Mittelwihr () ist eine französische Gemeinde im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est mit Einwohnern (Stand ). Sie gehört zum Arrondissement Colmar-Ribeauvillé sowie zum Kanton Sainte-Marie-aux-Mines und ist Mitglied des Gemeindeverbandes Pays de Ribeauvillé.

Geografie Der Ort liegt auf 220 m Höhe in der westlichen Oberrheinebene am Sembach, etwa acht Kilometer nördlich von Colmar am Fuß der Vogesen. Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.

Geologie Das Dorf liegt auf einem leicht ansteigenden Hang über der Schotterebene des Rheins. Den Untergrund des Hangs bilden Schichten, die erst bei der Bildung des Rheingrabens in der Tertiärzeit (im Ologözän) in diesem abgelagert wurden. Westlich schließt ein Bruchschollenfeld von Jurakalken der Vogesenvorbergzone an. Bei diesen handelt es sich um am Grabenrand abgesunkene Bruchstücke, des Deckgebirges, das einst auch Vogesen und Schwarzwald bedeckte.

Geschichte Auf der Gemarkung wurden die Reste einer römischen Villa entdeckt. Ein hier aufgefundener Altarstein von 204 n. Chr. befindet sich im Museum in Colmar.

Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Mitenwilre gibt es aus dem Jahr 974. Mittelweier gehörte im Mittelalter zur Herrschaft Horburg-Reichenweier. 1324 ging der Ort durch Kauf an das Haus Württemberg. 1539 führte dieses die Reformation ein. Durch die Reunionspolitik Ludwig XIV. geriet Mittelwihr mit der ganzen Herrschaft Horburg-Reichenweier 1680 unter französische Oberhoheit. Die Württemberger verzichteten aber erst in der Revolution (1793) endgültig auf ihre Ansprüche.

Von 1871 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Mittelweier als Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich (Kreis Rappoltsweiler, Bezirk Oberelsaß). Im Zweiten Weltkrieg erlebte die Bevölkerung nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 die deutsche Besatzung. Am 16. Dezember 1944 befreite amerikanische Infanterie den Ort nach heftigem Häuserkampf erstmals von der Nazi-Herrschaft. Aber erst am 24./25. Dezember wurden die Deutschen endgültig aus dem Ort gedrängt. Trommelfeuer und Phosphorbomben zerstörten das Dorf weitgehend. Die Kampfhandlungen geschahen im Zuge der alliierten Endoffensive gegen den von den Deutschen noch immer erbittert verteidigten Brückenkopf Elsass (poche de Colmar).

Bauwerke Der Wiederaufbau erfolgte im sachlichen Stil der Nachkriegszeit unter Anlehnung an die regionale Bautradition.

Die alte Sankt-Brigitten-Kirche war nach der Einführung der Reformation durch die Württemberger protestantische beziehungsweise Simultankirche. Von ihr und den späteren Bauveränderungen war nach der Zerstörung am 17. Dezember 1944 außer Mauerresten und den Untergeschossen des Turms nichts mehr vorhanden. Der Taufstein und eine Grabplatte von 1432 befinden sich im Unterlindenmuseum in Colmar. Die jetzige Kirche entstand 1955 nach Plänen von Charles-Gustave Stoskopf. Das Buckelquader-Mauerwerk des Turms nimmt Bezug auf die stauferzeitlichen Burgtürme des Elsass.

Im Rebhang über dem Dorf befindet sich das ehemalige Hofgut der Zisterzienser (Cour domaniale) von Pairis. Es ist das einzige Bauwerk von Mittelwihr, das im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. In der Revolutionszeit als Nationalgut verkauft. Im Ersten Weltkrieg russisches Gefangenenlager.

+ Bevölkerungsentwicklung Jahr 1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2017 Einwohner 690 672 688 658 622 732 823 780 832

Wirtschaft und Infrastruktur Ursprünglicher Wirtschaftszweig war der Weinbau, die Fürstabtei Murbach sowie die Klöster Saint Hippolyte-Lièpvre und Ebersmunster hatten hier Weinberge. Auch heute spielt der Weinbau eine entscheidende wirtschaftliche Rolle. Der Weinort liegt an der Elsässer Weinstraße. Die Einzellage Mandelberg gehört zu den Alsace-Grand-Cru-Lagen.

Persönlichkeiten Friedrich Paul Greiner (1871–1927), Landtagsabgeordneter des Reichslandes Elsaß-Lothringen und Präsident des elsässischen Weinbauernverbande

Varia Auf dem Mandelbaumhügel (la Colline des amandiers) nordöstlich des Dorfes pflanzten die Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg als Zeichen der Zuversicht Mandelbäume. Jährlich findet noch immer ein Mandelbaumfest statt. Siehe auch Liste der Monuments historiques in Mittelwihr

Literatur Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 686.

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Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Grand Est Kategorie:Weinbauort in Frankreich