Rainer Schwarz (* 11. Dezember 1956 in Essen) ist ein deutscher Flughafenmanager. Von 2006 bis 2013 war er Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. Zuvor war er Geschäftsführer des Flughafens Nürnberg und Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Düsseldorf und anschließend Geschäftsführer des Flughafens Rostock-Laage.
Zum 1. Februar 2017 übernahm er die Geschäftsführung am Flughafen Münster/Osnabrück.Neue Osnabrücker Zeitung vom 1. Februar 2017
Ausbildung Nach dem Abitur studierte er 1975 bis 1981 Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn, der Freien Universität Berlin und der University of Connecticut, USA. Sein Studium schloss er mit dem Grad eines Diplom-Kaufmanns ab. 1987 promovierte er an der Universität Bayreuth zum Dr. rer. pol.Rainer Schwarz: Die Börseneinführungspublizität neuemittierender Unternehmen. Lang, Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-631-40614-2. (Erschienen in: Betriebswirtschaftliche Forschungsbeiträge, Bd. 6. Zugleich Dissertationsschrift an der Universität Bayreuth, 1987.) Nach Lehraufträgen an der RWTH Aachen und der Technischen Hochschule Wildau erhielt er 2008 von der Technischen Hochschule Wildau den Titel eines Honorarprofessors.
Berufliches Wirken Von 1983 bis 1984 war Schwarz an der Universität Bayreuth beim Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre als Wissenschaftlicher Assistent tätig. Anschließend war er bis 1988 Geschäftsführer des Betriebswirtschaftlichen Forschungs-Zentrums für Fragen der Mittelständischen Wirtschaft in Bayreuth, bevor er von 1988 bis 1996 beim Flughafen München tätig war: erst als Abteilungsleiter der Hauptabteilung Finanz- und Rechnungswesen, dann als Abteilungsleiter innerhalb der Hauptabteilung Marketing und Vertrieb und schließlich als Bereichsleiter Marketing und Vertrieb.
1996 wechselte er als Geschäftsführer zum Flughafen Nürnberg. Bis 2001 stieg die Passagierzahl in Nürnberg um 50 % auf 3,3 Mio., nachdem es Schwarz gelungen war, mit der Air Berlin zusammen ein touristisches Drehkreuz aufzubauen.„Aufsichtsratsvorsitzender Beckstein bedauert den Wechsel von Geschäftsführer Rainer Schwarz nach Düsseldorf“. In Nürnberger Zeitung Nr. 171, 26. Juli 2001
2001 übernahm er beim Flughafen Düsseldorf eine Position als Geschäftsführer und stieg 2002 zum Vorsitzenden der Geschäftsführung auf. In seine Düsseldorfer Zeit fiel der Wiederaufbau der Terminalinfrastruktur nach dem Brandunglück und die Etablierung unternehmerischer Strukturen in der Betreibergesellschaften, der ersten deutschen Public Private Partnership im Flughafenbereich.Eberhard Krummheuer: „Vor dem Abflug – Rainer Schwarz tritt als Chef des künftigen Großflughafens Berlin an“. In: Handelsblatt Nr. 104, 31. Mai 2006
Zum 1. Juni 2006 wurde er zum Sprecher der Geschäftsführung (vergleichbar einem Vorstandsvorsitzenden) der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH ernannt.. Pressemitteilung der Berliner Flughäfen vom 9. Dezember 2005. (Enthält Lebenslauf), abgerufen am 7. Januar 2009. Ende 2010 wurde sein Vertrag um fünf Jahre, bis Ende 2016, verlängert.„Tegel sorgt zum Abschied für Rekordzahlen“. In: Berliner Morgenpost, 25. April 2012
Er war zuständig für den Betrieb der drei Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld. Durch die Initiierung umfangreicher Effizienzmaßnahmen wie auch die Schließung des hoch defizitären Flughafens Tempelhof verdoppelte sich der Nettozufluss der Berliner Flughäfen bis 2012 auf 90 Mio. Euro. Aus dem Flughafenbetrieb konnte so über eine halbe Milliarde Euro zum Flughafenneubau beigesteuert werden. Im gleichen Zeitraum wuchs die Passagierzahl um 50 % auf 24 Millionen.
Nach drei Verschiebungen des Eröffnungstermins für den neuen Hauptstadtflughafen aufgrund baulicher Mängel wurde Schwarz – obwohl für den Baubereich nicht zuständig – im Januar 2013 zunächst beurlaubt und im Juni 2013 gekündigt.
Schwarz klagte dagegen. Insgesamt ging es um eine Summe von 1,2 Millionen Euro.
Das Landgericht Berlin gab Schwarz im Oktober 2014 mit „einem Urteil, das an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig lässt … in allen Punkten recht“ und erklärte die Kündigung für unwirksam. Es habe „kein wichtiger Kündigungsgrund bestanden“, auch habe Schwarz „keine schwerwiegenden Fehler begangen“.„Kündigung von Ex-BER-Chef laut Gerichtsurteil unwirksam.“ In: Märkische Allgemeine, 23. Oktober 2014 (online) Stattdessen – und hier gewinnt der Richterspruch politische Brisanz – trage der Aufsichtsrat eine Mitschuld an dem bis heute andauernden BER-Debakel. Spätestens seit Februar 2012 habe der Aufsichtsrat, in dem Vertreter von Brandenburg, Berlin und dem Bund sitzen, gewusst, dass der Flughafen nicht wie geplant, sondern wenn überhaupt, dann nur als Provisorium ohne funktionierendes Brandschutzkonzept in Betrieb gehen könne.
Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg legte fristwahrend Berufung gegen das Urteil ein um das Rechtsmittel kurz darauf wieder zurückzunehmen. Das Urteil ist seither rechtskräftig.Das Urteil kann hier abgerufen werden.
Am 4. Dezember 2014 sagte Schwarz vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, der die Ursachen des Flughafen-Missmanagements weiter klären sollte, aus. An frühere Warnungen von externen Gutachtern vor Termin- und Kostenrisiken am BER könne er sich nicht erinnern. Er wies jede Mitschuld an den Verzögerungen von sich.
Seit dem 1. Dezember 2014 war Schwarz Geschäftsführer des Flughafens Rostock-Laage. Unter der Leitung von Rainer Schwarz entwickelte sich der Flughafen bis Ende 2016 zum wachstumsstärksten Regionalflughafen Deutschlands. Besonders durch den Aufbau des Bereiches der Zubringerflüge für Kreuzfahrtschiffe konnte der Umsatz im entsprechenden Zeitraum um rund 75 Prozent gesteigert werden.
Von Anfang 2017 bis Ende 2025 war Rainer Schwarz Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück. Dort gelang es ihm, die jährlichen Passagierzahlen innerhalb von neun Jahren um mehr als 50 Prozent zu erhöhen. Während der Flughafen in den Jahren vor seinem Amtsantritt noch Verluste von über zehn Millionen Euro pro Jahr verzeichnete, konnte er in den letzten drei Jahren seiner Tätigkeit jeweils einen Jahresgewinn ausweisen.
Sonstige Ämter 1995 bis 1999 war er Chairman des „Marketing and Commercial Strategy Committee“, Airports Council International (ACI – Europe) (Europäischer Flughafenverband). 1996 bis 2013 fungierte er als Mitglied des Präsidiums und des Direktoriums der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen (ADV). 2002 bis 2010 war er Mitglied des Senats „Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)“. 2008 bis 2014 war er Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) und Mitglied des Aufsichtsrates der Berlin Tourismus u. Kongress GMBH. 2009 bis 2014 arbeitete er als Mitglied des Beirates Ost der HDI Gerling Industrie Versicherung AG und als Mitglied des Regionalbeirates Ost der Commerzbank AG.
Privatleben Rainer Schwarz ist verheiratet und Vater zweier Kinder.
Einzelnachweise
Kategorie:Luftfahrtmanager Kategorie:Luftverkehr (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Mann Kategorie:Luftverkehr (Düsseldorf) Kategorie:Absolvent der Freien Universität Berlin