Das 9. Infanterie-Regiment „Wrede“ war ein Verband der Bayerischen Armee mit Friedensstandort in Würzburg.
Geschichte Aufstellung Das Regiment wurde am 21. März 1803 gemäß Allerhöchster Entschließung in Bamberg aufgestellt. Das I. Bataillon wurde aus dem rheinpfälzischen Infanterie-Regiment „Graf von Ysenburg-Büdingen“, das II. Bataillon aus dem Fürstbischöflich-Bambergischen Infanterie-Bataillon errichtet. Zum ersten Inhaber des Regiments wurde Generalleutnant Georg August Graf von Ysenburg-Büdingen ernannt. Der erste Oberstkommandantdie Bezeichnung Kommandeur wurde erst ab 1872 gebräuchlich war Oberst Justus Heinrich von Siebein, der am 1. November 1805 das Kommando an Oberst Karl von Vincenti übergab. Am 27. März erhielt das Regiment die Bezeichnung Infanterie-Regiment „Graf von Ysenburg“, ab 27. März 1804 wurde es in 9. Linien-Infanterie-Regiment „Graf von Ysenburg“ umbenannt. Im selben Jahr nahm es 41 Mann des preußischen Infanterieregiments „von Unruh“ auf. Gemäß Allerhöchsten Entschlusses vom 4. Juni 1804 sollte das Regiment „überhaupt nur zwei Fahnen besitzen, eine gestickte Fahne als Leibfahne und eine blau geweckte Fahne sei sofort zu übersenden. Die noch vorhandenen vier gemalten Fahnen sollten als Leibfahnen angesehen und verwendet werden.“ Die beiden neuen Fahnen wurden am 27. Juli 1804 übergeben.
Koalitionskriege Während des Feldzugs 1805 gegen Österreich war das Regiment als Besatzung in Tirol eingesetzt. Es war ab 27. September 1805 in zwei Bataillone zu je einer Grenadierkompanie und drei Füsilierkompanien gegliedert.
Im Feldzug 1807 gegen Preußen marschierte das Regiment quer durch Preußen bis Anklam–Greifswald–Insel Rügen; es kam aber nicht zu bemerkenswerten Kampfhandlungen.
Im Krieg gegen Österreich 1809 trat das Regiment mit zwei Bataillonen zu je einer Grenadierkompanie und vier Füsilierkompanien(Gliederung seit Juni 1808) in einer Stärke von 1800 Gewehren an. Es war der 1. Brigade (von Siebein) der 3. Division (von Deroy) unterstellt. Im April 1809 war das Regiment an den Gefechten bei Landshut, Abensberg und Eggmühl beteiligt und nahm am 23. April Regensburg ein, ohne besondere Gefechtshandlungen durchzuführen. Am 4. Juli 1809 nahm es beim Gefecht am Kieserbach neun Tiroler gefangen. In der Schlacht am Bergisel am 12./13. August 1809 verdiente sich Unterleutnant Ludwig Freiherr von Künsberg für seine dort erbrachten militärischen Leistungen das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens. Das Regiment verblieb bis 1810 in der Umgebung von Hall.
Feldzug gegen Russland 1812 Das Regiment trat mit 1600 Gewehren unter dem Kommando der 1. Brigade (von Siebein)/I. Armeekorps (von Deroy) an. In der Schlacht bei Polozk am 17./18. August 1812 fiel ein Offizier und der Oberstkommandant Peter de La Motte und sieben weitere Offiziere wurden verwundet. Die Verluste unter den Unteroffizieren und Mannschaften in dieser Schlacht sind nicht zu ermitteln. Sie starben meist an Krankheit, Hunger und Kälte. Am 30. September 1812 wurde Oberst Friedrich von Treuberg zum Oberstkommandanten ernannt. Am 24. Oktober 1812 war das Regiment noch zwei Kompanien stark, insgesamt 167 Mann. Zudem gingen alle Fahnen des Regiments verloren. Während des Rückzugs über Wilna nach Plozk wurden dort 4300 Mann Ersatz auf die Bayerische Armee verteilt. Am 10. April 1813 kam es zu einem Gefecht mit Kosaken bei Rothenburg. Am 18. April 1813 kehrte das Regiment nach Bamberg zurück. Das II. Bataillon wurde aufgestellt, aus dem anschließend mit dem II. Bataillon des 10. Infanterie-Regiments das Regiment „von Rummel“ errichtet wurde, welches der 2. französischen Brigade (Generalmajor Maillot)/dem XII. französischen Armeekorps (Marschall Oudinot) unterstellt wurde. Im Mai 1813 erlitt das II. Bataillon einige Verluste durch Artilleriefeuer bei Bautzen (20. Mai) und durch kleine Scharmützel bei Hoyerswerda (28. Mai). In der Schlacht bei Dennewitz am 6. September 1813 wurden fünf Offiziere, darunter der Bataillonsführer Major von Treuberg, und eine Anzahl Soldaten verwundet und viele Bataillonsangehörige gerieten in Gefangenschaft. Dazu verlor das Bataillon zwei Haubitzen und vier Kanonen.
Feldzug gegen Frankreich 1813/15 Am 24. Oktober 1813 wurde in Würzburg das I. Bataillon (sechs Kompanien) mit 822 Gewehren der 2. Brigade (Generalmajor Deroy)/3. Division (Generalleutnant de la Motte) unterstellt und rückte auf Hanau vor. Am 30. Oktober 1813 nahm es an der Schlacht bei Hanau teil und musste neun Gefallene, 131 Verwundete und 28 Vermisste hinnehmen. Am 23. Dezember 1813 erbeutete das Regiment im Fort Kandscron vier Mörser, sieben Kanonen und zwei Haubitzen. Am 10. Januar 1814 kämpfte das Regiment bei St. Dié ausgesprochen erfolgreich, so dass der Oberstkommandant Oberst Friedrich Freiherr von Treuberg mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet wurde. Im Februar 1814 marschierte es in Richtung Paris, ohne dass es in schwere Kämpfe verwickelt wurde. Lediglich in der Schlacht von Arcis-sur-Aube am 20./21. März 1814 fielen ein Offizier und mehrere Mannschaften; einige Soldaten wurden verwundet. Am 2. April 1814 nahm es am Einmarsch in Paris teil. Im Jahre 1815 marschierte das Regiment, kam jedoch nirgendwo zum Einsatz.
Nach dem Tode Graf Ysenburgs am 21. November 1822 hieß das Regiment 9. Linien-Infanterie-Regiment „vacant Graf von Ysenburg“. Am 12. März 1824 wurde Generalmajor Maximilian Herzog in Bayern zum Inhaber des Regiments, das zugleich in 9. Linien-Infanterie-Regiment „Herzog Maximilian“ wurde. Zum 20. Januar 1830 verlor es die Bezeichnung „Herzog Maximilian“ und hieß nur 9. Linien-Infanterie-Regiment. Am 29. April 1831 wurde Feldmarschall Fürst von Wrede Inhaber des Regiments, das am selben Tage in 9. Linien-Infanterie-Regiment „Wrede“ umbenannt wurde, und zwar mit der Anordnung, dass das Regiment auch künftig den Namen „Wrede“ zu führen habe. Ab 28. Oktober 1835 hieß es Infanterie-Regiment „Wrede“. Am 20. April 1848 rückten in Mannheim die 2. und 3. Kompagnie zur Entwaffnung von Rebellen aus. Am 25. April 1848 wurde das III. Bataillon in Würzburg aufgestellt. Einen Tag danach, am 26. April 1848, erhielt das Regiment seine endgültige Bezeichnung 9. Infanterie-Regiment „Wrede“. Ab dem 10. Juli 1848 musste es gegen Unruhestifter und Rebellen des 6. und 14. Infanterie-Regiments sowie gegen die Freischar „Blenker“ vorgehen. Im Mai 1849 kam es zu einer Meuterei der 3. Kompagnie, in deren Zusammenhang insgesamt 300 Mann des Regiments desertierten.
Von 24. Oktober 1850 bis 1. Januar 1851 wurde das I. Bataillon in den Raum Fulda nach Kurhessen beordert, das II. und III. Bataillon nach Hof zum dortigen Grenzschutz. Zum 1. Oktober 1851 wurden drei Füsilierkompanien, am 15. November 1856 die 3. Grenadierkompanie aufgelöst, welche am 24. April 1859 wieder errichtet wurden. Am 20. Mai 1863 wurde Oberst Maximilian Aldoßer das Kommando über das Regiment übertragen.
Krieg gegen Preußen 1866 Das Regiment trat im Deutschen Krieg mit dem I. und II. Feld-Bataillon in Stärke 48 Offiziere, 145 Unteroffiziere, 18 Spielleute, ca. 1500 Mannschaften, sieben Trainsoldaten und zwei Ärzte an. Es wurde der 8. Brigade (Generalmajor von Cella)/4. Division (Generalleutnant Ritter von Hartmann) unterstellt. Zur Feuertaufe des Regiments in den Scharmützeln bei Immelborn am 2./3. Juli 1866 wurde der Oberstkommandant Oberst Aldoßer verwundet. Am 4. Juli musste es bei Roßdorf an Gefallenen drei Offiziere und vierzehn Mann, an Verwundeten drei Offiziere und 98 Mann sowie an Vermissten zehn Mann hinnehmen. In der Schlacht bei Kissingen am 10. Juli erlitt das III. Bataillon einige Verluste (vier Gefallene, zwanzig Verwundete, 65 Mann in Gefangenschaft). Tags darauf kam es bei Oerlenbach zu einem Zusammenstoß mit preußischen Truppen, bei dem zwei Mann verwundet sowie ein Offizier mit 47 Mann gefangen genommen wurde. Am 26. Juli war das Regiment an den letzten Gefechten des Krieges bei Uettingen, Roßbrunn und Hettstadt beteiligt (insgesamt 54 Mann gefallen, verwundet oder gefangen). Mit der Beschießung der Festung Marienberg durch preußische Artillerie am 27. Juli musste zum Ende des Krieges noch ein Offizier des IV. Bataillons sein Leben lassen, drei Mann (IV. Bataillon und V. Reserve-Bataillon) wurden verwundet.
Nach dem Krieg wurde am 17. August 1866 Joseph Maillinger zum Oberstkommandanten ernannt, der am 1. Februar 1870 das Kommando an Baptist von Heeg übergab.
Deutsch-Französischer Krieg 1870/71 Das Regiment trat mit 62 Offizieren, vier Ärzten, drei Quartiermeistern sowie 2160 Unteroffizieren und Mannschaften den Frankreichfeldzug an. Es war der 7. Brigade (Generalmajor von Thiereck)/4. Division (Generalleutnant Graf von Bothmer) unterstellt.
Seine Feuertaufe erhielt das Regiment in der Schlacht bei Weißenburg am 4. August 1870, wo es Verluste an drei Gefallene und zwanzig Mann als Verwundete erlitt.
Es war an der Schlacht bei Wörth am 6. August 1870 beteiligt. Dabei fielen fünf Offiziere, zwei Unteroffiziere und 22 Mann. Acht Offiziere und 223 Mann wurden verwundet, darunter der spätere Generalmajor Maximilian von Parseval, Kommandeur des 2. Bataillons. 46 Mann wurden vermisst.
Bei Marsal hatte das Regiment am 14. August 1870 keine Verluste, vielmehr verrichtete es Aufräumarbeiten. Es nahm 16 französische Offiziere sowie 350 Mann gefangen und erbeutete 60 Geschütze und 3000 Gewehre. Während der Gefechte bei Toul vom 12. bis 28. August 1870 erhielt das Regiment drei Offiziere und 391 Mann Ersatz. Vom 19. September 1870 bis 29. Januar 1871 war es im Belagerungsring um Paris eingesetzt. Während dieser Zeit verlor es an Gefallenen einen Offizier und zehn Mann, an Verwundeten einen Offizier und 32 Mann.
Die Gesamtverluste während des Deutsch-Französischen Kriegs betrugen an Gefallenen und an Verwundungen Verstorbenen: acht Offiziere, vier Unteroffiziere und 32 Mann; an Vermissten: 22 Mann sowie an Krankheiten Verstorbenen: sechs Unteroffiziere und 92 Mann.
Erster Weltkrieg 1914