mini|Die Abtei St. Marien am Ufer in Trier, um 1794 mini|Sankt Marien, links die Mosel, 1550 (aus Sebastian Münsters Cosmographiae Universalis) mini|Abbildung des Klosters St. Marien auf dem Trierer Gerichtsbild von 1589 mini|Der erhaltene Ostflügel: Ehemalige Klosterrückseite und heutiges Jugendzentrum ExHaus mini|Die Rückseite des Ostflügels mit Graffiti des Jugendzentrums mini|Wappen (1765) am Landhaus des Klosters, Trier, Am Stadion 1 Das Kloster St. Marien oder St. Maria ad ripa (lat., dt. St. Maria am Ufer, d. h. am Moselufer), ab dem 12. Jahrhundert St. Maria ad martyres (lat., dt. St. Maria zu den Märtyrern), war ein bischöfliches Kloster vor den nördlichen Stadtmauern von Trier, im heutigen Trier-Nord. Das Kloster war eine der vier großen Benediktinerabteien außerhalb der Trierer Stadtmauern. Die Abtei hatte ihre Anfänge im 7. Jahrhundert und wurde unter Napoleon aufgelöst und teilweise abgerissen. Die verbliebenen Gebäude wurden im 19. Jahrhundert zunächst als Kaserne, dann als Verwaltungssitz der in Trier stationierten preußischen Divisionskommandeure genutzt. Von 1972 bis 2019 war dort das Jugendzentrum Exzellenzhaus (ExHaus) beheimatet.
Geschichte Einer Überlieferung zufolge war hier die älteste Residenz der Trierer Bischöfe in der Zeit Konstantins des Großen, bis der Bischof in den Trierer Dom überwechselte.Elisabeth Adams: (PDF) In: Eine Stadt im Mittelalter. Trier im Mittelalter – ein Stadtführer für Groß und Klein (Projektstudie zum mittelalterlichen Trier an der Universität Trier im Wintersemester 2002/03).(PDF; abgerufen am 24. Oktober 2007) S. 44
Im 7. Jahrhundert errichteten hier Benediktiner ein Kloster, dessen Front zur Mosel zeigte. Mindestens bis 975 waren hinter dem Hauptaltar der Abteikirche die Gebeine des im 7. Jahrhundert verstorbenen Heiligen Beatus von Trier untergebracht.
Im Normannensturm im April 882 wurde St. Marien stark beschädigt. Im 10. Jahrhundert lebten zeitweilig Kanoniker in St. Marien.
Von 1006 bis 1015 kam es zur „Moselfehde“, einem Streit um den Bischofsstuhl des Trierer Erzbistums. Obwohl der Erzbischof Megingod päpstlich bestätigt war, konnte sich der Gegenkandidat Adalbero von Luxemburg neun Jahre lang in Trier halten. Er vertrieb die Mönche aus dem bischöflichen Kloster St. Marien und ersetzte sie durch Kanoniker. Erst nach dem Tod von Megingod kam es zu einer Einigung der Parteien, und 1017 erlangte der Nachfolger Megingauds, Poppo von Babenberg, den Trierer Bischofssitz zurück. Fast unmittelbar darauf ließ Poppo das Kloster wieder herrichten, und noch im gleichen Jahr konnten die Mönche nach St. Marien zurückkehren. Poppo war es auch, der die Gebeine von St. Beatus in ein Kloster vor Koblenz überführen ließ, aus dem später die Koblenzer Kartause hervorging; die genauen Gründe für die Übereignung lassen sich heute nicht mehr klären.laut Ortwin Reich: Teil von Vom Beatusberg zum Fort Konstantin. Kirche, Kloster, Festung. Beides auf www.oreich.de, S. 6–8, (PDF; abgerufen am 24. Oktober 2007)
Im 12. Jahrhundert nahm St. Marien als Reaktion auf die weit verbreitete Heiligenverehrung den Namen St. Marien ad martyres an. Das Kloster blühte und wurde zeitweilig reicher als die nahe Abtei St. Martin. Im 14. Jahrhundert begannen jedoch wirtschaftliche Schwierigkeiten. mini|Wallfahrtskapelle Giersterklaus
Zweimal musste das Kloster nach Zerstörungen neu aufgebaut werden. Berüchtigt war seine Niederreißung 1675 durch die Franzosen, während des Holländischen Krieges. Deren Kommandeur, Graf Vignory, ließ alle Gebäude außerhalb der Stadtbefestigung niederreißen, um Angreifern weder Deckung noch Unterschlupf zu bieten (siehe Schlacht an der Konzer Brücke). Das Kloster St. Marien ließ er verschont. Nachdem aber bald darauf ein Sturz vom Pferd Graf Vignory das Leben gekostet hatte, befahl dessen Nachfolger, Marschall Créquy, den Abriss auch dieses Klosters. Um 1730 wurde die Klosteranlage im Barockstil neu gestaltet.
Auflösung und Teilabriss des Klosters und Zeit danach
Nach der Eroberung Triers 1794 durch die Franzosen, zu Beginn der französischen Revolutionskriege, diente es nach Vertreibung der Mönche als Kaserne. Nach erfolgter Säkularisation 1797 wurden, zur Zeit Napoléon Bonapartes, die Klosterkirche und Teile der Wohngebäude zwischen 1804/05 und 1807 abgerissen. Nur der Ostflügel (die Rückseite des Klosters) verblieb. Nachdem Trier auf dem Wiener Kongress an Preußen gefallen und Teil der Rheinprovinz geworden war, nutze die preußische Armee das Gebäude. Zeitweilig lebte auf dem Areal der jeweilige Trierer Divisionschef.Geschichte I auf www.exhaus.de (abgerufen 25. Oktober 2007) Von diesen Offizieren leitet sich der heutige Name des Exhauses ab: Vom Generalleutnant aufwärts stand ihnen in Preußen die Anrede „Exzellenz“ zu. Die ursprünglich wohl nur umgangssprachliche Bezeichnung Exzellenzhaus hielt dann irgendwann Einzug in den offiziellen Sprachgebrauch und wurde schließlich zu Exhaus verkürzt.
Als Hinterlassenschaft der Klosterzeit sind in der Region mehrere Hofhäuser (Kasel, Wiltingen, ...) und die Wallfahrtskapelle Mariä Himmelfahrt (Girsterklause) erhalten.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg verließ das Militär das Gebäude, in dem daraufhin Verwaltung untergebracht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg benutzten die in Trier stationierten Franzosen den Bau als Lagerräume. Unter anderem wurden im Keller die Kartoffeln untergebracht, die die Bauern der Umgebung als Steuern zu entrichten hatten. In den 50er und 60er Jahren wurde nicht mehr das gesamte Gebäude genutzt, und es verfiel zunehmend.
Am 9. Mai 1972 wurde von jungen Leuten, darunter dem späteren Trierer Oberbürgermeister Helmut Schröer, der Verein Exzellenzhaus als selbstverwaltetes Jugendzentrum gegründet, das heute vor allem Jugendkulturarbeit durchführt. Der ehemalige Klosterbau wurde daraufhin von der Stadt Trier zum Jugendzentrum „Exzellenzhaus“, üblicherweise abgekürzt als „ExHaus“, umgestaltet. 1980 musste der Südteil wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Ab 1983 wurde das Gebäude schrittweise saniert, musste aber wegen Baumängeln 2019 komplett geschlossen werden.
Äbteliste
Name Amtszeit Deodat 973 Hildebold 980 Warinarius 1000 Uroldus [Uraldus] 11. Jh. Bernhard1115 Petrus 1136 Ludwig 1153Rainbald 1162 Hermann 1196 Dietrich1201 Richard von der Brücke 1220 Theodor 1242 Robert von Warsberg-Rollingen 1261–1263 Ägidius von Manderscheid 1263 Peter 1278 Theodor 1285 Ja... 1293 Walram 1307 Gerhardus 1329–1368 Theodor 1368 Matthias Stumpf von Waldeck 1417–1427 Heinrich I. Wolff von Sponheim 1429–1451 Heinrich II. von Blenich 1447–1477 Johannes I. von Breda1477–1492 Johannes II. aus Trier 1492–1509 Caspar von Breda 1509–1526 Johann Schenen 1526–1544 Petrus von Alff 1544–1548 Johannes IV. aus Kobern 1548–1565 Petrus VI. aus Karweiler 1565–1581 Lukas Sehl 1581–1586 Petrus VII. aus Bernkastel 1586–1595 Jakob II. aus Güls 1595–1607 Johannes Jodocus Milvius aus Bernkastel 1607–1624 Johannes V. Lack aus Mainz 1624–1632 Aegidius II. Wahl 1632–1634 Johannes Petrus Mertert 1634–1636 Johannes VI. Kalter 1636–1678 Matthias Scholer 1678–1704 Petrus VIII. Questor 1704–1711 Jakob III. Horst 1711–1730 Benedikt Scholer 1730– Petrus IX. Cremes –1761 Thomas Valentini 1761–1786 Placidus Mannebach 1786–1801
Literatur Friedhelm Jürgensmeier, die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999.
Weblinks Benediktinerabtei Sankt Marien zu den Märtyrern, In: kuladig.de
Einzelnachweise
St. Marien Kategorie:Ehemaliges Kloster in Trier Kategorie:Marienkloster Kategorie:Kloster (7. Jahrhundert) Kategorie:Zerstört in den 1800er Jahren