Die Schlange (lateinisch Serpens) ist ein Sternbild in der Nähe des Himmelsäquators, das aus zwei Regionen besteht – Schlangenkopf (Serpens Caput) und Schlangenschwanz (Serpens Cauda) –, zwischen denen die Region des Sternbildes Schlangenträger (Ophiochus) liegt.

Beschreibung 150px|mini|Das Sternbild Schlange (Schwanz), wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann150px|mini|Das Sternbild Schlange (Kopf), wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann

Die Schlange ist das einzige Sternbild am Himmel, das aus zwei nicht zusammenhängenden Teilen besteht. Die beiden Teile werden aus lang gezogenen Sternketten gebildet, die vom Schlangenträger (Ophiuchus) unterbrochen werden. Der westliche Teil der Schlange wird als Serpens Caput (Schlange, Kopf), der östliche als Serpens Cauda (Schlange, Schwanz) bezeichnet. Der Kopf hat eine markante Dreiecksform.

Serpens Cauda liegt im Randbereich der Milchstraße. Hier findet man den bekannten Gasnebel M 16, auch Adlernebel genannt, und den offenen Sternhaufen IC 4756.

Geschichte Die Schlange gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Ptolemäus beschrieben wurden.

1970 wurde in der Schlange die Nova FH Serpentis entdeckt.

Mythologie Die Griechen der Antike sahen in dem Sternbild eine Schlange, die von dem heilkundigen Asklepios (lat. Äskulap) – dem Schlangenträger – getragen wird. Es handelt sich um die gleiche Schlange, die sich um den Äskulapstab, das Symbol der Heilkunst, windet.

Einer Version nach fiel Glaukos, der Sohn des kretischen Königs Minos, in ein Honigfass und erstickte darin. Der Seher Polyeidos fand den Jungen. Minos ließ daraufhin den Seher zusammen mit dem Toten einsperren und befahl ihm, seinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken. Als eine Schlange auf Polyeidos zukroch, tötete er diese. Sofort kam eine zweite Schlange mit Kräutern im Maul hinzu und erweckte die tote Artgenossin damit zum Leben. Polyeidos wandte das gleiche Mittel bei Glaukos an, der tatsächlich erwachte.

Einer anderen Version nach soll Asklepios den Jungen wieder erweckt haben.

Himmelsobjekte Sterne B F Namen o. andere Bezeichnungen Größe Lj Spektralklasse 24 Unukalhai, Unuk al Hay, Unuk, Cor Serpentis 2,63m 73 K2 III 58 3,23m 62 K0 III-IV 32 3,54m 156 A0 V 55 3,54m 105 F0 IIIp 28 Chow 3,65m 153 A3 V 37 3,71m 70 A2 Vm 41 3,85m 36 F6 V 63 Alya 4,03m 132 A5 V 35 4,09m 349 M1 III 13 4,20m 210 F0 IV 56 4,24m 168 A2 Va 53 4,32m 193 A0 / A1 V 27 4,42m 38 G0 V 21 4,51m 192 A1 V 57 4,62m 76 F3V 38 4,74m 395 K5 III 44 4,82m 177 A3 V 50 4,82m 89 F0 V MQ 5,06 81 F8 III-IV 36 5,09 159 A3Vn 10 5,15 122 A8 IV 9 5,16m 919 M1 III R 5,16 911 M5 IIIe – M9e 5,20 210 F0 IV 59 5,20 479 G0 III + A6 V 34 5,21m 263 G8 III 16 5,26 235 K0p 3 5,32 467 K0 III 20 5,34m 228 A0p Sr 6 5,35 244 K3 III 60 5,38 236 K0 III HR 6016 5,39 494 K4 III HR 6858 5,39 471 K3 III 25 5,39 408 B8 III HR 5924 5,45 602 M0 III 11 5,50 270 K0 III

Der hellste Stern ist Alpha Serpentis im Kopf der Schlange. Es handelt sich um einen 73 Lichtjahre entfernten, orange leuchtenden Riesenstern mit dem 15fachen Durchmesser und der 35fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Sein Name Unuk ist arabischen Ursprungs und ist eine verkürzte Form von „Unuk al Hay“, „Hals der Schlange“. Eine andere Bezeichnung ist „Cor Serpentis“, lateinisch für „Herz der Schlange“.

Doppelsterne System Größen Abstand β 3,65 / 9,9 / 10,7m 31 / 207″ δ 4,2 / 5,2 / 14,7 / 15,2m 4 / 66 / 4,4″ θ 4,5 / 5,4m 22″

β Serpentis ist ein Mehrfachsternsystem, bestehend aus drei Sternen, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Das System ist 153 Lichtjahre entfernt. Zur Beobachtung benötigt man ein Teleskop ab 6 cm Öffnung. In der klassischen chinesischen Astronomie trug β Serpentis den Namen Chow und war ein Symbol der Zhou-Dynastie.

δ Serpentis ist ein Vierfachsternsystem in 210 Lichtjahren Entfernung. Es besteht aus zwei Paaren von Sternen. Die beiden Komponenten A und B sind Unterriesen der Spektralklasse F0 IV mit einem Winkelabstand von 4 Bogensekunden, die einander in 3200 Jahren umkreisen. Sie sind bereits in einem kleinen Teleskop von 5 cm Öffnung sichtbar. δ Serpentis B ist zudem ein veränderlicher Stern. Das zweite System besteht aus den lichtschwächeren Komponenten C und D, die einen Abstand von 4,4 Bogensekunden aufweisen.

θ Serpentis ist ein 132 Lichtjahre entfernter Doppelstern. Die beiden Sterne gehören der Spektralklasse A5 an und können bereits mit einem Prismenfernglas getrennt werden. Der Name Alya für das System θ Serpentis stammt aus dem arabischen und bedeutet „Fettschwanz“, womit eine bestimmte Schafrasse bezeichnet wird

Veränderliche Sterne Stern mVSX Periode Typ δ Serpentis B 4,23 ± 0,04 0,134 Tage Delta-Scuti-Stern R Serpentis 5,16 bis 14,4 356,4 Tage Mirastern U Serpentis 7,66 bis 14,7 239 Tage Mirastern W Serpentis 8,42 bis 10,2 14,15 Tage W-Serpentis-Stern χ Serpentis 5,33 ± 0,03 1,60 Tage Alpha2-Canum-Venaticorum-Stern CT Serpentis 6,0 bis 16,6 (p) 4,7 Stunden Nova Delta Serpentis B ist ein kurzperiodisch pulsationsveränderlicher Stern. In einem Rhythmus von nur 3 Stunden und 13 Minuten verändert sich seine Helligkeit um kaum merkliche 0,04 Größenklassen.

R Serpentis ist ein langperiodisch pulsationsveränderlicher Stern vom Mira-Typ in 900 Lichtjahren Entfernung. Über einen Zeitraum von 356,4 Tagen verändert er seine Helligkeit deutlich. Während des Helligkeitsmaximums ist er mit bloßem Auge zu erkennen, im Minimum benötigt man ein mittleres Teleskop. Er ist ein rötlicher Stern der Spektralklasse M6 III.

Messier- und NGC-Objekte Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name M 16 6611 IC 4703 6,0m Gasnebel Adlernebel M 5 5904 5,7m Kugelsternhaufen 6604 6,5m Offener Sternhaufen 6605 6,0m Offener Sternhaufen IC 4756 4,6m Offener Sternhaufen PGC 54559 16,4m Ringgalaxie Hoags Objekt In der Schlange sind zwei neblige Objekten sichtbar, die der französische Astronom und Kometenjäger Charles Messier in seinen Katalog (Messierkatalog) aufnahm.

M 5 ist ein Kugelsternhaufen in etwa 27.000 Lichtjahren Entfernung. Er ist einer der hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel. Im Fernglas erscheint er als nebliger Fleck. Mit einem mittleren Teleskop kann er am Rand in Einzelsterne aufgelöst werden.

M 16 ist der 7000 Lichtjahre entfernte Adlernebel. Bekannt sind Aufnahmen des Hubble-Teleskops, die gewaltige Gas- und Staubwolken zeigen. Diese Region ist ein Sternentstehungsgebiet. Um den Nebel zu beobachten, benötigt man ein Teleskop mittlerer Größe. Auffällig bei der visuellen Beobachtung ist aber eher der offene Sternhaufen, der in den Nebel eingebettet ist. Die komplexen Nebelstrukturen werden erst auf länger belichteten Fotografien sichtbar.

IC 4756 ist ein eher unscheinbarer offener Sternhaufen in 1400 Lichtjahren Entfernung. Im Prismenfernglas und im kleineren Teleskop sind etwa 50 Sterne sichtbar.

Hoags Objekt ist eine nahezu kreisrunde Ringgalaxie in etwa 600 Millionen Lichtjahren Entfernung.

Andere Objekte Der Quasar PDS 456 ist der hellste Quasar von der Milchstraße aus gesehen.

Siehe auch Liste der Sternbilder

Literatur Philip M. Bagnall: The Star Atlas Companion : What You Need to Know About the Constellations. Springer, New York 2012, ISBN 978-1-4614-0829-1, S. 414–418. Gerhard Fasching: Sternbilder und ihre Mythen. Springer, Wien 1998, ISBN 3-7091-7336-1, S. 165–169. Robin Hard: Constellation Myths, with Aratus's Phaenomena. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-871698-3, Kap. 18–19. Ophiuchus, the Serpent-bearer, and the Serpent. Ian Ridpath: Star Tales. Lutterworth, 1988, ISBN 0-7188-2695-7, (online).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Anerkanntes Sternbild