Der Görlitzer Park, umgangssprachlich auch „Görli“ genannt, zählt zu den großen Parks und Naherholungsgebieten im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Er wurde in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren nach dem Abriss der Bahnanlagen des alten Görlitzer Bahnhofs angelegt. Den Namen Görlitzer Bahnhof trägt seitdem nur noch der in der Nähe gelegene U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof. Im 14 Hektar großen Görlitzer Park gibt es unter anderem einen Kinderbauernhof, mehrere Sport-, Spiel- und Bolzplätze, zwei Aussichtsberge und einen kleinen See. Der Park wird von der Berliner Polizei als kriminalitätsbelasteter Ort geführt; Auswertungen der Jahre 2023 bis 2025 zeigen, dass der Großteil der registrierten Straftaten tagsüber begangen wird, was eine geplante nächtliche Schließung politisch umstritten macht.
Geschichte
Stilllegung des Bahngeländes mini|links|Das letzte Gleis, Mai 1987 mini|Tor für die Güterzüge und Beschaubrücke der DDR-Grenzsoldaten
Am 29. April 1951 war der Personenverkehr im Görlitzer Bahnhof endgültig eingestellt worden. Das in der Schlacht um Berlin Ende April 1945 zerstörte klassizistische Bahnhofsgebäude wurde auf Betreiben des damaligen Bausenators Rolf Schwedler (SPD) trotz Bürgerprotesten vieler Anwohner am 24. Oktober 1962 gesprengt und abgerissen, um einer Neubebauung des nicht mehr benötigten Bahngeländes Platz zu machen.
In der Nachkriegszeit befanden sich auf dem Gelände riesige Kohlenhalden. Von hier aus wurde ein Teil Berlins mit Brennmaterial versorgt. Bis 1985 verkehrten über die Verbindung noch Güterzüge zu auf dem Bahnhofsgelände ansässigen Betrieben (Kieslager, Lagerschuppen einer Spedition, Schrottplatz). An der Landwehrkanalbrücke war dafür extra ein Grenzübergang eingerichtet worden. Reste der eisernen Beschaubrücke an dieser Stelle sind bis heute erhalten. Heute erinnern ein kurzes Stück Gleis östlich der Kanalbrücke und zwei ehemalige Güterschuppen im Görlitzer Park an die ehemalige Nutzung als Bahnhof.
Vorgeschichte der Parkgestaltung Die Bürger- und Hausbesetzerbewegung in Kreuzberg forderte bereits Anfang der 1980er Jahre die Anlage eines Görlitzer Stadtparks. Im Frühjahr 1983 stand eine „Begrünung“ an:
Zu diesem Zeitpunkt wurde der ölverseuchte Boden der ehemaligen Schrottpresse ausgetauscht. Es befand sich noch Gewerbe auf dem Platz (Kohleversorgung). Die verantwortliche Reichsbahnvermögensverwaltung hatte sich jedoch kooperativ gezeigt und „am südlichen Geländerand entwickelte sich der Kinderbauernhof munter voran. Material- und Futterspenden von umliegendem Gewerbe fließen reichlich, der Bulldozer vom Zementwerk kam ab und an zum Planieren gespendeten Mutterbodens vorbei. Nur beim Geld für die Geländepacht hapert’s noch sehr.“Görlitzer Stadtpark rückt näher. In: Südost Express – Die Kreuzberger Lokalzeitung von Bürgern aus SO 36, Juli–August 1982, S. 3. Das Datum der Sprengung findet sich ebenfalls in diesem Beitrag.
Die Zustimmung des Umwelt- und des Finanzsenators stand zu jenem Zeitpunkt noch an.
Seit Ende der 1970er Jahre setzten sich Anwohnerinitiativen für ein eine schrittweise Verwandlung der Brachfläche in einen öffentlich zugänglichen Park ein. Nicht alle Kreuzberger unterstützten die Umgestaltungspläne: Im November 1987 wurden zwei für Bodensanierungsarbeiten eingesetzte Bagger von der Gruppe „Wildwuchs 36“ angezündet; in einem Schreiben wandte sie sich gegen die „studierte Verplanung“ der Freifläche. Die Täter wurden nie ermittelt, während sich die Parkinitiative deutlich von der Tat distanzierte und Protestversammlungen organisierte.
Kinderspielplatz Nach Angabe des Südost-Express hatte schon 1979 auf Initiative des ‚Vereins SO 36‘ „das Bezirksamt Kreuzberg das 4000 m²-Grundstück gemietet“. Das Bauamt wollte das Gelände jedoch als Bauplatz für das Spreewald-Bad nutzen. „Mehr als 1000 Unterschriften wurden bisher für diesen Spielplatz gesammelt. […] [Nach Verhandlungen] will sich jetzt das Bezirksamt um eine Lösung bemühen, die sowohl einen Bauplatz als auch einen Kinderspielplatz auf dem Görlitzer Bahnhof möglich macht.“Kinderspielplatz auf dem Görlitzer Bahnhofsgelände. In: Südost-Express, 12.79, S. 28.
Der Park seit den späten 1980er Jahren Ende der 1980er Jahre wurde dann auf dem ehemaligen Bahngelände ein Stadtteilpark nach Plänen der Freien Planungsgruppe Berlin errichtet. Heute erinnern nur noch Gleisreste, die Reste eines Fußgängertunnels, die ehemalige Einfassungsmauer und drei umgenutzte Güterschuppen im Görlitzer Park an die ehemalige Bahnhofsnutzung.
mini|Geräuschkulisse im Görlitzer Park, um 2013
Im Süden des heutigen Parks verbanden mehrere Eisenbahnbrücken das Bahnhofsgelände mit dem Bezirk Treptow, von denen noch eine erhalten ist und als Fußgängerbrücke direkt vom Park südlich der Lohmühleninsel über den Landwehrkanal führt. Über diese Brücke reicht ein Grünzug auf der ehemaligen Bahntrasse parallel zur Kiefholzstraße bis tief nach Alt-Treptow hinein, sodass Radfahrern und Fußgängern eine fast durchgehende Parkverbindung vom Lausitzer Platz durch den Görlitzer Park bis zum Treptower Park zur Verfügung steht. Bis zum Mauerfall verlief am Landwehrkanal die Berliner Mauer. Ebenfalls im südlichen Teil des Geländes, in der vom Görlitzer Ufer und der Wiener Straße gebildeten Ecke, befand sich ein Lokschuppen mit Drehscheibe. An dieser Stelle befindet sich heute ein Aussichtshügel mit Rutsche und einer rund 80 m langen Rodelbahn. Der Park grenzt im nord-/nordöstlichen Bereich an den Wrangelkiez.
Der Görlitzer Tunnel (im Berliner Volksmund unter seinem Spitznamen Harnröhre bekannt) war bis mindestens Ende 1989 noch begehbar und wich mit der Öffnung des Parks einer großen Mulde in der Mitte des Parks, die eine Art natürliche Arena bildet. Die ehemaligen Tunnelmauern wurden als Gestaltungselement mit einbezogen und sind noch heute erkennbar. Auf der Westseite der Mulde steht die mit 14 m Höhe weithin erkennbare, aus Stahlträgern gefertigte Skulptur Schreitender Mensch von Rüdiger Preisler.
Lage und Beschreibung
Begrenzungen Im Nordwesten des Geländes liegt der Spreewaldplatz, der ehemalige Bahnhofsvorplatz mit dem Bad am Spreewaldplatz, das 1984–1987 nach Plänen des Architekturbüros Christoph Langhof erbaut wurde. Im Norden schließt der Lausitzer Platz mit der zwischen 1890 und 1893 nach Planungen von August Orth erbauten Emmauskirche das Gebiet ab, getrennt vom Park durch ein Viadukt der auf der heutigen Skalitzer Straße verlaufenden Hochbahntrasse der ersten Berliner U-Bahn. Im Süden grenzt das Gelände an den Landwehrkanal und damit an den Ortsteil Alt-Treptow.
Ehemaliger Pamukkale-Brunnen und Pläne für die Neugestaltung des Parks
mini|Pamukkalebrunnen nach der Fertigstellung auf einer Infotafel zum Görlitzer Park mini|An ein Amphitheater erinnernde Terrassengestaltung
Eines der wesentlichen Gestaltungselemente des Görlitzer Parks war die vom Bildhauer Wigand Witting geschaffene Nachbildung der berühmten türkischen Sinterterrassen von Pamukkale, der Pamukkalebrunnen, der 1994–1997 auf der Rückseite des Spreewaldbades in den Hang gebaut und 1998 eingeweiht wurde. Die Anlage gilt als Erinnerungsort für die zahlreichen Kreuzberger Mitbürger aus der Türkei. Aufgrund einer fehlerhaften Unterkonstruktion und mangelnder Entwässerung der Fundamente sowie einer falschen Prüfweise für die aus Portugal stammenden Kalksteine, aus denen die Terrassenstücke von dem Bildhauer Wigand Witting und seinem Team geschlagen wurden, erlitt die Anlage bereits im ersten Winter so starke Schäden, dass sie aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Lange wurde um die Sanierung und Wiederherstellung gestritten. Im Oktober 2000 verurteilte ein Gericht den Künstler zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 1,1 Millionen Euro, das Urteil wurde im November 2008 in letzter Instanz bestätigt. Im Herbst 2009 wurde der zerbröselte Brunnenaufbau samt seiner zum damaligen Zeitpunkt noch intakten Skulpturen abgetragen. Der Abriss der mächtigen Stein-Skulpturen war umstritten und führte zu demonstrativen Aktionen aufgebrachter Kunstliebhaber und Anwohner. So gossen unbekannte Aktivisten anschließend große Mengen roter Farbe die Terrassenlandschaft hinunter, als Zeichen der Ausblutung eines für die Integration und Vielfalt der Kulturen in Berlin bedeutsamen Kunstwerks. Die übriggebliebenen Beton-Terrassen wurden zunächst mit Kunstrasen ausgelegt und bildeten eine Sitzgelegenheit. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. 2009 war der endgültige Abriss nicht mehr aufzuhalten; das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg rief in diesem Jahr eine Ideenwerkstatt zur anderweitigen Verschönerung des Parks ins Leben. In: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, 2010. Unter anderem gab es den Vorschlag, Essbare Landschaften zu gestalten, also mindestens 20–30 Obstbäume zu pflanzen. Die Finanzierung der Pflanzaktion sollte über Privatleute oder Stiftungen erfolgen. Aus dieser Idee entwickelte sich die Streuobstwiese.
2016 veröffentlichte das Bezirksamt ein Handlungskonzept Görlitzer Park, entstanden in Zusammenarbeit des Grünflächenamtes, des Integrationsbeauftragten, von Vereinen, Anwohnern, Mitgliedern der Anwohnerinitiative – als AG Görlitzer Park. Der nach einer umfassenden Bestandsaufnahme daraus entstandene 10-Punkte-Plan wird seitdem in kleinen Schritten realisiert.
Streuobstwiese mini|Streuobstwiese
Seit 2011 entsteht in der Mitte des Parks, östlich des Rondells, eine Streuobstwiese mit Apfel- und Birnbäumen sowie Reineclauden. Insgesamt waren es nach der dritten Pflanzung Anfang April 2013 rund 26 Bäume. Zum Gedenken an den im April 2013 verstorbenen Kreuzberger Schauspieler Eralp Uzun pflanzten Familienangehörige und Freunde im Mai 2013 einen weiteren Baum auf die Wiese. Diese Obstbaumwiese hatten die Kiezwandler ins Leben gerufen, eine lokale Gruppe der Transition-Town-Bewegung, mit Unterstützung vom Grünflächenamt des Bezirks. Engagierte Anwohner pflegen die Streuobstwiese in freiwilliger Arbeit. Die spätere Ernte soll wie bei einer Allmende für alle Besucher frei sein.
Kriminalitätsbelasteter Ort Der Görlitzer Park wird gemeinsam mit dem Wrangelkiez von der Berliner Polizei als Kriminalitätsbelasteter Ort geführt. Von 2021 bis August 2023 registrierte die Berliner Polizei im Görlitzer Park insgesamt etwa 4100 Straftaten, so viele wie in allen anderen Berliner Parks zusammen. 2022 stellte die Polizei 1567 Straftaten im Park fest, darunter rund 700 Fälle von Drogenhandel, knapp 300 Fälle von Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht von Ausländern, rund 160 Fälle von Diebstahl, 100 Fälle von Körperverletzungen, knapp 90 Fälle von Raubtaten wie Überfälle und sieben Sexualdelikte. Zu den in der öffentlichen Debatte genannten Alltagsproblemen gehörten neben Drogenhandel auch Funde von Spritzen und Exkrementen in Spielplatzsandkästen sowie Belästigungen von Frauen.
Neue, im September 2025 veröffentlichte Zahlen der Senatsverwaltung für Inneres (Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Bündnis 90/Die Grünen-Politikers Vasili Franco), die der taz vorliegen, zeigen, dass der Hauptteil der registrierten Straftaten tagsüber stattfindet: Von Januar bis Ende Juli 2025 wurden 588 Straftaten erfasst, davon 132 nachts zwischen 22 und 6 Uhr (22 %). 2024 wurden insgesamt 1211 Straftaten registriert (341 nachts), 2023 insgesamt 1675 (409 nachts). Die Senatsverwaltung korrigierte zugleich eine frühere Darstellung, wonach nächtliche Taten angeblich „verdoppelt“ worden seien; tatsächlich sank die Zahl nächtlicher Delikte von 2023 auf 2024 um 17 %. In der ersten Jahreshälfte 2025 entfielen zahlreiche Taten auf Kontrolldelikte (169 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, 95 gegen das Aufenthaltsgesetz); hinzu kamen unter anderem 81 Fälle von einfachem Diebstahl, 34 Raubdelikte und fünf Sexualdelikte. In den anliegenden Wohngebieten um den Park und im Wrangelkiez wurden im selben Zeitraum 2001 Delikte registriert. Der Park samt angrenzendem Kiez zählt zu den insgesamt sieben kriminalitätsbelasteten Orten in Berlin.