Die Leningrad-Nowgoroder Operation () war eine Winterschlacht zwischen Verbänden der Roten Armee und der Wehrmacht an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges, die vom 14. Januar bis zum 1. März 1944 andauerte und schließlich die Leningrader Blockade durchbrach. Sie bestand aus vier Unteroperationen: Krasnoseljsk-Ropschaer, Nowgorod-Lugaer, Kingissepp-Gdower und die Staraja Russa-Noworschewer Operation. Sie war der erste der sogenannten zehn stalinschen Schläge.

Vorgeschichte mini|links|Sowjetische MG-Schützen in der Nähe der Eisenbahnstation Detskoje Selo in Puschkin Nach dem Ende des deutschen Vormarsches und der Blockade Leningrads seit Ende 1941 konnten die sowjetischen Truppen in der Schlacht am Wolchow Anfang 1942 und in der Ersten Ladoga-Schlacht im Sommer des gleichen Jahres die Belagerung nicht beenden.

Erst in der Zweiten Ladoga-Schlacht Anfang 1943 konnten die sowjetischen Truppen einen schmalen Korridor südlich des Ladogasees öffnen, der aber weiterhin in der Reichweite deutscher Artillerie lag. Im Rahmen der Operation Polarstern (10. Februar bis 1. April 1943) und in der Dritten Ladoga-Schlacht im Sommer 1943 versuchte die Rote Armee erfolglos, die Blockade endgültig zu sprengen.

Angriffsplanungen Anfang September 1943 begannen die Leningrader und die Wolchowfront mit der Ausarbeitung neuer Pläne für eine große gemeinsame Offensive, die bei Treffen im Hauptquartier der Stawka am 9. und 14. September vorgestellt wurden. In der ersten Phase war geplant, zwei Operationen gegen beide Flanken der deutschen 18. Armee (Generaloberst Georg Lindemann) anzusetzen und nach dem Durchbruch den deutschen Rückzug auf neue Verteidigungslinien zu verhindern und die Masse der gegnerischen Truppen abzuschneiden. Nach Ansicht des Kriegsrates der Leningrader Front sollte der Hauptschlag von der 42. Armee aus der Region Pulkowo und ein Gegenschlag durch eine noch zu bildende Küstengruppe aus dem Oranienbaumer Brückenkopf in Richtung auf Krasnoje Selo erfolgen. Später, nachdem die 67. Armee ebenfalls in den Angriff übergegangen war, sollte Krasnogwardeisk befreit und die Offensive in Richtung Luga und Kingisepp fortgesetzt werden. Der Militärrat der Wolchow-Front plante, deren Hauptschlag beidseitig Nowgorod anzusetzen und dann in Richtung Luga durchzubrechen, wo geplant war, sich mit den Truppen der Leningrader Front zu verbinden und so die Hauptkräfte der deutschen 18. Armee einzukreisen. Für die zweite Phase war geplant, die Offensive weiter gegen Pskow und Ostrow zu entwickeln.

Die deutsche Heeresgruppe Nord war bereits durch Abgaben an kritischere Frontabschnitte der Ostfront erheblich in ihrer Abwehrkraft geschwächt, sie verfügte über keine einzige Panzerdivision, zuletzt war auch die spanische "Blaue Division" abberufen worden. Der sogenannte Nordwall bot den deutschen Truppen trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit aber noch eine gute Verteidigungsposition. Dieser Wall befand sich zwischen dem Finnischen Meerbusen und dem Ilmensee und war etwa 230 bis 260 km tief. Fast alle wichtige Ortschaften und Knotenpunkte wurden für eine Rundumverteidigung vorbereitet.

Beteiligte Verbände Die deutsche Heeresgruppe Nord unter Feldmarschall Georg von Küchler (später Generaloberst Walter Model) bestand mit der 16. und 18. Armee aus etwa 741.000 Soldaten, 385 Panzern sowie 10.000 Geschützen und Mörsern. Im Bereich von der Mündung der Luga bis Peterhof und gegenüber dem Brückenkopf von Oranienbaum hielt das III. SS- (german.) Panzerkorps mit der SS-Pz.Gren.Div. Nordland, der SS-Polizei-Div. und der 9. und 10. Luftwaffen-Felddivision. Südlich von Leningrad befand sich das L. Armeekorps - 126., 170. und 215. Infanteriedivision. An der Newa bis in den Raum südlich von Schlüsselburg lagen die Stellungen des LIV. Armeekorps - mit der 11., 24. und 225. Infanteriedivision. Die Basis der deutschen 18. Armee bildete das XXVI. Armeekorps - 61., 227., 254. und 212. Infanteriedivision. Der wichtigste Abschnitt wurde hier von den Regimentern des Oberst Maximilian Wengler (227. Infanteriedivision, General der Artillerie Wilhelm Berlin) gehalten. Die Stellungen am Mittellauf des Wolchow wurden vom XXVIII. Armeekorps - der 96. und 121. Infanteriedivision, der 12. Luftwaffen-Felddivision, der 21. Infanteriedivision und im Gebiet von Tschudowo - der 13. Luftwaffen-Felddivision gehalten. Der Abschnitt bis zum Ilmensee im Süden wurde vom XXXVIII. Armeekorps - der 2. litauischen Brigade, der 28. Jägerdivision und der 1. Luftwaffen-Felddivision - verteidigt.

Der deutschen 16. und 18. Armee gegenüber - standen die sowjetischen Truppen der Leningrader Front unter Armeegeneral Leonid Goworow, die Wolchow-Front unter Armeegeneral Kirill Merezkow und der 2. Baltische Front unter Armeegeneral Markian Popow mit 57 Schützendivisionen, sowie die im Kampf involvierte Baltische Flotte (Admiral Wladimir Tribuz) mit zusammen über einer Million Soldaten und Matrosen, 1580 Panzer und 20.180 Geschütze.

Verlauf Erster Einsatz der 2. Baltischen Front Schon am 12. Januar 1944, also zwei Tage vor dem festgesetzten Hauptschlag bei Leningrad, griff die 2. Baltische Front im Raum südlich des Ilmensees die Stellungen des deutschen II. Armeekorps (General der Infanterie Paul Laux) an. Aufgrund unzureichender Aufklärung und schwacher Artillerieunterstützung wurden die Truppen der in Richtung Idriza angesetzten 10. Gardearmee in zähe Kämpfe verwickelt und kamen nicht voran. Die Offensive der 3. Stoßarmee im Gebiet Pustoschka, der 6. Garde- und der 22. Armee im Gebiet Nowosokolniki verlief ebenfalls schleppend. Der einzige nennenswerte Erfolg war die Rückeroberung der Bahnstation Nasva durch Einheiten der 22. Armee, wo bereits am 14. Januar die deutsche 331. Infanterie-Division vertrieben werden konnte. Bis 18. Januar erreichten die Fronttruppen einen zehn Kilometer breiten Abschnitt an der Eisenbahnlinie Novosokolniki-Dno, wodurch eine wichtige Nachschubverbindung der deutschen 16. Armee gefährdet wurde. Am 20. Januar wurde der erfolglose Armeeführer Alexander Suchomlin seines Postens enthoben und durch Generalleutnant Michail Kasakow ersetzt. Der Kommandeur der Front, Armeegeneral Markian Popow, ließ die Angriffe der 10. Gardearmee nicht fortsetzen, sondern konzentrierte alle folgenden Bemühungen in Richtung auf Noworschew, um sich dort mit den erfolgreicheren Truppen der Wolchow-Front zu verbinden.

Krasnoseljsk-Ropschaer Operation mini|hochkant|Leonid Goworow Nach Plänen des Oberbefehlshabers der Leningrader Front, Generaloberst Leonid Goworow, war die 2. Stoßarmee (Generalleutnant Iwan Fedjuninski) in geheimen nächtlichen Aktionen bereits vor der Offensive mit etwa 44.000 Mann, 600 Geschützen und weiterem Material über den Finnischen Meerbusen in den Brückenkopf von Oranienbaum ausgeschifft worden, um die deutsche 18. Armee unerwartet am schwächeren linken Flügel anzugreifen.

Am 14. Januar begann die 2. Stoßarmee nach einem starken Artillerieschlag aus dem Brückenkopf von Oranienbaum auszubrechen, der nach Südosten gerichtete Hauptstoß traf das deutsche III. (germanisches) SS-Panzerkorps (SS-Obergruppenführer Felix Steiner) überraschend und zielte darauf ab, sich mit den sowjetischen Truppen zu verbinden, die im südlichen Raum von Leningrad verteidigten. Am rechten Flügel war das 43. Schützenkorps (48., 90. und 98. Schützendivision und die 43. Panzerbrigade) unter Generalleutnant Anatoli Andrejew, am linken Flügel - das 122. Schützenkorps (131., 11. Schützendivision und die 122. Panzerbrigade) Generalmajor Panteleimon Saizew angesetzt, dicht gefolgt von der 43. und 168. Schützendivision sowie der 152. Panzerbrigade. Der Stoß riss die Front zwischen der 9. und 10. Luftwaffen-Felddivision (Generalmajor Hermann von Wedel) auf und drang im ersten Anlauf 5 km tief in die deutsche Verteidigung ein. Die rechte Flanke der 18. Armee wurde vollständig durchbrochen. Die 9. Luftwaffen-Felddivision sowie die 126. und 170. Infanteriedivision des L. Armeekorps waren im Rücken abgeschnitten.

Am 15. Januar trat von den Höhen von Pulkowo auch die 42. Armee (Generaloberst Iwan Maslennikow) der Leningrader Front zum Angriff an, ab dem 16. Januar unterstützten auch die Armeen der Wolchow-Front. Der Angriff der 42. Armee entwickelte sich besonders in der Mitte erfolgreich, hier wurde das 30. Garde-Schützenkorps (Generalmajor Nikolai Simonjak) mit der 45., 63. und 64. Garde-Schützendivision eingesetzt. In der Nacht des 16. Januar gelang es diesen Verbänden, mit Unterstützung von Panzern Alexandrowskaja einzunehmen und die Straße zwischen Krasnoje Selo und Puschkin abzuschneiden. Bis zum Abend des 17. Januar war die Hauptverteidigungslinie des deutschen L. Armeekorps (General der Infanterie Wilhelm Wegener) durchbrochen. Die deutsche 61. und 227. Infanteriedivision wurden in den Durchbruchsraum geworfen, konnten die Lage aber nicht mehr herstellen. Die Wehrmacht musste die im Rücken bedrohten Armeekorps L. und LIV. eiligst aus den Raum Krasnoje Selo, Ropscha und Urizk zurückzuziehen. Um den sowjetischen Vorstoß aufzuhalten, wurden drei Infanteriedivisionen und Teile der 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Nordland“ in das Kampfgebiet verlegt.

mini|hochkant|Sowjetische Soldaten bei Kämpfen um Puschkin, Januar 1944 Den Angriff auf die Höhenstellung von Woronja Gora wurde von der 63. Garde-Schützendivision unter Oberst Afanassi Schtscheglow erfolgreich durchgeführt. Hier befanden sich die Feuerstellungen der schweren deutschen Artillerie, die Leningrad beschossen hatten, die Zugänge waren mit Minenfeldern und Stacheldraht gedeckt. Am 19. Januar befreite die 42. Armee Krasnoje Selo und Ropscha von der deutschen Besatzung. Am Abend des 21. Januar gingen auch die Truppen der 67. Armee (Generalleutnant Wladimir Swiridow) gegenüber dem deutschen XVI. Armeekorps in die Offensive über, nachdem der Kommandierende General Martin Grase mit der Räumung des Frontvorsprungs bei Mga begonnen hatte. Noch am selben Tag konnten Truppen des 118. Schützenkorps (Generalmajor Wladimir Paramsin) den großen Eisenbahnknotenpunkt Mga sichern. Bereits am 24. Januar wurden die Städte Puschkin und Pawlowsk befreit, am 26. Januar wurde Krasnogwardeisk eingenommen. Der Fluss Luga wurde Anfang Februar erreicht und die Verbindung mit den Truppen der Wolchow-Front hergestellt.

Nowgorod-Lugaer Operation