mini|Standarte der Legion Condor
Die Legion Condor war ein deutscher Luftwaffen-Verband im Spanischen Bürgerkrieg, der ohne deutsche Uniformen oder Hoheitszeichen eingesetzt wurde. Er kämpfte unter General Francisco Franco auf der Seite der gegen die spanische Republik putschenden Nationalisten. Er wurde 1936 unter strengster Geheimhaltung mit Freiwilligen aufgebaut, griff in mehrere bedeutende Schlachten ein und hatte maßgeblichen Anteil am Sieg der Putschisten. Seine Existenz wurde sowohl von der NS-Regierung des Deutschen Reiches als auch von spanischer Seite bis 1939 geleugnet.
Die Legion Condor errichtete weiterhin, gemeinsam mit italienischen Flugzeugen, die erste Luftbrücke der Welt, als es um die Überführung der zu den Putschisten stehenden Armeeteile aus Marokko nach dem spanischen Festland ging.
Während der Unterstützung der Nationalisten führte die Legion Condor teilweise auch Operationen durch, die nach heutigen völkerrechtlichen und kriegsvölkerrechtlichen Maßstäben als Kriegsverbrechen einzuschätzen und zu werten sind (siehe Text). In der bis heute nachwirkenden öffentlichen Wahrnehmung und in diesem Kontext ist die Legion Condor insbesondere bekannt durch den Luftangriff auf Guernica am 26. April 1937, der zu einem weltweiten Symbol bezüglich eines zügellosen und rücksichtslosen Luftkrieges gegen eine wehrlose Zivilbevölkerung wurde.
Das Archiv der Legion Condor in Berlin überstand den Zweiten Weltkrieg nicht.
Geschichte Anfangsunterstützung für die Putschisten Im Sommer 1936 hatten rechtsgerichtete spanische Offiziere, unter ihnen Generäle wie Emilio Mola, Francisco Franco und José Sanjurjo, einen Staatsstreich inszeniert mit dem Ziel, die amtierende und gewählte spanische Volksfront-Regierung gewaltsam zu stürzen (siehe Endphase der zweiten spanischen Republik).
Zu dieser Zeit befand sich jedoch der Großteil der zu den Putschisten stehenden spanischen Streitkräfte (siehe Legión Española) in Marokko, wo sie stationiert waren. Da die Marine zum größten Teil loyal zur republikanischen Regierung stand, blieb nur der Luftweg, um die Truppen der Putschisten auf das spanische Festland zu bringen. Spanien verfügte zu diesem Zeitpunkt nur über rudimentäre Luftkriegskapazitäten; für eine reguläre Luftstreitmacht hatte kein Bedarf bestanden.
Bevor die aufständischen spanischen Generäle im Sommer 1936 losschlugen, suchten sie um Unterstützung in Berlin nach, erhielten jedoch keine Zusagen. Die Wehrmachtführung und das Auswärtige Amt hielten nichts davon, sich auf ein Abenteuer im Spanischen Bürgerkrieg einzulassen; das Risiko eines Fehlschlags erschien ihnen zu hoch. Das Deutsche Reich hatte im Gegensatz zu Italien keine Interessen am Mittelmeer.
Franco wandte sich über die Auslandsorganisation der NSDAP direkt an Hitler. Das Reichsluftfahrtministerium leitete deren Abgesandte an Hermann Göring weiter, der sich über Admiral Wilhelm Canaris mit den zuständigen italienischen Stellen in Verbindung setzte. Hitler entschied Ende Juli, Franco mit Flugzeugen zu unterstützen, am 6. August trafen 25 Offiziere, 66 Unteroffiziere, Soldaten, Techniker und 16 Maschinen in Spanien ein.Stefanie Schüler-Springorum. Krieg und Fliegen. Die Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2010, S. 88 f. Am 30. Juli entsandte Italien ebenfalls eine aus zwölf Transportflugzeugen vom Typ Savoia-Marchetti SM.81 bestehende Staffel, die tags darauf in Spanisch-Marokko landete. Am 22. August 1936 trafen außerdem die deutschen Dampfer Kamerun und Wigbert mit Kriegsmaterial für die aufständischen Truppen ein.
Aufstellung und Einsatz mini|Beladung eines Bombers des Typs Heinkel He 111E der Legion Condor auf dem spanischen Flugplatz Lleida im Jahr 1939. mini|Offiziersanwärter der Putschisten und ein deutscher Ausbilder
Unterstützung für die Nationalisten kam vor allem aus dem faschistischen Italien (siehe Corpo Truppe Volontarie), aus dem Deutschen Reich sowie in geringerem Umfang aus dem autoritär regierten Portugal, welches seinerzeit unter der Herrschaft von António de Oliveira Salazar stand (siehe Estado Novo). Die gewählte Volksfront-Regierung erhielt vor allem aus der Sowjetunion und in geringerem Umfang aus Mexiko Unterstützung. Hinzu kamen die sogenannten Internationalen Brigaden, die aus idealistischen, oftmals sozialistisch und antifaschistisch geprägten Freiwilligen aus einer Vielzahl von Ländern, so aus Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und Polen bestanden.
Im Oktober 1936 geriet der Vormarsch der Nationalisten ins Stocken und die Republikaner konnten an einigen Frontabschnitten durch die Unterstützung der Internationalen Brigaden Erfolge verzeichnen.
Daraufhin entschloss sich Hitler am 30. Oktober zu einer Unterstützung Francos mit nicht regulären Luftwaffeneinheiten. Sein Kalkül dabei war, Spanien neben Italien als Verbündeten zu gewinnen. Bestärkt wurde er durch die Entsetzung der im Alcázar von Toledo zwei Monate belagerten Guardia Civil durch Francos marokkanische Truppen, die international großes Aufsehen erregte.
Das deutsche Expeditionskorps wurde zwischen Juli und Dezember 1936 aufgestellt. Über die Aktion „Rügen“ wurden ab Dezember die ersten für den Einsatz ausgewählten Einheiten nach Spanien transportiert. Weitere folgten über den Luftweg und über das französische Territorium. Ein „Sonderstab W“ unter Leitung des Luftwaffengenerals Helmut Wilberg suchte die „Freiwilligen“ aus. Als Angehörige der Legion Condor konnten sie mit dem Dienst in Spanien ihre Wehrdienstzeit verringern und erhielten als fliegendes Personal zusätzlich einen Sold zwischen 800 RM (Mannschaften) und 1700 RM (Oberstleutnant), als Bodenpersonal jeweils 200 RM weniger. Dieser Sold ging auf ein Sperrkonto in Berlin.Hubert Brieden, Heidi Dettinger, Marion Hirschfeld: „Ein voller Erfolg der Luftwaffe.“ Die Vernichtung Guernicas und deutsche Traditionspflege. Wunstorf, Pforzheim, Bonn (= Schwarze Reihe zur Regionalgeschichte, Band 7), hrsg. vom Arbeitskreis Regionalgeschichte e. V., Neustadt am Rübenberge: Verlag Region und Geschichte, 1997, ISBN 978-3-930726-03-5 und ISBN 3-930726-03-3 Federführend in Deutschland war das Reichsluftfahrtministerium. Die Flieger reisten in Zivilkleidung und angeblich als Urlauber im Rahmen eines von Kraft durch Freude organisierten Ferienprogramms nach Spanien. Sie erhielten eine bräunlich-olivfarbene Uniform, ohne jeden Hinweis auf ihre Herkunft. Für den Zeitraum des Einsatzes blieben sie gleichwohl Angehörige der Wehrmacht, was sich in der Fortzahlung des Gehaltes, der Anrechnung der in Spanien verbrachten Zeit auf das Beförderungsdienstalter und der Berechnung des Ruhegehaltes manifestierte.Zum weitergezahlten Wehrmachtssold kamen Front- und andere Zulagen sowie automatische Anhebung um eine Besoldungsgruppe, was den Legionsangehörigen einen luxuriösen Lebensstil oder die Möglichkeit zur Bildung größerer Rücklagen bot. Zudem ergaben sich aus dem Einsatz Chancen auf Auszeichnungen bzw. schnellere Beförderung (z. B. durch Vorpatentierung). Dies indiziert, dass die Legionäre nicht, wie in Teilen des Schrifttums angenommen, Zivilisten ohne Kombattantenstatus waren (Stefanie Schüler-Springorum: Krieg und Fliegen. 2010, S. 109).
Eine Flugzeuggruppe wurde am 27. Juli auf dem Luftweg verlegt, die ersten Truppenteile am 31. Juli 1936 auf dem Flugplatz Döberitz verabschiedet. Am 1. August 1936 legte der Woermann-Dampfer Usaramo mit der Reisegesellschaft Union – unter diesem Tarnnamen schifften sich 25 Offiziere und 66 Unteroffiziere ein – im Hamburger Hafen nach Cádiz ab.Birgit Aschmann: Treue Freunde? 1999, S. 26. Am 7. November 1936 lief ein Schiff mit 694 Soldaten nach Sevilla aus, wo es am 16. November ankam. Die Soldaten waren vorher nicht über das Fahrziel informiert worden. Sie waren der Überzeugung, man werde bei Danzig anlanden. In der Winteroperation Rügen wurde ein Luftwaffenkorps, das zirka 4500 Mann umfasste, nach Spanien verlegt. Es bestand aus einer Kampfgruppe mit drei Staffeln Junkers Ju 52, einer Jagdgruppe mit drei Staffeln Heinkel He 51, einer Aufklärungsstaffel mit zwölf Heinkel He 70, vier schweren und zwei leichten Flak-Batterien, einer Luftnachrichtenabteilung und einem Luftpark. Alle schon in Spanien vorhandenen deutschen Truppen, vorwiegend Flieger-, Flak- und Fliegernachrichtenverbände, wurden in das Luftwaffenkorps eingegliedert, das den Namen „Legion Condor“ erhielt. Die Wehrmacht stellte dabei das größte Kontingent. Sie stützte sich in der ersten Phase des Krieges auf den Flugplatz Sevilla-Tablada.
Hitler entschied am 21. Dezember 1936 gegen eine von den spanischen Putschisten gewünschte Entsendung von bis zu drei Divisionen. Der Einsatz hätte die deutsche Aufrüstung beeinträchtigt. Zusätzliche Truppen könnten gern durch Italien gestellt werden. Falls es zu keinem schnellen Sieg der Falangisten kommt, würde der sich hinziehende Spanische Bürgerkrieg die ausländischen Mächte beschäftigen und so von den deutschen Aufrüstungs- und Expansionsplänen ablenken. Falls ein Desaster der Falangisten drohen sollte, könnte man noch immer reagieren.Gerhard L. Weinberg: Hitler's Foreign Policy 1933-1939: The Road to World War II. Enigma Books, 2010, ISBN 978-1-929631-91-9, S. 231 f.
Mit dem Oberkommando über die Legion wurde am 6. November 1936 Generalmajor Hugo Sperrle beauftragt, Chef des Stabes war ab 1. Januar 1937 Oberstleutnant Wolfram von Richthofen. Formell unterstand Sperrle Francos spanischem Oberkommando, konnte aber selbständig über die Einsätze der Legion entscheiden. Mehrfach übte die spanische Seite Kritik an selbstherrlichen Einsätzen und völlig überzogenen Angriffsformen der deutschen Luftkräfte.Stefanie Schüler-Springorum: Krieg und Fliegen. Die Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg. Ferdinand Schöningh Verlag Paderborn 2010, S. 97 ff. Sperrle gab die Zahl der deutschen Soldaten, die im November 1936 in Cádiz eingetroffen waren, mit 6.500 an. Es befanden sich in Spanien nie mehr als 10.000 deutsche Soldaten gleichzeitig; ein großer Teil von ihnen waren Offiziere und Spezialisten.Pierre Broué, Emile Témime: Revolution und Krieg in Spanien. Geschichte des spanischen Bürgerkrieges. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, S. 440. Im Januar 1937 wurde sie durch eine Panzerabteilung mit 100 Panzern vom Typ PzKpfw I unter dem Befehl von Oberstleutnant Wilhelm von Thoma verstärkt, die aber nur zu Ausbildungszwecken eingesetzt wurden. Unter Wilhelm von Thoma erfolgte in Cáceres, dem Hauptquartier Francos, die Schulung der Spanischen Legion auf dem PzKpfw I. Durch regelmäßigen Personalaustausch – die Soldaten dienten in der Regel nicht länger als neun Monate – konnten bis zum Ende des Bürgerkrieges rund 25.000 deutsche Soldaten in Spanien eingesetzt werden.
In den ersten Kriegsmonaten besaß die republikanische Luftwaffe nur einige alte Bréguet-Maschinen. André Malraux rief mit der Staffel España ein erstes internationales Luftgeschwader ins Leben. Es verfügte über etwa zwanzig Bomber und vierzig Jagdflugzeuge. Fast alles waren einst ausrangierte Maschinen. Die Luftflotte, die den republikanischen Streitkräften dann im Frühjahr 1937 zur Verfügung stand, war zu großen Teilen aus der Sowjetunion gekommen. Von 460 Flugzeugen waren nun 420 sowjetischer Herkunft, darunter 200 Jagdflugzeuge, 150 Bombenflugzeuge und 70 Aufklärungsflugzeuge.