Der WWF (World Wide Fund For Nature – „Weltweiter Fonds für die Natur“, bis 1986 World Wildlife Fund – „Welt-Wildtier-Fonds“) ist eine Stiftung nach Schweizer Recht mit Sitz in Gland, Kanton Waadt. Sie wurde 1961 gegründet und ist eine der größten internationalen Natur- und Umweltschutzorganisationen. Wappentier des WWF ist der Große Panda. Der WWF setzt sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt der Erde, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten ein.

Die Organisation ist in über 80 Ländern mit eigenen Büros vertreten und wird von über fünf Millionen Menschen unterstützt. Seit der Gründung des WWF wurden weltweit 11,5 Milliarden US-Dollar in über 13.000 Projekte investiert. Der WWF finanziert sich überwiegend durch Spenden. Der WWF hat an der Gründung vieler anderer Organisationen und Initiativen mitgewirkt, darunter das Forest Stewardship Council und das Marine Stewardship Council.

Geschichte mini|Prinz Bernhard der Niederlande, erster Präsident des WWF, auf einer Veranstaltung zugunsten der Organisation im Mai 1976 mini|hochkant|Peter Markham Scott, erster Vizepräsident des WWF (1954)

In den 1960er Jahren rückte der Natur- und Umweltschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Erhalt der natürlichen Umwelt war Teil des gesellschaftlichen Wandels in Europa und Nordamerika, aber nicht auf die Industrieländer beschränkt. Obwohl bereits im Jahr 1948 mit der IUCN die erste globale Natur- und Umweltschutzorganisation der Welt ins Leben gerufen worden war, hatte sich die Organisation nicht wie gewünscht in einer breiten Öffentlichkeit etabliert. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, eine neue Organisation zu schaffen, die unkompliziert arbeiten und sich für Natur- und Umweltschutz einsetzen sollte. Das Konzept wurde erstmals 1960 in einem Leserbrief von Victor Stolan für die Tageszeitung The Observer formuliert. Dort war zuvor ein Artikel von Julian Huxley erschienen, der das Artensterben in Afrika thematisierte.

Huxley vermittelte daraufhin ein persönliches Gespräch zwischen Stolan und Max Nicholson, Generaldirektor der britischen Naturschutzbehörde. Dieser wurde schließlich zur treibenden Kraft hinter der Gründung des WWF. Sein zentrales Argument war, dass die bestehenden Natur- und Umweltschutzorganisationen zwar sinnvolle Projekte entwickeln würden, diese aber aufgrund fehlender Gelder nicht umsetzen könnten. Huxley führte Gespräche mit zahlreichen potenziellen Unterstützern und entwickelte schließlich einen konkreten Plan für die Gründung des WWF. Dieser wurde an 20 Umweltschützer in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Thailand, Schweden, den Vereinigten Staaten, der Schweiz, dem Sudan und nach Südafrika gesendet. Anschließend fanden zwischen April und September 1961 neun Treffen in den Räumen der britischen Naturschutzbehörde statt.

Die Mitglieder der so genannten „Londoner Planungsgruppe“ beschlossen unter anderem, dass ein Panda den WWF symbolisieren sollte. Außerdem wurde der Zürcher Anwalt Hans Hüssy engagiert, um von Beginn an die Gemeinnützigkeit und damit die Steuerfreiheit der Stiftung nach Schweizer Recht sicherzustellen. Das eigentliche Gründungsdatum des WWF markiert die Beurkundung der Stiftung am 11. September 1961 in Zürich. Die erste Spende war ein Guinee, was ungefähr einem Pfund entsprach. Der WWF wurde von einem international besetzten Stiftungsrat geführt, in dem Umweltschützer aus mehreren europäischen Staaten und Nordamerika vertreten waren. Die meisten Stiftungsräte stammten aus dem Netzwerk der IUCN. Prinz Bernhard der Niederlande war erster Präsident des WWF, wobei die Position keine geschäftsführende Tätigkeit beinhaltete. Zum ersten Vizepräsidenten der Organisation wurde Peter Scott gewählt.

Kritiker wie Wilfried Huismann behaupten, dass die Gründung des WWF auf rassistische Motive britischer Kolonialisten zurückgeht. Die Sorgen, die sich die Gründer um die Naturräume Afrikas machten, seien direkt mit der Aufhebung der Kolonialverwaltungen verknüpft gewesen. Die indigenen Bewohner der großflächigen Nationalparks galten als schmutzig und ihre traditionellen Wirtschaftsformen, die jahrhunderte- oder jahrtausendelang mit den Wildtieren koexistierten, wurden von den Europäern jetzt für eine Bedrohung gehalten. Allen Gründern gemeinsam war, dass sie begeisterte Großwildjäger waren, die die Nationalparks als touristische Ziele planten.Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF. Gütersloher Verlagshaus 2012, S. 83–90.

Nach der Gründung des WWF entstanden in den 1960er Jahren zahlreiche nationale Sektionen, unter anderem der WWF Deutschland, WWF Österreich und WWF Schweiz. Üblicherweise wurde ein Drittel der Spenden in lokale Projekte investiert, während zwei Drittel an den WWF International flossen. Um die Finanzierung des WWF sicherzustellen, starteten Anton Rupert und Bernhard zur Lippe-Biesterfeld im Jahr 1970 die Initiative The 1001: A Nature Trust. Das Ziel der beiden Umweltschützer war es, 1.001 wohlhabende Personen zu gewinnen, die 10.000 US-Dollar spenden und damit einen Vermögensstock für den WWF aufbauen sollten. Die Summe wurde innerhalb von drei Jahren erreicht. Insgesamt gab der WWF in den ersten zehn Jahren seines Bestehens rund 32 Millionen Schweizer Franken für Projekte in 59 Ländern aus.

In den Anfängen engagierte sich der WWF für Artenschutz und insbesondere für Flaggschiffarten der charismatischen Megafauna. Dazu unterstützte er Projekte anderer Organisationen. Das Vorgehen des WWF änderte sich in den 1970er Jahren entscheidend: Anstatt einzelnen Projekten spontan Hilfe zukommen zu lassen, rückten Maßnahmen für ganze Ökozonen oder Tierarten in den Fokus. Zu den ersten globalen Kampagnen des WWF gehörte die „Operation Tiger“: Es wurden unter anderem in Indien neue Schutzzonen errichtet, sodass der Tiger am Ende des Jahrzehnts als gerettet galt. 1975 begann der WWF, sich auf globaler Ebene für den Erhalt des tropischen Regenwalds einzusetzen, insbesondere in Zentral- und Westafrika, Südostasien und Lateinamerika. Neben dem Tiger und Regenwald gehörten in den 1980er Jahren der Walfang, der Große Panda und die Verbindung von Umweltschutz und Entwicklungshilfe zu den zentralen Themen des WWF.

In den 1990er Jahren beteiligte sich der WWF am Projekt Forest Stewardship Council (FSC) und Marine Stewardship Council (MSC). Durch die Zertifizierung nachhaltiger Rohstoffe sollte es Endverbrauchern erleichtert werden, umweltfreundliche Produkte zu kaufen. 1998 veröffentlichte der WWF den ersten „Living Planet Report“: Der Bericht beschreibt den Zustand der Umwelt auf globaler Ebene sowie der Auswirkungen des Menschen auf die Natur. Der Report erscheint bis heute alle zwei Jahre und zählt zu den führenden wissenschaftlichen Publikationen in seinem Bereich. Zu den jüngeren Kampagnen des WWF mit globaler Reichweite zählt die Earth Hour. Seit 2007 beziehungsweise 2010 wird in einzelnen Haushalten, Gebäudekomplexen oder ganzen Ländern für 60 Minuten das Licht ausgeschaltet, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und an den Klimawandel zu erinnern.

Beteiligungen Wie vorstehend bereits ersichtlich, hat der WWF in seiner Geschichte an zahlreichen Gründungen anderer Organisationen und Initiativen mitgewirkt. Er ist teilweise organisatorisch beteiligt oder übt teilweise Einfluss auf ihm nahe stehende Organisationen aus. Nachfolgend eine Zusammenstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Der Aquaculture Stewardship Council ist eine vom WWF gegründete Vereinigung, die für nachhaltige Fischzucht in Aquakulturen steht. Der WWF initiierte 2004 einen Dialog zum Thema, aus dem 2010 die Organisation entstand. Es sind unter anderem Tilapia, Pangasius und Lachsprodukte mit dem ASC-Siegel auf dem Markt erhältlich.

Atomausstieg selber machen ist ein 2006 initiiertes Bündnis von Umwelt- und Verbraucherorganisationen, das neben dem WWF zum Beispiel Greenpeace und der BUND unterstützen. Das Bündnis möchte Verbraucher dazu bewegen, mehr Ökostrom zu beziehen.

EnergieVision ist gemeinnütziger Verein zur Förderung von Nachhaltigkeit und Markttransparenz in der Energiewirtschaft. Er hat das ok-power Label für Strom aus erneuerbaren Energien geschaffen. Träger des im Jahr 2000 gegründeten Vereins sind die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, das Öko-Institut und der WWF Deutschland.

Die Europäische Bewegung Deutschland ist nach eigenen Angaben das größte zivilgesellschaftliche Netzwerk für Europa in Deutschland. Zu den über 200 Mitgliedern zählt auch der WWF Deutschland.

Der Forest Stewardship Council wurde 1993 in Folge des Umweltgipfels von Rio de Janeiro ins Leben gerufen. Er unterstützt eine nachhaltige Forstwirtschaft und vergibt ein Siegel für Holzprodukte, das eine nachhaltige Produktion sowie die Einhaltung sozialer Kriterien garantiert.

Das Forum Anders Reisen ist ein Wirtschaftsverband für kleine und mittelständische Reiseveranstalter, die nachhaltigen Tourismus unterstützen. Seit 2008 kooperiert der WWF mit dem Verband, es werden unter anderem eigens konzipierte Touren in Gebiete der WWF-Projekte angeboten.

Das Forum Umwelt und Entwicklung wurde 1992 nach der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung gegründet. Es . Der WWF Deutschland ist Mitglied der Organisation.

„Genießt uns“ ist eine Initiative des WWF Deutschland, der Welthungerhilfe und weiterer Partner. Ihr Ziel ist es, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Die Initiative wurde zum Beispiel durch Aktionen wie den „Essensretter-Brunch“ bekannt.

Die International Task Force Sustainable Tourism des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ist eine Initiative zur Unterstützung von nachhaltigem und umweltgerechtem Tourismus weltweit. Die UNEP und der WWF setzen sich zum Beispiel dafür ein, dass Korallenriffe vor der indonesischen Insel Bali geschützt werden.

Die Klima-Allianz Deutschland ist ein Bündnis von Nichtregierungsorganisationen wie dem WWF, dem BUND oder Greenpeace und Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche. Es nahm seine Arbeit 2007 auf und setzte sich für eine wirkungsvolle Klimapolitik ein.

Der Marine Stewardship Council wurde 1997 vom WWF und Unilever gegründet. Er setzt sich für nachhaltige Fischerei ein und vergibt das auf Fischkonserven, in Frischfischtheken und bei Tiefkühlfisch verbreitet anzutreffende MSC-Siegel für Fischprodukte nach Kriterien der Umweltverträglichkeit.

Der Runde Tisch für Palmöl wurde 2004 vom WWF ins Leben gerufen. Mitglieder sind vor allem Hersteller und Händler, die freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Zum Beispiel wird bei der Produktion von Palmöl auf den Einsatz bestimmter Pestizide verzichtet und kein geschützter Regenwald abgeholzt.

Der Runde Tisch für Soja wurde 2006 gegründet. Sein Ziel ist es, die . Vertreter von Unternehmen und Umweltschutzorganisationen wie dem WWF setzen gemeinsam Mindeststandards für die nachhaltige Produktion und den Handel mit Sojabohnen.

TRAFFIC („Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce“) ist ein gemeinsames Programm des WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN. Es wurde 1976 gegründet, um sicherzustellen, dass der .

Logo und Marke mini|hochkant=2|Das WWF-Logo hat sich in den letzten Jahren viermal verändert.

Das Logo des WWF zeigt den Großen Panda in Schwarz und Weiß sowie darunter den Schriftzug „WWF“. Als Vorlage diente die Bärin „Chi Chi“, die 1957 geboren und ein Jahr danach aus China an den London Zoo verkauft worden war. Ursprünglich war die Bärin für die USA bestimmt, jedoch verhinderte ein Handelsembargo der Vereinigten Staaten gegen China die Einfuhr. Gerald Watterson fertigte bei einem Besuch im Londoner Zoo mehrere Skizzen von „Chi Chi“ an, aus denen Peter Markham Scott schließlich das WWF-Logo entwickelte. Er vereinfachte die Darstellung der Bärin, indem er einzelne Gliedmaßen als einfache schwarze Flächen darstellte und die Umrisse der Figur abrundete.