mini|Koffer mit diversen Schalldämpfern mini|Querschnitt eines Schalldämpfers, links das Gewinde zur Befestigung an der Mündung des Laufs, rechts davon die von V-förmigen Prallwänden getrennten Kammern. Ein Schalldämpfer, in Deutschland offiziell auch Mündungssignaturreduzierer genannt,Strategie und Technik Okt 2011, S. 22 ist im Bereich der Waffentechnik eine an der Mündung der Schusswaffe befindliche Vorrichtung zur Reduktion der Schallemissionen und des Mündungsfeuers. Auch verringert sich der Rückstoß, was zusammen mit der Masse des Schalldämpfers den Hochschlag der Waffe vermindert. Zusätzlich verändert ein Schalldämpfer den Klang des Mündungsknalls. Sie existieren als auf die Mündung aufschraub- bzw. aufklemmbare Zusatzausrüstung. Deutlich seltener sind Modelle, welche am Gehäuse der Waffe bzw. am Griffstück einer Pistole befestigt werden. Auch existieren Schalldämpfer als fest integrierter Bestandteil des Laufs (z. B. bei der HK MP5 SD).
Bei einem typischen Schalldämpfer handelt es sich um einen zylindrischen Metallkörper, der mittels mehrerer durch Prallwände getrennter Kammern in seinem Inneren die aus der Mündung austretenden Triebgase des Projektils kontrolliert expandieren lässt, zudem abbremst und kühlt, was zu einer Minderung des Mündungsknalls und Mündungsfeuers führt.
Funktionsprinzip miniatur|Patentzeichnung eines Schalldämpfer (1971) mini|Zerlegter Schalldämpfer mini|Schalldämpfer mit unterschiedlichen Bauformen Nach einem Schuss expandieren die Gase der Treibladung ins Innere des Schalldämpfers, wodurch sie teilweise entspannt werden, da ihnen ein großes Volumen zur Verfügung gestellt wird. Dadurch ist der Druckunterschied zwischen Pulvergasen und Umgebungsatmosphäre deutlich geringer. Es entsteht weniger Schallenergie. Um die Bewegungsenergie der Gase zusätzlich möglichst effektiv abzubauen, bevor sie aus dem Schalldämpfer austreten, enthält das Innere von Schalldämpfern in der Regel Bauteile, die den Strom der bewegten Gasmenge hemmen. Das können durchbohrte Prallwände, Kammern oder andere, meist geneigte oder spiralig angeordnete Komponenten sein. Wobei die Hauptaufgabe dieser Innenwände darin besteht, zu verhindern, dass das groß Pulvergase das Geschoss überholen kann. Es gibt Varianten mit Gummilamellen, welche vom Geschoss durchschlagen werden und sich im Optimalfall hinter diesem schließen und die Gase zurückhalten. Bei guter anfänglicher Dämpfung lässt die Wirkung jedoch zunehmend nach.Frank W. James, Ulrich Eichstädt: Flüsterkampagne. In: Visier, das internationale Waffenmagazin, 7/1993, Pietsch + Scholten Verlag, Stuttgart, S. 40 ff. Die Anordnung der Kammern und die Entspannung der Gase über zusätzliche Bohrungen oder Schlitze sind ausschlaggebend bei der Konstruktion eines wirksamen Schalldämpfers. Angepasste Munitionswahl ist bei der Optimierung der schalldämpfenden Wirkung entscheidend.
Der Schalldämpfer reduziert allerdings nur die Schallemission, die von den beim Schuss aus der Laufmündung ausströmenden, unter hohem Druck stehenden und explosionsartig expandierenden Gasen ausgeht, die mechanischen Geräusche einer eventuell vorhandenen Nachladeautomatik dagegen werden nicht gedämpft. Der Schallpegel der Mechanik liegt bei Selbstladewaffen um 90 dB, bei vollautomatischen Waffen zwischen 110 und 120 dB. Um diese Geräuschquelle zu unterdrücken, konnte bei einigen schallgedämpften Selbstladewaffen wie bei Versionen der Walther P38 der Selbstlademechanismus blockiert werden.Richard Preuss, Matthias Waage: Bitte nicht stören: Schalldämpfer – Geschichte und Technik. In: Visier, das internationale Waffenmagazin, 1/2007 Vogt-Schild Deutschland, S. 6 ff.
Der Geschossknall von Projektilen, die mit Überschallgeschwindigkeit von 330 m/s und mehr abgefeuert werden, bleibt unbeeinflusst. Um den Überschall-Geschossknall zu vermeiden, muss aus schallgedämpften Waffen Unterschallmunition (auch subsonic-Munition) als speziell laborierte Patronen verschossen werden, oder es werden Kaliber wie die .45 ACP benutzt. Diese hat meist weniger als 330 m/s. Schon für die .22 lfB muss Unterschallmunition benutzt werden.
Für die Verwendung von Überschallmunition bedarf es spezieller Anpassungen. Exemplarisch sei hier das Patent für die MP5-SD3-Maschinenpistole genannt. Hier werden die Gase teilweise schon über Bohrungen im Lauf in den Schalldämpfer abgeleitet, so dass die Pulvergase weniger stark auf das Geschossheck einwirken können, wodurch dieses niemals Überschallgeschwindigkeit erreicht, und so wird die Geschossgeschwindigkeit auf unter 330 m/s reduziert.
Loch-Rohr-Schalldämpfer, bei dieser Form des Schalldämpfers wird das Geschoss durch ein Rohr geführt, welches Bohrungen besitzt. Gase strömen durch diese Bohrungen in die große Expansionskammer des Schalldämpfers, welche oft zusätzlich mit Absorptionsmaterial, wie aufgerolltem Drahtgeflecht, gefüllt ist. Dieses Material hat die Aufgabe, durch seine große geometrische Oberfläche den Pulvergasen Wärme zu entziehen. Vertikalblenden-Schalldämpfer, diese Form teilt den Schalldämpfer in einzelne Kammern ein, in welche die Pulvergase hinein expandieren und durch das größere Volumen, pro zurückgelegtem Millimeter Geschossweg, entspannt werden. Bei jedem Durchgang des Geschosses durch eine Blendenöffnung wird diese von selbigem kurz verschlossen. So wird verhindert, dass Pulvergase das Geschoss überholen und vor diesem den Schalldämpfer verlassen. Blenden mit Schrägbohrungen, eine große Herausforderung bei der Entwicklung von Schalldämpfern ist der sogenannte Hochdruckschweif. Dabei handelt es sich um hoch gespannte Gase, welche durch Bodensog am Geschossheck gehalten werden und welche die Blendenöffnungen regulärer Schalldämpfer mit dem Geschoss passieren, ohne sich stark zu entspannen. Durch schräge Blendenöffnungen ist ein Teil der Pulvergase in der Lage, das Geschoss in einer schräg nach oben gerichteten Bewegung zu überholen. Durch Verwirbelung treffen diese Gasströme nach dem Durchtritt des Geschosses durch die Blendenöffnung auf den Hochdruckstrahl und stören diesen erheblich. Schrägblenden, bei dieser Bauart sind die Blenden an sich schräg gestellt und zielen dabei auf denselben Effekt ab wie schräge Bohrungen in geraden Blenden. Zick-Zack-Blenden haben einen ähnlichen Effekt wie Schrägblenden, sorgen jedoch ebenfalls dafür, dass über und unter dem Geschossweg leicht unterschiedliche Druckverhältnisse herrschen. Dieses sorgt nach der Expansion der Gase in die Kammer für eine Migration der Gase vom weniger voluminösen Teil zu dem Teil mit dem größeren Volumen. Dabei sollen die innerhalb der Kammer migrierenden Gase den Hochdruckschweif stören. V-Blenden sind V förmig angeordnete Blenden, welche in ihrer Form der natürlichen Strömung von Gasen besser gerecht werden. So entstehen bei V-Blenden deutlich weniger nicht voll nutzbare Toträume, welche sich erst vergleichsweise spät mit Gas füllen. K-Blenden sind eine deutliche Weiterentwicklung der V-Blenden, welche zusätzlich über gelochte Vertikalblenden verfügen, welche die Pulvergase deutlich stärker verwirbeln, jedoch weniger Volumen zur Expansion anbieten. Gummilamellen-Schalldämpfer, dieser Schalldämpfertyp setzt Gummischeiben ein, welche vom Geschoss durchschlagen werden und sich im Idealfall wieder hinter dem Geschoss schließen. Auf diese Weise werden im Idealfall die Gase im Schalldämpfer gefangen gehalten. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Gummilamellen mit der Zeit verschließen und Hohlspitzgeschosse bereits im Schalldämpfer expandieren können, wenn diese auf die Lamellen treffen. Asymmetrische Schalldämpfer, bei diesen Schalldämpfern liegt der Geschossweg nicht rotationssymmetrisch im Zentrum, sondern leicht versetzt. Dies hat einen ähnlichen Effekt wie bei Zick-Zack-Schalldämpfern. Die Gase expandieren in alle Richtungen in die Kammern, jedoch ist die Kammer meist auf der Oberseite weniger voluminös als auf der Unterseite. Dies führt, nach dem Geschossdurchgang, zu einer Migration von Gasteilchen vom oberen in den unteren Teil, bei dieser Migration soll der Hochdruckstrahl gestört werden. Zudem hat dieses Design den Vorteil, dass die Visierlinie einiger Waffen nicht erhöht werden muss, um über den Schalldämpfer hinwegzuziehen. Flow Through Design, diese besonders in den USA beliebte Bauart besitzt meist eine deutlich vergrößerte erste Kammer, von welcher kleine Leitungskanäle ausgehen und über die anderen Kammern hinweg zur Mündung des Schalldämpfers führen. Der Grund dafür ist, dass die meisten automatischen Waffen des Gasdrucklader-Typs nicht für die Verwendung von Schalldämpfern berechnet wurden, sondern nach dem Geschossaustritt aus der Rohrmündung mit einem rapiden Abfall des Gasdrucks rechnen. Wird jedoch durch das Anbringen eines herkömmlichen Schalldämpfers die Zeit verlängert, in welcher Gasdruck auf das System der Waffe einwirken kann, so kommt es zu einer Kettenreaktion von Überfunktionen. Der Verschluss läuft zu schnell zurück, öffnet zu früh und zu einem Zeitpunkt, in welchem der Gasdruck im System deutlich höher ist. Den Gasdruck nahe der Mündung möglichst gering zu halten ist Aufgabe der Entlüftungskanäle eines Flow-Through-Schalldämpfers. Der Nachteil ist ein lauterer Geschossknall, da es auch an den Lüftungslöchern zu einem Druckausgleich zur Umgebungsatmosphäre kommt. Masseentkoppler, im Gegensatz zu Gasdruckladern erleiden Rückstoßlader bei der Verwendung von Schalldämpfern Unterfunktion. Die Ursache ist das zusätzlich an dem Lauf angebrachte Gewicht, welches das Gewicht der durch den Rückstoß angetriebenen Lauf-Verschluss-Koppelgruppe erhöht. Um Ladehemmungen zu vermeiden, wird bei einem Masseentkoppler ein gefedertes Zwischenstück zwischen Rohrmündung und Schalldämpfer geschraubt, dieses Stück kann sich beim Schuss mit Gas füllen und so den Schalldämpfer einige Millimeter, bei Schussvorgang, nach vorn wegschleudern. Auf diese Weise mechanisch abgestoßen. Schalldämpfer, die am Gehäuse von Rückstoßladern befestigt werden, benötigen keine Masseentkoppler.
Einige Schusswaffen, wie z. B. die PSS, verwenden Gassiegel-Patronen wie die 7,62 × 45 mm SP-16 zur Schallreduktion. Dabei werden die Pulvergase, welche das Geschoss antreiben, in der Patronenhülse selbst festgehalten und sind so nicht in der Lage, den Lauf der Waffe zu verlassen.
Geschichte miniatur|Von oben nach unten: IMI Uzi mit Vector Arms Model 2000 RRA AR-15 mit Advanced Armament Corporation (AAC) Omni HK USP Tactical mit AAC Evolution Beretta 92FS mit AAC Evolution SIG Mosquito mit AAC Pilot miniatur|MP5 SD3 Um das Jahr 1888 waren die militärischen Verbände in Europa dazu übergegangen, Schwarzpulver durch das rauchschwache Pulver zu ersetzen. Auf diese Weise wurde der Vorteil erzielt, dass man den Feind besser beschießen konnte, da die mächtigen Rauchschwaden wegfielen, die bei der Verwendung des Schwarzpulvers entstanden und die oft schon nach kurzer Zeit das Zielen unmöglich machten. Außerdem blieben die bisher durch diese Rauchschwaden weit erkennbaren Schützenlinien dem Auge des Feindes verborgen, was die Gefahr, selbst in gegnerisches Feuer zu geraten, entsprechend verringerte. Diese Verborgenheit war aber nur relativ. Zwar vermochte nun der Rauch dem Feind nicht mehr zu verraten, wo eine Schützenlinie in Tätigkeit getreten war, aber noch verriet der Knall dem Feind die ungefähre Position, von der aus der Schuss abgegeben worden war. Deshalb wurden Mittel und Wege gesucht, um bei der Verwendung der modernen Schusswaffen auch den Knall zu minimieren.
Der Schweizer Erfinder C. A. Aeppli ließ sich 1894 in Winterthur eine Schalldämpferkonstruktion für eine Waffe patentierenhttps://bt-ag.ch/firma/geschichte/. Es folgten mehrere weitere Patente anderer Entwickler, die aber keine nennenswerte Bedeutung erlangten. Dem US-amerikanischen Erfinder Hiram Percy Maxim gelang schließlich 1907/1908 die Fertigung des ersten serienreifen Schalldämpfers, wofür er 1910 das Patent erhielt.