mini|299x299px|Luftaufnahme aus Norden Hilpoltstein () ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern und ist Teil der Europäischen Metropolregion Nürnberg.
Geographie
Lage Hilpoltstein liegt rund 30 Kilometer südlich des Zentrums der Stadt Nürnberg und ca. 50 km nördlich von Ingolstadt am Fluss Roth in der mittelfränkischen Keuperbucht (vgl. Keuper) am östlichen Rand des Fränkischen Seenlandes. Am nordöstliche Rand des städtischen Bebauung verläuft der Main-Donau-Kanal.Hilpoltstein im BayernAtlas
Gemeindegliederung
Es gibt 49 Gemeindeteile (in Klammern der Siedlungstyp):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet 18 Gemarkungen: Hagenbuch, Heuberg, Hilpoltstein, Hofstetten, Jahrsdorf, Karm, Lampersdorf (Gemarkungsteil 1), Lay, Meckenhausen, Mindorf, Mörlach, Patersholz, Pierheim, Sindersdorf, Solar, Tiefenbach (Gemarkungsteil 0), Unterrödel und Weinsfeld. Die Gemarkung Hilpoltstein hat eine Fläche von 8,415 km². Sie ist in 4551 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Aumühle, Knabenmühle, Lösmühle, Seitzenmühle, Stephansmühle und Weiherhaus.
Nachbargemeinden Angrenzende Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn von Norden beginnend die Marktgemeinde Allersberg, die Städte Freystadt (im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) und Greding, der Markt Thalmässing sowie die Städte Heideck und Roth.
Geschichte mini|Ruine Burg Hilpoltstein
Hochmittelalterliche Entwicklung und Stadtgründung Die Anfänge der Burg Hilpoltstein und der zu Füßen der Burg entstandenen Stadt reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Bemerkenswert ist, dass sowohl Burg als auch die Stadt auf Besitzungen des Hochstifts Eichstätt errichtet wurden, die den Herren von Stein als Lehen überlassen wurden. Die frühe Geschichte von Burg und Siedlung Hilpoltstein lässt sich aufgrund der spärlichen Schriftquellen nur teilweise rekonstruieren. Archäologische Untersuchungen weisen auf eine Befestigung des Burgbergs bereits im Frühmittelalter hin; die Anfänge der späteren Burganlage reichen nach den Grabungsbefunden mindestens in das 10./11. Jahrhundert zurück. Der noch heute erkennbare mittelalterliche Stadtgrundriss wird von der archäologischen Forschung als planmäßige Anlage der älteren Stauferzeit angesehen.
Eine sichere Verbindung der im 12. Jahrhundert mehrfach urkundlich genannten Personen mit dem Herkunftsnamen „von Stein“ mit Hilpoltstein ist dagegen nicht möglich. Nach Kai Thomas Platz lassen sich erst ab 1254 Angehörige des Geschlechts zweifelsfrei der Burg und Siedlung Hilpoltstein zuordnen. Auch die Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstituts bewertet die älteren Nennungen der Herren von Stein als nicht sicher auf Hilpoltstein beziehbar.
Als erster sicher mit Hilpoltstein verbundener Vertreter erscheint 1254 Heinrich von Stein. Er gehörte als Reichsministeriale zur Führungsschicht des staufischen Reichsgutbezirks Nürnberg und bekleidete das Amt des Reichsbutiglers. In seinem 1279 ausgestellten Testament wird die Burg mit der Ortsangabe apud Lapidem in castro („auf der Burg zu Stein“) erstmals zweifelsfrei schriftlich fassbar. Zwar gibt es keine Zeugnisse über eine vorgotische Kirche in Hilpoltstein, jedoch wird in einer Urkunde des Jahres 1279 erstmals ein Pfarrer „plebanus Heinricus“ genannt.
Die Siedlung selbst ist 1280 erstmals urkundlich sicher nachweisbar. Für die Entwicklung der Burgsiedlung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts spielten Heinrich von Stein und sein Sohn Hilpolt I. eine maßgebliche Rolle. Eine förmliche Erhebung zur Stadt ist für diese Zeit jedoch nicht überliefert. Die Bezeichnung oppidum in Lapide ist als „Stadt am Stein“ beziehungsweise „Stadt zu Stein“ zu verstehen; Lapide bezeichnet dabei den damaligen Orts- und Burgnamen Stein. Zu dieser Zeit wurde auch eine Stadtmauer errichtet, die in das Befestigungssystem der Burg einbezogen wurde. Erstmals als Stadt urkundlich beglaubigt wurde Hilpoltstein im Jahre 1354. Eine Bestätigung bereits bestehender städtischer Rechte erfolgte erst 1392.
Der Personenname Hilpolt entwickelte sich innerhalb des Geschlechts zum Leitnamen und wurde schließlich Bestandteil des Ortsnamens. Nach dem Tod Hilpolts IV. erlosch die Hilpoltsteiner Linie der Herren von Stein 1385. Burg und Herrschaft gelangten anschließend an die Wittelsbacher.
Hilpoltstein wird wittelsbachisch mini|Wittelsbacher Wappenstein bei Seligenporten|189x189px Nachdem das Geschlecht der „Hilpoltsteiner“ mit dem Tode Hilpolts IV. von Stein am 20. Juli 1385 am Mannesstamme erloschen war, gingen Burg und Stadt Hilpoltstein auf dem Erbwege zunächst an dessen Neffen (mütterlicherseits) Schweiger d. J. von Gundelfingen, der die Burg und die Stadt samt allen „Zugehörungen“ zwei Jahre darauf an die Wittelsbacher Herzöge Stephan, Johann und Friedrich für 16.000 Gulden verkaufte. Bei der im Jahre 1392 vorgenommenen Teilung des Herzogtums Bayern kam Hilpoltstein zur wittelsbachischen Linie Bayern-Ingolstadt des Herzogs Stephan III.
Ebenfalls 1392 bestätigte Herzog Stephan die Hilpoltsteiner Stadtrechte und verlieh der Stadt Hilpoltstein und ihren Bürgern neben anderen Freiheiten vor allem das Recht, von einem eigenen Stadtgericht gerichtet zu werden. Ausdrücklich vermerkt ist, dass von der Bayern-Herzögen nur mit Zustimmung des Rats der Bürger ein Richter eingesetzt werden dürfe.
Mit dem Tode Herzog Ludwigs VII. im Mai 1447 erlosch der wittelsbachische Familienstamm Bayern-Ingolstadt. Herzog Heinrich XVI. von Bayern-Landshut übernahm daraufhin nahezu das gesamte Territorium des bisherigen Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt und damit auch Burg und Stadt Hilpoltstein. Sein Sohn Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut baute 1473 in Hilpoltstein die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer und den „Traidkasten“ an der Burg, der heute als Haus des Gastes genutzt wird.
Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg im Jahr 1505 wurde Hilpoltstein dem neu entstandenen Fürstentum Pfalz-Neuburg zugeschlagen und 1512 in den Baierischen Kreis eingefügt.
Der zweite Markgrafenkrieg mini|Albrecht Alcibiades|189x189px
Aufgrund nachhaltiger Geldnot, die durch die anhaltenden Auseinandersetzungen mit seinen Vettern entstand, verpfändete Pfalzgraf Ottheinrich Hilpoltstein zusammen mit Heideck und Allersberg im Jahre 1542 an die Freie Reichsstadt Nürnberg. Mit Dekret vom 22. Juni 1542 führte die neue Grundherrin in Hilpoltstein die protestantische Glaubensrichtung ein.
In der Fehde zwischen Markgraf Albrecht Alcibiades und der Stadt Nürnberg war auch Hilpoltstein betroffen, da es zu jener Zeit – wie vorstehend beschrieben – unter der Pfandschaft Nürnbergs stand. Bereits in den Jahren 1552/1553 musste Hilpoltstein zusammen mit Allersberg und Heideck zehntausend Gulden Brandschatzung an den Markgrafen Albrecht zahlen. Im Jahr 1554 wurde Hilpoltstein dann vom Albrecht Alcibiades eingenommen und um neuntausend Gulden gebrandschatzt.
Residenzstadt Hilpoltstein mini|Ehemalige pfalzgräfliche Residenz Johann Friedrichs von 1618–1644 (ehemals Amtsgericht) und Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer (von 1473) Herzog Philipp Ludwig löste die Ämter Hilpoltstein und Allersberg im Jahre 1578 und Heideck im Jahre 1585 wieder aus der Nürnberger Pfandschaft und überließ sie zusammen mit Sulzbach seinem Bruder, Pfalzgraf Ottheinrich II. Dieser gab Burg und Herrschaft von Hilpoltstein seiner Gemahlin Maria Dorothea von Württemberg als Witwensitz. Nach Tode Ottheinrichs und dem Umbau der Burg traf die verwitwete „erlauchte Pfalzgräfin“ im Jahr 1606 in Hilpoltstein ein; dies ist noch heute der Anlass für das weithin bekannte alljährliche Hilpoltsteiner Burgfest.
Im Jahr 1615 setzte Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg seinen Bruder Johann Friedrich in das Deputat Hilpoltstein ein, womit die Stadt zur Nebenresidenz des Hauses Pfalz-Neuburg wurde. Nach dem Übertritt Herzog Wolfgang Wilhelms zur „alten Kirche“ wurde im Jahre 1627 in Hilpoltstein die Gegenreformation durchgeführt, obwohl Johann Friedrich von Pfalz-Neuburg und seine Gemahlin weiterhin dem Protestantismus anhingen.
Nach dem Tode der Pfalzgrafenwitwe Maria Dorothea von Württemberg im Jahre 1639 wurde die Burg dem Verfall preisgegeben.
Da alle 8 Kinder des Johann Friedrich, die aus der Ehe mit Sophie Agnes von Hessen-Darmstadt hervorgingen, noch als Kleinkinder verstarben, fiel das Deputat Hilpoltstein mit dem Tode Johann Friedrichs am 19. Oktober 1644 zurück an das Herzogtum Pfalz-Neuburg. Hilpoltstein verlor damit seine Funktion als Residenzstadt obwohl die Witwe des verstorbenen Johann Friedrich noch bis zu ihrem Tode im Jahre 1664 das Pfalzgrafenschloss in Hilpoltstein bewohnte. Mit dem Tode der Sophie Agnes von Hessen-Darmstadt am 8. September 1664 erlosch in Hilpoltstein auch die protestantische Glaubensrichtung.
Dreißigjähriger Krieg Zwar blieben die Pfalzgrafen von Neuburg im Dreißigjährigen Krieg neutral, sie konnten aber ihre Territorien letztlich nicht vor Schaden bewahren. So erlitt Hilpoltstein im Jahre 1632 eine kaiserliche Brandschatzung. Durch Krankheiten, vor allem durch die Pest, wurde auch in Hilpoltstein die Bevölkerung stark dezimiert.
Hilpoltstein in der Neuzeit Mit dem Tode Karls III. Phillip am 31. Dezember 1742 erlosch die wittelsbachische Linie Pfalz-Neuburg am Mannesstamme. Die Nachfolge trat der Gemahl dessen Enkelin Elisabeth Auguste, Pfalzgraf Karl Theodor aus der Wittelsbacher Linie Pfalz-Sulzbach an. Er war damit auch der neue Grundherr Hilpoltsteins. Karl Theodor beerbte auch den am 30. Dezember 1777 verstorbenen Maximilian III. Joseph, Kurfürst von Bayern, so dass unter der Linie Pfalz-Sulzbach die großen wittelsbachischen Länder mit Kurpfalz-Bayern wiedervereinigt wurden.
Im Zuge einer ersten Verwaltungsreform wurden im Jahre 1803 die bisherigen Pflegämter Allersberg, Heideck und Hilpoltstein zum Landgericht Hilpoltstein zusammengefasst. Nach Proklamation des Königreichs Bayern am 1. Januar 1806 entstand mit den königlichen Gemeindeedikten der Jahre 1808 und 1818 die Munizipalgemeinde Hilpoltstein, die zunächst dem Altmühlkreis und ab dem Jahre 1817 dem Rezatkreis angehörte. Mit der Verwaltungsreform des Jahres 1837 wurde Hilpoltstein aus dem Rezatkreis herausgelöst und der Oberpfalz zugeordnet.
Mit Verordnung vom 24. Februar 1862 wurden Justiz und Verwaltung getrennt. Dies hatte zur Folge, dass das Landgericht Hilpoltstein in einer neuerlichen Anpassung der Verwaltungsorganisation nunmehr dem Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz angegliedert wurde. In den Jahren 1879/1880 wurde das Bezirksamt Hilpoltstein mit den Amtsgerichtsbezirken Hilpoltstein und Greding gebildet. Im Zuge einer Grenzbegradigung wurde das neue Bezirksamt im Jahre 1880 dem Bezirk Mittelfranken zugeordnet. Der aus diesem Bezirksamt entstandene Landkreis Hilpoltstein bestand von 1939 bis 1972.
Mit der Gemeindegebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die beiden Landkreise Hilpoltstein und Schwabach zum Landkreis Roth zusammengelegt und die Stadt Roth als Sitz der Kreisverwaltung bestimmt. Die Stadt Hilpoltstein wurde in den Jahren 1972 bis 1978 mit der Eingemeindung von 47 Dörfern, Weiler und Einzelsiedlungen zur Großgemeinde. +Historische Einwohnerzahlen Hilpoltsteins nach dem jeweiligen GebietsstandHauptortGemeindeAmtsgerichtsbezirkAltlandkreisBerichtsjahrEinwohnerBerichtsjahrEinwohnerBerichtsjahrEinwohnerBerichtsjahrEinwohner18081104180594711820119018711446187115111871131411888155118881363219251575192516201925137281925242741950302719503092195033620197047051970900219874973
Eingemeindungen Folgende Orte wurden im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Stadt Hilpoltstein eingegliedert: Gemeinde Solar am 1. Januar 1971 Gemeinden Heuberg, Hofstetten, Jahrsdorf, Mindorf, Mörlach, Patersholz, Unterrödel und Zell sowie Teile der Gemeinden Lampersdorf und Tiefenbach am 1. Januar 1972 Teile der Gemeinde Pierheim am 1. Juli 1972 Gemeinde Meckenhausen am 1. Juli 1976 Mit der Eingliederung von Lay wurden am 1. Mai 1978 die Eingemeindungen abgeschlossen.
Hilpoltstein heute