mini|Randy Newman (2012) Randall Stuart „Randy“ Newman (* 28. November 1943 in Los Angeles) ist ein US-amerikanischer Sänger, Songwriter, Pianist und Komponist. Er ist mehrfacher Oscar- und Grammy-Preisträger.
Leben Newman wurde in eine musikalische Familie geboren; seine drei Onkel Alfred Newman, Emil Newman und Lionel Newman waren erfolgreiche Komponisten von Filmmusik – davon Alfred Newman der bekannteste. Auch sein Vater, der Mediziner Irving Newman, war hobbymäßiger Songwriter und spielte gelegentlich in der Band von Benny Goodman. Randy Newman ist außerdem ein Cousin von Thomas Newman und David Newman.How are composers Randy and Thomas Newman related? Classical Music vom 27. Januar 2020. Newmans Eltern waren säkulare Juden, er selbst bezeichnet sich als Atheist.Komponist Randy Newman wird 80 Jüdische Allgemeine vom 28. November 2023.
Newman wuchs in New Orleans (Louisiana) – seine Mutter kam von dort – und Los Angeles auf und begann bereits mit 17 Jahren, als Songwriter zu arbeiten. Nach seinem Musikstudium bekam er einen Job als professioneller Songwriter bei „Metric Music“. Nach ein paar Hits unter anderem für Gene Pitney, Manfred Mann und Jerry Butler bekam er 1967 einen eigenen Künstlervertrag bei Reprise Records. Die erste Platte namens Randy Newman verkaufte sich jedoch so schlecht, dass die Plattenfirma sie schließlich verschenkte. Auch das Folgealbum 12 Songs floppte. Ein Grund für den anfänglichen Misserfolg und dafür, dass meist andere Interpreten viel größere Erfolge mit Newman-Songs hatten als der Komponist, dürfte in der näselnden Stimme des Songwriters zu suchen sein. Harry Nilsson nahm 1970 ein ganzes Album mit Newman-Kompositionen auf.
mini|Randy Newman (2008) Erst mit den folgenden Alben konnte sich Randy Newman als Künstler etablieren. Die Platten Sail Away (1972) und Good Old Boys (1974) wurden von den Kritikern einhellig gelobt, waren insbesondere unter Studenten populär und verkauften sich recht gut. Fast im Sinne eines Konzeptalbums (und als ein solches war die LP zunächst auch geplant) singt Newman auf Good Old Boys Lieder, die verschiedene Seiten des amerikanischen Traums kritisch beleuchten und sich insbesondere gegen die „Rednecks“ genannten konservativ-reaktionären Bewohner der Südstaaten wenden. Gemeinsam mit dem 1977 erschienenen Little Criminals, das Newmans ersten eigenen Single-Hit Short People enthielt, markieren Sail Away und Good Old Boys nach Ansicht vieler Kritiker den Höhepunkt von Newmans Schaffenskraft.
Der erfolgreiche Song brachte Newman 1977 zunächst Beleidigungsklagen von Behindertenorganisationen und Proteste kleinwüchsiger Menschen ein. Im US-Bundesstaat Maryland wurde das Lied sogar gerichtlich verboten. Die Leute verstanden vielfach nicht, dass Newman in diesem für ihn typischen „Character-Song“ bewusst ironisch in die Rolle eines Menschen mit einem offensichtlich lächerlichen und völlig überzeichnet dargestellten Vorurteil schlüpfte, und verwechselten den Künstler mit der von ihm geschaffenen Kunstfigur.
Newman setzt sich in seinen Texten mitunter intensiv mit historischen Themen auseinander, so zum Beispiel in In Germany Before the War (1977) mit dem Fall des Serienmörders Peter Kürten oder in The Great Nations of Europe (1999) mit der europäischen Expansion im 16. Jahrhundert, die auf geistreiche Weise auf gegenwärtige Tendenzen in der US-amerikanischen Außenpolitik bezogen wird. Fast prophetisch wirkt schließlich die Satire Political Science von 1972, die den Narzissmus mancher Amerikaner, die sich von der übrigen Welt nicht genügend wertgeschätzt fühlen und daher umso aggressiver auftreten, karikiert – damals auf den Vietnamkrieg bezogen, hat der Text wenig an Aktualität eingebüßt:
Das von Newman Mitte der 1970er Jahre geschriebene Louisiana 1927 beschreibt die große Flut in Mississippi, Arkansas und Louisiana und beklagt, wie die Bevölkerung in den 1920er Jahren erst von der blindwütenden Natur geschlagen wird und dann von einer hartherzigen Regierung, der das Leid der Menschen egal ist: “Louisiana, Louisiana, they’re tryin’ to wash us away!”. Nach dem Hurrikan Katrina wurde Louisiana 1927 die inoffizielle und emotionale Hymne des Staates Louisiana.A Newman song that won’t wash away. In: Intern. Herald Tribune, 2. Mai 2008. Newman trat im Jahr 2005 bei einem Post-Katrina Benefit auf und nahm das Lied erneut, unterstützt durch das Louisiana Philharmonic Orchestra, für ein Album zu Gunsten der Katrina-Opfer auf. Mehrere Künstler, darunter Aaron Neville, Bo Dollis & the Wild Magnolia, Willie Nelson, Martin Simpson und Howard Tate haben das Lied in eigenen Versionen interpretiert.
Newman war aufgrund seiner sarkastisch-satirischen Texte früh ein Liebling der Intellektuellen. Viel zu kurz gegriffen wäre allerdings, ihn als Satiriker oder Komiker zu beschreiben, da er auch sehr anrührende, ernste Texte verfasst hat. Musikalisch ist Newman einerseits von Blues, Rock und Ragtime beeinflusst, andererseits versieht er seine Songs oft mit ausgefeilten klassischen Orchesterarrangements. Dabei steht die gefällige und oft eingängige Musik häufig im Kontrast zu den oftmals bissigen oder hintergründigen Texten. Seine Vielseitigkeit als Songwriter und Arrangeur wird vielleicht am besten auf dem Album Little Criminals deutlich.
Musikalisch ist Randy Newman deutlich von der Hollywood-Filmmusik beeinflusst, wie besonders die Arrangements auf seinen Platten aus den 1970er Jahren zeigen. Im Konzert tritt er allerdings fast ausschließlich solo am Klavier auf, wodurch zwar die Texte prägnanter hervortreten, sich das Publikum jedoch die nicht selten opulenten Arrangements der Studioalben hinzudenken muss. Im Studio wurde Newman von prominenten Musikern wie Ry Cooder, Mitgliedern der Eagles, Paul Simon, George Harrison, Elton John, James Taylor, Mark Knopfler, Jeff Lynne oder Van Dyke Parks begleitet. Zwischen den Plattenveröffentlichungen machte Newman seit den 1980er Jahren immer längere Pausen, arbeitete allerdings immer wieder für Film-Soundtracks. 1995 entstand zudem das Musical Faust; während das zugehörige Studioalbum Newman in gewohnter Form zeigte, wurde die Bühnenproduktion von Kritikern und Publikum sehr verhalten aufgenommen. Randy Newman wurde im Jahr 1999 für den von Peter Gabriel interpretierten Titel That’ll Do aus dem Film Babe: Pig in the City für den Oscar nominiert. Randy Newman wurde für That’ll Do außerdem ebenfalls 1999 für den Golden Satellite Award nominiert. Die Spezialeffekte wurden außerdem 1999 für den BAFTA Award nominiert.That'll Do wurde neben dem Film-Soundtrack erst 2019 von Peter Gabriel auf dem Kompilationsalbum Rated PG veröffentlicht. Das bislang letzte reguläre Studioalbum mit durchgängig neuem Material entstand 1999. Das 2008 erschienene Harps & Angels enthielt neben neuen Songs (die aber teils bereits seit Längerem als Bootlegs kursierten) auch ältere in neuen Aufnahmen (so etwa Feels Like Home).
Neun Jahre nach seinem letzten Album kam Newman im Sommer 2017 mit Dark Matter und neun neuen Songs heraus. Für die US-amerikanische Musik-Plattform Pitchfork erläuterte der Musik-Satiriker sämtliche Tracks.Newman Explains Every Song on His New Album, Dark Matter, abgerufen am 8. August 2017.
Früh begannen andere Künstler, die Lieder von Randy Newman aufzunehmen und mit ihren Versionen Erfolge zu feiern. 1967 kam Alan Price mit Simon Smith and the Amazing Dancing Bear in die englische Hitparade. Die Gruppe Three Dog Night hatte früh einen Hit mit seinem ironischen Anti-Drogen-Lied Mama Told Me Not to Come. Zahlreiche Künstler coverten den Song I Think It’s Going to Rain Today, wie beispielsweise Melanie, Tom Odell oder Katie Melua. Harry Nilsson nahm in den 1970er Jahren erfolgreich ein ganzes Album mit Newman-Songs auf: Harry Nilsson Sings Randy Newman. In den 1980er Jahren machte Joe Cocker den Newman-Song You Can Leave Your Hat On, der zuvor bereits von Etta James 1976 aufgenommen worden war, zum Welthit, während Nina Simone das Lied Baltimore in ihr Repertoire aufnahm. Auch Feels Like Home von 1995 wurde wiederholt gecovert.
Nach 16 Oscar-Nominierungen bekam er 2002 endlich die begehrte Trophäe für seinen Song If I Didn’t Have You aus dem Film Die Monster AG. Bei der Oscarverleihung 2007 war er bereits zum 17. Mal nominiert (diesmal für Our Town aus Cars). 2009 erhielt er für die Songs Almost There und Down in New Orleans aus dem Animationsfilm Küss den Frosch zwei weitere Oscar-Nominierungen.
Peter Gabriel coverte auf dem 2010 erschienenen Studioalbum mit dem Namen Scratch My Back das Lied I Think It’s Going to Rain Today von Randy Newman in einer orchestralen Fassung. Dieser coverte daraufhin auf dem im Jahr 2013 erschienenen Kompilationsalbum des Folgeprojektes And I’ll Scratch Yours das Lied Big Time von Peter Gabriel.
Im Juni 2010 wurde Newman mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. Im Jahre 2011 erhielt er dann für den Song We Belong Together aus dem Animationsfilm Toy Story 3 seinen zweiten Oscar. 2013 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Randy Newman war einer der Gewinner des Max Steiner Film Music Achievement Awards 2014. Der Rolling Stone listete Newman 2015 auf Rang 25 der 100 größten Songwriter aller Zeiten. Zuletzt wurde er 2020 für I Can’t Let You Throw Yourself Away aus A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando für den Oscar für den besten Filmsong und zusätzlich für die beste Filmmusik in Marriage Story nominiert.
Newman ist Vater von fünf Kindern aus zwei Ehen.
Diskografie
Studioalben
Livealben
Weitere Livealben 2011: Live in London
Kompilationen 1987: Lonely at the Top: The Best of Randy Newman (UK: ) 1998: Guilty: 30 Years of Randy Newman 2001: The Best of Randy Newman 2003: The Randy Newman Songbook Vol. 1 2008: On Vine Street: The Early Songs of Randy Newman 2011: The Randy Newman Songbook Vol. 2 2016: The Randy Newman Songbook Vol. 3
Soundtracks
Weitere Soundtracks 1966: Peyton Place (Peyton Place) 1971: Der 25 Millionen Dollar Preis (Cold Turkey) 1981: Ragtime (Ragtime) 1984: Der Unbeugsame (The Natural) 1989: Eine Wahnsinnsfamilie (Parenthood) 1990: Avalon (Avalon) 1990: Zeit des Erwachens (Awakenings) 1994: Schlagzeilen (The Paper) 1994: Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel (Maverick) 1995: James und der Riesenpfirsich (James and the Giant Peach) 1996: Michael (Michael) 1998: Das große Krabbeln (A Bug’s Life) 1998: Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein (Pleasantville) 2000: Meine Braut, ihr Vater und ich (Meet the Parents) 2003: Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg (Seabiscuit) 2005: Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich (Meet the Fockers) 2008: Ein verlockendes Spiel (Leatherheads) 2010: Toy Story 3 (Toy Story 3) 2013: Die Monster Uni (Monsters University) 2017: Cars 3: Evolution (Cars 3) 2017: The Meyerowitz Stories (New and Selected) (The Meyerowitz Stories) 2019: A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando (Toy Story 4) 2019: Marriage Story (Marriage Story)
Weitere TV- und Filmmusik 1964: Ein tollkühner Draufgänger 1979: Die Colson Affäre 1980: Herbstkatzen 1983: Gefährliches Paradies 1985: Gotcha! – Ein irrer Trip 1988: Ninas Alibi (Her Alibi) 1988: Das Märchenland 1997: Danny der Kater 2002: Monk 2007: Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn 2013: Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum
Singles
Weitere Singles 1962: Golden Gridiron Boy 1968: The Beehive State 1968: Love Story 1968: Last Night I Had a Dream 1970: Hold On (Have You Seen My Baby) 1970: Gone Dead Train 1972: My Old Kentucky Home 1972: Sail Away 1972: You Can Leave Your Hat On 1975: Naked Man 1977: Louisiana 1927 1978: Baltimore 1978: Rider in the Rain 1979: It’s Money That I Love 1979: The Story of a Rock and Roll Band 1980: Political Science (Let’s Drop the Big One) 1981: Clef Club / Train Ride 1981: Clef Club N° 2 (B. O. F. Ragtime) 1983: I Love L. A. 1984: The Natural 1988: Falling in Love 1989: I Love to See You Smile 1991: Lines in the Sand