Lohfelden ist eine Gemeinde im nordhessischen Landkreis Kassel, sie liegt im Einflussbereich des direkt benachbarten Oberzentrums Kassel, mit dem sie auch Industrie- und Neubaugebiete teilt. Die historischen Ortskerne von Crumbach und Vollmarshausen zeichnen sich durch ihre reizvollen Fachwerkhäuser aus und sind als Gesamtanlagen unter Denkmalschutz gestellt, was ihre kulturelle und architektonische Bedeutung unterstreicht.
Geographie Durch die Ortsteile Vollmarshausen und Ochshausen fließt der Wahlebach (Fahrenbach). An Lohfelden grenzt südlich die Söhre, eine bewaldete Mittelgebirgslandschaft. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich große Sandvorkommen, in unterschiedlichen Gruben finden sich u. a. Mauersand, Putzsand und Streusand. Ein Teil der Gruben wurde mit Erdaushub und Bauschutt verfüllt und bildet heute den Berg Tannenkopf sowie das Naherholungsgebiet Grüne Mitte oberhalb der Straße Am Sandberg.Angela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer – ein Ort. Geschichte und Geschichten. S. 145, 1996 Alle drei historischen Ortskerne befinden sich in Tallagen von Bächen, Vollmarshausen und Ochshausen am Wahlebach, Crumbach am Wälzebach.
Bebauung Zwischen den alten Ortskernen Crumbach und Ochshausen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Hauptstraße angelegt, südlich davon ist die Lange Straße, die am Rathaus endet, wo sich auch die Mehrzweckhalle und die Gesamtschule befinden. Zwischen den Ortsteilen Crumbach und Vollmarshausen gibt es einen Park mit dem Namen „Grüne Mitte“. Aufgrund der Größe der Gemeindefläche und dem Gartenstadtmodell findet sich eine größere Verdichtung nur innerhalb der historischen Ortskerne, Lohfelden ist allgemein eher von großzügigen Straßen mit Wohnbebauung sowie angrenzenden Gewerbegebieten und Grünflächen geprägt. Die Wohnbebauung geht übergangslos in Kassel (Forstfeld) und Kaufungen (Papierfabrik) über, ebenso das Gewerbegebiet mit Kassel-Waldau.
mini|Lohfelden als Vorort von Kassel (besiedelte Fläche orange) mini|Lage der Ortsteile
Gliederung Die Gemeinde Lohfelden besteht aus den Ortsteilen Crumbach, Ochshausen und Vollmarshausen sowie den beiden Industriegebieten Kassel-Waldau und dem Lohfeldener Rüssel, welche zum großen Teil auf Gemeindegebiet liegen.
Nachbargemeinden Lohfelden grenzt im Nordwesten an die kreisfreie Stadt Kassel, im Nordosten und Osten an die Gemeinde Kaufungen, im Süden an die Gemeinde Söhrewald, im Westen an die Gemeinde Fuldabrück (alle drei im Landkreis Kassel). Die Gemeinde wird zur „urbanen Zone“ der Stadt Kassel gezähltH. Schroedel, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung: Zur Abgrenzung und inneren Gliederung städtischer Siedlungsagglomerationen, S. 142, 1976.
Geschichte mini|links|Die Söhrestraße in der Siedlung
Im 10. und 11. Jahrhundert wurden die gerodeten Flächen östlich um Kassel an Kolonisten vergeben, die Felder und Grundstücke wurden in Erbpacht vergebenAngela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten, S. 83 1996. Später wurden diese vom Kaiser an Klöster verschenkt. Das Stift St. Alban vor Mainz besaß 1008 Rechte in CrumbachMainzer Urkundenbuch, Band 1: Die Urkunden bis zum Tode Erzbischofs Adalberts I. (1137), bearbeitet von Manfred Stimming, Darmstadt 1932 (ND 1972), Nr. 439. im 14. und 15. Jahrhundert dann der Mainzer Erzbischof, das Stift Kaufungen, die Klöster Weißenstein und Ahnaberg, das St. Martinsstift und das Karmeliterkloster.Streifzüge durch 900 Jahre Ortsgeschichte Crumbach und Ochsenhausen 1102–2002, herausgegeben vom Gemeindevorstand der Gemeinde Lohfelden, 2001. Die drei Orte Vollmarshausen, Crumbach und Ochshausen hatten einen gemeinsamen Gerichtsplatz an der Linde in Vollmarshausen.
Die Landwirte in den drei Ortschaften waren überwiegend Nebenerwerbslandwirte und erzielten ihren Lebensunterhalt als Handwerker. Ursache der geringen Bedeutung der Landwirtschaft für die lokale Wirtschaft war das Erbrecht, das eine Teilung des Landes ermöglichte. Häufig wurde nur für den Eigenbedarf Landwirtschaft betrieben.Angela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten, S. 269 1996 Mit der Gründung einer großen Schlosserei begann bereits ab 1750 die Industrialisierung. Die Brüder Grimm besuchten die drei Ortschaften in den 1820er Jahren; eine Zeichnung von Ludwig Emil Grimm die das spätsommerliche Crumbach zeigt, ist von 1821 erhaltenWalter Reuter: Ein Spätsommertag 1821 in Crumbach, in Jahrbuch der Brüder Grimm-Gesellschaft, 1991, eine weitere Zeichnung lässt sich auf die Kirche von Vollmarshausen zuordnenLudwig Emil Grimm: Zeichnungen und Gemälde: Werkverzeichnis (S. 375?).
Bereits um 1850 wandelten sich die bisher ländlich geprägten Orte und die Verstädterung begann. Ein Teil der Bevölkerung bevorzugte fortan, in Kasseler Betrieben zu arbeiten, oder richtete sich unternehmerisch nach dort aus. Das spätere Höfesterben hatte daher kaum wirtschaftliche Folgen. 1912 wurde die Söhrebahn in Betrieb genommen.
Am 1. Juni 1941 wurden die beiden Gemeinden Crumbach und Ochshausen durch Beschluss des Oberpräsidenten in Kassel zur neuen Gemeinde Lohfelden zusammengeschlossen. Der Name geht auf die Flurbezeichnungen „Auf dem Loh“ und „Lohfeld“ zurück. Diese bezeichnet die Gärten und Fluren zwischen Crumbach und VollmarshausenAngela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten, S. 17 1996. Auf dem Gebiet der Gemeinde, am damaligen Kasseler Flugplatz befand sich die Fieseler Flugzeugbau Kassel, bekannt für den Bau des Fieseler Storchs. Bis heute erinnert daran die Straße Am Fieseler Werk.
Zwischen den beiden Ortsteilen entstand die Siedlung, diese war bereits 1919 geplant und wurde dann Ende der 1930er Jahre nach Entwürfen von Hannsgeorg Oechler realisiert.Angela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten. 1996, S. 279 Die architektonische Ausführung war als großstädtische Gartenstadt mit klassizistischen Zitaten. Grund für die Planung war die Entwicklung Lohfeldens zu einem Kasseler Vorort. Im Endausbau sollte die Siedlung 12.000 Einwohner haben und auch ein Kreiskrankenhaus beherbergen. Bewusst wurden Flächen im Fuldatal Richtung Kassel freigehalten, um zukünftige Naherholungsgebiete nicht durch ein Häusermeer zu stören. Letztendlich zerschnitt der Autobahnbau (die heutige A 7) den uneingeschränkten Zugang zu diesen Flächen. Zwar wurde noch 1951 ein Rathaus eingeweiht, der Zweite Weltkrieg hatte jedoch die ambitionierten Pläne einer großen Gartenstadt obsolet gemacht. 1966 wurde die Söhrebahn eingestellt und die Trasse zu einem Radweg und zu Grünflächen umgebaut.
In Lohfelden betrieb die Deutsche Bundespost von 1961 bis 1964 den Grundnetzsender Kassel für das zweite Fernsehprogramm. Mit der Inbetriebnahme des Senders Söhrewald erfolgte die Stilllegung der Anlage und die Demontage des 50 m hohen Stahlgittermasts. Der Straßenname Am Sender erinnert noch an den Standort, an dem sich heute ein kleinerer Stahlgittermast für den Mobilfunk befindet.
Hessische Gebietsreform
Am 1. Dezember 1970 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Gemeinden Vollmarshausen und Lohfelden freiwillig zur Großgemeinde Lohfelden. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet. Das neue Rathaus wurde an der Langen Straße zwischen dem bisherigen Lohfelden und Vollmarshausen gebaut. Kassel strebte die Eingemeindung des reichen Vororts an und reichte entsprechende Anträge beim Innenministerium ein. Mit zwei Abstimmungen (eine im Gemeinderat und eine in einer öffentlichen Bürgerversammlung) konnte Lohfelden einen gegenteiligen Volkswillen nachweisenAngela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten, S. 346 1996, musste jedoch im Gegenzug 1975 einige Gemarkungen an Kassel abtreten.Festschrift Zusammen mit der Stadt Kassel wurden 1971 und 2009 zwei Gewerbegebiete erschlossen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lohfelden 13.482 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 2305 Einwohner unter 18 Jahren, 5417 zwischen 18 und 49, 2787 zwischen 50 und 64 und 2974 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 1059 (7,9 %) Ausländer, von denen 185 aus dem EU-Ausland, 591 aus anderen europäischen Ländern und 284 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 13,5 % einen Migrationshintergrund.
Die Einwohner lebten in 6210 Haushalten. Davon waren 2082 Singlehaushalte, 1920 Paare ohne Kinder und 1594 Paare mit Kindern, sowie 498 Alleinerziehende und 114 Wohngemeinschaften. In 2161 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 9597 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Die Region Kassel hat generell einen Rückgang der Bevölkerungszahlen zu verzeichnen. Demhingegen ist Lohfelden mit knapp über 6 % nach Baunatal die Gemeinde mit dem zweitgrößten Bevölkerungsanstieg von 1995 bis 2006. Beide Orte sind auch die einzigen, die in der Region ein Wachstum aufweisen.Michael Glatthaar: Stadtregionale Verbände. Lösung des Steuerungsdilemmas in schrumpfenden Regionen. S. 68 Quelle Statistik Hessen
Religion mini|Die evangelische Kirche in Ochshausen um 1910 mini|Die katholische St. Johannes Bosco-Gemeinde an der Langen Straße
Offiziell wurde 1526 mit der Homberger Synode die Reformation eingeführt. Es gibt die Evangelische Kirchengemeinde Lohfelden für die Ortsteile Crumbach und Ochshausen und die Evangelische Kirchengemeinde Vollmarshausen. Seit 1982 gehört der östliche Teil des Kirchenkreises Kassel-Land zum Kirchenkreis Kaufungen. Die expandierende Industrie von Kassel führte zu einem Zuzug von Katholiken, so aus dem Westerwald und dem Saarland. Ab 1939 fanden katholische Gottesdienste in der evangelischen Kirche in Crumbach statt, zu Weihnachten 1949 wurde die neue Kirche St. Johannes Bosco eingeweiht, 1977 folgte ein Neubau, der von Josef Bieling entworfen worden war.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Lohfelden erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Lohfelden 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 39,3 15 46,9 17 51,0 19 56,1 21 66,2 24* 69,6 26 28,0 10 22,5 9 23,1 9 22,4 8 25,8 10 22,4 8 14,5 5 17,0 6 11,9 4 12,5 5 5,9 2 5,7 2 U2L Unabhängige Liste Lohfelden 18,3 7 9,3 4 14,0 5 8,1 3 2,2 1 – – – – 4,2 1 – – – – – – – – – – – – – – 0,8 0 – – 2,4 1 Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 51,6 44,7 52,1 45,5 47,3 54,8 mini|Das Rathaus
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Lohfelden neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und acht weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Juni 2016 Uwe Jäger (SPD). Er wurde als Nachfolger von Michael Reuter (SPD), der nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl angetreten war, am 6. März 2016 im ersten Wahlgang bei 52,1 Prozent Wahlbeteiligung mit 66,9 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl im Februar 2022 ohne Gegenkandidaten.Hessenschau.de: Bürgermeisterwahl am 6. Februar 2022 in Lohfelden (Kassel)
Amtszeiten der Bürgermeister 2016–2028 Uwe Jäger (SPD)Gemeinde Lohfelden: 2004–2016 Michael Reuter (SPD) 1992–2004 Bernhard Blank (SPD) 1970–1992 Walter Knoche (SPD) 1965–1970 Gerhard Kühne (SPD) 1952–1965 Wilhelm Richter (SPD) 1950–1952 Heinrich Malsch (SPD) 1945–1950 Paul Althans (SPD)