mini|Aegidius Strauch, Superintendent Oschatz, Delitzsch, Merseburg und Dresden
Aegidius Strauch (* 22. Juni 1583 in Wittenberg; † 22. Januar 1657 in Dresden) war ein deutscher lutherischer Theologe.
Leben Strauchs Vater Ägidius Strauch († 30. Dezember 1597 in Wittenberg) stammte aus Brabant, von wo er in den 1550er Jahren aufgrund seines evangelischen Glaubens flüchten musste. Er hatte als Handelsmann das Bürgerrecht in Wittenberg erworben und sich in dritter Ehe mit Gertraud PlateißGertraud Platteiß (auch Blatteis; * 3. April 1556 in Wittenberg; † 10. Januar 1617 ebd.) war die Tochter des Vorstehers des gemeinen Kastens in Wittenberg Arnold Plateiß und dessen Frau Anna, die Tochter des Pfr. in Beyern bei Herzberg Ambrosius Hun. Aus der am 8. Mai 1581 geschlossenen Ehe stammen ein Sohn Johann Strauch (* 1582), welcher aber jung verstarb. Nach Aegidius wurde dem Paar noch der Sohn Johann Strauch I. geboren und die Tochter Anna Strauch (* 23. August 1591 in Wittenberg; † 23. Dezember 1619 ebd.). Anna verheiratete sich am 26. Dezember 1608 mit dem Dr. med., Arzt in Brandenburg/Havel Stephan Marcellus (* Feldberg/Österreich; † 7. April 1617 in Brandenburg/Havel). vgl.: Friedrich Balduin: Christliche Leichenpredigt über den Anfang des 7. Psalms. In: Fritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Bd. 8, S. 431, R 7791; Gustav Früh, Hans Goedeke, Hans Jürgen v. Wilckens: Die Leichenpredigten des Stadtarchivs Braunschweig. Bd. 8. Hannover 1984, S. 4053, Nr. 6577. vermählt. Genauso wie sein Bruder Johann wurde er in frühster Jugend zum Lernen angehalten, und selbst nach dem Tod seines Vaters wurde dafür gesorgt, dass er seine Ausbildung fortsetzen konnte. Bereits 1597 besuchte er die Vorlesungen der Professoren an der Universität Wittenberg, wo ihn sein Vater bereits am 11. Oktober 1589 deponiert hatte.Album Academiae Vitebergensis AB A. CH MDII USQUE AD A. MDCII. VOLUMEN SECUNDUM. Halle, 1892 (AAV II) 369a, 34.
1601 erhielt er ein kurfürstliches Stipendium und erwarb sich bereits am 23. März 1602UA Halle Tit. XXXXV 1, 2, pag. 398. den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie, unter dem Dekanat des Erasmus Schmidt. Seitdem hielt er Vorlesungen und Disputationen ab, wurde im Mai 1606 als Adjunkt in die philosophische Fakultät aufgenommen.UA Halle Tit. XXXXV 1, 2, pag. 780. Ursprünglich hatte Strauch ein Studium der theologischen Wissenschaften verfolgt und wurde am 7. November 1609 zur Probepredigt nach Oschatz eingeladen. Dort angekommen, hielt er am 22. Sonntag Trinitatis dieselbe und wurde am 9. Dezember als Superintendent nach Oschatz berufen. Hierzu absolvierte er am 16. Februar 1610 das Lizentiat der Theologie,Gottfried Suevus: Academia Wittebergensis Ab Anno Fundationis MDII. Festo Divi Lucae die XIIX. Mens. Octobr. usque ad Annum MDCLV. / Quo ipso, supra seculi sui secundi dimidium, annos tres complevit / Continens Privilegium Imperatoris, Bullam Papalem, Conservatoria, Nomina Rectorum, Illustrium, Nobilium, aliorumque egregiorum una cum Numero Inscriptorum. Catalogo Professorum & Promotorum in omnibus Facultatibus & Epistolarum, aliarumq[ue] rerum memorabilium annotatione / Accesserunt Inscriptiones Wittebergenses, usq[ue] ad d. annum MDCLV. Michael Wendt, Wittenberg 1655, pag. 422 (Digitalisat). wurde am 17. Januar 1610 an der Wittenberger Stadtkirche ordiniertGeorg Buchwald, Heinrich Johannes Scheuffler: Die in Wittenberg ordinierte Geistlichkeit der Parochieen des jetzigen Königreichs Sachsen. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. (BSKG) Leipzig, 1898, Bd. 13, S. 107 (Digitalisat). und begann am 21. Februar 1610 seine Amtstätigkeit in Oschatz. Gemeinsam mit Abraham Suarinus wurde er am 6. November 1610 zum Doktor der Theologie an der Wittenberger Hochschule gekürt.Gottfried Suevus: Academia Wittebergensis Ab Anno Fundationis MDII. Festo Divi Lucae die XIIX. Mens. Octobr. usque ad Annum MDCLV. / Quo ipso, supra seculi sui secundi dimidium, annos tres complevit / Continens Privilegium Imperatoris, Bullam Papalem, Conservatoria, Nomina Rectorum, Illustrium, Nobilium, aliorumque egregiorum una cum Numero Inscriptorum. Catalogo Professorum & Promotorum in omnibus Facultatibus & Epistolarum, aliarumq[ue] rerum memorabilium annotatione / Accesserunt Inscriptiones Wittebergenses, usq[ue] ad d. annum MDCLV. Michael Wendt, Wittenberg 1655, pag. 432 (Digitalisat).
Noch im selben Jahr rief ihn am 7. Dezember die Stadt Delitzsch als Superintendenten, was er anfänglich ablehnte, er kam dann aber dem Befehl des sächsischen Kurfürsten mit seiner Ankunft am 28. Februar 1611 nach. Hier wurde er am 26. Juni investiert, blieb drei Jahre im Amt und wurde von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen am 10. Mai 1614 als Stiftssuperintendent von Merseburg berufen. Nachdem er am 21. Juni eingeführt worden war,vgl.: Erhard Lauterbach: Investitura Merseburgensis … als … Egidius Strauch … zum Superintendenten des … Stifts Merseburg ist eingewiesen … worden. Leipzig, 1614 (Digitalisat). hielt er am 24. Juni seine Antrittspredigt. Aber nach zwei Jahren bahnte sich der nächste Wechsel an. Kaum mit seiner Familie heimisch geworden, rief ihn 1616 der Rat von Dresden, wo er als Pfarrer zugleich als Kirchenrat, als Oberkonsistorialrat, als Assessor im Oberkonsistorium und als Superintendent der Inspektion Dresden von Matthias Hoë von Hoënegg eingeführt wurde.vgl.: Matthias Hoë von Hoënegg: Christliche InvestiturPredigt / sampt dem gantzen Actu, Als Der Ehrwürdig und Hochgelahrte Herr Egidius Strauch, Der heiligen Schrifft Doctor / auff Churfürstlichen Sächsischen gnädigsten befehlich / zum Pfarr und SuperintendentenAmpt zu Dreßden / offentlich den 19. Septembris, in der CreutzKirchen eingewiesen worden / … . Leipzig, 1616 (Digitalisat). Spätestens ab 1623 besaß Strauch wohl einen Weinberg in der Lößnitz, da vermutlich für ihn in jenem Jahr dort ein Winzerhaus, das heutige Haus Möbius in Niederlößnitz, errichtet wurde.
Das Predigeramt war für ihn nicht immer leicht, oft zog er sich Erkältungen zu und litt ständig an Koliken. Auch der frühe Tod seiner zwei Kinder traf ihn schwer. 1646 war ihm bei der Kommunion ein Eiszapfen über den Kopf in den linken Schenkel gefallen, woraufhin er immer das linke Bein nachzog. Am 21. September bekam er einen Herzschlag, der ihn linksseitig lähmte. Der Tod seines Kurfürsten soll ihn so sehr mitgenommen haben, dass er dann auch noch die Nahrung verweigerte und nicht schlafen konnte, woran er verstarb.
Er wurde am 12. Februar 1657 auf dem Dresdner Frauenkirchhof in einem Schwibbogengrab beigesetzt, das zum familiären Erbbegräbnis wurde.
Familie Strauch heiratete am 20. Januar 1607 in Wittenberg Euphrosya Cranach (* 4. November 1590 in Wittenberg; † 25. März 1665 in Dresden),vgl. Fritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Boppard/Rhein, 1961, Bd. 2, S. 188, R 1347, siehe auch: Werner Schade: Die Malerfamilie Cranach. Anton Schroll, Wien-München, 1974, S. 455. die Tochter des Augustin Cranach. In jener 50-jährigen Ehe sind sechs Söhne und sechs Töchter geboren worden. Von den Kindern ist bekannt:
Euphrosyna Strauch (* 24. Oktober 1608 in Wittenberg; † 23. August 1616 in Merseburg, begr. 29. August 1616 St. Maximi, Merseburg) Ägidius Strauch (* 5. September 1610 in Oschatz; † 20. April 1643 in Dresden (Pest)), 26. Juni 1628 Universität Wittenberg,Bernhard Weissenborn: Album Academiae Vittebergensis. Jüngere Reihe Teil 1, (1602–1660). Ernst Holtermann, Magdeburg, 1934, (AAA IV) S. 323, Nr. 255. Sommersemester 1629 Studium an der Universität Leipzig,Georg Erler: Die jüngere Marikel der Universität Leipzig 1559–1809. Giesecke & Devrient, Leipzig, 1909 (Matr. UL j.R.) Bd. 1, S. 453. 26. März 1634 Mag. phil. Uni. Wittenberg, Dr. med., Arzt in Dresden, ⚭ am 21. August 1642 in Dresden mit Katharina Dorothea Findekeller (auch: Findenkeller; * 17. Januar 1626 in Dresden; † 21. Oktober 1682 in Leipzig),Ihr Großvater väterlicherseits war, der seit 1596 in Dresden tätige Kaufmann Michael Findenkeller (* 1567 in Sommerhausen bei Würzburg; † 18. März 1616 in Dresden). Dieser war seit 1596 verheiratet mit Dorothea Fickler (* 1579 in Dresden; † 30. Oktober 1602 in Dresden), der Tochter des Dresdner Kaufmanns Johann Fickler. Aus der Ehe stammen zwei Söhne und zwei Töchter. Die Töchter verstarben aber jung. Seine zweite Ehe ging er am 13. November 1604 mit Ursula Wasewitz (auch: Wasebitz; * 23. Juni 1586 in Wurzen; † 6. Januar, begr. 12. Januar 1621 in Dresden), der Tochter des Ratsherrn in Wurzen Bartholomäus Wasewitz und der Christina Hornig ein. Aus der Ehe stammen vier Söhne und drei Töchter, wovon ebenfalls zwei Töchter jung verstarben. Ihr Großvater mütterlicherseits war der kurfürstlich sächsische Kammersekretär Georg Hübner. Dieser war verheiratet mit Katharina Schütz, der Tochter des Kanzlers in Mansfeld Georg Schütz. Sie hatte noch eine Schwester Johanna Findekeller († 16. November 1630 in Dresden), einen Bruder Hans Georg Findekeller (* 11. Mai 1625 in Dresden; † 1. September 1632) und einen Bruder Michael Findekeller (* 1. Mai 1624 in Dresden; † 26. Juni 1646 in Wittenberg). Mit letzterem Bruder wuchs sie bei ihrer Großmutter mütterlicherseits und später bei ihrem Onkel Sigismund Hübner auf. vgl. Johann Gottfried Michaelis: Dreßdnische Inscriptiones und Epitaphia, […] Selbstverlag des Autors, Dresden 1714, S. 222 (Digitalisat), 232 (Digitalisat) & 255 (Digitalisat); Rector Academiae Lipsiensis, ad Exequiarum Solennia, quae Matri … Catharinae Dorotheae, Natae Findenkelleriae, Viri … Danielis Heinrici, S. S. Theol. D. & P. P. in hac Philuraea Primarii, Haereditarii in Müglenz, Ingenuae Misenensis Canonici & Decani, Electoralis ac Ducalis Consistorii Assessoris, Academiae Decem-Viri, Theologicae Facultatis & Nationis Misnicae Senioris, & Alumnorum Electoralium Ephori … Relictae Viduae, Moestissimus Haeres paravit, Hora I. cumulate celebranda, Proceres Civesque Academicos invitat. Leipzig, 1682 (Digitalisat); Paul Röber: Mortis certitudo, horae emortualis incertitudo, Des Todes Gewißheit/ des Stündleins Ungewißheit. Auß dem Prediger Salomo c. 9. v. 12. Wittenberg, 1648 (Digitalisat); Balthasar Meisner: Eine Christliche Leichpredigt/ Bey dem Volckreichen Begrebnis/ des Weyland Ehrenvesten/Erbarn und Wolgeachten Herrn Michael Findenkellers des Eltteren, gwesenen Bürgers und Fürnehmen Handelsman in dieser löblichen Stadt Dresden. Dresden, 1616 (Digitalisat); Aegidius Strauch: Christliche Leichpredigt. Bey dem Volckreichen Begräbnüß/ Der … Frawen Ursulae, Des … Herrn Valentini Schäfers/ Bürgers/ und Handelsmannes zu Dreßden gewesener Ehelicher Haußfrawen. Dresden, 1621 (Digitalisat). die Tochter des Kaufmanns und Ratsherrn in Dresden Johann Findekeller (* 1. April 1601 in Dresden; † 9. Juli 1632 in ebd.) und dessen Frau Anna Katharina Hübner (* 1606; † 30. August 1632 in Dresden (Pest)). Sie verheiratete sich erneut am 27. Januar 1646 mit dem Leipziger Professor Daniel Heinrici. Augustin Strauch (* 25. Oktober 1612 in Delitzsch; † 18. Mai 1674 in Regensburg) Euphrosina Elisabeth Strauch (* 18. Januar 1617 in Dresden; † 14. September 1643 ebd.),Matthias Hoë von Hoënegg: Göttliche Creutz-Last und Creutz Hülffe … bey dem … Begräbnüs der Frawen Euphrosynen Elisabeth gebohrner Strauchin des … Daniel Heinrichs … Haußfrawen. Dresden, 1644; (Digitalisat). ⚭ I. am 19. Mai 1634 in Dresden mit dem kurfürstlich sächsischer Leibarzt Dr. med. David Faber († 10. Juni 1637 in Dresden), ⚭ II. am 20. November 1642 mit Dr. theol. und Prof. pub. in Leipzig Daniel Heinrici (* 5. April 1615 in Chemnitz; † 15. März 1666 in Leipzig)