mini|Verkürztes Logo mini|Rekordweltmeister Marc Márquez auf der Repsol-Honda RC213V 2019 mini|Valentino Rossi auf der Yamaha YZR-M1 2018
Die MotoGP-Klasse ist die höchste Rennklasse innerhalb der FIM-Motorrad-Weltmeisterschaft des Straßenrennsports. Sie wird auch als Königsklasse des Motorradrennsports bezeichnet.
Die MotoGP löste zur Saison 2002 die seit 1949 bestehende 500-cm³-Klasse als höchste Kategorie innerhalb der Motorrad-WM ab. Pro Saison werden weltweit etwa 20 Rennen als Grands Prix ausgetragen. Bis auf wenige Ausnahmen finden dabei neben den MotoGP-Rennen auch Läufe der Moto2- und Moto3-Klassen statt.
2024 kaufte Liberty Media, die Muttergesellschaft der Formel 1, Dorna Sports. Kurz vor dem Kauf hatte Dorna Sports den Vertrag mit der FIM bis 2060 verlängert. Durch den Kauf ist Liberty Media der Rechteinhaber.
Einordnung im Motorsport In der Rennklasse der MotoGP treten die derzeit leistungsstärksten Motorräder in einem international organisierten Wettbewerb gegeneinander an. Die Motorräder sind, im Gegensatz zur seriennahen Superbike-Weltmeisterschaft, Prototypen mit der besten aktuell verfügbaren Technik zur Erzielung maximal schneller Rundenzeiten; natürlich unter Berücksichtigung des Reglements. Dementsprechend hoch sind die Entwicklungs- und Fertigungskosten dieser Zweiräder, die eine Million Euro deutlich überschreiten können. Die Teilnehmerschaft besteht einerseits aus Werksteams (factory teams), also namhaften Herstellern, wie aktuell (Saison 2026) Aprilia, Ducati, Honda, KTM, und Yamaha. Andererseits treten sogenannte „Satelliten-Teams“ an. Diese verwenden Werksmaschinen der vorgenannten Hersteller aus vergangenen Saisons bzw. mit nicht neuesten Komponenten. Beispielsweise fuhr Takaaki Nakagami 2019 im Satellitenteam LCR Honda die 2018er Werksmaschine von Marc MárquezAussage von Alex Hofmann am 4. August 2019 während der Kommentierung des Großen Preises von Tschechien und 2020 nutzte das Team Reale Avintia Racing die 2019er Werksmaschinen von Ducati. In jüngerer Vergangenheit wurde dazu übergangen auch Kundenteams mit baugleichen Maschinen wie die Werksteams auszustatten. Beispielsweise fuhren in der Saison 2024 sowohl das Ducati-Werksteam als auch das Kundenteam Pramac Racing mit der identischen Maschine. Mit Ausnahme der „1“, welche dem Weltmeister der vergangenen Saison auf Wunsch zusteht, gibt die Startnummer, die ein Fahrer und dessen Motorrad trägt, keinen Aufschluss mehr über irgendeine wettbewerbliche Rangfolge. Es handelt sich um eine Karrierestartnummer, die sich ein Fahrer bei Aufstieg in die MotoGP frei wählt (besetzte und gesperrte Nummern ausgenommen).
Überblick Reglement ab Saison 2027 mini|MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring mini|MotoGP-Rennen im Motorland Aragon
Das Reglement wird von der Grand Prix Commission, einer Vereinigung aus MSMA (Herstellervertretung), IRTA (Teamvertretung), Dorna und FIM, für üblicherweise 5 Jahre festgelegt. Die Grundlage des Reglements bis 2026 war der Katalog von 2016. Ab 2027 gelten umfangreich überarbeitete Bestimmungen.
Motor: Viertakt-Saugmotoren mit maximal vier Zylindern, 850 cm³ Hubraum und 75 mm Bohrung Motorenlimitierung: 6 Stück pro Stammfahrer und Saison bei einem Rennkalender mit 20 Rennwochenenden (7 Stück bei mehr) Getriebe: maximal 6 Gänge, keine automatisch schaltenden Getriebe erlaubt, „Quick-Shifter“ sind zugelassen Treibstofflimitierung: 20 Liter für Hauptrennen, 11 Liter für Sprintrennen; dabei muss es sich um 100 % nachhaltigen Kraftstoff handeln Elektronik: Einheits-ECU von Marelli Mindestgewicht: 153 kg (alle Flüssigkeiten auf „Normalstand“) Aerodynamik: Breite des oberen Teils der Frontverkleidung max. 550 Millimeter, maximale Höhe des Hecks 1150 Millimeter, Aero-Anbauteile hinter dem Fahrer homologiert werden; eine Änderung am Aeropaket pro Saison erlaubt Fahrwerk: "Ride-Height"- und "Holeshot"-Vorrichtungen sind verboten Bremsen: kohlenstofffaserverstärkte Bremsscheiben mit 320 bzw. 340 mm Durchmesser, bei Regen auch Stahlbremsscheiben; ABS ist nicht erlaubt; auf gewissen Strecken sind zur Saison 2022 Bremsscheiben mit Durchmessern von 340 bzw. 355 mm Pflicht Reifen & Räder: verschiedene Einheitsreifen von Pirelli
Frühere Änderungen in Reglement und Technik Seit 2006 können Rennen bei nassen Streckenverhältnissen oder zu erwartendem Regen zu Regenrennen (Wet Race) deklariert werden, um bei tatsächlich einsetzendem Regen einen Rennabbruch mit anschließendem Neustart zu vermeiden. Im Gegensatz zu „Trockenrennen“ darf ein Fahrer bei einem Wet Race seine Box aufsuchen und auf seine andere Maschine umsteigen, auf der die jeweils andere Reifensorte, also Regen- oder Trockenreifen, montiert sein muss. Ein schlichter Reifenwechsel wie beispielsweise in der Formel 1 genügt bei Motorrädern nicht, da weitere Anpassungen nötig sind. Zwischen 2007 und 2011 war der Hubraum auf 800 cm³ beschränkt, nachdem seit 2002 eine Obergrenze von 990 cm³ Gültigkeit hatte. Die Zylinderzahl unterlag damals keiner Beschränkung, jedoch waren nur Zylinder und Kolben erlaubt, deren Durchmesser um nicht mehr als 5 % variierte. Von der Hubraumsenkung und der damit verbundenen Leistungsverringerung versprach sich die FIM mehr Sicherheit für die Piloten, welche sich in Praxis jedoch nicht zeigte. Geschwindigkeiten auf den Geraden verringerten sich kaum und stiegen in Kurven sogar um 5–20 km/h an, wo die Sturzgefahr allgemein erhöht ist. Die Reglementsänderung erforderte eine Neukonstruktion der Motorräder, was Ducati mit einem Leistungsüberschuss von 5 % (Desmosedici GP7) gegenüber der Konkurrenz zunächst am besten gelang, zuvor dominierten Honda und Yamaha. Diese Teams reagierten mit Betrugsvorwürfen, welche aber entkräftet werden konnten. Ducati nutzte eine besondere Ventilsteuerung Desmodromik, die durch extreme Nockenprofile Vorteile in Spitzenleistung, Drehzahlband und Verbrauch brachte. Darüber hinaus funktionierten Verkleidung, Fahrwerk und die elektronische Traktionsregelung sehr gut. Um wieder Anschluss zu finden, verwendeten Suzuki und Kawasaki ab 2007 sowie Honda und Yamaha ab 2008 eine pneumatische Ventilfederung für die Ein-/Auslassventile, wie sie in der Formel 1 schon längere Zeit technischer Standard war. Seit Beginn der Saison 2012 gilt ein maximaler Hubraum von 1000 cm³ und die maximale Zylinderzahl ist auf vier beschränkt, die Bohrung auf 81 mm; dies wurde bereits am 11. Dezember 2009 festgelegt. Das Mindestgewicht für 1000 cm³-Motorräder (bei weniger Hubraum ist ein niedrigeres Gewicht zulässig) lag zunächst bei 153 kg, wurde ab der Saison 2013 auf 160 kg erhöht, um dann in der Saison 2015 auf 158 kg und ab 2016 auf 157 kg abgesenkt zu werden. Die maximale Tankkapazität für MotoGP-Motorräder beträgt seit Beginn der Saison 2016 22 Liter. Vorher wurde sie schrittweise von 26 Liter, die 2004 noch erlaubt waren, jährlich herabgesetzt, was die Leistung und damit auch die Geschwindigkeiten der Motorräder beschränken sollte. Von 2012 bis 2013 gab es zusätzlich zu den Teams, die reine Prototypen verwenden, auch sogenannte Claiming Rule Teams, die modifizierte Superbike-Motoren in Prototypen-Chassis verwendeten. Zulässig waren dafür 24 Liter statt 21 Liter Tankinhalt und 12 statt 6 Motorenwechsel pro Saison. 2014 wurde die Claiming Rule durch die Open-Regel ersetzt. Unter den „Open“-Bedingungen starten Teams, wenn sie das Einheitssteuergerät (ECU) von Magneti Marelli akzeptierten. Da die von der FIM angestrebte Einheitselektronik der ausgereiften Elektronik der Werksteams unterlegen war, wurden bei Nutzung Vorteile eingeräumt: weichere Hinterreifen, keine eingefrorene Motorenentwicklung, sowie höhere Benzinmengen (24 Liter) und Motorenanzahl (12 pro Saison). Außerdem sank die zulässige Spritmenge für Werksteams von 21 Liter auf 20 Liter Tankinhalt pro Rennen und die Anzahl zulässiger Motoren von 6 auf 5 pro Saison. Unerwarteterweise entschied sich das Ducati-Werksteam ebenfalls für die Steuerung von Magneti Marelli, was zu überproportionalen Vorteilen geführt hätte. Die FIM sah sich daher gezwungen noch vor Start der Saison 2014 das Reglement anzupassen. Es konnten letztendlich alle Teams die Vorteile des Open-Formats nutzen, die im Vorjahr keinen Sieg bei trockenen Bedingungen eingefahren hatten. Dies traf auf Ducati zu, sodass sie zur Saison 2014 alle Vorzüge der Open-Regel nutzen konnten. Falls allerdings ein „Open-Team“ in der Saison 2014 zusammengerechnet einen Sieg, zwei zweite Plätze oder drei Podestplätze im Trockenen einfuhr, wurde das Spritlimit auf 22 Liter gesenkt. Sollten gar drei Saisonsiege eingefahren werden, verliert es das Recht auf weichere HinterreifenOffiziell: Reglement für Ducati geändert. Seit Saison 2016 ist die Nutzung der Motorsteuerung von Magneti Marelli für alle verpflichtend. Die maximale Anzahl an Trockenreifen pro Rennwochenende und Fahrer ist nach dem neuen Reglement seit 2016 auf 22 festgeschrieben. Es dürfen maximal 10 verschiedene Vorder- und 12 verschiedene Hinterreifen vom Einheitshersteller Michelin benutzt werden. Es gibt verschiedene Gummimischungen sowie asymmetrische Reifen. Für die Anzahl an Regenreifen existiert eine Beschränkung von sieben Paaren pro Rennwochenende. Seit 2016 müssen in der MotoGP-Klasse Felgen mit einem Durchmesser von 17 Zoll verwendet werden, zuvor waren es 16,5 Zoll. Während in der Moto3- und Moto2-Klasse ausschließlich Bremsscheiben aus Stahl erlaubt sind, gibt es in der MotoGP-Klasse keine Restriktionen über Materialien für Bremsscheiben. Bei trockenen Bedingungen werden Scheiben aus Kohlenstofffaserverbund benutzt. Bei Regenrennen hingegen werden auch in der MotoGP-Klasse z. T. noch Stahlbremsscheiben verwendet, da Kohlenstoffscheiben nicht immer die notwendige Betriebstemperatur erreichen. In der Saison 2019 wurde der Strafenkatalog um die Long Lap Penalty erweitert; ein hiervon betroffener Fahrer muss innerhalb von 3 Runden einen gesonderten Streckenabschnitt befahren, der (absichtlich) seine Rundenzeit verschlechtert. 2019 sorgten außerdem die aerodynamischen Verkleidungsteilen („Winglets“) der Motorräder für Diskussionen, weil keine ausreichend klaren Vorschriften existierten. Zum Motorenverbrauch der Teams (wichtig aufgrund der concession rules) wurde am 30. Juli 2019 ein Zwischenstand auf motogp.com veröffentlicht. Die Leistung eines Motorrades der MotoGP-Klasse ist nicht reglementiert und ergibt sich aus den entsprechenden Rahmenbedingungen. Aus Wettbewerbsgründen nennen die Hersteller offiziell nur Untergrenzen. Schätzungen für die Maschinen der Saison 2018 und 2019 liegen im Bereich von 260 bis knapp 300 PS. Der Geschwindigkeitsrekord einer MotoGP-Maschine beträgt aktuell 368,6 km/h. Diese Geschwindigkeit erreichte der Aprilia-Pilot Jorge Martín beim Autodromo Internazionale del Mugello während des Großen Preis von Italien am 30. Mai 2026 im FP2. Ein Frühstart wird seit der Saison 2020 mit zwei Long Lap Penaltys geahndet; früher war hierfür eine Boxendurchfahrt vorgesehen. Aufgrund schwieriger Windverhältnisse durften 2020 in angekündigten Rennen (z. B. Großen Preis von Australien) die seitlichen aerodynamischen Verkleidungsteile („Winglets“) aus Sicherheitsgründen entfernt werden (nur komplett). Das Werk KTM ist seit der Saison 2021 kein concession team mehr. Das Reglement hätte für die Saison 2021 noch eine vollständige Neukonstruktion des Motorrades und insbesondere des Motors zugelassen (für andere nicht-concession teams ist die Motorentwicklung seit der Saison 2020 eingefroren). Laut Teamchef Pit Beirer machte KTM davon nur teilweise Gebrauch. Während der Saison 2021 war pro Fahrer eine Änderung an der aerodynamischen Verkleidung zulässig („Aero-Update“) Suzuki hat sich nach der Saison 2022 aus der MotoGP-Klasse zurückgezogen.