Bernhard Schütz (* 24. Februar 1959 in Leverkusen) ist ein deutscher Schauspieler, Hörspiel- und Hörbuchsprecher.

Er zählt zu den profiliertesten Charakterdarstellern des postdramatischen Theaters und des deutschen Films, wobei seine Karriere maßgeblich durch die langjährige Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Frank Castorf an der Berliner Volksbühne und Christoph Schlingensief geprägt wurde. Neben seiner Bühnenlaufbahn stand Schütz seit 1986 in über 150 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Mit Phil Lords und Chris Millers Science-Fiction-Abenteuerfilm Der Astronaut – Project Hail Mary gab er 2026 neben Ryan Gosling in der Nebenrolle des Voigt sein Hollywood-Debüt.

Leben Herkunft und Ausbildung Bernhard Schütz wuchs als Sohn eines Polizisten und einer Politikerin in Leverkusen auf.Der Existenzialist. In: Berliner Zeitung, 5. Januar 2000; Porträt Seine Mutter war Mitglied im Stadtrat und Kandidatin für die CDU Leverkusen für den Landtag NRW.Der Wahnsinn ist nicht zu toppen, Interview in: Westfalenpost, 29. Juni 2019 Schütz entwickelte bereits erstes Interesse am Schauspiel am Schultheater. Nach dem Abitur absolvierte er seine Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste Berlin.Porträt von Bernhard Schütz auf schlag-agentur.de, abgerufen am 26. November 2011.

Theater Schütz begann nach Abschluss seiner Ausbildung eine klassische Theaterlaufbahn, die ihn zunächst an renommierte Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum führte. Als Theaterschauspieler interpretierte er ein breites Repertoire, das Stücke von William Shakespeare und Fjodor Dostojewski, die deutschen Autoren der Klassik und Romantik, das Theater der Jahrhundertwende, aber auch Stücke der Moderne und des zeitgenössischen Theaters umfasste. Von 1988 bis 1993 gehörte Schütz zum festen Ensemble am Theater Basel. Hier kam es bereits zu prägenden Begegnungen mit radikalen Regieansätzen; so spielte er unter anderem 1991 in der Aufsehen erregenden Inszenierung von Friedrich Schillers Wilhelm Tell unter der Regie von Frank Castorf. Von 1994 bis 2008 gehörte Schütz als festes Ensemblemitglied zum Kern der legendären Ära der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter der Intendanz von Frank Castorf. An dieser Bühne avancierte er zu einem der profiliertesten Protagonisten des postdramatischen Theaters und war Stammspieler in Castorfs monumentalen, oft stundenlangen Romanadaptionen. Zu seinen wichtigsten Arbeiten mit Castorf zählen Hauptrollen in den großen Fjodor-Dostojewski-Inszenierungen Der Idiot, Die Dämonen und Erniedrigte und Beleidigte sowie in Carl Zuckmayers Des Teufels General. Im Jahr 2000 übernahm Schütz zudem die Titelrolle in Albert Camus’ Caligula, ebenfalls inszeniert von Castorf, in der er als Existenzialist die Zerrissenheit der Figur herausarbeitete. Die Inszenierung Nach Moskau! Nach Moskau! im Jahr 2010 markierte eine spätere Fortführung dieser Zusammenarbeit. Neben Castorf prägten weitere wegweisende Regisseure der Avantgarde Schütz’ Theaterarbeit an der Volksbühne. Unter der Regie von Christoph Schlingensief agierte er in dem provokanten Stück Berliner Republik. Zudem wurde er zu einem regelmäßigen Akteur in den diskurslastigen, sprachgewaltigen Inszenierungen von René Pollesch, darunter in der Produktion House for Sale im Jahr 2015. Auch internationale Gastregisseure besetzten ihn an der Volksbühne für ungewöhnliche Rollen, wie etwa der US-amerikanische Künstler Paul McCarthy, unter dessen Regie Schütz 2015 in Rebel Dabble Babble Berlin sowie 2019 in der Rolle des Dog im McCarthy Project auf der Bühne stand. Eine enge kreative Partnerschaft verbindet ihn darüber hinaus mit dem bildenden Künstler und Regisseur Jonathan Meese. Schütz übernahm zentrale Parts in dessen exzentrischen Bühnen-Performances, darunter in De Frau an der Volksbühne sowie im Jahr 2020 in der Produktion Lolita (R)evolution am Schauspielhaus Dortmund.

Film und Fernsehen Parallel zu seiner Theaterarbeit etablierte sich Bernhard Schütz ab Ende der 1980er-Jahre als einer der profiliertesten Charakterdarsteller des deutschen Films. Er steht regelmäßig für Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera und arbeitete dabei mit renommierten Regisseuren wie Matti Geschonneck zusammen, der ihn unter anderm 2007 in dem Sterbehilfe-Drama Zeit zu leben als Kriminalkommissar Louis Rehagen besetzte.

Sein Filmdebüt gab Schütz 1986 als Polizist unter der Regie von Martin Theo Krieger in dem Filmdrama Zischke. Zu seinen weiteren frühen filmischen Arbeiten gehört die Kinokomödie Die 120 Tage von Bottrop (1997) unter der Regie seines Theaterweggefährten Christoph Schlingensief. Einem breiteren Kinopublikum fiel er 2003 in der Romanverfilmung Herr Lehmann von Regisseur Leander Haußmann auf. In der berühmten Eröffnungsszene des Films spielte er an der Seite von Hauptdarsteller Christian Ulmen den glücklosen Streifenpolizisten, der betrunken von einem Hund attackiert wird. In der Verwechslungskomödie Der Job seines Lebens (2003) sowie in deren Fortsetzung Der Job seines Lebens 2 – Wieder im Amt (2004) übernahm er neben Wolfgang Stumph die Rolle des Ministers Bernd Neuenfels. In dem halbdokumentarischen Spielfilm Die Stunde der Offiziere war er 2003 in der Rolle des Offiziers Henning von Tresckow, eines Widerstandskämpfers des Attentats vom 20. Juli 1944, zu sehen.

Besonders im Krimi-Genre hinterließ Schütz nachhaltigen Eindruck und entwickelte sich zu einem der profiliertesten und wiederkehrenden Darsteller der ARD-Reihe Tatort. Seit Mitte der 2000er-Jahre übernahm er in weit über zehn Episoden vielschichtige, oft zwielichtige Rollen für verschiedene Ermittlerteams – darunter an der Seite von Axel Milberg in Borowski in der Unterwelt (2005), als Ex-Stasi Peter Wagner im Kölner Tatort Der Tod der Anderen (2021, Regie: Torsten C. Fischer)Der Kölner „Tatort“ rührt eine Stasi-Geschichte auf. In: Tagesspiegel vom 8. Januar 2021. und als vermögender Wirtschaftsanwalt Konrad Seibold im Frankfurter Tatort: Wer zögert, ist tot (2021, Regie: Petra Lüschow) der Ermittler Janneke und Brix. Ein darstellerischer Höhepunkt im Fernsehen gelang ihm 2012 in der grotesken Polizeiruf 110-Folge Die Gurkenkönigin. Unter der Regie von Ed Herzog spielte Schütz den hochgradig verdächtigen Ehemann Günther König an der Seite von Susanne Lothar als titelgebende Spreewald-Fabrikantin sowie Sophie Rois als Ermittlerin, der seine eigene Ehefrau kurz nach ihrem 50. Geburtstag erschießt. Von 2007 bis 2008 übernahm er in der ZDF-Serie KDD – Kriminaldauerdienst die Rolle des Polizeivizepräsidenten und späteren Innensenators Dr. Wolfgang Jacobi. Von 2011 bis 2016 spielte er in der ARD-Krimireihe Der Bulle und das Landei den Bürgermeister Udo Drömmer. Im Jahr 2016 war Schütz in den ersten beiden Filmen der ZDF-Reihe Solo für Weiss zu sehen, in denen er an der Seite von Steffi Kühnert das Ehepaar Harms verkörperte, dessen Tochter Jahre zuvor spurlos verschwunden war.

Für seine Leistung in dem Drama Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen (2011) unter der Regie von Marc Bauder erhielt Schütz zudem eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis 2012. In dem ARD-Fernsehfilm Alles für meine Tochter spielte er 2013 den Familienvater Erik Liebner, der mit seiner Frau eine Tochter adoptiert hat und nach etlichen Jahren verstehen muss, dass ihre Lehrerin die leibliche Mutter ist. Für den ARD-Film Helmut Schmidt – Lebensfragen übernahm er 2013 die Rolle des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt.

Mitte der 2010er-Jahre festigte Schütz seinen Ruf als wandlungsfähiger Akteur in sowohl komödiantischen als auch hochdramatischen Formaten. In der ZDF-Politsatire Eichwald, MdB (2015–2019), inszeniert von Fabian Möhrke, glänzte er in der Titelrolle des desillusionierten Bundestagsabgeordneten Hajo Eichwald, was ihm eine Nominierung für den Deutschen Schauspielpreis einbrachte. Im Kino feierte er mit der Sozialsatire Einsamkeit und Sex und Mitleid (2017) unter der Regie von Lars Montag Erfolge. Gleichzeitig wirkte Schütz an internationalen Kinoproduktionen mit: In dem hochgelobten Spionagethriller A Most Wanted Man (2014) spielte er unter der Regie des Niederländers Anton Corbijn an der Seite von Philip Seymour Hoffman. Auch im Serienerfolg Babylon Berlin (ab 2017) unter dem Regie-Trio Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendrik Handloegten übernahm er eine wiederkehrende Rolle. Eine weitere vielbeachtete Kinohauptrolle spielte er als Kunstdieb Vincent Kowalski, der das Kasimir-Malewitsch-Gemälde „Das Schwarze Quadrat“ entwendet hat, an der Seite von Jacob Matschenz und Sandra Hüller in der Filmkomödie Das Schwarze Quadrat (2021).ZDF-Koproduktion "Das schwarze Quadrat" ausgezeichnet. Pressemitteilung des ZDF. Abgerufen am 20. November 2025.

Seit Mitte der 2020er-Jahre zeichnet sich sein Wirken durch eine enorme Dichte an hochkarätigen Streaming- und Kinoprojekten aus. Für seine Leistung als Chefarzt Olaf Hendel in der dramatischen Krankenhausserie KRANK Berlin (2025–2026), inszeniert von Fabian Möhrke und Alexander Schaad, gewann er den Ensemblepreis beim Deutschen Fernsehpreis. Seine komödiantische Ader stellte er parallel in den Serien Der Upir (2024, Regie: Peter Meister) als Vampirjäger sowie in Die StiNos – Ganz besonders stinknormal (2024, Regie: Ivan Sáinz-Pardo) unter Beweis. Im Kino war er im vierteiligen Monumentalprojekt Die Ermittlung (2024) von RP Kahl zu sehen und übernahm Rollen in der Tragikomödie Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße (2025) von Wolfgang Becker sowie in der Weihnachtskomödie Eine fast perfekte Bescherung (2025, Regie: Ulli Baumann). Mit Phil Lords und Chris Millers Science-Fiction-Abenteuerfilm Der Astronaut – Project Hail Mary gab er 2026 neben Ryan Gosling in der Nebenrolle des Voigt sein Hollywood-Debüt. Zudem war er im selben Jahr in der Prime-Video-Komödie Fabian und die mörderische Hochzeit (Regie: Markus Sehr) sowie in dem historischen Kinodrama Bärenjagen zu sehen, das eine erneute Zusammenarbeit mit Regisseur Peter Meister markierte.

Schütz gastierte im Verlauf seiner Karriere vor der Kamera in zahlreichen Krimiserien, u. a. in Bella Block, Ein starkes Team, Wilsberg, Marie Brand, Mord mit Aussicht, Kommissarin Heller und Der Barcelona-Krimi. Er wirkte zudem in einigen Kinder- und Jugendproduktionen, wie 2017 als Kaiser in Carsten Fiebelers Märchenadaption Der Schweinehirt nach Hans Christian Andersen.

Schütz ist Mitglied im Bundesverband Schauspiel (BFFS) und der Deutschen Filmakademie., Bundesverband Schauspiel, bffs.de abgerufen am 7. Dezember 2015.

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