mini|Der 155-mm-Galopin-Panzerturm Das Fort Douaumont (französisch: Fort de Douaumont – kurzzeitig auch Fort Gérard) war das größte und stärkste Werk des äußeren Fortgürtels des französischen Festen Platzes Verdun in Lothringen und im Ersten Weltkrieg in der Schlacht um Verdun schwer umkämpft. Das Fort war Teil der äußeren Verteidigungslinie der Festung aus dem 19. Jahrhundert, die aus elf Forts und 23 Zwischenwerken (französisch „ouvrages intermédiaires d’infanterie“)Le Hallé: Verdun. Les forts de la Victoire. 1998, S. 182–194. bestand. Seine herausragende Rolle bei der Abwehrschlacht von Verdun hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Bau der Maginot-Linie, mit der man in Frankreich in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg einen Angreifer aus dem Osten aufzuhalten gedachte.
Heute besuchen etwa 200.000 Menschen jährlich das Fort und das in der Nähe gelegene Beinhaus von Douaumont sowie den Soldatenfriedhof von Verdun.
Benennung Für einige Monate war es nach dem Maréchal de France Étienne Maurice Gérard aus Damvillers benannt. Per Präsidialdekret vom 21. Januar 1887 setzte der Kriegsminister Georges Boulanger um, dass alle Forts, befestigte Artillerieanlagen und Kasernen des Système Séré de Rivières die Namen von ehemaligen Militärkommandanten zu tragen haben.Note n° 5285 vom 25. März 1886 des Kriegsministers Boulanger an die Generalkommandanten der Militärregionen; Präsidialdekret vom 21. Januar über die Umbenennung der Forts, befestigte Artillerieanlagen und Kasernen gemäß dem Vorschlag des Kriegsministers M. le général Boulanger. Am 13. Oktober 1887 wurde das vom Nachfolger Boulangers, Théophile Ferron,mit der Note n° 14980 vom gleichen Datum rückgängig gemacht und das Fort erhielt seinen jetzigen Namen zugeteilt.
Das Fort mini|330px|Luftbild des Forts vom Frühjahr 1916, vor dem Beginn der deutschen Offensive. Auf dem Bild ist rechts neben dem Fort die Annex-Batterie Nr. 36auf deutschen Plänen/Karten als Nr. 637 verzeichnet; direkt neben dieser Batterie befand sich ein externer Panzerturm (auf deutschen Karten: P.T.), der 1914 aber noch nicht fertiggestellt war zu sehen. Ebenfalls zu erkennen sind die Fenster und Eingänge des Kasernengebäudes zum Innenhof auf der Kehlseite des Forts sowie die offenen Geschützstände zwischen Hohltraversen (zwischen dem Kasernengebäude und dem Saillant) nach dem ursprünglichen Entwurf von Séré de Rivières. Bei den späteren Umbauten wurden alle Geschütze und Maschinenwaffen in gepanzerte Türme oder betonierte Kasematten verlegt. mini|Plan des Forts. Grundriss sämtlicher 1914 vorhandenen Einbauten. mini|Die überwucherte Oberfläche des Forts 1978. Gut zu erkennen sind Beobachtungskuppeln sowie der gepanzerte 75-mm-Drehturm (hinter den beiden Personen) Das Fort entstand von 1885 bis 1913 in zwei Aus- und Umbauschritten im Gesamtkonzept des Generals Séré de Rivières. Die Kosten beliefen sich auf 6,1 Millionen Gold-Francs und damit etwa doppelt so viel wie die der anderen Forts, deren Kosten größtenteils zwischen 2,4 und 2,9 Millionen Francs lagen.Le Hallé: Verdun. Les forts de la Victoire. 1998, S. 124.
Erster Bauabschnitt 1885 wurde das Fort mit Kalksandsteinmauerwerk erbaut. Das Werk war schon zu dieser Zeit das größte Fort Verduns und gehörte zur zweiten, vorgeschobenen Linie um die Festungsstadt. Nach den ursprünglichen Bauplänen von 1884 sollte die Besatzung des Forts im Belagerungsfall aus 19 Offizieren, 44 Unteroffizieren und 828 Mannschaften bestehen.Le Hallé: Verdun. Les forts de la Victoire. 1998, S. 85. Gemäß der damaligen Bauweise umfasste es eine doppelstöckige halbunterirdische Kaserne, Kasematten, Pulverlager und nicht direkt verbundene Grabenstreichen/Kehlbastionen.
Zweiter Bauabschnitt Die allgemeine Einführung der „Brisanzgranaten“d. h. die Füllung der Granaten mit hochbrisanten Sprengstoffen wie Mélenit oder TNT nur wenige Jahre nach dem Baubeginn machte umfangreiche Verstärkungen und die Wehrkraft steigernde Umbauten erforderlich. Primär wurden alle Teile der Festung mit Beton verstärkt und der Graben ausgebaut. Fünf der Hohltraversen des ursprünglichen Entwurfs wurden zu betonierten Munitionsdepots umgestaltet. Des Weiteren wurden die Grabenstreichen in die äußere Frontgrabenmauer integriert, die Kehlbastion zur Kehlgrabenstreiche umgebaut und der Eingangsbereich angepasst. Ein 155-mm-Geschützturm (auf der rechten Flanke neben dem Hauptgebäude) und ein (Mitte Frontwall) 75-mm-Geschütz-Dreh/Versenkturm System Galopin, jeweils mit Panzerbeobachtungsglocke, sowie zwei Tourelle de mitrailleuses modèle 1899-Dreh/Versenktürme (links und rechts auf den beiden Schulterpunkten) wurden an der linken Kehlseite und der rechten Frontseite eingebaut. Ferner wurde an der linken Kehlseite eine nach Westen weisende Casemate de Bourges errichtet, um den Raum zu den Zwischenwerken Ouvrage de Thiaumont und Ouvrage de Froide Terre bestreichen zu können. Auf der linken Frontseite entstanden Fundamente für einen weiteren Ausbau. Nach dem Mobilmachungsplan von 1914 sollte die vollständige Besatzung des umgebauten Forts im Belagerungsfall aus 7 Offizieren und 477 Unteroffizieren und Mannschaften bestehen.Le Hallé: Verdun. Les forts de la Victoire. 1998, S. 86.
Im letzten Bauabschnitt der Festung schließlich wurden zwischen 1908 und 1914 in der befestigten Zone zwischen den großen Forts zahlreiche betonierte Unterstände und Magazine sowie gedeckte Batterien angelegt, die während der Schlacht von Verdun 1916 den Verteidigern einen großen Rückhalt gaben.Le Hallé: Verdun. Les forts de la Victoire. 1998, S. 120–124.
Projekt 1908 Einbau von zwei 155-C-Türmen zur Bestreichung der toten Winkel. Wurde 1909 aufgegeben.
Stollenbauten Während der deutschen Besetzung (25. Februar bis 24. Oktober 1916) wurde das Fort weitgehend als Schutzraum genutzt. Um die Sicherheit der Untergebrachten zu verbessern, sollte in einer Tiefe von 17 m ein 250 m langer Verbindungsstollen zum Steinbruch 2808 angelegt werden. Das als Südtunnel bezeichnete Grabungsprojekt war bis zum deutschen Abzug nur auf etwa 60 m fertiggestellt. Ein zweites, Nordtunnel genannt, kam über erste Grabungen kaum hinaus. Eindringendes Wasser war hier und besonders an der südlichen Anlage ein sehr großes Problem.
Die Franzosen stellten zunächst den angefangenen Südtunnel fertig und erweiterten ihn auf drei Ausgänge. Mit der Übergabe der Leitung an Capitaine Harispe, der das Anlegen solcher Schutzstollen an den Verduner Befestigungen im Fort Moulainville überhaupt erst begründet hatte, begannen am Douaumont die Arbeiten zu einem ausgedehnten Stollensystem. Am alten Eingang entstand ein 30 m tiefer Schacht, aus dem mit drei Aufzügen der Abraum nach oben gebracht wurde. Drei Gänge zu den Grabenstreichen und dem fertigen Südtunnel entstanden. Ein zweites, in 20 m Tiefe verlaufendes Stollensystem verband die Artillerietürme, den nördlichen MG-Turm und die Pulvermagazine. Die Arbeiten dauerten bis 1918. Letztlich wurden Gänge mit einer Gesamtlänge von 800 m und Schächte von 60 m ausgehoben.
Zwischen 1914 und 1918 mini|Fort Douaumont während der Schlacht von Verdun etwa Ende April/Anfang Mai 1916, rechts unten das zerstörte Dorf Douaumont mini|Innenhof von Fort Douaumont, Januar 1916 mini|Grundriss und Querschnitt. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs verlor das Fort zunächst stark an Bedeutung. Nach der Umwandlung des Gouvernements der Festung Verdun in eine „befestigte Region“ am 5. August 1915 wurden die in den Zwischenbatterien der Festung stehenden Geschütze unter Feldeinheiten verteilt.nach dem Dekret zur Schaffung von „befestigten Regionen“ (Wendt: Verdun 1916. 1931, S. 50). Am 8. Februar 1916 sollte das Fort Douaumont teilweise gesprengt werden, doch ließen Informationen über einen bevorstehenden deutschen Angriff auf Verdun die Franzosen davon absehen. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Besatzung des Forts nur etwa 60 bis 70 Landwehr-Artilleristen (Artillerie territoriale) unter dem Kommando des Adjudanten Cenot, was für die Bedienung der wenigen Geschütze ausreichend war. Nach dem Konzept der „befestigten Region“, in dem das bisher eigenständige Gouvernement der Festung aufgehoben und dem Oberbefehlshaber einer Armee unterstellt wurde, sollte bei einem feindlichen Angriff die dann jeweils nächstgelegene Feldeinheit die weitere Besatzung für das Fort in seinem Bereich stellen. Nach mehreren Verstärkungen im Februar 1916 besaß die „Befestigte Region von Verdun“ (französisch. Région fortifiée de Verdun, RFV) unter General Herr faktisch den Rang einer Armeegruppe, die direkt der französischen „Heeresgruppe Ost“ unterstellt war.Am 21. Februar unterstanden der RFV drei Armeekorps mit insgesamt elf Infanteriedivisionen; im Nordsektor der Festung, der für Fort Douaumont zuständig war, standen drei Divisionen (Le Hallé: Verdun. Les forts de la Victoire. 1998, S. 135f; Wendt: Verdun 1916. 1931, S. 62–65).