mini|hochkant|Renaissance: Kirchturm der Kilianskirche 1513/1529 von Hans Schweiner. mini|hochkant|Deutschordensgebäude, 2006 mini|hochkant|barockisierender Heimat(schutz)stil: Dresdner Bank 1952/1954 von P. Schmitthenner.
Die Architektur in Heilbronn (Baden-Württemberg) reicht vom Mittelalter bis in das 21. Jahrhundert. Zahlreiche typische Bauwerke der verschiedenen Epochen der Architekturgeschichte sind erhalten, vieles ging jedoch verloren.
Beispiele für die mittelalterliche Architektur in Heilbronn sind eine romanische Kapelle des Deutschordensmünsters St. Peter und Paul und der gotische Hallenchor der Kilianskirche. In der Neuzeit wurde der Westturm der Heilbronner Kilianskirche im Stil der Renaissance errichtet. Die Prachtentfaltung des Barock spiegelt sich in der Fassade des Großen Deutschhofes wider. Mit dem gewonnenen Krieg von 1870/71 erfuhr die Wirtschaft einen Aufschwung und es entstand in der Gründerzeit eine Vielzahl von Gebäuden im Stil des Historismus. In der Moderne ab 1900 zeigte sich englische Landhausarchitektur in Heilbronn. Nach dem Vorbild der Landhausarchitektur wurden Angestelltenhäuser der Firma Knorr im Heimatschutzstil gebaut. Das wichtigste Bauwerk aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war das im Jugendstil errichtete Alte Theater. Für die Architektur der Moderne in der Zeit danach stehen Bauwerke im Stil des Funktionalismus und des Expressionismus.
Beim Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 wurde die Stadt fast vollständig zerstört. Die Architektur der Nachkriegszeit war durch die Architektur aus der Vorkriegszeit wie dem Heimatschutzstil und dem Organischen Bauen geprägt. Der Wiederaufbau der früheren Altstadt Heilbronns erfolgte mit drei- bis viergeschossigen Putzbauten mit Satteldach nach Plänen von H. Volkart, mit denen der für die Stuttgarter Schmitthenner-Schule typische barockisierende Heimatstil wiederaufgenommen wurde.Fekete u. a., S. 104. Laut Schweizer sei Volkarts’ Stadtbauplanentwurf „einer der besten des Landes“ und „diese Arbeit [würde] den fehlenden 1. Preis darstelle[n]“.Quattländer: Heilbronn – Planung des Wiederaufbaus der Altstadt, S. 69. Auch P. Schmitthenner und J. Hoffmann gestalteten Bauten in der ehemaligen Altstadt im Stil der Stuttgarter Schule bzw. Heimatstil. Parallel zum Wiederaufbau erfolgte auch die sog. „zweite Zerstörung“ Heilbronns, bei der Bauten, die den Krieg beschädigt überstanden hatten, entfernt wurden,Jacobi: Heilbronn – Tage, die die Stadt bewegten. S. 23. (Die zweite Zerstörung) wie die Heilbronner Friedenskirche und die Alte Harmonie.
Die 1970er-Jahre waren durch die Architektur des Brutalismus geprägt. Das höchste Geschäftshaus wurde 1971 mit dem siebzehngeschossigen Shoppinghaus fertiggestellt. Im Baugebiet „Rosenberg“ wurde bei dessen Erschließung 1972/1973 das Rosenberg-Hochhaus, ein zwanziggeschossiges Wohnhochhaus, errichtet.Stadt Heilbronn, Stadtplanungsamt: Heilbronn: Moderne Stadtgestaltung – Entwicklung der Stadt 1945–1990, Druck Mokler GmbH, Heilbronn 1991 (Ausstellung des Stadtplanungsamtes Heilbronn – anlässlich der 1250 Jahre Heilbronn), S. 41, Bildnr. 136 (Baugebiet „Rosenberg“). In den 1970er Jahren wurde ebenso das alte Stadtbad am Wollhausplatz, das alte Theater am Nordende der Allee und die Villa Rümelin abgebrochen. Nach Architekturhistoriker Hennze waren sie stille Zeitzeugen, die „man noch zum Sprechen bringen konnte“.Lattner/Hennze: Stille Zeitzeugen …, S. 90 und S. 9. Mit der Zerstörung der Zeitzeugen aus Stein seien diese aber zum Schweigen verurteilt.
Das Heilbronner Stadtbild wird heute durch die Postmoderne der 1980er- und 1990er-Jahre und Gegenwartsarchitektur des 21. Jahrhunderts bestimmt.
Architekturgeschichte Vorromanik 741 schenkte der fränkische Hausmeier Karlmann dem Bistum Würzburg eine Michaelsbasilika. Älteren Forschungen zufolge war die Michaelsbasilika ein Vorgängerbau der Deutschordenskirche Heilbronn.Königshof in Heilbronn – Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“ vom 8. Juli 1967. In den Jahren 1994/95 wurde bei Renovierungsarbeiten in der Südwand der Chorturmkapelle Mauerwerk und unter der Seitenkapelle Fundamentreste aus Kalkstein gefunden, die noch älter als die heutige Bausubstanz sein müssen. In Verlängerung der Südwand des Turmes wurden Fundamentmauern aus Kalksteinen gefunden, weiter entdeckte man die Gewände einer 40 cm tiefen, 212 cm breiten und im Scheitelpunkt ebenso 212 cm hohen Nische, die aus Kalksteinen gemauert war und zwei Drittel der Turmwandstärke einnimmt. Dieser Kalkstein reicht bis in die Mitte des ersten Obergeschosses an der südöstlichen Seite des romanischen Chorturmes, während das übrige Gebäude aus Sandstein besteht. Die Funde blieben jedoch undatiert, und ihr Ursprung bleibt offen.
Romanik hochkant|mini|Turm des Deutschordensmünsters, romanischer Teil
Im südlichen Teil Heilbronns konnten Siedlungszeugnisse aus dem 11./12. Jahrhundert nachgewiesen werden, die der Siedlung Hanbach zugeschrieben werden. Teile Hanbachs gingen in den Besitz der Deutschordenskommende über, die dort 1225 einen Deutschordenshof errichtete.Fekete u. a.: Denkmaltopographie, S. 35. Als 1230 die Deutschordensherren eine romanische Marienkapelle bauten, stießen sie auf Reste eines Vorgängerbaus aus Kalksteinmauerwerk, das sie als zweckdienliche Vorleistung in den Bau ihres spätromanischen Chorturmes aus Sandstein aufnahmen.Mayer: Entdeckungen während der Renovierungsarbeiten am Deutschordensmünster St. Peter und Paul in Heilbronn, S. 31 f Bemerkenswert ist der romanische Altar aus dem Jahr 1250 in der kreuzgewölbten Chorturmkapelle.Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 11 f. und S. 32 f. Der Stipes, auf dem die Altarplatte ruht, besteht aus einem massiven sarkophagähnlichen Block. Die Brüstungsfelder des Blocks zeigen vierpassförmige Blenden. An den Ecken und an der Mitte der Längsseite des Altarunterbaus befinden sich Säulen, die unterschiedliche Kapitelle aufweisen und mit einem gemeinsamen Palmettenfries verbunden sind. In den Ecken des Turmchores befinden sich vier spätromanische Halbsäulen, deren oberer Abschluss jeweils ein Kelchknospenkapitell bildet. Als weiterer Bauschmuck wurde dem Kapitell ein mit Menschenköpfen verzierter Kämpferstein aufgesetzt. Auf diesen Säulen ruht das mit einem Schlussstein verzierte Kreuzgewölbe. Der Schlussstein weist mit seinem vierblättrigen Vierpass auf die Verwandtschaft mit der Johanniterkirche in Boxberg-Wölchingen und auf den Bamberger Dom hin. Der romanische Rundbogen zeigt die alte Bemalung in Schwarz und Rot, wie es in der Zeit der Romanik üblich war.Kath. Pfarrgemeinde St. Peter und Paul: Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn, S. 6 f. Kleine Chorturmkirchen mit dem Charakter einer Wehrkirche stellen die wichtigsten Zeugnisse romanischer Sakralbaukunst dar, obwohl sich von den Kirchen meist nur die Chortürme erhalten haben.
Gotik Aufgrund des am 27. August 1333 erhaltenen Neckarprivilegs und der Reichsstadtwürde von 1371 erlangte die Stadt großen Reichtum, der sich vor allem in der Architektur niederschlug.Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 23. So konnten im 15. Jahrhundert zahlreiche prominente auswärtige Baukünstler wie Hans von Mingolsheim, der Stuttgarter Aberlin Jörg und Anton Pilgram aus Wien mit bedeutenden Bauwerken betraut werden. 1447 beauftragte der Rat Hans von Mingolsheim, der vorher in Speyer und Straßburg tätig gewesen war, das Karmeliterkloster im Stil der Gotik zu erbauen. Aberlin Jörg errichtete in den Jahren von 1480 bis 1487 den spätgotischen dreischiffigen Hallenchor der Kilianskirche.Fekete u. a.: Denkmaltopographie, S. 38. Die Entstehung dieses Hallenchors weist auf die Verwandtschaft zur Bauhütte in WienFekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 13. und auf die Mitarbeit von Anton Pilgram hin.Fekete u. a.: Denkmaltopographie, S. 108.
Renaissance mini|hochkant|Portal der Dreifaltigkeitskirche mini|hochkant|Portal der Neuen Kanzlei
Der Hafenausbau mit Radkran im Jahre 1515 brachte einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, der den Bau des ersten Renaissanceturms nördlich der Alpen und des Rathauses mit Kunstuhr ermöglichte. So schuf 1513 Hans Schweiner den Turm der Kilianskirche.Vgl. Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 14: Dort beschreibt Fekete, dass die Renaissance in den Städten „überregional bedeutende Frühwerke“ vollbrachte. Ein Beispiel dafür sei der „bahnbrechende“ Turm der Heilbronner Kilianskirche. Die Architektur der Renaissance setzte sich in der Gestaltung des Rathauses in den Jahren 1579 bis 1583 durch Hans Kurz und Isaak Habrecht fort. Hans Kurz war einer der wichtigsten Baumeister der Renaissance in Heilbronn.Fekete u. a.: Denkmaltopographie, S. 39. Er baute auch das Imlin’sche Haus. In den Jahren 1598 bis 1600 wurde im Auftrag des Rats das Fleischhaus nach den Plänen von Hans Stefan errichtet, wobei Jakob Müller als Bildhauer bei der Gestaltung der Figuren tätig war. Die wichtigsten Beispiele für die Renaissance in Heilbronn sind der Kirchturm der Kilianskirche, das Alte Rathaus, das Cäcilienbrunnenhaus und das Fleischhaus.Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 14. Verloren gegangen ist die Dreifaltigkeitskirche, die ehemalige Katharinenspitalkirche, die 1483 aus einer älteren Kapelle hervorgegangen war, während der Reformation evangelisch wurde und nach einem Brand im Jahr 1624 mit einem aufwändigen Volutengiebel und Portal im Renaissancestil wiederaufgebaut wurde.
Barock In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt als Hauptstapelplatz für den Handel zwischen dem Rhein und dem Donaugebiet erneut eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Es entstanden zahlreiche Bauten im Stil des Barock, wie der Hafenmarktturm, den der Straßburger Johann Georg Meyer im Jahre 1730 schuf.Lattner/Hennze: Stille Zeitzeugen …, S. 23 und S. 18 und vgl. Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 32. Für die Epoche des Barock zwischen 1600 und 1780 waren die höfische Lustarchitektur und die Darstellung von Pomp, Luxus und Pracht in der Architektur der katholischen KircheLattner/Hennze: Stille Zeitzeugen …, S. 24 und S. 25. charakteristisch. Als Beispiel für die Prachtentfaltung der Kirche gilt das durch die Gebrüder Franz und Johann Michael Keller und A. Colomba barockisierte Deutschordensmünster.Stadtpfarrer Albert Laub: Die Heilbronner Deutschordenskirche im Wandel der Jahrhunderte. Selbstverlag des katholischen Stadtpfarramtes St. Peter und Paul, Heilbronn 1952; Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale …, S. 15 und Lattner/Hennze: Stille Zeitzeugen …, S. 20. J. M. Keller und sein Bruder Franz waren die Vorreiter von Balthasar Neumann und Fischer von Erlach.Vgl. Lückmann: Renovierung des Deutschordensmünsters in Heilbronn. S. 12. Als Beispiele für die repräsentative, höfische Architektur der Deutschordensherren in Heilbronn sind die seit 1688 in Sontheim befindliche barocke SommerresidenzSeiler: Das Deutschordenshaus und die Stadt Heilbronn im Mittelalter. S. 52 und 56. und der nach Plänen von Wilhelm Heinrich Behringer errichtete Große Deutschhof im Stil des HochbarockLattner/Hennze: Stille Zeitzeugen …, S. 22. zu nennen, der für Heilbronner Verhältnisse eine beträchtliche Größe hatte und das Stadtbild bis heute prägt.Fekete u. a.: Denkmaltopographie. S. 40 f. Die 24-achsige geknickte Westfassade und die Fassade des anschließenden achtachsigen Südflügels wurden mit ionischen Pilastern, Zwerchgiebeln und säulenbestandenen Portalen gegliedert.
Rokoko hochkant|mini|Städtisches Archivgebäude, Detail Beispiele für Bauten im Stil des Rokoko waren die Einhornapotheke, das Kraichgauarchiv und das Alte Stadtarchiv. Erhalten geblieben ist das Schießhaus.
Klassizismus