Vorgeschichte Als sich in der Jungsteinzeit die Landwirtschaft in der chinesischen Tiefebene ausbreitete, entstand eine bäuerliche Kultur, zunächst in Weilern und später in Dörfern. Es waren einzelne verschiedene Kulturen, die sich frühzeitig gegen den Einfall von Nomadenstämmen aus dem Norden schützen mussten. So entstanden erste Fluchtburgen und Siedlungen mit Erdwällen. Die Gesellschaft spaltete sich bald in Beschützte und Schützer, aus denen sich die feudale Klasse entwickelte. Diese fing an, Paläste und Burgen zu bauen. Städte hatten in dieser Zeit oftmals schon beachtliche Größen. Taosi war etwa 280 Hektar groß und von einer Mauer umgeben, die an den Fundamenten bis zu 10 m breit war. Innerhalb des ummauerten Stadtgebietes gab es ein weiteres, kleineres ummauertes Gebiet, in dem wahrscheinlich die herrschende Klasse lebte und wohl auch Tempel oder vergleichbare Strukturen standen.Gideon Shelach-Lavi: The Archaeology of Early China, Cambridge 2015, ISBN 978-0-521-14525-1, S. 131. Eine kleinere Stadt ist Wangchenggang mit etwa 30 Hektar. Hier ist ein rechteckiges Gebiet von einer Erdmauer umgeben, die etwa 10 m breit ist. Im Nordosten des Stadtgebietes sind zwei kleinere Bezirke nochmals extra ummauert. Es ist unbekannt, ob dieses kleinere Gebiet Teil der größeren Wallanlagen war, oder ob die verschiedenen Mauern zu verschiedenen Zeiten standen.Shelach-Lavi: The Archaeology of Early China, S. 131.
Erlitou und die Xia-Dynastie Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Xia-Dynastie nicht eindeutig archäologisch nachgewiesen werden. Sie wird jedoch in Verbindung mit der Stätte Erlitou gebracht. Es kann gut sein, dass dies eine Hauptstadt der Xia war. Erlitou war mit etwa 300 ha eine ausgesprochen große Stadt, die etwa 1900 bis 1550 v. Chr. bewohnt war. Im Unterschied zu den neolithischen Städten gab es keine Stadtmauer. Im Zentrum stand ein rechteckiger Palastbezirk, der zunächst auch unbefestigt war, im Laufe der Zeit aber eine Mauer aus gestampfter Erde erhielt. Innerhalb des Bezirkes standen diverse Plattformen, auf denen einst sicherlich öffentliche Gebäude und Paläste standen. Die Paläste bestanden jeweils aus einem großen Hof, an dessen Nordseite der eigentliche Palast stand, bei dem es sich um ein einfaches, vergleichbar kleines, rechteckiges Gebäude handelte. Weitere Plattformen standen außerhalb des Palastbezirkes. Es mag sich um Wohnbauten der Oberschicht handeln.Shelach-Lavi: The Archaeology of Early China, S. 167–172.
Shang-Dynastie Die Shang existierten bereits neben der Xia-Dynastie und bauten in dieser Zeit auch schon kleinere Residenzstädte. Ihre Hauptstädte nach chronologischer Reihenfolge waren: Xibo, Ao, Xiang, Geng, Bi und Yin. Xibo, Ao und Yin sind ausgegraben wurden die anderen wurden noch nicht entdeckt und existieren momentan nur in der chinesischen Geschichtsschreibung.
Xibo (westliches Bo) war die erste Hauptstadt (1548–1399 v. Chr.) der Shang, nach ihrer vorherigen Residenzstadt Bo benannt. Die Stadt war von einer Mauer umgeben, die sich an den Himmelsrichtungen orientierte. Außerhalb der Stadt befindet sich das Grab des ersten Shang Königs und seines ersten Ministers. Bislang wurden sieben Tore gefunden: drei an der West- und Ostseite und eins im Norden. Sie waren durch Straßen verbunden, die ein Straßenraster formten. Dieses Raster wurde von einem, mit festgestampfter Erde gebauten Podest, unterbrochen auf dem sich der Palast befand.
Die zweite bekannte Stadt der Shang-Dynastie ist Ao (heute Zhengzhou) (1399–1380 v. Chr.). Sie war rechtwinklig angelegt und hatte eine Fläche von 3 km². Ihre Mauer bestand aus festgestampften Schichten, 8–10 cm dick.
Die dritte ausgegrabene Stadt ist Yin oder Yinxu (heute Anyang) aus dem 14.–11. Jahrhundert v. Chr.
Zhou-Dynastie Westliche Zhou-Dynastie
Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr. scheint es, dass in der westlichen Zhou die Traditionen der Shang-Dynastie fortbestanden. Nur wenig ist zu ihren Städten bekannt.
Östliche Zhou-Dynastie (7. bis 6. Jahrhundert v. Chr.)
In dieser Zeit entstanden mehrere Kleinstaaten, und damit wuchs auch die Anzahl der Städte, von denen einige ausgegraben wurden und die damit viel besser als die Zhou-Dynastie-Städte bekannt sind. Xinzheng war zunächst die Hauptstadt der Zheng und wurde später Hauptstadt der Han-Dynastie. Die Stadt hatte einen unregelmäßigen Plan, da sie zwischen zwei Flüssen lag. Innerhalb des 15 hm2 großen Stadtgebietes fanden sich Plattformen für Paläste. Werkstätten, aber auch Friedhöfe.Shelach-Lavi: The Archaeology of Early China, S. 270–271. Linzi ist ein anderes Beispiel einer Stadt dieser Zeit. Die Stadtanlage ist rechteckig angelegt. Im Südwesten befindet sich ein durch eine Mauer abgegrenztes Stadtviertel, das ca. 3 km² groß ist und als Palastviertel interpretiert wird. Diese deutliche Unterteilung deutet starke soziale Unterschiede an. Die Oberschicht scheint sich hier gegen eventuelle Unruhen der Bevölkerung geschützt zu haben.Shelach-Lavi: The Archaeology of Early China, S. 271–272.
Hsin-t'ien (6.–5. Jahrhundert v. Chr.) war eine kleine Stadt und wahrscheinlich die Hauptstadt des Chin-Staates. Im Zentrum lagen Paläste, die von Erdwällen gesichert wurden. Die Handwerkerviertel lagen außerhalb.
Lin-tzu war zur gleichen Zeit, im Ch'i-Staat, im heutigen Shandong, eine relativ große Stadt. Hier lebten 70.000 Familien. Die Handwerkerviertel waren hier schon innerhalb der Stadtbefestigung.
Qin-Dynastie (221 v. Chr. – 206 v. Chr.) Qin Shihuangdi einigte China zum ersten Mal 221 v. Chr. Seine Hauptstadt war damals Hsien-yang nahe Chang’an, der späteren Hauptstadt der Qin-Dynastie, dem heutigen Xi’an. Hier wurden 145 zerstörte Paläste und Pavillons, der eroberten Mächte, rekonstruiert. Er siedelte hier Bürger aus allen Teilen Chinas an um seinen Einfluss zu sichern.
Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220) In der Han-Zeit wurden viel Stadtanlagen der Zeit der streitenden Reiche übernommen. Die Han errichteten darauf, an ihre Verwaltung angepasste Städte.
Mehr als 37.000 Städte scheint es in der frühen Han-Zeit (206 v. Chr. – 9) gegeben zu haben, während es in der späten Han-Zeit (25–220) nur noch circa 17.000 gab. Dies ist auf die damalige Zentralisationspolitik zurückzuführen, die die Bevölkerung in die Vorstädte holte.
Chang’an (heute Xi’an), die Hauptstadt der Han-Dynastie, war eine nahezu quadratische Stadt, nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, deren Umfang 25,1 km betrug. Die Einfriedung wurde 192–189 v. Chr. gebaut und hatte eine Höhe von 18 m und einer Stärke von 16 m. Auf jeder Seite gab es drei Tore, wobei jedes drei Eingänge besaß.
Die Paläste und Wohnhäuser der Aristokratie befanden sich im Zentrum und im Süden der Stadt und nahmen ungefähr 2/3 des gesamten Stadtgebiets in Anspruch. Im Nordosten befanden sich die Wohnviertel der Bevölkerung, während im Nordwesten die Verwaltung und die Handwerkerviertel waren. An der nordsüdlichen Hauptverkehrsader befanden sich die neun wichtigsten Märkte der Stadt. 160 geschlossene Viertel besaß Chang’an, die alle durch rechtwinklige Straßen voneinander getrennt waren. Diese Aufteilung wird seitdem meist beibehalten.F S Sit: Chinese City and Urbanism, 127–129. Luoyang war eine andere bedeutende Stadt der Han-Dynastie und folgt einem vergleichbaren Plan. Das ummauerte Stadtgebiet umfasste etwa 9,5 km². Die Stadtmauer hatte 12 Tore. Die Straßen sind rechtwinklig angelegt mit einer Hauptstraße im Zentrum der Stadt. Die Paläste nahmen etwa 1/3 des Stadtgebietes ein. Diese Palastbezirke waren ummauert.F S Sit: Chinese City and Urbanism, 129–131.
Sui-Dynastie (590–617) Mit der relativ kurzlebigen aber bedeutenden Sui-Periode setzte in China ein starkes Bevölkerungswachstum ein. Die Sui-Dynastie war ursprünglich türkischer Herkunft, ihre Herrscher begannen mit zahlreichen Reformprojekten, die das Land aber steuerlich bzw. in Bezug auf öffentliche Arbeiten stark beanspruchten und die Dynastie so vorzeitig zu Fall brachten. Changan (heute Xi’an) wurde wieder Hauptstadt von China und zusammen mit Luoyang um 600 ausgebaut (das neue Chang’an wurde unter dem Architekten Yuwen Kai im Nordwesten der alten Stadt errichtet). Der Beginn des Baus des Kaiserkanals zwischen Nord- und Südchina zwecks Getreide- und Truppentransport und die Verlängerung der Großen Mauer nach Westen hin waren weitere bauliche Großprojekte der Periode.
Tang-Dynastie (618–907) miniatur|Große Wildganspagode, aus 652, Teil einer Klosteranlage, die Kaiser Gaozong zum Gedenken an seine verstorbene Mutter in Changan errichten ließ Unter Kaiser Tang Taizong (626–649) und Tang Gaozong (verstorben 683) blühte die alte Hauptstadt Changan erneut auf und wurde zur damals größten Stadt der Welt. Ihre Bevölkerungszahl wird auf etwa eine Million Menschen geschätzt. Die Stadtmauern bildeten ein Rechteck von 9,6 mal 8 Kilometern. Zwölf breite Parallelstraßen führten von Ost nach West, neun Straßen führten von Nord nach Süd. Vom großen Südtor und zielte eine hundertfünfzig Meter breiten Hauptstraße in Richtung „Kaiserliche Stadt“, ein Rechteck innerhalb des Rechtecks, das die Regierungsgebäude und Ministerien beherbergte. Zu beiden Seiten dieser Enklave, befanden sich die beiden viereckigen Marktplätze. Hinter der „Kaiserlichen Stadt“ lag der Kaiserpalast, und hinter diesem – vor dem Nordtor der Palastgarten. Die Stadt war in 112 Wohnviertel unterteilt, die sich selbst verwalteten und durch Mauern des Nachts voneinander abgeriegelt wurden. Eine Hochblüte des Kunsthandwerks und der Luxusgüterproduktion war ebenso kennzeichnend für die Metropole wie deren multiethnische Bewohnerschaft.
Song-Dynastie (960–1279)
Kennzeichnend für diese Periode war starkes wirtschaftliches Wachstum und zunehmende Verflechtung. Die einzelnen Regionen waren wirtschaftlich nicht mehr autark, d. h. bestimmte Regionen standen nun für bestimmte Produkte (Eisen, Zucker, Reis, Tee), und das beeinflusste Binnenhandel und -verkehr positiv. Die Städte nahmen einen Aufschwung, unabhängig von ihrer jeweiligen politischen Bedeutung. Ihre Bevölkerungszahl nahm zu, ausgelöst durch die Landflucht und das Bevölkerungswachstum. Einzelne Stadtteile trennende Mauern verschwanden und Läden, Werkstätten und Märkte waren nicht mehr an vorgeschriebene Orte gebunden. Die Gentry erlaubte zudem eine soziale Gesetzgebung, was die Wohlfahrt begünstigte (z. B. 1089 Amt für Altersheime, 1102 Krankenpflegeamt). Das städtische Bürgertum (Grundeigentümer, Kaufleute) wurde wohlhabend, was den Luxuskonsum stimulierte.
Unter den wirtschaftlichen Neuerungen sind hervorzuheben: die Zunahme des Block- und Buchdrucks, die Einführung des Papiergelds 1024, eine Weiterentwicklung der Schifffahrt (ca. 1090 Nutzung des Kompasses, 984 Kanalschleuse), 12. Jahrhundert verstärkter Einsatz des Schaufelrads, Tiefenbohrungen nach Sole und Erdgas (bis 900 m), bessere Militärtechnik (Schießpulver auf 1044 datiert) und Weiteres. Die Literatur blühte auf vielen Gebieten (Enzyklopädien, Technik, Medizin, Romane, Architektur, Religion, fremde Länder) und analog dazu gab es eine Zunahme öffentlicher wie privater Schulen und Bibliotheken.
Die Abwanderung von Bauern in die Städte des 12. Jahrhunderts schuf ein reiches Reservoir an Arbeitskräften. In den staatlich betriebenen Manufakturen arbeiteten bis zu 7000 Arbeitskräfte; und in privaten Manufakturen – in den Bereichen der Ziegel-Brennereien und der Lack- und Porzellanherstellung – arbeiteten zumindest bis zu 1200 Arbeitskräfte. Diese privaten Manufakturen arbeiteten aber stets den großen staatlichen Manufakturen zu.
Yuan-Dynastie (1280–1368)