Julia ist ein Filmdrama, das 1977 im Verleih der 20th Century Fox herauskam und auf dem vorgeblich autobiographischen Kapitel Julia (des Buches Pentimento) von Lillian Hellman beruht. Es beschreibt die enge Freundschaft zweier amerikanischer Frauen vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus. Sowohl Vanessa Redgrave, die dafür einen Oscar gewann, als auch Jane Fonda beeindruckten durch ihre schauspielerischen Leistungen, die dafür von der BAFTA ausgezeichnet wurde, auch beim Publikum war der Film ein Erfolg.
Handlung Julia, aus reicher jüdischer Familie, und Lillian Hellman sind Freundinnen seit frühester Jugend. Julia studiert Medizin in Oxford und Wien (u. a. bei Sigmund Freud) während des aufkommenden Nationalsozialismus Mitte der 1930er Jahre und wird politisch aktiv. Hellman schlägt dagegen eine Karriere als Bühnenautorin ein und lebt in Neuengland mit dem älteren Krimi-Schriftsteller Dashiell Hammett zusammen.
Der Film zeigt beide in einem Strandhaus, wo Hellman beim Schreiben einen toten Punkt erreicht hat und sich ihrer Jugendfreundin erinnert, mit der sie in Briefkontakt blieb. Sie sucht ihre Freundin – die von Nationalsozialisten zusammengeschlagen auf Krücken geht – kurz in Wien auf. Kurz darauf verschwindet diese ohne Nachricht aus dem Krankenhaus. Ein paar Jahre später wird Hellman als anerkannte Schriftstellerin nach dem Erfolg ihres Stücks A Children’s Hour in die Sowjetunion eingeladen. Julia bringt sie über den Kontaktmann Johann dazu, bei der Durchreise durch Deutschland Geld für die Widerstandsbewegung zu schmuggeln.
In Berlin treffen sie sich ein letztes Mal. Hellman erfährt, dass Julia ein Kind im Elsass hat, das sie nach ihrer Freundin Lily nannte. Sie verspricht, sich notfalls um das Kind zu kümmern. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten erfährt sie, dass Julia ermordet wurde, was im Film nur angedeutet wird. Nachforschungen von Hellman nach dem Kind blieben erfolglos, und auch die Familie Julias will nichts davon hören.
Hintergrund Die Rolle der Julia wurde zuerst Faye Dunaway angeboten, die ablehnte. Die Rolle der Hellman wurde Barbra Streisand angeboten, die ebenso ablehnte. Die Julia sollte dann ursprünglich Jane Fonda spielen, die dann aber die Hellman übernahm, als es Besetzungsprobleme mit der Rolle gab. Meryl Streep hat hier ihre erste Filmrolle, ebenso Lisa Pelikan.
Lillian Hellman kommt in einem schemenhaften Cameo am Anfang und Ende des Films vor (in einem Boot sitzend).
Kurz nach dem Erfolg des Films kam es zu einer Kontroverse um Lillian Hellman und das Kapitel „Julia“, das die Vorlage für den Film bildet. Innerhalb des Buches hatte Hellman an mehreren Stellen betont, dass sie sich möglichst genau an Fakten halte und ihren Erinnerungen an Julia absolut vertraue. Es stellte sich jedoch heraus, dass Hellman für die Figur Julia wahrscheinlich vor allem die Biografie der im Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingshelferin tätigen Muriel Gardiner Buttinger in freier Form verarbeitet hat. Mit dieser war Hellman aber nie befreundet und Buttinger überlebte auch den Krieg. Hellman und Buttinger teilten einen Anwalt, welcher der Schriftstellerin offenbar aus Gardiners Lebensgeschichte berichtet hatte. In der Talkshow von Dick Cavett behauptete die Schriftstellerin Mary McCarthy 1979, alles an Hellmans Autobiografie sei gelogen, sogar die „and“s und „the“s. Hellman hielt bis zu ihrem Tod an ihrer Geschichte um Julia in der berichteten Form fest und behauptete, Buttinger sei nicht das Vorbild gewesen, wollte aber zugleich keine genauen Angaben zur angeblich historischen Julia machen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Hellman und McCarthy zog sich bis zu Hellmans Tod 1984 hin, wonach Hellmans Nachlassverwalter die Klage wegen Schadenersatz fallen ließen. Der Literaturwissenschaftler Samuel McCracken wies 1984 im Abgleich mit historischen Quellen und Hellmans Biografie diverse historische Fehler und Ungenauigkeiten nach. Festzustellen sei, dass die Figur Julia in dieser Form entgegen Hellmans Behauptungen wahrscheinlich fiktiv sei. McCracken zog das Fazit, dass ein gewisser Hang zur Ungenauigkeit zwar nicht unüblich für literarische Memoiren sei. Das Problem an Hellmans Verhalten sei jedoch, dass sie sich selbst in eine als autobiographisch behauptete Geschichte eingebaut und damit „Millionen von Lesern und Kinobesuchern dazu gebracht hat, sie als moralisches Vorbild und als schonungslos ehrliche Autorin zu bewundern“.
Die bekennende Sozialistin Vanessa Redgrave nutzte die Oscar-Verleihung 1978 für eine kämpferische Rede gegen Faschismus anlässlich von Drohungen durch die rechtsextreme jüdische Gruppe Jewish Defense League, die gegen ihr Engagement für die Palästinenser protestierten. Dies tat ihrer Karriere in Hollywood jedoch keinen Abbruch, und sie war in den Jahren 1985 und 1993 erneut für den Academy Award nominiert. Preise Academy Awards Jason Robards bester Nebendarsteller Vanessa Redgrave beste Nebendarstellerin Alvin Sargent bestes adaptiertes Drehbuch Nominierung: Bester Film (Richard Roth als Produzent) Nominierung: Beste Regie Fred Zinnemann Nominierung: Jane Fonda beste Hauptdarstellerin Nominierung: Maximilian Schell bester Nebendarsteller Nominierung: Douglas Slocombe beste Kamera Nominierung: Anthea Sylbert bestes Kostümdesign Nominierung: Walter Murch bester Schnitt
Academy of Motion Picture Arts & Sciences (AMPAS) Bester Schnitt
BAFTA Awards Richard Roth für den besten Film Jane Fonda beste Hauptdarstellerin Alvin Sargent bestes adaptiertes Drehbuch Douglas Slocombe bester Kameramann
Kritiken
Literatur Lillian Hellman: Julia und andere Erzählungen (Originaltitel: Pentimento). Deutsch von Cordula Bickel. Goldmann, München 1978, ISBN 3-442-03707-7, 253 S.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1977 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Lillian-Hellman-Verfilmung Kategorie:Fred Zinnemann