mini|hochkant=1|Gröbener See bei Jütchendorf mini|hochkant=1|Schule am Wald. Ehemaliges Jagdschloss Heidehof der Familie Wertheim in Groß Schulzendorf.

Die Rinne der Trebbin-Potsdamer Abflussbahn westlich des Teltow durchfließen heute die Nuthe und die Nieplitz. In der Nuthe-Nieplitz-Niederung liegen die Ortsteile Schiaß, Mietgendorf, Jütchendorf, Siethen, Gröben und Ahrensdorf, die sämtlich zum Naturpark Nuthe-Nieplitz gehören. Die Niederung ist geprägt durch Bruchgebiete und seenartige Erweiterungen im hypertrophen Fluss-See-System im Unterlauf der Nieplitz, das auf dem Ludwigsfelder Gebiet aus dem Grössinsee und dem Schiaßer See besteht. Bei Mietgendorf verläuft die südwestliche Grenze Ludwigsfeldes durch die Glauer Berge, die mitten in der Niederungslandschaft eine isolierte Stauchmoräne aus Vorschüttsanden der Weichseleiszeit bilden. Die mit höchste Erhebung der Glauer Berge bildet zugleich die höchste Erhebung Ludwigsfeldes.Die Erhebung (wahrscheinlich Kahler Berg, ggf. Fuchsberg) liegt knapp auf Ludwigsfelder Gebiet, während andere Gipfel der Glauer Berge – Kesselberg (91 Meter), Kapellenberg (79 Meter), Ravensberg (55 Meter) – zu Trebbin gehören.

Zu Flora und Fauna → Naturpark Nuthe-Nieplitz Zur Naturraumgeschichte der Niederung → die einzelnen Ortsteilartikel, insbesondere Gröben und Jütchendorf

Ortsteile der Nuthekanal-Niederung, Glienicker Platte Die östlichen Ortsteile Kerzendorf, Löwenbruch, Genshagen und Wietstock befinden sich in der ehemaligen Rangsdorf-Thyrower Abflussbahn am Rand der Löwenbrucher Talsandfläche, die heute von einem Grabensystem mit dem Hauptgraben Nuthekanal durchzogen ist. Die Gemarkungen dieser Dörfer gehören zum Teil dem ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet Notte-Niederung an. Dabei zieht sich ein Teil Wietstocks bereits wieder an der östlich folgenden Glienicker Platte hoch und der östlichste Ortsteil Groß Schulzendorf liegt vollständig auf diesem Plateau. Mit einem kleinen Zipfel dehnt sich Ludwigsfelde in diesem Bereich noch weiter nach Osten bis zum Rangsdorfer See aus.

Zu Flora, Fauna und Naturraumgeschichte → insbesondere Löwenbruch, Wietstock

Naturdenkmale

Klima Ludwigsfelde liegt in einer gemäßigten Klimazone im Übergangsbereich vom atlantisch geprägten Klima Nord-/Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Der Temperaturverlauf entspricht ungefähr dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sind geringer als im üblichen kontinentalen Klima, aber höher als im ausgeglicheneren Seeklima der Küstenregionen.

Stadtgliederung Zu Ludwigsfelde gehören folgende Ortsteile:

in Klammern: Einwohnerzahlen vom 31. März 2022 nach Angaben der Stadt LudwigsfeldeZahlen & Daten, auf ludwigsfelde.de

Als Wohnplätze sind ausgewiesen: Am Fischerkietz, Am Walde, Struveshof und Weinberg.

Geschichte Frühe Besiedlung Die feuchten, fruchtbaren Niederungen und die trockenen Hochflächen Ludwigsfeldes zogen schon sehr früh Siedler an, wie Funde von Tierknochen, Tonscherben und Herdsteinen beispielsweise in Jütchendorf zeigen. Die Denkmalliste des Landes Brandenburg führt eine Reihe von Fundstellen in nahezu allen Ortsteilen auf, (PDF; 371 KB) Denkmalliste des Landes Brandenburg, Stand 31. Dezember 2008. darunter Siedlungen aus der Ur- und Frühgeschichte, Rast- und Werkplätze aus dem Mesolithikum, ein Großsteingrab aus dem Neolithikum, Siedlungsplätze aus der Bronzezeit sowie Gräberfelder und Siedlungen aus der Eisenzeit. Ferner wurden Siedlungen zur Zeit der Römischen Kaiserzeit nachgewiesen. Nach der Abwanderung der Sueben, dem elbgermanischen Teilstamm der Semnonen, ab dem 5. Jahrhundert in Richtung Schwaben zogen in den vermutlich weitgehend siedlungsleeren Raum Slawen ein. Aus dem slawischen Mittelalter gibt es in Ludwigsfelde fast flächendeckend Bodendenkmäler. Die ersten deutschen mittelalterlichen Siedlungen entstanden mit dem Landesausbau im Zuge der Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert.

Deutsche Ostkolonisation, erste Ludwigsfelder Gründung 1170 mini|hochkant|Wappen derer von Schlabrendorf, über Jahrhunderte Gutsherren einiger westlicher Ortsteile

Die westlichen Ortsteile Ludwigsfeldes gehörten lange zum Grenzbereich nach Osten. Die Flüsse Nuthe und Havel bildeten bis in das 12. Jahrhundert die Grenze zwischen den slawischen Stämmen der Heveller in der Zauche und der Stodoranen im Teltow, die bei der Gründung der Mark Brandenburg 1157 durch den Askanier Albrecht den Bären eine mitentscheidende Rolle spielten. Bereits kurz nach der Gründung der Mark folgte die Familie von Gröben aus Gribehne (Sachsen-Anhalt) dem Ruf der Askanier nach Siedlern für das neue Land und gründete 1170 das Dorf Gröben, das damit sehr wahrscheinlich der älteste Ludwigsfelder Teil ist. Die Zisterzienser, die im 12./13. Jahrhundert in Techniken wie der Fischerei oder dem Mühlenbau führend waren und den Landesausbau der askanischen Markgrafen missionierend und wirtschaftend unterstützten, waren auch in Ludwigsfelde tätig: 1242 übereigneten die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III. auf Veranlassung Heinrichs von Steglitz und seines Neffen den heutigen Ortsteil Ahrensdorf an das Kloster Lehnin.