mini|Dekoration der Lokomotive für einen Hofzug – National Railway Museum in York The Royal Train (Der königliche Zug) ist der Hofzug, der dem britischen Monarchen, der königlichen Familie und dem Hof zur Verfügung steht. Gewöhnlich wird damit der Zug bezeichnet, der in England und Schottland eingesetzt wird. Bei Besuchen in Übersee wurden dort ebenfalls „Royal Trains“ gebildet und eingesetzt.

Geschichte mini|Hofzug der GNSR für König Edward VII., 1903 mini|Lokomotive Nr. 26 der Lancashire, Derbyshire and East Coast Railway für einen Sonderzug König Edwards VII.

Frühe Nutzung der Bahn Königin Victoria reiste als erste der britischen Monarchen mit einem Zug: Am 13. Juni 1842 fuhr sie in einem Sonderzug der Great Western Railway (GWR), welche die Linie zwischen Maidenhead und London betrieb, von Slough, dem zu Schloss Windsor damals nächstgelegenen Bahnhof, zum Londoner Bahnhof Bishop’s Road, dem Vorgänger des heutigen Bahnhofs London Paddington. Zuvor hatten bereits andere Mitglieder der königlichen Familie die Eisenbahn benutzt, so ihr damaliger Verlobter, Prinz Albert, seit 1839Kingston, S. 6. und die Königin Adelaide (1792–1849), die Witwe von König Wilhelm IV. (1765–1837). Ihr Salonwagen ist der älteste weltweit überhaupt erhaltene und im National Railway Museum in York ausgestellt.

Königin Victoria war nicht die erste Monarchin, die die Eisenbahn in Großbritannien nutzte: Einige Monate vor ihr fuhr bereits König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, auf Staatsbesuch in Großbritannien, in England mit der Eisenbahn.

Sicherheit mini|Der Royal Train bei Ankunft in Tattenham Corner zum Epsom Derby 1959. Vorne an der Lokomotive der Schools Class ist das Spitzensignal für den Royal Train zu erkennen; der Bahnhofsvorsteher markiert dem Lokführer die genaue Stelle, an der die Führerkabine zum Stehen kommen muss, damit sich die Tür, aus der die Königin aussteigt, in Höhe des roten Teppichs befindet.

In den 1840er-Jahren wurde die Sicherheit auf der Strecke noch über „Fahren im Zeitabstand“ sichergestellt. Das bedeutete, dass nach der Abfahrt eines Zuges auf die Strecke diesem nach einer festgelegten Zeit der nächste folgen durfte. Blieb ein Zug liegen, so musste dem folgenden Zug jemand entgegengeschickt werden, um ihm zu signalisieren, dass die Strecke noch besetzt war. Um die Sicherheit eines Zuges, in dem die Königin reiste, auf jeden Fall sicherzustellen, fuhr ein solcher Zug nach hohen Sicherheitsstandards und nur mit begrenzter Geschwindigkeit. Die Königin hatte zeit ihres Lebens große Angst vor hohen Geschwindigkeiten. So durfte ihr Zug tagsüber nicht schneller als 40 mph (65 km/h), nachts nicht schneller als 30 mph (50 km/h) fahren.Kingston, S. 10. Die Fahrstraße wurde im Voraus blockiert, die Weichen verschlossen. Anschließend fuhr, 10 bis 15 Minuten vor dem Zug der Königin, eine Pilot-LokomotiveKingston, S. 11. oder in späteren Zeiten ein Vorzug. Sobald die Pilot-Lokomotive oder der Vorzug den Fahrweg befahren hatten, durfte – bis der Hofzug ebenfalls vorbeigefahren war – keine Veränderung am Fahrweg mehr vorgenommen werden. In späteren Zeiten konnte diese Pilot-Funktion dann auch durch den letzten, dem Hofzug vorausfahrenden fahrplanmäßigen Zug übernommen werden. Aufgegeben wurde das Verfahren erst in den Anfangsjahren von British Rail, also um 1950. Weiter standen Polizisten im Sichtabstand entlang der Bahnstrecke. Ein Hofzug wird zudem mit vier weißen Scheiben (drei nebeneinander über den Puffern, eine über der Rauchkammertür oder an entsprechender Stelle, wenn eine andere als eine Dampflokomotive vorgespannt ist) gekennzeichnet.Kingston, S. 12; Abb.: S. 15. Nachts geschieht dies durch entsprechende weiße Lampen. Ein solcher Zug hat grundsätzlich Vorfahrt und wird in seinem Fahrtverlauf besonders überwacht.

Protokoll Die Fahrten der britischen Monarchen mit der Bahn waren von einem erheblichen protokollarischen Aufwand umgeben, der aber im Laufe des 20. Jahrhunderts stark reduziert wurde. Geblieben ist der obligatorische Rote Teppich auf den Bahnsteigen des Abfahrts- und Ankunftsbahnhofs. So war es auch beim Staatsbesuch von König Charles III. und Queen Consort Camilla in Deutschland im Frühjahr 2023. Hier reiste das royale Paar mit einem planmäßigen ICE von Berlin Hauptbahnhof nach Hamburg-Dammtor.23 Fakten über seine Reise mit der Bahn und den „Royal Train“. In: DB Mobil 28. März 2023, abgerufen am 3. April 2023. In den Zeiten von Königin Victoria konnte es sogar vorkommen, dass die oberste Lage der Kohlen auf dem Schlepptender der Lokomotive, die den Hofzug zog, weiß gestrichen wurde.Kingston, S. 13.

Ende 2025 wurde bekanntgegeben, dass der Hofzug 2027 aufgegeben werden soll, wenn der bisherige Vertrag über seinen Unterhalt ausläuft. Stattdessen sollen zwei Hubschrauber genutzt werden.Rhiannon Mills: Royal train to be decommissioned with family to rely on two new helicopters – as annual accounts revealed. In: Sky News vom 30. Juni 2025; abgerufen am 8. August 2025.

Fahrzeuge mini|Lokomotive Prince William, früher vor dem Hofzug eingesetzt, bei einem Museumsfest des National Railway Museum in York am 1. Juni 2004 mini|Lokomotive Nr. 67006 „Royal Sovereign“ im Depot in Crewe am 8. Juni 2019, eine der beiden derzeitigen Lokomotiven für den Hofzug

Lokomotiven Obgleich die Bahngesellschaften häufig spezielle Lokomotiven für den Hofzug reserviert hatten, die auch mit besonders hohem Aufwand gewartet oder in speziellen Farben gestaltet wurden, gab es keine Lokomotive, die ausschließlich für den Hofzug vorgehalten wurde. Dies geschah erstmals 1990, als zwei Lokomotiven der Baureihe 47 hierfür in Dienst gestellt wurden.Nr. 47834, Fire Fly, und Nr. 47835, Windsor Castle, zunächst wie InterCity-Lokomotiven lackiert. Sie wurden später in königlichem weinrot neu lackiert, umnummeriert und umbenannt, in: Nr. 47798 Prince William und Nr. 47799 Prince Henry. Während der neunziger Jahre waren diese ausschließlich vor dem Hofzug eingesetzt. Heute gehören sie zum Bestand des National Railway Museum in York.

2004 wurden sie durch zwei Lokomotiven der Baureihe 67, im Eigentum der DB Cargo UK, ersetzt (Nr. 67005, Queen’s Messenger, und Nr. 67006, Royal Sovereign). Die neuen Lokomotiven werden auch im Güterverkehr eingesetzt. Gelegentlich wird der königliche Zug auch von anderen Maschinen gezogen, so im März 2005, als Prinz Charles über die Settle–Carlisle Line fuhr und sein Zug von der Dampflokomotive Duchess of Sutherland gezogen wurde.

Wagen Recht bald, nachdem Königin Victoria sich an das Eisenbahnfahren gewöhnt hatte, beschafften alle größeren Eisenbahngesellschaften der Insel eigene Wagen für den Gebrauch der Königin, ihrer Familie oder anderer Würdenträger. Während der Regierungszeit von Königin Victoria (1837–1901) wurden von den Bahngesellschaften nicht weniger als 22 Salonwagen gebaut, die ausschließlich für ihre persönliche Nutzung reserviert waren.Kingston, S. 119.

Die Wagen und Züge, die britische Königinnen und Könige auf der Insel nutzten, haben nie ihnen selbst, sondern immer den jeweiligen Bahngesellschaften gehört. Für die Nutzung eines solchen Zuges ist seitens des Hofes für jeden Mitreisenden jeweils der Fahrpreis für die 1. Klasse zu entrichten sowie eine Pauschale für das Fahren eines Sonderzuges. 1897, zum Diamantenen Thronjubiläum der Königin nahm die Great Western Railway einen kompletten neuen Hofzug in Betrieb.Kingston, S. 78.

Ein kurioser Fall war der Salonwagen der Swansea and Mumbles Railway. Dort waren versuchsweise Akkumulatortriebwagen eingeführt worden, die sich jedoch nicht bewährten. Einer der Wagen wurde, nachdem die elektrische Ausrüstung entfernt worden war, zu einem Salonwagen umgebaut und am 20. Juli 1904 von König Edward VII. und Königin Alexandra genutzt. Sie waren zum ersten Spatenstich für das King’s Dock mit der königlichen Yacht Victoria and Albert nach Swansea angereist. Für ihre Fahrt von der Anlegestelle der Yacht zur Baustelle nutzten sie den Salonwagen, den eine Rangierlokomotive zog.NN: A Royal Train. In: The Locomotive Magazine. Nr. 144 vom 15. August 1904, S. 133.

Zu Beginn der Regierungszeit von König Georg V. (1910) gab es in Großbritannien fünf Hofzüge, die von folgenden Eisenbahngesellschaften betrieben wurdenKingston, S. 58.: London and North Western Railway Great Western Railway South Eastern and Chatham Railway London, Brighton and South Coast Railway Great Northern Railway und North Eastern Railway gemeinsam.

Infolge des Ersten Weltkriegs wurden mit dem Railways Act 1921 die Privatbahnen der Insel zum 1. Januar 1923 zu vier großen Gesellschaften verschmolzen. Damit reduzierte sich auch die Zahl der vorgehaltenen Hofzüge entsprechend.Kingston, S. 71f. 1935 war die Zahl auf zwei Hofzüge zurückgegangen: Ein Zug der London, Midland and Scottish Railway für Fahrten, die auch Übernachtungen einschlossen, sowie ein Zug, der von der London and North Western Railway vorgehalten und für Tagesfahrten eingesetzt wurde.

Historische Fahrzeuge Die folgende Aufstellung listet Salonwagen, die in Royal Trains eingesetzt wurden, chronologisch bis 1977. Wird ein Baujahr gesondert angegeben, handelt es sich um einen Umbau.Kingston, S. 118–146: Katalog der Salonwagen im viktorianischen Zeitalter. S. 147–177: Katalog der Salonwagen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Legende: aktueller Bestand Außer Dienst gestellt erhalten für öffentl. Verkehr Dienstwagen verschrottet