Das Warftendorf Manslagt war bis zur niedersächsischen Kommunalreform eine selbständige Gemeinde und schaut auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Das Dorf liegt in einer ehemaligen Meeresbucht und war ursprünglich einmal eine Insel. Heute ist Manslagt ein Ortsteil der Gemeinde Krummhörn im Landkreis Aurich. In Manslagt leben 423 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand: 31. Dezember 2024).

Geografie mini|Manslagter Tief bei Visquard mini|Typische Dorfgasse Manslagt ist von fünf Krummhörner Dörfern umgeben. Im Norden grenzt es an Pilsum, das über eine aus dem 13. Jahrhundert stammende und für die Region einzigartige Kirche mit Vierungsturm aufweist. An der Ostgrenze Manslagts liegt Visquard. Auf dem Gemeindegebiet dieses Dorfes befinden sich die ehemaligen Klöster Appingen und Dykhusen. Im Süden grenzt Manslagt an Woquard, an das Langwurtendorf Groothusen mit seiner Osterburg sowie an Hamswehrum.

Manslagt wurde als „längliche-runde Warfensiedlung“ in der ehemaligen Sielmönker Bucht errichtet. Archäologische Bohrungen ergaben, dass die Warft sich auf einer ehemaligen Insel befindet.Gerhard D. Ohling: Kulturgeschichte des Krummhörn, in: Die Acht und ihre sieben Siele; (Hrsg. Gerhard Steffens im Auftrage des I. Entwässerungsverbandes Emden, Sitz Pewsum), Pewsum 1987, Band I, S. 31 Die Ausmaße der Manslagter Dorfwarft betragen 6 Meter in der Höhe sowie 480 Meter in der Länge und 280 Meter in der Breite. Die gesamte Fläche der Dorfwarft, die von einer Straße, dem Manslagter Ring, umschlossen wird, beträgt rund zehn Hektar. Umflossen wurde Manslagt in alter Zeit vom Bugel, an den noch heute ein Straßennamen erinnert. Beim Bugel handelte es sich ursprünglich um die Fortsetzung des Wasserlaufs Pewsumer Ehe, der seewärts floss. Wahrscheinlich war der Bugel der letzte Ausfluss aus der verlandenden Sielmönker Bucht. Auch Reste eines alten Deiches sind bei Manslagt zu erkennen. Sie liegen unter der Straße Hoher Weg.Gerhard D. Ohling: Kulturgeschichte des Krummhörn, in: Die Acht und ihre sieben Siele; (Hrsg. Gerhard Steffens im Auftrage des I. Entwässerungsverbandes Emden, Sitz Pewsum), Pewsum 1987, Band I, S. 35

Das innere Wegenetz Manslagts hat – im Gegensatz zum Runddorf Rysum – einen schachbrettartigen Charakter. Die zwölf (zum Teil ehemaligen) Bauernhöfe liegen kreisförmig am Abhang der Warft. Den Siedlungskern bilden nichtbäuerliche Häuser. Im Zentrum des Dorfes steht die Manslagter Kirche mit dem separat aufgerichteten Glockenturm und dem sie umgebenden Friedhof. Mehrere Fethinge, die eine längliche gebogene Form aufweisen, dienten bis ins 20. Jahrhundert der dörflichen Wasserversorgung.Die Angaben dieses Abschnitts beziehen sich auf Eberhard Rack: Landeskunde Ostfriesland, Norden 1974, S. 81

Östlich des Kerndorfes befindet sich in einigem Abstand die in den 1920er Jahren angelegte und nach 1950 erweiterte Manslagter Siedlung.Daniel Schmeda: Der Manslagter, Pewsum 1995, S. 19 Sie liegt auf dem ehemaligen Gelände des Wohnplatzes Eschenhof. Ebenfalls ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Siedlung Swietershausen angelegt. Weitere zu Manslagt gehörige Wohnplätze sind Groß Horenburg, Klein Horenburg, Platthaus und Strohburg.

Manslagt verfügt auch über einen Küstenabschnitt des Niedersächsischen Wattenmeers. Er liegt rund zwei Kilometer vom Dorfkern entfernt und ist über mehrere befestigte Wege zu erreichen. Dem Küstenabschnitt vorgelagert ist der sogenannte Manslagter Nacken, ein Salzwiesengebiet, abgerufen am 21. August 2024., das zur Zone I des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer gehört und ganzjährig nur in wenigen Bereichen, beispielsweise auf markierten Wegen oder im Rahmen von geführten Wattwanderungen, betreten werden darf.Nationalpark Wattenmeer: Karte, abgerufen am 5. Januar 2016.

Ortsname Urkundlich erwähnt wurde Manslagt erstmals um das Jahr 1000 in den Güter- und Heberegistern der Abtei Kloster Werden. In diesen ältesten Urkunden lautet der Name Manslagts „Marsfliati“ sowie „Marslati“, ab 1361 „Mansliacht“. Auf der Ubbo-Emmius-Karte Ostfrieslands (siehe Bild), die um 1600 entstanden ist, findet sich die Schreibweise Manslacht. Andere Schreibweisen – so im Münsterschen Pfarrregister des 15. Jahrhunderts – nennen den Ort „Manslat“ oder „Manslach“.

Der Heimatforscher Otto Galama Houtrouw leitet den Namen Manslagt von manslecht ab – was so viel wie „Mord“ bedeutet. Arend Remmers geht jedoch davon aus, dass trotz der Ähnlichkeit des Ortsnamens zu den altfriesischen Wörtern mannslachta („Totschlag“) oder (rekonstruiert) mānsliacht („Mondlicht“, siehe die Mondsicheln im Wappen) diese Deutungen nicht in Frage kommen. Er führt den Ortsnamen auf das mittelniederdeutsche Wort slacht für „Uferbefestigung“ oder „Pfahlwerk“ zurück.Vergleiche dazu den Straßennamen Schlachte in Jever, Emden, Bremen und andernorts; Gerhard D. Ohling: Kulturgeschichte der Krummhörn des Krummhörn, in: Die Acht und ihre sieben Siele (Hrsg. Gerhard Steffens im Auftrage des I. Entwässerungsverbandes Emden, Sitz Pewsum), Pewsum 1987, Band I, S. 35 In Verbindung mit dem altfriesischen mân bzw. ostfriesisch-niederdeutschen mande für „Gemeinschaft“, „Genossenschaft“ würde der Name etwa „Gemeinschaftliche Uferbefestigung“ bedeuten.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004 Geschichte mini|hochkant|Manslagt auf der Ubbo-Emmius-Karte von 1600 (Ausschnitt) Manslagt gehörte zum Besitz der Häuptlingsfamilie Beninga. Durch Heirat der Erbtochter Gela von Manslagt mit Enno von Greetsiel fiel das Gebiet an die Familie Cirksena und wurde später eingedeicht. Westlich des Dorfes stand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Burg Manslagt, die zum Familienbesitz der weit verzweigten Adelsfamilie Beninga gehörte.

Während des Dreißigjährigen Krieges gelangten im November 1620 Söldnertruppen des Grafen Ernst von Mansfeld in die Krummhörn und übten dort vierzehn Monate lang eine Schreckensherrschaft aus. Nach deren Abzug, der von Plünderungen und Brandschatzungen begleitet war, folgten im Januar 1623 die Truppen des Reiterregiments des Ringgrafen Ludwig Wilts, die in ähnlicher Weise mit den Krummhörnern verfuhren. Im August desselben Jahres kehrten die Mansfelder Söldner zurück und quartierten sich unter anderem auch in Manslagt ein, schlachteten das noch vorhandene Vieh und verzehrten die letzten Vorräte der Einwohner. An einer Pestseuche, die in dieser Zeit in dem Krummhörner Dorf auftrat, starben 130 Personen. Aber auch die Mansfelder Truppen wurden geschwächt. Rund ein Drittel der Soldaten hatte in Manslagt, Pilsum und Greetsiel durch Hunger und die erwähnte Seuche ihr Leben gelassen. Im Januar 1624 zogen sie ab.Ine Ubben Ross: Ernestinchen. Originelles und Historisches aus der Krummhörn, Emden o. J., S. 51ff

Neben der Landwirtschaft war Manslagt in der Vergangenheit von zahlreichen Handwerksbetrieben geprägt. So weist ein Einwohnerverzeichnis von 1719 neben einem Brauer, einem Kuper und einem Dorfschiffer jeweils zwei Maurer, Schmiede, Schneider und Zimmerleute aus. An Schustern, Bäckern und Webern waren jeweils drei Handwerksbetriebe vorhanden. Rund 160 Jahre später waren neben Kuper, Schmied und Schneider zwei Gastwirte, zwei Kaufleute, drei Bäcker sowie jeweils fünf Schiffer registriert.Ostfriesische Landschaft: Manslagt, Gemeinde Krummhörn, Landkreis Aurich (PDF; 876 kB), abgerufen am 7. Mai 2013. Um 1824 beschreibt Fridrich Arends in seiner Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes „Manslagt [als ein] großes Dorf, […] welches 498 Einwohner zählt“. Nach seiner Darstellung gehört es zu den fünf Dörfern des Greetsieler Amtes, die den besten Ackerboden aufweisen.Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824, S. 349

Knapp 500 Einwohner lebten in Manslagt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Am 21. September 1906 erhielt Manslagt einen Bahnanschluss nebst Bahnhofsgebäude. Grund war die Verlängerung der am 27. Juli 1899 eröffneten Kleinbahnstrecke von Emden nach Pewsum. Diese Verlängerung war vom Manslagter Rat am 3. März 1900 beim Landkreis Emden beantragt worden. Nach einem längeren Genehmigungsverfahren wurde 1905 mit den Bauarbeiten für die Meterspur-Kleinbahn begonnen. 1906 konnte sie unter dem Namen Kreisbahn Emden–Pewsum–Greetsiel (im Volksmund Jan Klein) den Fahrbetrieb aufnehmen. Die erweiterte Strecke führte von Pewsum über Groothusen, Manslagt und Pilsum nach Greetsiel. 1963 wurde die Zugverbindung eingestellt. Die Fahrgastbeförderung übernahm die Kraftpost.Forum Drehscheibe: Längst historisch: Kreisbahn Emden-Pewsum-Greetsiel (m32B), abgerufen am 8. Mai 2013.

Im April 1919 kam es zu sogenannten „Speckumzügen“ Emder Arbeiter, an die sich Landarbeiterunruhen anschlossen. Zusammen mit dem Rheiderland war der Landkreis Emden der am stärksten von diesen Unruhen betroffene Teil Ostfrieslands. Arbeiter brachen in geschlossenen Zügen in die umliegenden Dörfer auf und stahlen Nahrungsmittel bei Bauern, wobei es zu Zusammenstößen kam. Die Lage beruhigte sich erst nach der Entsendung von in der Region stationierten Truppen der Reichswehr. Als Reaktion darauf bildeten sich in fast allen Ortschaften in der Emder Umgebung Einwohnerwehren. Die Einwohnerwehr Manslagts umfasste 70 Personen und gehörte damit zu den kopfstärksten des Landkreises Emden. Diese verfügten über 20 Waffen. Aufgelöst wurden die Einwohnerwehren erst nach einem entsprechenden Erlass des preußischen Innenministers Carl Severing am 10. April 1920.Hans Bernhard Eden: Die Einwohnerwehren Ostfrieslands von 1919 bis 1921. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 65 (1985), S. 81–134, hier S. 94, 98, 105, 114 1928 erfolgte die Gründung der Manslagter Feuerwehr. Ihre Eigenständigkeit als Ortsverband erhielt sie bis zum Zusammenschluss mit der Pilsumer Wehr im Jahr 2006.Kreisfeuerwehrverband Aurich e. V.: Feuerwehr Manslagt-Pilsum. Abgerufen am 8. Mai 2013.

Jahrhundertelang waren die natürlichen Tiefs und die Entwässerungskanäle, die die Krummhörn in einem dichten Netz durchziehen, die wichtigsten Verkehrsträger. Über Gräben und Kanäle waren nicht nur die Dörfer, sondern auch viele Hofstellen mit der Stadt Emden und dem Hafenort Greetsiel verbunden. Besonders der Bootsverkehr mit Emden war von Bedeutung. Dorfschiffer übernahmen die Versorgung der Orte mit Gütern aus der Stadt und lieferten in der Gegenrichtung landwirtschaftliche Produkte: „Vom Sielhafenort transportierten kleinere Schiffe, sog. Loogschiffe, die umgeschlagene Fracht ins Binnenland und versorgten die Marschdörfer (loog = Dorf). Bis ins 20. Jahrhundert belebten die Loogschiffe aus der Krummhörn die Kanäle der Stadt Emden.“Harm Wiemann/Johannes Engelmann: Alte Straßen und Wege in Ostfriesland. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 169 (Ostfriesland im Schutze des Deiches; 8).

Torf, der zumeist in den ostfriesischen Fehnen gewonnen wurde, spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle als Heizmaterial für die Bewohner der Krummhörn. Die Torfschiffe brachten das Material auf dem ostfriesischen Kanalnetz bis in die Dörfer der Krummhörn, darunter auch nach Manslagt. Auf ihrer Rückfahrt in die Fehnsiedlungen nahmen die Torfschiffer oftmals Kleiboden aus der Marsch sowie den Dung des Viehs mit, mit dem sie zu Hause ihre abgetorften Flächen düngten.Gunther Hummerich: Die Torfschifffahrt der Fehntjer in Emden und der Krummhörn im 19. und 20. Jahrhundert. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Band 88/89 (2008/2009), S. 142–173, hier S. 163