mini|hochkant|Werkstatt eines frühneuzeitlichen Beutlers (Ständebuch von 1568)

Ein Beutel ist ein hohler, dünnwandiger, leicht verformbarer Gegenstand, der zur Aufnahme von anderen Gegenständen geeignet ist. Er hat eine meistens verschließbare Öffnung, durch die er gefüllt und geleert werden kann.

Material mini|Gefrierbeutel mit Ro­ten Jo­han­nis­bee­ren

Beutel können aus unterschiedlichen Werkstoffen bestehen und so eingeteilt werden:

Kunststoff-Folie: Allzweckbeutel Druckverschlussbeutel Gefrierbeutel Kunststoff- oder Plastiktüte(-beutel) Müllbeutel

Leder: in einem so genannten Wasserbeutel bewahren viele Menschen Wasser auf als Weinbeutel in Spanien verbreitet

Papier Papiertüte Staubsaugerbeutel

Textil aus Kunst- oder Naturfasern: Einkaufsbeutel Einkaufsnetz luftdurchlässige Beutel für die Lagerung von getrocknetem Obst oder Kräutern Stoffbeutel Turnbeutel Wäschebeutel Wäschenetz für empfindliche Maschinenwäsche

Wortbestandteil mini|hochkant|Deutscher Militär­brot­beu­tel Mo­dell 1931, von Bun­des­grenz­schutz, di­ver­sen Po­li­zei­ein­hei­ten und NVA bis 1990 in ähn­li­cher Form ge­tra­gen

In der biologischen Umgebung bilden Haut und anderes Gewebe das körpereigene Material für beutelförmige Gebilde. Beuteltiere (wie Kängurus) ziehen ihre Jungen in einem Beutel an der Vorderseite ihres Bauches groß Schleimbeutel bezeichnen in der Anatomie kleine Beutel, die mit Synovialflüssigkeit gefüllt sind. Sie befinden sich an den Stellen, an denen Muskeln direkt über den Knochen ziehen.

Eine Einteilung von Beuteln kann nach Nutzung oder Verschlussform erfolgen. Adhäsionsverschlussbeutel: wiederverschließbare Beutel aus LDPE, HDPE oder PP mit einer abgeschrägter Klappe Beatmungsbeutel: Hilfsmittel zur manuellen Beatmung von Patienten mit Atemstillstand oder insuffizienter (nicht ausreichender) Atmung Bocksbeutel: Form von Weinflaschen, für Frankenwein und auch für portugiesischen Vinho Verde. Brotbeutel: Gepäckstück ursprünglich militärischer Natur, das mit einem Riemen oder am Koppel getragen wird Druckverschlussbeutel: verschiedene Varianten wiederverschließbarer mit Stempelfeld, Eurolochung, Extra Stark EMS-Beutel: Luftpostbeutel (Express Mail Service Beutel) aus Baumwolle, siehe auch: M-Beutel Geldbeutel: kleine Tasche oder Beutel, in dem in erster Linie Bargeld aufbewahrt wird Headerbeutel: ein glasklarer, sehr transparenter PP-Beutel überwiegend als Verkaufsverpackung Hirschbeutel: Erkennungszeichen der DDR-spezifischen Blueserszene Kochbeutel: bestehen aus temperaturbeständiger Kunststofffolie zum Garen oder Erwärmen von (Fertig-)Lebensmitteln Kordelzugbeutel: die Kordel verschließt zusammengezogen den Beutel Kulturbeutel: (anders als der Name vermuten lässt) zur Aufbewahrung von Wasch- und Kosmetikartikeln genutzt Luftpolsterfolienbeutel: zum Transport von empfindlichen Artikeln mit luftgefüllter Kunststofffolie Schieb- oder Gleitverschlussbeutel: durch einen Platikmechanismus wiederholt wiederverschließbar Treibladungsbeutel: portioniertes Treibladungspulver in Kunstseide-Beutel vereinfacht in der Artillerietechnik den Ladevorgang eines Geschützes, beispielsweise bei Salut Vakuumbeutel: abpumpbare Kunststofftüte zur Lebensmittelaufbewahrung, oder zur Verringerung des Volumens von Lagerware Windbeutel: lockeres Gebäck mit Füllung

Trivia Wird jemand gebeutelt, so wird er (buchstäblich oder im übertragenen Sinne) geschüttelt wie ein Rüttelbeutel.Renate Wahrig-Burfeind (Hrsg.): Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. 8., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Wissenmedia Verlag, Gütersloh/München 2010, ISBN 978-3-577-10241-4, S. 266, Sp. 2.Helmut Düntzsch, Rudolf Tschiersch, Eberhard Wächtler, Otfried Wagenbreth: Mühlen. Geschichte der Getreidemühlen. Technische Denkmale in Mittel- und Ostdeutschland. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig/Stuttgart 1994, ISBN 3-342-00672-2, 1 Die maschinentechnische Entwicklung der Getreidemühlen. 1.1 Mahlaggregate, Siebmaschinen und andere Arbeitsmaschinen der Getreidemühlen. Siebung (Sichtung) des Mahlgutes, S. 21–24, hier: S. 21. Früher diente das sogenannte BeuteltuchAugust Knapp: Thomas von Wasserburg. Ein oberdeutscher Wundarzt und Apotheker des 15. Jahrhunderts. Medizinische Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München 1954, S. 116. zum Zurückhalten grobkörnigerer Bestandteile.Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 436 (peuteln: durch ein Beuteltuch schütteln, sieben). (Siehe auch Sieben (Klassierverfahren)).

In der Vulgärsprache wird der Hodensack mit Beutel benannt: in österreichischer Schreibweise eher Beitl, Wienerisch: Beidl. Als (augenzwinkerndes) „Schimpfwort“ wird Beitl für Machos gebraucht. Im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse wurde 2011 von britischen Wissenschaftlern die Umweltbilanz verschiedener Materialien verglichen, die für Beutel Verwendung finden. Dabei wurden folgende Vielfache für die wiederholte Verwendung gegenüber der einmaligen Nutzung von herkömmlichen HDPE-Beuteln ermittelt, um ein geringeres Potenzial für die globale Erwärmung aufzuweisen. Papier-Beutel sollten mindestens dreimal, LDPE-Beutel sollten mindestens viermal, Polypropylen-Beutel sollten mindestens elfmal und Vliesstoff- und Baumwoll-Beutel wenigstens 131 Mal wiederverwendet werden. Ein Mensch, der die Fähigkeit hat, komplexe, großartig klingende Satzgebilde zu formen, aber letztlich (wie ein Windbeutel) nur „heiße Luft“ von sich gibt, wird als SpruchbeutelVgl. Martin Droschke: Franken hat so schöne Wörter. Schbruchbeidl. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 13. Januar. bezeichnet.

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