mini|Volker Bouffier (2016) Volker Bouffier (, * 18. Dezember 1951 in Gießen) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU) und war von 2010 bis 2022 Ministerpräsident des Landes Hessen.

Herkunft und Beruf mini|Volker Bouffier 2013 bei einer Rede zum Thema Länderfinanzausgleich im Hessischen Landtag Bouffier entstammt einer Hugenottenfamilie. Der Vater war Jurist. Nach dem Abitur 1970 an der Herderschule in Gießen absolvierte Bouffier ein Studium der Rechtswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen, das er 1975 mit dem Ersten juristischen Staatsexamen beendete. Sein Zweites juristisches Staatsexamen legte er 1977 ab. Von 1975 bis 1978 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht der Universität Gießen, danach wurde er als Rechtsanwalt zugelassen. Von 1984 bis Ende 2021 hatte er eine Zulassung als Notar, seit 1999 war er zudem Fachanwalt für Familienrecht.

In seiner Jugend war er bis zu einem schweren AutounfallDie Zeit, Dossier 30.12 2025 Basketballer des MTV Gießen und Jugendnationalspieler.Das Ende von Multikulti. »Man darf so etwas nicht totschweigen«. In: Focus 37/2010, 13. September 2010

1999 ermittelte die Gießener Staatsanwaltschaft gegen Bouffier wegen des Verdachts auf Parteiverrat. Zwischen 1997 und 1999 hatte Bouffier in einem Ehescheidungsverfahren sowohl den Ehemann als auch später dessen Ehefrau juristisch beraten. Im August 1999 wurde das Ermittlungsverfahren gemäß der Strafprozessordnung gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 8000 DM eingestellt.Hessens Innenminister zahlt Geldbuße – Ermittler stellen Verfahren wegen Parteienverrats ein. In: Berliner Zeitung, 10. August 1999 Da es kurz zuvor ein Treffen zwischen dem Oberstaatsanwalt, dessen Mitarbeitern und dem Staatssekretär im Hessischen Justizministerium gegeben hatte,Christoph Maria Fröhder und Hans Leyendecker: Maulkorb für den Staatsanwalt – Wie Politiker die Justiz behindern. ARD-exclusiv Reportage, 25. September 2002, 21:45 Uhr veranlasste die Opposition im Landtag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Klärung der Umstände der Verfahrenseinstellung. Während CDU und FDP Bouffier entlasteten, beanstandeten SPD und Bündnis 90/Die Grünen eine unangebrachte Einflussnahme.Bericht des Untersuchungsausschusses 15/1 vom 4. April 2000

Bouffier ist gemeinsam mit Thomas Wolf Inhaber der Anwaltskanzlei Bouffier & Wolf in Gießen, übte jedoch während seiner Zeit als Ministerpräsident seine Tätigkeit als Rechtsanwalt nicht aus.

Im Sommer 2024 veröffentlichte Volker Bouffier zusammen mit dem Wetzlarer Elektronikmusiker Thomas Albertsen (Globotom) die Single "Ein offenes Herz" mit Ambient Post-Rock und Textpassagen aus Johann Wolfgang von Goethes "Werther".

Von Dezember 2024 bis Juni 2025 war Bouffier Mitglied des Vorstands des Deutschen Olympischen Sportbunds.Volker Bouffier rückt in DOSB-Vorstand

Familiäres und Gesundheit mini|Volker Bouffier mit seiner Ehefrau Ursula Bouffier bei der Eröffnung der Documenta 14 am 10. Juni 2017 in Kassel Volker Bouffier ist evangelisch. Er ist mit der gelernten Radiologieassistentin und ehemaligen CDU-Kreistagsabgeordneten Ursula Bouffier verheiratet, mit der er zwei gemeinsame erwachsene Söhne hat. Seine Tochter stammt aus erster Ehe. Bouffier stammt aus einer politischen Familie: Sein Großvater Robert Ferdinand August Bouffier (1883–1971) war Mitbegründer der CDU in Gießen, sein Vater Robert Bouffier (1920–1999), ein Rechtsanwalt, CDU-Kommunalpolitiker und seine Schwester Karin Bouffier-Pfeffer (* 1958) Stadträtin im Magistrat von Gießen. Sein Sohn Frederik Bouffier (* 1990) ist für die CDU Mitglied des Bundestags, zuvor des Hessischen Landtags und der Gießener Stadtverordnetenversammlung.Politik Volker Bouffier. „Meine Kinder stehen permanent unter Beobachtung“ Die Welt, 5. August 2011, abgerufen am 30. Juli 2015, abgerufen am 30. Juli 2015 Sein jüngster Sohn Volker jun. ist Staatsanwalt und ebenfalls für die CDU Mitglied der Gießener Stadtverordnetenversammlung. Seine Mutter war Donauschwäbin aus Nova Pazova (Neu-Pasua) in Jugoslawien (heute Serbien), die am Ende des Zweiten Weltkriegs das Land verlassen musste.Bouffier besucht Serbien und Albanien. Auf: hessenschau.de, 4. März 2017

Anfang 2019 wurde bei Volker Bouffier Hautkrebs im Bereich der Nase diagnostiziert, der mit ambulanten Strahlen- und Chemotherapien in der Uniklinik Marburg erfolgreich behandelt wurde. Nach einem mehrwöchigen abschließenden Rehaaufenthalt in Süddeutschland nahm er im Mai 2019 seine Regierungsgeschäfte wieder in vollem Umfang auf.Sorge um Ministerpräsident: Volker Bouffier (CDU) an Hautkrebs erkranktBouffier beendet HautkrebsbehandlungInterview mit Ministerpräsident Volker Bouffier

Politik Partei Bouffier engagierte sich zunächst in der Jungen Union, deren hessischer Landesvorsitzender er von 1978 bis 1984 war.

Seit 1978 gehört er dem Landesvorstand der CDU Hessen an und war von 1991 bis zum 12. Juni 2010 stellvertretender Landesvorsitzender. Nach dem Rückzug von Roland Koch aus allen politischen Ämtern schlug dieser Volker Bouffier als Nachfolger für den CDU-Landesvorsitz und das Amt des Ministerpräsidenten vor. Bouffier übte den Landesvorsitz schließlich parallel zu seiner Amtszeit als Ministerpräsident von 2010 bis 2022 aus. Koch empfahl der CDU-Bundesspitze um Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel Bouffier als seinen Nachfolger in der Funktion als stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Am 12. Juni 2010 wählten die Delegierten des 103. Landesparteitages Bouffier zum Vorsitzenden des Landesverbandes der CDU Hessen. Der Landtag wählte ihn am 31. August 2010 zum hessischen Ministerpräsidenten. Am 15. November 2010 wurde Bouffier auf dem 23. CDU-Bundesparteitag in Karlsruhe mit 85,1 Prozent erstmals zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt und am 4. Dezember 2012 in Hannover mit 83,0 Prozent in dieser Position bestätigt.

Von 1987 bis zum 13. Februar 2004 war er außerdem Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Gießen dessen Ehrenvorsitzender er seither ist. Ihm folgte Helge Braun.

Auf dem 105. Landesparteitag wurde er zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 22. September 2013 nominiert. Unter ihm als Wahlsieger wurde die erste Schwarz-Grüne Koalition (Kabinett Bouffier II) in einem deutschen Flächenstaat gebildet.

Abgeordneter Bouffier war von 1979 bis 1993 Stadtverordneter in Gießen. Von 1979 bis 1999 gehörte er dem Kreistag des Landkreises Gießen an. mini|Volker Bouffier auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU zur Bundestagswahl 2017 am 25. September 2017 in Fritzlar Von 1982 bis 1987 und von 1991 bis 2022 war er durchgehend Mitglied des Hessischen Landtages. Hier war er von 1993 bis 1999 stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Seinen Wahlkreis Gießen II gewann er 2009 mit 42,6 Prozent der Erststimmen. Auch bei der Landtagswahl 2013 kandidierte er wieder im Wahlkreis Gießen II und damit erneut gegen Thorsten Schäfer-Gümbel, der erstmals in seinen Funktionen als SPD-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat seiner Partei antrat. Dennoch verteidigte Bouffier das Direktmandat mit 46,9 Prozent zu 39,3 Prozent für Schäfer-Gümbel. Bei der Landtagswahl 2018 konnte er sein Direktmandat erneut gegen Schäfer-Gümbel verteidigen. Am 31. Mai 2022 legte Bouffier zeitgleich mit seinem Ministerpräsidentenamt auch sein Landtagsmandat nieder. Für ihn rückte Eva Kühne-Hörmann nach.

Ämter in der Hessischen Landesregierung mini|Bouffier ernennt die Minister der ersten schwarz-grünen Koalition in Hessen (2014) Von 1987 bis 1991 gehörte Bouffier als Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Justiz der von Ministerpräsident Walter Wallmann geführten Landesregierung an.

Ab April 1999 bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten war er in den Kabinetten Koch I, Koch II und Koch III Hessischer Minister des Innern und für Sport. Daneben gehörte er als Interessenvertreter Hessens und der Bundesländer dem Rat für Justiz und Inneres der EU an.

Im Frühjahr 2010 kündigte Roland Koch seinen Rückzug aus allen politischen Ämtern an und schlug Volker Bouffier als Nachfolger für den CDU-Landesvorsitz, das Amt des Ministerpräsidenten und die Funktion als stellvertretender Bundesvorsitzender vor. Am 31. August 2010 wurde Bouffier vom Hessischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt und stand seitdem dem schwarz-gelben Kabinett vor. Er erhielt im ersten Wahlgang 66 und somit alle Stimmen der CDU-FDP-Regierungskoalition. 50 Abgeordnete votierten gegen ihn.swd/APN/AFP: Neuer Ministerpräsident in Hessen: Bouffier erfüllt sein Soll. In: Stern, 31. August 2010

Aus der Landtagswahl am 22. September 2013 ging die CDU mit 38,3 Prozent leicht verbessert als Siegerin hervor. Da die FDP starke Verluste verbuchte und mit 5,0 Prozent nur knapp den Wiedereinzug in den Landtag schaffte, verlor die schwarz-gelbe Koalition ihre Regierungsmehrheit. Die SPD andererseits konnte den von ihr erwünschten Politikwechsel zusammen mit den Grünen ebenfalls nicht erreichen, da auch der Linken der Sprung in das Parlament gelang. Bouffier erhob den Anspruch seiner Partei für die Regierungsbildung und begann Sondierungsgespräche sowohl mit der SPD als auch den Grünen. Am 23. November 2013 unterbreitete Bouffier den Grünen um den Vorsitzenden und Spitzenkandidaten Tarek Al-Wazir das Angebot, mit der CDU Gespräche zur Bildung einer schwarz-grünen Koalition aufzunehmen.CDU will mit Grünen über Koalition verhandeln. Auf: welt.de, 22. November 2013 Bereits am nächsten Tag beschloss ein kleiner Parteitag der Grünen mit großer Mehrheit, das Angebot anzunehmen.. In: Frankfurter Rundschau, 23. November 2013 Nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen wurde dem schwarz-grünen Koalitionsvertrag von den Gremien von CDU und Grünen am 21. Dezember 2013 zugestimmt. Es ist die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland.Fünf gute Gründe für Schwarz-Grün in Hessen. Auf: focus.de, 22. November 2013 Am 18. Januar 2014 wurde Bouffier mit 62 Stimmen im Landtag als Ministerpräsident wiedergewählt und erhielt damit eine Stimme mehr als CDU und Grüne auf sich vereinen. Anschließend ernannte er das Kabinett Bouffier II.

Am 10. Oktober 2014 wurde Bouffier turnusgemäß zum Bundesratspräsidenten gewählt. Er hatte dieses Amt vom 1. November 2014 bis zum 31. Oktober 2015 inne. Ab dem 14. März 2018 war Bouffier der dienstälteste Ministerpräsident in Deutschland.

Nach der Landtagswahl in Hessen 2018 erhielt Bouffiers bisherige Landesregierung trotz der Verluste der CDU durch das gute Wahlergebnis der Grünen eine knappe Ein-Stimmen-Mehrheit im Parlament. Nachdem er sich in Koalitionsverhandlungen auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt hatte, wurde Bouffier bei der konstituierenden Landtagssitzung am 18. Januar 2019 mit 69 Stimmen wiedergewählt und erreichte damit exakt die erforderliche Mehrheit. Daraufhin bildete er das Kabinett Bouffier III.

Wie Bouffier bereits am 25. Februar 2022 bekannt gegeben hatte, legte er sein Amt als Ministerpräsident am 31. Mai 2022 nieder. Er wurde bei einem Festakt in Schloss Biebrich feierlich verabschiedet. Sein Nachfolger wurde der bisherige Landtagspräsident Boris Rhein.

Zum Zeitpunkt seiner Amtsniederlegung war Bouffier der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands (ab 2018). Nach Georg-August Zinn war er mit fast zwölf Jahren Amtszeit der am zweitlängsten amtierende Ministerpräsident Hessens.

Seine Mitgliedschaft im Bundesrat endete ebenfalls mit einem Rekord: Seit seinem Amtsantritt als Innenminister war er ununterbrochen ordentliches Mitglied des Bundesrates gewesen und hatte damit die bis dahin längste ununterbrochene Mitgliedschaft (23 Jahre und 48 Tage) aufzuweisen.Lediglich seine Ministerpräsidentenkollegen Henning Scherf, Alfred Kubel und Bernhard Vogel waren länger Mitglied des Bundesrates gewesen, diese aber in zwei getrennten Amtszeiten. 2025 wurde diese Dauer vom sachsen-anhaltischen Staatskanzleichef Rainer Robra übertroffen.

Politische Positionen Bis 2010