Das Landeswappen Hessens zeigt im blauen Schilde einen von Silber und Rot geteilten, golden bewehrten Bunten Löwen der Ludowinger.
Geschichte des Wappens Bunter Löwe
Das Landeswappen Hessens und das Thüringer Landeswappen gehen zurück auf Siegel und Wappen aus dem Mittelalter. Das Wappentier in beiden Landeswappen und in einer Reihe weiterer Wappen wird „Bunter Löwe“ genannt. „Hessenlöwe“ ist die Bezeichnung des Löwen im Landeswappen Hessens. Diese Bezeichnung bezieht sich auf das silber-rot-gestreifte Wappentier mit der ausgeschlagenen Zunge in Rot. Es ist ein von Silber und Rot neunmal geteilter (d. h. zehnstreifiger) Löwe.
Der Löwe wurde ursprünglich von den Ludowingern benutzt, die Landgrafen in Thüringen waren und im 12. und 13. Jahrhundert auch große Teile Nord- und Mittelhessens regierten. Er wird bis heute in Hessens Wappen verwendet.
Die älteste Wappendarstellung ist die im Schild des Landgrafen Konrad von Thüringen († 1240), Ludowinger Regent von Hessen (bis 1234) und Hochmeister des Deutschen Ordens (ab 1239). Der Schild hing zeitweilig in der Marburger Elisabethkirche als Totenschild; mittlerweile ist er als Exponat einer Sammlung des Universitätsmuseums für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität Marburg im Marburger Schloss ausgestellt.
Geringfügig jünger (vermutlich 1240, dem Todesjahr Konrads) ist das Wappen des Konrad von Thüringen am Fuße seines Grabmals im Landgrafenchor der Marburger Elisabethkirche – links daneben das Wappen des Deutschen Ordens.
mini|links|hochkant|Initiale im Willehalm-Kodex Landgraf Heinrich I. von Hessen (1244–1308) führte nach dem 1264 erfolgten Erwerb des hessischen Territoriums den Löwen erstmals auf seinem für 1269 belegten großen Reitersiegel als „hessischen Löwen“ im Schild. Dies gilt als erster Beleg des hessischen Löwen als Wappen auf einem Siegel.
Neben dem Schild des Landgrafen Heinrichs I., das nur in Ansätzen eine Kolorierung des Wappens aufweist, ist die Initiale im Willehalm-Kodex (1334, siehe Bild links) die erste farbige Darstellung des hessischen Wappens mit dem bunten Löwen.
Die Initiale befindet sich am Beginn des Epos Arabel, einer Vorgeschichte des Ulrich von dem Türlin zu dem Epos Willehalm des Wolfram von Eschenbach in einer Prachthandschrift.
Bis 1918 repräsentierten die Herrscherwappen zugleich die Länder. Die Entwicklung der hessischen Fürstenwappen ist typisch für den Brauch, durch Hinzunahme von Wappenbildern der neu erworbenen Gebiete in den Schild dessen Inhalt immer üppiger, gleichzeitig aber auch unübersichtlicher zu gestalten. Zuerst führte der Erwerb der Grafschaft Ziegenhain mit Nidda 1450 zu einer Wappenmehrung: Anfangs in gesonderten Schilden neben dem Löwen, nach 1471 in den Feldern 2 und 3 des gevierten Schildes treten Ziegenhain und Nidda auf. Der Anfall von Katzenelnbogen mit einem Teil der alten Grafschaft Diez 1479 gab den nächsten Anlass zur Wappenänderung. Wie der Totenschild des Landgrafen Heinrichs III. von 1484 und Wappenbücher seit 1492 zeigen, nahm man anfangs im gevierten Schild außer Hessen und Nassau den früher „Leopard“ genannten herschauenden Löwen der Katzenelnbogener und die Löwen von Diez auf und stellte das Ziegenhainer Wappen in einen Herzschild.
Vom Reichstag zu Worms (1495) wird berichtet:
Im 16. Jahrhundert bürgerte sich im gevierten Schild die Reihenfolge Katzenelnbogen, Ziegenhain, Nidda und Diez mit dem landgräflichen Löwen im Herzschild ein. Zu dem bis dahin im Oberwappen fast ausnahmslos allein stehenden hessischen Helm mit den beblätterten Büffelhörnern kamen damals auch die Helmzieren von Katzenelnbogen und Ziegenhain.
Die Teilung Hessens 1567 war lange Zeit ohne heraldische Folgen; für die zuerst vier, dann nur noch zwei Teilfürstentümer (Kassel und Darmstadt) galt das gleiche Wappen. Erst 1659 betonte die Heraldik den Gebietszuwachs, den 1642 der Anfall kleiner Isenburger Gebiete und endgültig 1648 der Erwerb des Fürstentums Hersfeld und eines Teils der Grafschaft Schaumburg gebracht hatten: In den sechsfelderigen Schild setzte man fortan die Zeichen für Hersfeld, Ziegenhain, Katzenelnbogen, Diez, Nidda, Isenburg und schließlich das Schaumburger Nesselblatt, während der Herzschild weiterhin den hessischen Löwen zeigte. Das Erlöschen des Hanauer Fürstenhauses verursachte nach 1736 die Einfügung von Teilen seines siebenfelderigen Schildes (mit Bitsch, Hanau, Rieneck, Zweibrücken, Münzenberg, Ochsenstein und Lichtenberg) in die Wappen der Landgrafen von Kassel und Darmstadt als der Erben. Seit 1774 bestand das Wappen der Linie Darmstadt aus zehn Feldern mit Herzschild; seit 1804 war die Anzahl der Felder einschließlich des Herzschilds auf 17 angestiegen, die den Besitzstand vor der Erhebung zum Großherzogtum (1806) illustrierte.
Landgrafschaft Hessen mini|hochkant|Landgrafschaft Hessen Das Wappen der Landgrafschaft Hessen (1247–1567) ist in Johann Siebmachers Wappenbuch aus dem Jahr 1605 überliefert. Es zeigt im Herzschild den „Bunten Löwen“ bzw. den „Hessenlöwen“.
Landgrafschaft Hessen-Darmstadt mini|hochkant|Landgrafschaft Hessen-Darmstadt
Das Wappen der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (1567–1806) ist geteilt und zweimal gespalten, die Felder 3, 4, 5 und 6 jeweils geteilt: Fürstentum Hersfeld (ehemalige Abtei, 1648 an Hessen-Kassel. Hessen-Darmstadt, selbst ohne Gebietsgewinn, zog heraldisch nach und bildete Hersfeld ebenfalls ab.): in Silber ein rotes Patriarchenkreuz. Grafschaft Ziegenhain: von Schwarz über Gold geteilt, oben ein sechsstrahliger, silberner Stern.
Grafschaft Katzenelnbogen (1479 an Hessen): In Gold ein blau gekrönter, roter Löwe. Grafschaft Nidda (1450 an Hessen): Von Schwarz über Gold geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne.
Grafschaft Diez (1386 an Katzenelnbogen, nach deren Aussterben 1479 an Hessen): In Rot zwei schreitende goldene Leoparden übereinander. Hanau (1736 erhalten nach Aussterben der Grafen von Hanau): In Gold drei rote Sparren übereinander.
Grafschaft Schaumburg (1648 an Hessen-Kassel): In Rot ein von Silber über Rot geteiltes Schildchen umgeben von einem silbernen Nesselblatt. Herrschaft Lichtenberg: Innerhalb eines roten Bordes ein schwarzer Löwe, rot bewehrt und gezungt.
Grafschaft Isenburg-Büdingen: In Silber zwei schwarze Balken. Grafschaft Ochsenstein: In Silber zwei rote Balken. Herzschild: In Blau ein von Silber und Rot neunfach geteilter, golden gekrönter und bewehrter Löwe (Landgrafschaft Hessen).
Großherzogtum Hessen mini|hochkant=1.2|Großes Majestätswappen des Großherzogtums Hessens, um 1890 In den hessischen Wappen wechselte die Zahl der Teilungslinien auf dem Löwen lange Zeit und auch in den neueren Wappen Preußens und der sächsischen Staaten war sie verschieden, obwohl sich für Hessen die neunmalige Teilung längst durchgesetzt hatte. Silber für den obersten Streifen wurde erst im späten 15. Jahrhundert zur Regel. Die Helmdecken waren zunächst blau und rot (so 1334), später vorwiegend rot und silbern. Auf die Beifügung anderer Territorialwappen zum Hessenlöwen, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aufkam, wurde im Großherzogtum Hessen von 1808 bis 1902 wieder verzichtet.
Klemens Stadler schreibt dazu:
Der Löwe erschien erstmals mit königlicher Krone und Schwert als zusätzliche Rang- bzw. Würdezeichen. Damit wurde erstmals seit mehr als 500 Jahren das hessische Stammwappen grundlegend verändert. Es wurde am 29. Juli 1808 eingeführt.
Die Bewaffnung mit einem Schwert und somit die Abkehr von vormaligen Wappen wurde von Zeitgenossen kritisch bewertet. Ulrich Friedrich Kopp sagte im Jahr 1831:
Auf andere Weise kritisierte später Bernhard von Koehne:
Kurfürstentum Hessen
Das Kurfürstentum Hessen bestand von 1814 bis 1866. Die 1803 zur Kurwürde gelangte Linie Kassel benutzte bis zur Absetzung 1866 als großes Wappen einen je zweimal gespaltenen und geteilten Schild, der einschließlich des Herzschilds mit dem einschwänzigen, gekrönten und neunmal von Silber und Rot geteilten Löwen (ohne Schwert) insgesamt dreizehn historische Wappen aufwies: in Silber ein schwarzes Balkenkreuz (Fürstentum Fulda) geteilt; oben geviert mit von Rot und Gold geteiltem Mittelschild (Münzenberg), 1 und 4 in Gold drei rote Sparren (Hanau), 2 und 3 siebenmal von Rot und Gold geteilt (Grafschaft Rieneck); unten in Gold ein roter Löwe (Katzenelnbogen) in Silber schwebendes rotes Patriarchenkreuz (Fürstentum Hersfeld) Ziegenhain Herzschild Hessen Nidda in Blau schwebendes goldenes Kreuz mit erhöhtem Querarm (Fürstentum Fritzlar) geteilt; oben in Rot zwei schreitende goldene Löwen (Grafschaft Diez), unten in Rot ein silbernes Nesselblatt, belegt mit von Silber und Rot geteiltem Schild (Grafschaft Schaumburg) in Silber zwei schwarze Balken (Isenburg) Schildhalter: Zwei goldene Löwen mit Königskronen. Das kleine Wappen war der Herzschild, darauf die Königskrone.
Herzogtum Nassau Das Dynasten-Geschlecht von Laurenburg (Haus Nassau) nannte sich seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nach der Burg Nassau an der Lahn. Seit 1255 erfolgten zahlreiche Teilungen in Linien, die nach den jeweils regierten Hauptgebieten (Nassau-Weilburg, Nassau-Dillenburg, Nassau-Hadamar, Nassau-Usingen, Nassau-Saarbrücken, Nassau-Dietz etc.) benannt werden und deren Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Haus durch Erbvereine immer wieder neu bekräftigt wurde. Die Erhebungen der Mitglieder des Gesamthauses in den Fürstenstand begannen 1650; 1806 vereinigten sich die Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zum Herzogtum Nassau.
Der Löwe mit einem in zwei Reihen gestückten Schildbord kommt erstmals im Siegel des Grafen Walram vor 1198 vor. Die für den Nassauer Schild typischen Schindeln, mit denen das Feld unregelmäßig bestreut ist, erscheinen siegelmäßig seit 1221 und waren zweifellos ein Beizeichen zur Unterscheidung des Wappenbilds des Grafen Heinrich II. von demjenigen seines Bruders Ruprecht IV. Sie hatten anfänglich eine hochrechteckige Form, wurden aber später in der Regel abgeschrägt dargestellt, zuweilen auch waagrecht- oder schrägliegend; die Festlegung ihrer Zahl nahm erst die Büroheraldik im späten 18. Jahrhundert vor. Seit dem 15. Jahrhundert ist der Nassauer Löwe golden gekrönt, seine rote Bewehrung wurde 1783 erneut bestätigt. Die Tingierung Gold für den Löwen und die Schindeln sowie Blau für das Feld stehen seit den ältesten Nachweisen fest. Als erste Helmzier ist seit dem frühen 14. Jahrhundert ein halbkreisförmiges Schirmbrett bekannt, dessen Fläche von sieben bogenförmigen Linien geteilt ist. 1353 wurde die später vorwiegende Helmzier eingeführt: Ein sitzender Löwe zwischen zwei schindelbestreuten blauen Büffelhörnern; sie ging von den Pfälzer Kurfürsten zu Lehen. Die Helmdecken sind blau und golden.
Preußische Provinz Hessen-Nassau Das Hoheitszeichen der preußischen Provinz Hessen-Nassau blieb bei der Schöpfung des Staatswappens von 1948 unberücksichtigt. Es war 1892 im Zuge der Einführung preußischer Provinzwappen geschaffen worden und kombinierte drei alte Wappen wichtiger Territorien: Gespalten durch eine eingebogene rote Spitze, darin ein golden bewehrter silberner Adler (ehemalige Freie Stadt Frankfurt); rechts in Blau ein linksgewendeter, golden gekrönter, siebenmal (nach dem preußischen Herkommen!) von Silber und Rot geteilter Löwe (Hessen-Kassel); links in Blau ein golden gekrönter, rot bewehrter goldener Löwe zwischen goldenen Schindeln (Herzogtum Nassau). Im größeren Wappen waren dem Schild als Schildhalter rechts ein wilder Mann mit der preußischen Königsstandarte, links ein gepanzerter Ritter mit der Provinzstandarte, darin das Provinzwappen, beigefügt; auf dem Schild zwei golden gekrönte Spangenhelme mit den Helmzieren von Hessen (aber mit grünen Birkenblättern) und Nassau (in der oben beschriebenen neueren Gestaltung); die Helmdecken rechts rot, silbern; links blau, golden.
Großherzogtum Hessen