mini|Dresdener Mühle mini|Wassermühle mit Mühlrad, Fränkische Schweiz Eine Mühle (; aus beziehungsweise für mahlen) ist eine Anlage, eine Maschine oder ein Gerät, um stückiges Aufgabematerial zu einem fein- oder feinstkörnigen Endprodukt zu zerkleinern. Daher ist oft außer einer Zerkleinerungsvorrichtung auch eine Vorrichtung zur Größentrennung (Sieben, Sichten) vorhanden. Bei geringeren Anforderungen an den Feinheitsgrad des Endprodukts werden Brecher zur Zerkleinerung verwendet.
Historisch wird der Begriff Mühle im weiteren Sinn für gewerbliche Anlagen verwendet, die mit Wind- oder Wasserkraft betrieben werden (Papiermühle, Sägemühle, Steinmühle). Auf Englisch kann „Mill“ auch Fabrik bedeuten, da in der Frühzeit der Industrialisierung die ersten größeren Fabrikbetriebe (zum Beispiel Spinnereien) noch mit Wasserkraft betrieben wurden – auch in Deutschland waren zunächst Begriffe wie „Spinnmühle“ in Gebrauch.
Alle technischen Vorgänge (Annahme, Reinigung, Vermahlung, Sichtung, Transport, Lagerung, Verpackung) werden mit dem Begriff Müllereitechnologie zusammengefasst. Die Lehre und Forschung über Mühlen und das Müllereiwesen (Terminologie, Technologie, Ökologie, Ethnologie, Wirtschaft, Geschichte, Recht, Schutz, Erhaltung und Restaurierung sowie ihre ästhetischen Werte) wird als Molinologie bezeichnet..
Geschichte Die Geschichte der Mühlen Bereits vor dem Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise (Jungsteinzeit) gehören Mahlsteine zur mesolithischen Kultur. Der ebenfalls bereits bekannte Mörser wird später von handgetriebenen Drehmühlen abgelöst. In römischer Zeit sind große Mühlen (Göpel) etwa aus Pompeji bekannt, die mit Maultieren betrieben wurden. Wasserkraft wurde seit der römischen Zeit genutzt. Der römische Ingenieur Vitruv plante die Mühlen, so zum Beispiel die Karlsmühle als Gesteinsmühle zum Schneiden von Marmorblöcken an der Ruwer bei Trier/Mosel. Die Karlsmühle gilt nach Örjan Wikander als älteste Mühle nördlich der Alpen. Eine Wassermühle aus der Merowingerzeit wurde 1993 im Paartal bei Dasing entdeckt; sie stammt aus dem Jahre 744 n. Chr.Georg Abröll: Mühle der späten Merowingerzeit in Dasing (Gem. Dasing). In: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.): Mühlen in Schwaben. Dokumentation. Eine weitere frühe Mühle stammt von 833 n. Chr.; sie wurde im Rotbachtal bei Erftstadt-Niederberg ausgegraben.Petra Tutlies: Eine karolingische Wassermühle im Rotbachtal. In: Jürgen Kunow (Hrsg.): Archäologie im Rheinland 2005. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-2058-1, S. 106–108. Windkraft wurde seit dem Mittelalter eingesetzt.
Wichtige Personen der Mühlengeschichte Vitruv (1. Jahrhundert v. Chr.) Johann Niclas Müller (1689–1732) Oliver Evans (1755–1819) Heinrich Auer (1825–1892)
Einteilung der Mühlen Nach der Unternehmensart Handelsmühlen Mautmühlen
Nach den Produkten (moderne Einteilung) mini|Stampfwerk der Brandhöfer Mühle, Gde. Gschwend, Ostalbkreis, Baden-Württemberg, Deutschland Drahtziehmühle (historisch) Eisenmühle (historisch) Erzmühle (historisch), siehe auch: Pochwerk Farbholzmühle (historisch) Farbmühle (modern) Flachsmühle zur Herstellung von Leinen (historisch) Gesteinsmühle (modern) Getreidemühle (modern) Gewürzmühle, zum Beispiel Pfeffermühle (modern) Kaffeemühle (modern) Knochenmühle (historisch und modern) Kohlemühle (modern) Krappmühle (historisch) Kreidemühle (historisch) Kugel-/Marbelmühle, Murmelmühle (historisch) Kupfermühle (historisch) Lohmühle (historisch) Massemühle (historisch) Obstmühle (zum Beispiel Apfelmühle) (modern) Ölmühle (modern) Papiermühle (historisch) Pulvermühle zur Herstellung von Schießpulver (historisch) Rätzmühle, Gemüseverarbeitung Reibmühle (Reibe, Ribi) zum Quetschen der Hanfstängel (historisch, Schweiz) Sägemühle (historisch) Sandmühle zur Herstellung von Stuben- und Scheuersand (historisch) Salzmühle (modern) Schälmühle (modern) Scheuermühle Schleifmühle (historisch) Schnupftabakmühle (historisch) Wasserschöpfmühle oder Windpumpen zum Pumpen von Wasser (angetrieben durch Windkraft, historisch) Schwingmühle Seidenzwirnmühle oder Seidenmühle (historisch) Senfmühle (historisch) Steinmühle (historisch) Waidmühle zur Herstellung von Textilfarbe (historisch) Walkmühle bei der Tuchherstellung (historisch) Zichorienmühle (historisch) Zuckermühle (historisch)
Nach der Art der Konstruktion (moderne Einteilung) mini|Schema eines Mahlgangs 1=Aufschütttrichter, 2=Rüttelschuh, 3=Speiseregulierung, 4=Speiseschieber, 5=Drei- oder Vierschlag, 6=Rütteleisen, 7=Läuferstein, 8=Bodenstein, 9=Haue, 10=Treiber, 11=Mühleisen, 12=Stellschrauben, 13=Bodensteinlagerung, 14=Zarge/Bütte Wichtigstes Kriterium zur grundsätzlichen Einteilung von Mühlen ist die Beanspruchungsart, mit der sie das Mahlgut zerkleinern: Druck: Zerquetschen des Mahlguts zwischen zwei Flächen Schlag: ein nur sehr kurzzeitig aufgebrachter Druck Prall: Zusammenstoß mit hoher Relativgeschwindigkeit Reibung: durch parallel zueinander bewegte Flächen aufgebrachte entgegengesetzte Kräfte Scherung: durch gegeneinander versetzte Flächen aufgebrachte entgegengesetzte Kräfte Entsprechend lassen sich Mühlen einteilen wie folgt: Zerkleinerung vorwiegend durch Druck Wälzmühlen Vertikalmühle Zerkleinerung vorwiegend durch Reibung oder Scherung Walzenstuhl Scheibenmühlen, rotierend oder schwingend Korundmühle Mahlgang (historisch) Mörsermühle Kolloidmühle Glockenmühle Schneidmühle Zerkleinerung vorwiegend durch Prall oder Schlag Asima-Mühle Querstromzerspaner Prallmühle Wirbelstrommühle (Whirlwind-Mill) Rotormühle Messermühle Strahlmühle Hammermühlen Zerkleinerung vorwiegend durch Schlag oder Reibung: Mahlkörpermühlen, häufig mit kugelförmigen Mahlkörpern, dann auch als Kugelmühlen bezeichnet Sturzmühlen enthalten Mahlgut und Mahlkörper in einem (je nach Ausführung annähernd) horizontal liegenden rotierenden Zylinder. Sie können im Kaskaden- oder Kataraktzustand betrieben werden. Im ersteren rutscht oder rollt die Füllung über sich selbst (Reibung), im letzteren löst sie sich im oberen Teil des Zylinders von dessen Wand und fällt im Bogen zurück (Schlag). Gängige Mahlkörper sind Kugeln, Stangen (die gesamte Länge des Mahlraums ausfüllend), Cylpebs (Zylinder mit Höhe gleich Durchmesser) oder Pebbles (Mahlgutstücke ausreichender Masse). Rohrmühlen Trommelmühlen Autogenmühlen und Semiautogenmühlen sind Sturzmühlen mit besonders großem Durchmesser, die durch die entsprechend größere Fallhöhe das Mahlgut beim Aufprall zerkleinern und dadurch ganz bzw. zum Teil den Verzicht auf zusätzliche Mahlkörper erlauben. Schwingmühlen Rohrschwingmühlen Trogschwingmühlen Scheibenschwingmühlen Rührwerksmühlen Rührwerkskugelmühlen Planetenmühlen
Nach der Art des Antriebs (historische Einteilung) Antrieb durch Muskelkraft (Mensch/Tier) mini|Mahlsteine (Saaremaa, Estland) mini|Modell einer Horizontalwindmühle (Afghanistan) im Mühlenmuseum Hiesfeld mini|Wassermühle in Boitzenburg (Uckermark) mini|Amrumer Windmühle von 1771 in Nebel mini|hochkant|Zwölfseitige Britzer Windmühle mit Steinmahlgängen
Mahlstein Reibestein, auch Sattelmühle genannt Mörser Feldmühle/Wagenmühle Göpelmühlen (Tierantrieb) Tretmühlen Scheuermühle (Scheuermühle von Jordhamn) Schleifmühle
Antrieb durch Wasserkraft Wassermühle, je nach Zulaufhöhe mit ober-, mittel- oder unterschlächtigem Wasserrad Gezeitenmühlen horizontal oder vertikal Schiffmühlen (auch: Schiffsmühle) – ein auf bzw. in ein ortsfestes Schiff montiertes Mühl- bzw. Wasserrad wird durch vorbeiströmendes Wasser angetrieben
Antrieb durch Windkraft
Bockwindmühle Dachmühle Holländerwindmühle Horizontalwindmühle Kokerwindmühle Paltrockwindmühle Scheunenmühlen
Antrieb durch Motorkraft Dampfmaschine (siehe Dampfmühle) Lokomobile
Besonderheiten Bannmühle (Kameralmühle) Wehrmühle
Tourismus Westfälische Mühlenstraße – erste dieser Art im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke, verbindet 42 Wind-, Wasser- und Rossmühlen Mühlenstraße Oberschwaben – 100 Mühlen in Oberschwaben im Detail mit Fotos und Karten Niedersächsische Mühlenstraße – 301 Mühlen in Niedersachsen Mühlenwanderweg im Schwäbischen Wald Zahlreiche Mühlenformen finden sich im Internationalen Mühlenmuseum in Gifhorn (Niedersachsen).
Mühlentag Deutscher Mühlentag: jährlich am Pfingstmontag, bundesweit (Teilnehmerverzeichnis bei der Deutschen Gesellschaft für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde (DGM)) Niederländischer Mühlentag: jährlich an Pfingsten Schweizer Mühlentag: jährlich am Samstag nach Auffahrt (Himmelfahrt); Teilnehmerverzeichnisse auf der Internetseite der Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde VSMInternetseite der Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde VSM TIMS – Internationale Mühlensymposien
Literatur chronologisch
Deutschsprachiger Raum, Europa und die Welt Johann Matthias Beyer: Theatrum machinarum molarium, oder Schauplatz der Mühlenbaukunst. (= Jacob Leupolds [Begründer]: Theatro machinarum. 9. Teil.) 3 Bände, neue, vermehrte Auflage, Waltherische Hof-Buchhandlung, Dresden 1767/1788. (Digitalisat in Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf) Band 9.1, 1767 Band 9.2, 1767 Band 9.3, 1788 Johann Matthias Beyer: Schauplatz der Mühlen-Baukunst. 1. Auflage, Leipzig 1735 / Waltherische Hof-Buchhandlung, Dresden 1803. D. Johann Georg Krünitz: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirtschaft in alphabetischer Ordnung. Fünfundneunzigster Theil: Mühlen. Joachim Pauli, Berlin 1804 (recherchierbare elektronische Volltextversion: Oeconomische Encyclopädie online). Johannes Mager, Günter Meißner, Wolfgang Orf: Die Kulturgeschichte der Mühlen. Edition Leipzig, Leipzig 1988, ISBN 3-361-00208-7. Johannes Mager: Mühlenflügel und Wasserrad. Mühlen und Hebewerke für Wasser und Sole. 2. Auflage, Fachbuchverlag, Leipzig 1990, ISBN 3-343-00257-7. Heinrich Herzberg: Die Mühle zwischen Religion und Aberglauben. Verlag für Bauwesen, Berlin 1994, ISBN 3-345-00574-3. Eugen Ernst: Mühlen im Wandel der Zeiten. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1935-4. Adam Lucas: Wind, Water, Work. Ancient and Medieval Milling Technology (= Technology and Change in History, Volume 8). Koninklijke Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 90-04-14649-0 (zu sozialen und technischen Aspekten des mittelalterlichen Mühlenwesens). Jürgen Gaebeler: Die Frühgeschichte der Sägemühlen als Folge der Mühlendiversifikation. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage, Verlag Kessel, Remagen 2006, ISBN 3-935638-20-5. Klaus Grewe: Die Reliefdarstellung einer antiken Steinsägemaschine aus Hierapolis in Phrygien und ihre Bedeutung für die Technikgeschichte. In: Martin Bachmann (Hrsg.): Bautechnik im antiken und vorantiken Kleinasien. Internationale Konferenz 13.–16. Juni 2007 in Istanbul (= Veröffentlichungen des Deutschen Archäologischen Instituts Istanbul, Band 9). Byzas, Istanbul 2009, ISBN 978-975-8072-23-1, S. 429–454 ( [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 5. Januar 2019]). Carl Friedrich Ganzel, Friedrich Wulff: The Quest for American Milling Secrets. Hrsg. von Derek Ogden, International Molinological Society. Congleton 2010, ISBN 978-92-9134-025-5 (zu US-amerikanischem Mühlenwesen und Mehlfabrikation). Wolfgang Kuhlmann: Wasser, Wind und Muskelkraft. Die Getreidemühle in Legenden und Fakten. Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung. Petershagen-Frille 2012, ISBN 978-3-00-037659-7. Philipp Oppermann, Torsten Rüdinger: Kleine Mühlenkunde. Deutsche Technikgeschichte vom Reibstein zur Industriemühle. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Edition Terra, Berlin 2012, ISBN 978-3-9811626-7-7. David Peacock: The stone of life. The archaeology of querns, mills and flour production in Europe up to c. AD 500 (= Southampton monographs in archaeology. New Series, Band 1). Highfield Press, Southampton 2013, ISBN 978-0-9926336-0-8.