mini|Der Dom von der rechten Innseite aus bzw. Südansicht des Domes
Der Dom St. Stephan zu Passau, kurz Passauer Dom, ist eine ab 1668 erbaute barocke Bischofskirche in Passau. Er ist Bischofssitz und Hauptkirche des Bistums Passau.
Der römisch-katholische Sakralbau ist auf der höchsten Erhebung der Altstadt zwischen den Flüssen Inn und Donau, 13 m über der Donau und 303 m über dem Meer, erbaut worden. Der Passauer Dom ist einer der größten Dome mit dem größten barocken Kircheninnenraum nördlich der Alpen.
Geschichte Seit dem Frühmittelalter wurden an der Stelle des heutigen Baus mehrmals Bischofskirchen errichtet. Fünf verschiedene Bauaktivitäten können an dem heutigen Standort des dreischiffigen Domes nachgewiesen werden:
Um 720 kam es zur Gründung einer St. Stephan geweihten agilolfingisch-karolingischen Bischofskirche anstelle der römischen Batavinerbischofskirche (450 n. Chr.) der christlichen Gemeinde des hl. Severin. 739 erfolgte die römisch-kirchenrechtliche Konstituierung des Bistums Passau durch den hl. Bonifatius, damit wurde Passau Bischofssitz und die Kirche zur Kathedrale der Diözese. Der agilolfingisch-karolingische Bau wurde bei zwei Belagerungen Passaus durch Kaiser Otto II. 977 bzw. 978 zerstört. Reste dieses Baus konnten 2019 durch Bodenradar-Untersuchungen in 1 m bis 1,4 m unterhalb des heutigen Bodenniveaus durch Radaruntersuchungen im heutigen Mittel- und Süd-Schiff nachgewiesen werden.https://www.bistum-passau.de/artikel/grundriss-des-karolingischen-doms Zur Amtszeit Bischof Pilgrims wurde der Neubau einer dreischiffigen Episkopalkirche mit westlicher Doppelturmfassade errichtet. Als die beiden Tage, an denen die Achsrichtungen von Langhaus bzw. Chor festgelegt wurden, konnte nach neueren Forschungen der 8. bzw. der 12. März 982 ermittelt werden.Erwin Reidinger: Passau, Dom St. Stephan 982: Achsknick = Zeitmarke. In: Der Passauer Dom des Mittelalters. Veröffentlichungen des Instituts für Kulturraumforschung Ostbaierns und der Nachbarregionen der Universität Passau, Band 60. Passau 2009, ISBN 978-3-932949-91-3, , S. 7–32. Diese damals übliche getrennte Festlegung der Mittelachse von Langhaus und Chor ist noch heute als Achsknick zwischen Langhaus und Chor von 2,91° feststellbar. Die feierliche Weihe des Chors als des ersten Bauabschnitts fand am 5. August 985 statt. Dieses Weihedatum hat bis heute Gültigkeit, da bei allen späteren Bauphasen, die immer nur als Erweiterung oder Renovierung aufgefasst wurden, keine erneute Weihe des kompletten Doms stattgefunden hat. (Dass seit neuerer Zeit die Domkirchweihe am 3. August gefeiert wird, liegt wohl an einer Fehlinterpretation der Bauinschrift am hochgotischen Ostchor und einer Verwechslung zweier heute im Heiligenkalender nicht mehr existierenden Stephanusfeste. Die Bauinschrift nennt für die Grundsteinlegung des Chors den 7. Mai 1407; den Tag allerdings indirekt über den Gedenktag, wie es im kirchlichen Zusammenhang z. T. auch heute noch üblich ist. Am 7. Mai wurde die „Translation der Gebeine des hl. Stephanus“ gefeiert, am 3. August die „Auffindung der Gebeine des hl. Stephanus“.) Der frühgotische Dom entstand zwischen 1221 und 1313. Hierbei wurden das Langhaus neu gebaut und die Türme der Westfassade aufgestockt. Der spätgotische Ostteil (Chor, Vierungsturm und die Erhöhung des frühgotischen Mittelschiffes) wurde zwischen 1407 und 1598 von Baumeister Hans Krumenauer und seinen Nachfolgern Ulrich Seidenschwanz (ab 1439), Jörg Windisch (ab 1466) und zuletzt im 16. Jahrhundert Hans Glapsberger geschaffen. Der heutige etwa 100 m lange barocke Bau entstand von 1668 bis 1693 nach einem Brand im Jahr 1662. Der im Frühjahr 1664 gewählte neue Fürstbischof Wenzeslaus Graf Thun (1664–1673) stand vor der Aufgabe, den Wiederaufbau einzuleiten. Er war vor seiner Wahl Dompropst in Salzburg gewesen.
Von den früheren Bauten ist nur der spätgotische Ostteil erhalten. Hans Krumenauers spätgotischer, ursprünglich dreischiffiger Chor, das Querhaus und der Vierungsturm wurden dabei in die moderne Bauweise mit einbezogen. Die beiden gotischen Nebenapsiden der Seitenschiffe und die sog. Ortenburgerkapelle als ehemalige Seitenkapelle im Querschiff wurden beim barocken Umbau nicht mehr in den Kirchenraum integriert, sind aber zum Großteil in ihrer äußeren Bausubstanz wie z. B. im Treppenhaus zur Alten Residenz erhalten.
Die Gesamtplanung geschah durch Carlo Lurago, der die größte Prager Baugesellschaft straff organisierte und mit seinen Leuten einen Bau nach dem anderen aufführte. Er stammte aus Pellio Superiore. Aus dem Nachbardorf Ramponia kamen seine wichtigsten Mitarbeiter Francesco della Torre und Giovanni Battista Passerini senior, beide Steinmetzmeister.Helmuth Furch: In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Heimatort Ramponio d’Intelvi, Familien Passerini und della Torre, Nr. 47, 1997, S. 13–64. Alle drei gehörten zu der traditionsreichen Schule der Comasken genannten Steinmetze und Stuckateure aus der Provinz Como. Als Meister erhielten sie 1663 die Prager Bürgerurkunde. Die Steinmetzarbeiten beim Dom konnten nur von mehreren Meistern, die in Freundschaft miteinander arbeiteten (auf gleichen Gewinn), bewältigt werden. Prozessakten im Archiv der Stadt PragArchiv des Innenministeriums der Stadt Prag, Prozessakten 3. Juni–4. August 1678. Sophia Potzin und Gaudenus Casanova, ihr Waisenvormund contra Giovanni Battista Passerini und Francesco della Torre. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 47, August 1997, S. 36–48. Dokumentiert ist das gesamte Protokoll mit allen Antworten, die dazugehörenden Fragen sind (auch) im Original nicht vorhanden. berichten von großen Schwierigkeiten. Die endgültige Abrechnung erfolgte durch eine bauverständige Kommission mit Giovanni Pietro della Torre, dem Sohn und Nachfolger im Amt als königlicher Hofsteinmetzmeister.
Die Innenausstattung schuf Giovanni Battista Carlone, die Fresken wurden von Carpoforo Tencalla und Carlo Antonio Bussi gemalt.
1928 wurde die Staatliche Dombauhütte wegen fortdauernd notwendiger Reparaturarbeiten neu gegründet. Die erste Gesamt-Innenrestaurierung seit dem Stadtbrand von 1680 wurde von 1972 bis 1980 durchgeführt.
Äußeres mini|hochkant|Der Domhof mit der Domkuppel mit Übergang zwischen gotischem und barockem Bauabschnitt. Links ist das Stephanstürmchen zu erkennen. Hinter dem Brunnen befindet sich der Zugang zur Sixtus-Kapelle, am linken Bildrand befindet sich die Andreas-Kapelle. An der Ostseite des Domplatzes präsentiert sich die zweitürmige Barockfassade. Dass sich zwei stilverschiedene, riesige Baukörper der Spätgotik und des Barock innen wie außen so harmonisch zu einem ausgeglichenen Ganzen zusammenfügen, lässt den Passauer Dom unter allen Kathedralen des deutschen Kulturraumes eine Sonderstellung einnehmen („einen barocken Dom mit einer gotischen Seele“). Carlo Lurago schuf trotz der gotischen Anlagen (Scheitelhöhe 29 m; bei einer Mittelschiff-Breite von nur 12 m) einen in sich stimmigen hochbarocken Kirchenraum.
Nicht zuletzt die Kuppeln, Böhmische Kappen oder Platzlgewölbe genannt, geben dem Bauwerk ein unverkennbares Äußeres. Die achteckigen Obergeschosse der Westtürme mit den Glockenstuben und den neubarocken Hauben wurden erst 1896 aufgesetzt. Erst damals erreichten die Türme mit ihren 68 Metern die Höhe der Domkuppel. Die Helmglocke der spätgotischen Vierungskuppel stammt aus dem 18. Jahrhundert, als die ursprüngliche Haube erneuert wurde.
Im Untergeschoss des Südturms öffnet sich ein Tor zur schmalen Zengergasse, die ihn von der Alten Residenz (heute Sitz des Landgerichts) trennt. Diese verläuft an der Südseite des Domes entlang zum östlich des Doms gelegenen Residenzplatz. Von dort ist der spätgotische Chorbau mit seinem filigranhaften Strebewerk sichtbar. Am Ostende des nördlichen Querarms befindet sich das zierliche achteckige spätgotische Stephanstürmchen, das von der Figur des Kirchenpatrons bekrönt wird. mini|hochkant|Eingang zur Zengergasse mit Übergang zur Alten Residenz und Konsolpfeiler am Dom
Bautechnisch interessant und für das 15. Jahrhundert einzigartig ist am Ausgang der Zengergasse zum Residenzplatz die Ausführung des östlichen Strebepfeilers des südlichen Querhauses, der als Konsolpfeiler ausgeführt ist. Diese ungewöhnliche Bauausführung war hier notwendig, um den Zugang für Kutschen zur Alten Residenz frei zu halten, die in der engen Gasse nicht wenden konnten. In den Jahren 1967/68 wurde der Konsolpfeiler zur baulichen Sicherung mit einer Stahlbetonkonstruktion unterbaut, die in den Jahren 2006/07 schließlich wiederum durch fünf bis zu 12 m lange Edelstahlzugstangen ersetzt wurde.
Domhof An der Nordseite des Domes liegt ein großer Hof, der Domhof. Der ehemalige Domkreuzgang mit seinem gotischen Portal ist ein Überrest des 739 bezeugten Domklosters. Der Kreuzgang wurde 1812 abgebrochen. Die hier befindlichen Grabsteine befanden sich bis 1961/1962 in der Andreaskapelle, stammen aber ursprünglich großteils aus den 1812 abgebrochenen Kapellen. Von ursprünglich zehn Kapellen sind heute nur noch vier existent.
Die Andreaskapelle aus der Zeit um 1300, bei der es sich um eine der ältesten Hallenkirchen in Bayern handelt, liegt an der Ostseite des Platzes. Die zahlreichen Grabsteine verweisen auf ihren ursprünglichen Zweck als Mortuarium der Domherren. Sie wird daher auch Herrenkapelle genannt. Den Chor mit Netzrippengewölbe schuf Hans Krumenauer im Jahr 1414. Im Osten der Andreaskapelle schließt das hochgotische Erasmuschörchen an.
Unmittelbar südlich neben der Andreaskapelle befindet sich die Sixtuskapelle, die auch als Ortenburgkapelle bekannt ist. Sie birgt das Grabmal des Grafen Heinrich IV. von Ortenburg.
Auf der westlichen Seite des Domhofes liegen die Trennbach-Kapelle oder Urban-Kapelle mit dem Hochgrab von Bischof Urban von Trennbach und die Lamberg-Kapelle oder Salvator-Kapelle mit der Grablege von Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg.
Zwischen der Trennbach-Kapelle und dem Nordturm des Doms befinden sich noch die Reste der Fronleichnamskapelle, die seit 1317 nachgewiesen ist. Das Portal der Kapelle ist bis heute erhalten, sie wurde aber im 17. Jahrhundert beim Baus des barocken Nordturms wesentlich verkleinert und daraufhin nicht mehr als Kapelle genutzt. Sie dient heute im Wesentlichen als Lagerraum. Links davon befindet sich ein gotisches Portal, das während Gottesdiensten, bei denen die großen Portale verschlossen sind, als Zugang zum Dom dient.
Die St.-Anna-Kapelle befand sich gegenüber dem jetzigen Nordeingang des Doms im Domkreuzgang. Sie wurde 1343 durch den Mautner Ludwig auf dem Stein errichtet. 1609 wurde durch die Freiherrn von Schätzl die St.-Michaels-Kapelle am nördlichen Flügel des Domkreuzgangs errichtet. Beide Kapellen wurden 1813 abgebrochen.
Ebenfalls 1813 abgebrochen wurde die Doppelkapelle der Allerheiligen- und Elisabeth-Kapelle an der Westseite im Domkreuzgang. Diese Kapellen wurden nach 1300 unter Einbeziehung von z. T. spätantiken Vorgängerbauten errichtet. Der gotische Taufstein, der sich heute in der St.-Andreas-Kapelle befindet, stammt ursprünglich aus dieser Doppelkapelle, was auf eine ursprüngliche Nutzung als Baptisterium der alten Domkirche hindeutet. Das Untergeschoss der Doppelkapelle ist erhalten und dient heute als Beinhaus für die bei der Neugestaltung des Domhofs gefundenen Gebeine, es ist allerdings vermauert und nicht zugänglich.
Der genaue Standort der Hieronymus-Kapelle ist nicht mehr bekannt, er muss wohl aber im Bereich des heutigen Seminars St. Maximilian zwischen St.-Andreas-Kapelle und gotischem Zugang zum Domhof gesucht werden.
Architektur Fassade