Die Schlacht um Mallorca war eine amphibische Landung der republikanischen Armee zwischen dem 16. August und dem 4. September 1936 während des Spanischen Bürgerkriegs, um die Insel Mallorca wieder unter die Kontrolle der Zweiten Spanischen Republik zu bringen. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte das Unternehmen jedoch. Insgesamt gab es auf beiden Seiten mindestens 1500 Gefallene.

Vorgeschichte Militärputsch gegen die Republik Der Spanische Bürgerkrieg begann mit einer Militärrevolte unter General Francisco Franco am 17. Juli 1936 in Spanisch-Marokko, die sich zu einem Militäraufstand gegen die Regierung der Republik auch in anderen Teilen Spaniens ausweitete. Am Sonntag, dem 19. Juli, stellte sich der Militärkommandant der Balearischen Inseln, General Manuel Goded Llopis, auf die Seite der Aufständischen und gab die militärische Unterstützung der nationalistischen Putschisten um Franco bekannt. Um 7.30 Uhr des Tages rief er das Kriegsrecht aus und ernannte anschließend Oberstleutnant Luis García Ruiz statt des von der republikanischen Regierung eingesetzten Antonio Espina zum Zivilgouverneur. Erschienen in: Última Hora, Palma, 18./19. Juli 2006. Noch am selben Tag flog Goded mit seinem Sohn und einigen Offizieren in einem Wasserflugzeug nach Barcelona, um dort die Führung des Aufstands zu übernehmen. Er hatte jedoch keinen Erfolg und wurde am Nachmittag des 19. Juli verhaftet. Am 11. August 1936 von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt wurde Goded am 12. August standrechtlich erschossen.

Im Gegensatz zu den anderen Inseln der Balearen konnten auf Menorca die Anhänger der spanischen Republik ihre Position behaupten. Auch die Regionen Katalonien und Valencia blieben republikanisch. Die Pläne für einen Angriff auf die Balearen scheint bei verschiedenen Milizgruppen der republikanischen Armee unabhängig voneinander in den Tagen nach dem Abfall Ibizas, Formenteras und Mallorcas an die franquistischen Putschisten aufgekommen zu sein. Bereits am 23. Juli wurden Palma de Mallorca und Cabrera bombardiert. Am 1. August 1936 landeten republikanische Truppen aus Menorca mit einem Truppentransportschiff und zwei U-Booten auf Cabrera und eroberten die mit 20 Mann bestückte Garnison der Insel, gaben sie anschließend aber wieder auf.

Beginn der Invasion der Balearen Am 2. August trafen republikanische Milizen aus Barcelona unter dem Befehlshaber der dort stationierten Marineflieger, Hauptmann der Infanterie und der spanischen Luftwaffe Alberto Bayo Giroud auf Menorca ein. Bayo übernahm den Oberbefehl über die Invasionstruppen für die Balearen. Am Folgetag, dem 3. August, wurde Palma erneut durch die republikanische Luftwaffe bombardiert. Bis zum 6. August waren die logistischen Vorbereitungen der Besetzung der Balearen abgeschlossen. Das Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen von Katalonien (Comité Central de Milicias Antifascistas de Cataluña) und die katalanische Regionalregierung unterstützten die Planungen. Die Regierung der spanischen Republik in Madrid hatte keine Einwände gegen die Entwicklung.

Bereits am 7. August erfolgte die Besetzung Formenteras durch eine republikanische Einheit aus Valencia unter dem Hauptmann der Guardia Civil Manuel Uribarri Barutell. Am 8. August begann der Angriff Bayos auf Ibiza. Unterstützt durch die Milizen Uribarris konnte Ibiza nach einigen Tagen eingenommen werden. Die Verwaltung der Insel wurde einem „antifaschistischen Komitee“ (Comité Antifascista de Ibiza) übertragen, das Antonio Martínez von der Kommunistischen Partei unterstand. Ibiza und Formentera hatten vor dem Angriff der Republikaner zusammen nur eine nationalistische Garnison von 100 Soldaten, Carabineros (Polizisten) und Angehörigen der Guardia Civil.

Am 13. August 1936 besetzten über 400 katalanische Milizionäre der Federación Anarquista Ibérica (FAI) die Insel Cabrera, anscheinend ohne Absprache mit Bayo oder Uribarri. Beide konnten sich über das weitere Vorgehen bezüglich Mallorca nicht einigen, weshalb die Einheiten Uribarris auf das Festland zurückverlegt wurden. In den frühen Morgenstunden des 15. August begab sich Bayo von Mahón auf Menorca nach Cabrera, wo er den Milizionären der FAI vorschlug, zur Ablenkung die Insel Dragonera zu besetzen. Doch nach sieben Stunden vergeblicher Gespräche flog er zum republikanischen Flottenstützpunkt nach Mahón zurück, nachdem das anarchistische Komitee (comité anarquista) es wegen Bayos Sympathie für das kommunistische Lager der Republik ablehnte, sich an der geplanten Operation zu beteiligen. Stattdessen setzten die Milizionäre der FAI am folgenden Tag eigenständig an die Ostküste Mallorcas über, ohne dass Bayo etwas davon wusste und noch bevor dieser mit seinen Truppen auf der Insel landete.

Kampfhandlungen auf Mallorca Landung der Republikaner mini|hochkant=1.3|Im Juli 1936 auf den Balearen unter Kontrolle der Nationalisten (blau) und Republikaner (grau) mini|hochkant=1.3|Maximale Gebietsgewinne der Republikaner auf den Balearischen Inseln Anfang September 1936

Im Morgengrauen des 16. August 1936, einem Sonntag, landeten die republikanischen Einheiten mit Hilfe ihrer Flotte auf einer Länge von sieben Kilometern an der Ostküste Mallorcas. Die republikanische Flotte bestand aus den Zerstörern Almirante Miranda, dem Stabsschiff Bayos, und Almirante Antequera, dem Kanonenboot Xauen, dem Torpedoboot 17, dem Frischwasser-Tankschiff 3, den Transportern Ciudad de Cádiz und Mar Negro, dem Frachtschiff Mar Cantábrico, dem Post- und Verwundetentransportschiff Ciudadela und dem Lazarettschiff Marqués de Comillas. Die Ausschiffungen an der Halbinsel Punta de n’Amer, im Norden an der Cala Nau und im Süden bei Sa Coma, erfolgten mittels der Barkassen K-12 und K-26. Außerdem verfügten die Einheiten Bayos über die drei U-Boote B-2, B-3 und B-4 und sechs Wasserflugzeuge des Typs Savoia-Marchetti SM.62. Unterstützt wurde die Landung durch die Feuerkraft des Schlachtschiffes Jaime I. und des Leichten Kreuzers Libertad, sowie einige der zehn Wasserflugzeuge Macchi-Castoldi MC.18 aus Barcelona. Bereits kurz nach 5 Uhr morgens waren die über 400 Kämpfer der anarchistischen FAI an der Cala Anguila und in Porto Cristo an Land gegangen. Insgesamt hatten die verschiedenen Einheiten der republikanischen Landungstruppen eine Gesamtstärke von bis zu 8000 Mann.

Das Hauptquartier der Invasionstruppen wurde auf dem Anwesen Sa Coma eingerichtet, zu dem auch die Halbinsel Punta de n’Amer gehörte. Den heutigen Ort Sa Coma gab es damals noch nicht. In den Cases de sa Coma legte man auch ein Lazarett an. Alberto Bayo richtete sich in einer vorgelagerten Windmühle ein. Der Verwalter des Landgutes, Miguel Adrover, blieb unbehelligt. Er und die Arbeiter des Gutes mussten jedoch die einquartierten Truppen betreuen. Bei der Besetzung der Cases de sa Coma wurden durch das vorangegangene Bombardement die Gebäude beschädigt und von den Landungstruppen die Lohngelder gestohlen und kirchliche Symbole zerstört. Zur Versorgung der Truppen requirierte und schlachtete man in der Zeit der Besatzung die 200 Schafe des Gutes.

Weitestes Vordringen der Invasionstruppen Schon am Tag der Landung ihrer Truppen mussten die Republikaner erste Niederlagen gegen die zahlenmäßig unterlegenen Verteidiger Mallorcas hinnehmen. Die Nationalisten verfügten über etwa 2000 falangistische Freiwillige, ungefähr 300 Carabineros und Angehörige der Guardia Civil und nur 1200 reguläre Soldaten, die jedoch gut ausgebildet waren. Die in Porto Cristo an Land gegangenen anarchistischen Milizionäre ließen wertvolle Zeit verstreichen und feierten ihren Landungserfolg. Sie benannten den Ort in Porto Rojo („Roter Hafen“) um, plünderten die von der Zivilbevölkerung verlassenen Häuser und versuchten die Kirche in Brand zu setzen. Als sie um 11 Uhr beschlossen, nach Manacor vorzustoßen, wurden sie durch eine aus Palma herangeführte Hundertschaft der Legión de Mallorca, unterstützt von Falange-Kämpfern, carlistischen Requetés und Kräften der Guardia Civil aus Manacor und anderen Gemeinden des Inselostens, bei den Höhlen der Coves dels Hams zurückgeschlagen.

Die Anarchisten zogen sich nach Porto Cristo zurück, wo inzwischen die Milizen eintrafen, die an der Cala Anguila gelandet waren. Im Tal des Torrent des Riuet gerieten diese, verfolgt von nationalistischen Einheiten aus dem Raum Felanitx, von den Anhöhen her unter Beschuss, wo das franquistische Militär allein drei Stellungen mit schweren Maschinengewehren besetzt hatten. Die anarchistischen Milizen wurden vollständig aufgerieben. Am 17. August standen die nationalistischen Inselverteidiger am Ortsrand von Porto Cristo. Die Franquisten stürmten das als Lazarett dienende Hotel Perelló und erschossen die dort befindlichen Verwundeten einschließlich drei Krankenschwestern. Im Ort kam es bis zum Abzug der Republikaner von Mallorca zu Häuserkämpfen. Bis dahin konnten sie nur die Steilklippen am Strand bei den Villen Can Blau, Can Riche und Can Servera trotz ständigem Beschuss uneingeschränkt halten. Sie wurden von den Kämpfern als El Parapeto de la Muerte („Unterstand des Todes“) bezeichnet.

Auch vor Son Servera im Nordwesten kam der Vormarsch der Republikaner zunächst zum Stehen. Eine Marineeinheit von etwa 50 Mann der „Schwarzen Garde“, die zuvor an der Eroberung Ibizas großen Anteil hatte, geriet schon am ersten Tag in einen Hinterhalt franquistischer Soldaten und Zivilgardisten unweit der Bahnlinie unterhalb des Hügels na Penyal. Drei der Überlebenden wurden nach Son Servera gebracht und dort erschossen. Ein vierter, der aus Barcelona stammende achtzehnjährige Domingo López, überlebte die Erschießung und konnte, zu den Toten in eine Grube geworfen, aus dieser nachts durch die Kiefernwälder zu seinem Kommando nach Sa Coma entkommen. Den republikanischen Verbänden gelang es danach die das Tal von Son Servera umgebenden Hügel einnehmen, die sie bis zu ihrem Rückzug auf die Schiffe fast ständig unter Kontrolle hielten. Dabei stießen sie bis sieben Kilometer ins Inselinnere vor. Die meisten Zivilisten des ungefähr 900 Einwohner zählenden Son Servera flohen vor den Kämpfen. In ihren Häusern bezogen Militäreinheiten Stellung. Das Hauptquartier der Franquisten befand sich im Tiefgeschoss des heutigen Cafés S’Oratge am Kirchplatz von Son Servera. Fast täglich stand das Ortsgebiet unter Beschuss angelandeter Artillerie, Bombenabwürfen aus Flugzeugen und von Schiffsgeschützen der republikanischen Kriegsflotte, konnte von Bayos Truppen jedoch nicht eingenommen werden.

Am Mittwoch, dem 26. August 1936, stießen die Republikaner von drei Seiten nach Son Carrió vor, mit einem Verband der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT aus östlicher Richtung über die Finca Sa Torre Nova, die danach als Feldlazarett diente, weiteren Militärs auf dem südlichen Landweg aus Porto Cristo und etwa 500 Milizionären auf dem südöstlichen Pfad aus Richtung S’Illot. Nach Bombardierungen durch Flugzeuge und Schiffsgeschütze räumten die franquistischen Verteidiger ihre Stellungen im Ortskern, auf den angrenzenden Hügeln und den östlich gelegenen Windmühlen. Viele Dorfbewohner flüchteten nach Son Servera, Sant Llorenç oder Manacor. Nach der Besetzung des Ortes wurden die Häuser nach Lebensmitteln und Wertgegenständen durchsucht und geplündert. In der Kirche rissen die anarchistischen Milizionäre die Heiligenfiguren vom Hauptaltar und den Seitenkapellen. Die Statuen Christi, der Jungfrau Maria und die Reiterfigur des Santiago Matamoros wurden zerschlagen. Neben einem Bombentreffer rechts hinter dem Hauptaltar, der ein Loch in der Außenwand verursachte, entstanden auch Schäden durch Schießübungen am Kirchengebäude. Son Carrió war der einzige Ort Mallorcas, der von den republikanischen Truppen vollständig eingenommen und über eine Woche lang gehalten werden konnte.

Italienische Unterstützung der Nationalisten