Die Vögel (Originaltitel The Birds) ist ein US-amerikanischer Horrorfilm von Alfred Hitchcock nach der gleichnamigen Kurzgeschichte der englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier. Er kam am 28. März 1963 in die US-amerikanischen und am 20. September 1963 in die deutschen Kinos. Der Film markiert nach Der unsichtbare Dritte (1959) und Psycho (1960) einen weiteren Höhepunkt in Hitchcocks Spätwerk.

Handlung In einem Zoofachgeschäft am Union Square in San Francisco trifft der Anwalt Mitchell „Mitch“ Brenner auf die attraktive Melanie Daniels. Mitch erkennt die Tochter eines US-Verlegers von ihrer Gerichtsverhandlung wegen eines missglückten Streichs wieder und gibt vor, sie für eine Angestellte zu halten. Er sei auf der Suche nach Sperlingspapageien („Liebesvögel“) als Geburtstagsgeschenk für seine bald elfjährige Schwester Cathy.

Von Mitchs provokantem Auftreten herausgefordert, beschafft Melanie ein Paar der Liebesvögel und will ihn damit überraschen. Um unbemerkt zu bleiben, steuert sie sein Elternhaus in Bodega Bay mit einem gemieteten Motorboot an, wo sie die Vögel hinterlässt. Mitch entdeckt Melanie auf ihrer Rückfahrt und fährt ihr nach.

Kurz vor der Ankunft im Bootshafen wird Melanie von einer Möwe angegriffen und am Kopf verletzt. Mitch kümmert sich um die Behandlung ihrer Wunde im örtlichen Restaurant. Bei dieser Gelegenheit trifft sie auch auf Mitchs Mutter Lydia, die distanziert reagiert, als er sie mit ihr bekanntmacht. Lydia muss sich damit arrangieren, dass Mitch Melanie zum Abendessen einlädt.

Melanie kommt bei der Lehrerin Annie Hayworth unter, die Mitchs ehemalige Geliebte ist. Dabei erfährt Melanie von ihr den Grund des Verhaltens von Mitchs Mutter. Der reservierten Art der Witwe liege die Angst zugrunde, sie könnte ihren Sohn an eine Frau verlieren.

Auf Cathys Geburtstagsfeier werden die Kinder von Möwenschwärmen attackiert und finden Schutz im Haus der Brenners. Am Abend dringen Scharen von Sperlingen durch den Kamin ein und verursachen Verwüstungen.

Als Lydia am nächsten Morgen einen benachbarten Farmer besuchen möchte, entdeckt sie in seinem Schlafzimmer zerbrochene Fensterscheiben und die Leiche des Mannes mit ausgehackten Augen. Verstört flüchtet sie nach Hause.

Aus Sorge um Cathy bittet Lydia Melanie, in der Schule nach dem Rechten zu sehen. Während Melanie vor dem Gebäude auf das Unterrichtsende wartet, sammelt sich hinter ihrem Rücken nach und nach eine große Menge Krähen. Annie lässt das Schulhaus räumen, die flüchtenden Kinder werden von den Krähen angegriffen.

Im Restaurant sprechen Melanie und Mitch mit anderen Gästen über die Vorfälle. Eine Hobby-Ornithologin findet es abwegig, dass Vögel Menschen grundlos angreifen. Noch während der Debatte läuft nach einer Vogelattacke an der Tankstelle Benzin aus, wodurch es zu Explosionen und einem Großbrand kommt. Kurz danach sucht ein großer Schwarm Möwen den Ort heim. Einige attackieren Melanie in der Telefonzelle, bis das Glas splittert. Mitch bringt Melanie im Restaurant in Sicherheit, wo eine aufgebrachte Frau ihr die Schuld an dem Unheil gibt, das erst mit ihrer Ankunft in Bodega Bay begonnen hätte.

Mitch und Melanie wollen Cathy abholen, die von Annie in ihrem Haus in Sicherheit gebracht worden war. Annie, die Opfer eines Vogelangriffs wurde, liegt tot davor. Cathy blieb unverletzt.

Die Brenners verbarrikadieren sich mit Melanie in ihrem mit Holzbrettern vernagelten Haus. Bei der Abwehr eingedrungener Möwen wird Mitch verletzt. Danach verharrt die Familie erschöpft im Wohnzimmer. Von einem Geräusch aufgeschreckt, inspiziert Melanie ein Zimmer im oberen Stockwerk und findet ein großes Loch im Dach. Im Raum herumflatternde Vögel hacken auf sie ein, bis sie blutend zusammenbricht. Mitch zieht Melanie im letzten Moment heraus. Er und Lydia sind sich einig, dass sie in ein Krankenhaus muss.

Draußen bietet sich ein apokalyptisches Bild. Eine unüberschaubare Menge Krähen und Möwen hat sich auf dem Haus und in der Umgebung niedergelassen. Bis auf wenige, die Mitch picken, als er Melanies Wagen aus der Garage holt, verhalten sie sich friedlich. Lydia und Mitch führen die apathische Melanie zum Auto. Cathy darf ihre Liebesvögel im Käfig mitnehmen. Bevor die Fahrt beginnt, wird erkennbar, dass Lydia bereit ist, ihren Sohn freizugeben. Ihr ist klargeworden, dass sich Mitch und Melanie ineinander verliebt haben.

Hintergrund Literarische Vorlage

Der Film beruht auf der in Großbritannien spielenden Kurzgeschichte Die Vögel (Originaltitel: The Birds) von Daphne du Maurier aus dem Jahr 1952. Die im Kurzgeschichtenband The Apple Tree im selben Jahr veröffentlichte Erzählung handelt vom Landarbeiter Nat Hocken, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf einer Farm in Cornwall lebt. Nach einem Wetterumschwung im Spätherbst erfährt der Kriegsinvalide am eigenen Leib, dass sich die See- und Landvögel der näheren Umgebung aggressiv verhalten. Aufgrund intensiver Beobachtungen vermutet er hinter der scheinbar ungeordneten Schwarmbildung am Himmel und in der nahe gelegenen Bucht eine Art kollektive Intelligenz. Im Gegensatz zu seinen Mitmenschen zieht er die richtigen Schlüsse aus der wachsenden Gefahr und beginnt, sein kleines Haus zu befestigen. Über Radiodurchsagen erfährt er von ähnlichen Vorgängen im ganzen Land. Nachdem alle Verbindungen zur Außenwelt unterbrochen und die benachbarten Bauern infolge der Attacken umgekommen sind, entwickelt Nat für sich und seine Familie einen Überlebensplan. Da die Vögel nur bei Flut aktiv werden, nutzt er die ruhigen Stunden zur Vorbereitung auf die bevorstehenden Angriffe. Mit dem Anlegen von Vorräten an Lebensmitteln und Brennstoffen hofft er, die nächsten Tage zu überstehen. Die Geschichte endet offen.

Für die Interpretation der Handlung spielt der historische Kontext eine wesentliche Rolle. Nach Meinung einiger Autoren symbolisieren die Vögel in der Buchvorlage die deutschen Luftangriffe auf England während des Zweiten Weltkrieges. Andere Deutungsversuche sehen einen Zusammenhang mit der aufkommenden Bedrohung durch den Kommunismus. An mehreren Textstellen wird der „kalte Ostwind“ als Ursache für den Wetterwechsel thematisiert und die verfeindete Großmacht explizit erwähnt („Man munkelt ja, die Russen seien schuld daran, sie hätten die Vögel vergiftet.“). Gegen Ende der Handlung äußert Nats Frau die Hoffnung, die verbündeten Amerikaner mögen die Engländer beim Kampf unterstützen. Der Verweis auf die Alliierten zur Bewältigung der ausweglosen Lage schlägt den Bogen vom zurückliegenden Weltkrieg hin zum neuen Konflikt des Kalten Krieges.

Drehbuchautor Evan Hunter übernahm für die Filmadaption nur das Motiv der angreifenden Vögel, während Charaktere, Handlungsorte und Dramaturgie unterschiedlich sind. Nach Absprache mit Hitchcock verlegte er die von ländlichen Einflüssen geprägte südwestenglische Landschaft an die kalifornische Küste, um die Kultiviertheit der Metropolregion San Francisco bei der Charakterisierung der agierenden Personen in den Vordergrund zu stellen.

Hitchcock entwickelte eine Vorliebe für diese Region, nachdem er im September 1940 gemeinsam mit seiner Ehefrau Alma ein privates Anwesen nahe Scotts Valley erworben hatte. Über Die Vögel hinaus spielen die zuvor entstandenen Thriller Im Schatten des Zweifels und Vertigo – Aus dem Reich der Toten ebenso in der San Francisco Bay Area. Andere Werke wie Rebecca, Verdacht, Marnie und Familiengrab enthalten einzelne dort aufgenommene Szenen.

Wahre Begebenheiten mini|Bedrängnis durch Möwen Neben dem zugrundeliegenden Kurzroman orientierte sich Hitchcock an tatsächlichen Vorfällen, die sich ereigneten, nachdem die Arbeiten am Filmprojekt bereits begonnen hatten. Am frühen Morgen des 18. August 1961 wurden Bewohner der Küstenstadt Capitola aus dem Schlaf gerissen, weil Hunderte Vögel – die meisten davon Dunkle Sturmtaucher – gegen Hausdächer flogen, Fenster zerbrachen und Stromleitungen durchtrennten. Der Filmdialog zwischen der Ornithologin und einem Handelsvertreter in der Restaurant-Szene nimmt Bezug auf dieses Geschehen. Jahrzehnte später stellte sich heraus, dass die Tiere von Domoinsäure, einem von Kieselalgen der Gattung Pseudo-nitzschia produzierten Nervengift, beeinflusst waren.Sibel Bargu et al.: Mystery behind Hitchcock's birds. In: Nature Geoscience. Band 5, 2012, S. 2–3, doi:10.1038/ngeo1360. Volltext. Jeanne Rubner: Was Hitchcocks Vögel wild machte. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Januar 2012. Im September 1991 wurde in der Monterey Bay ein ähnliches Massensterben von Braunpelikanen beobachtet und auf Algentoxine zurückgeführt, die über die Nahrungskette in die Vogelmägen gelangt waren. Ein Zusammenhang mit dem 30 Jahre zurückliegenden Ereignis in derselben Gegend konnte erst im Dezember 2011 im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung nachgewiesen werden.

Aus Zeitungen erfuhr Hitchcock von weiteren Vorkommnissen in Kalifornien. Im Gespräch mit dem französischen Filmemacher François Truffaut berichtete er von Raben, die Lämmer angegriffen hatten. Vom betroffenen Bauern erfuhr er weitere Details, die ihn zu der Szene mit dem toten Farmer und den ausgehackten Augen inspirierten. Darüber hinaus gab es 1961 in La Jolla einen Zwischenfall mit Spatzen, die über den Kamin in ein Haus eingedrungen waren. In der Verfilmung findet sich eine Analogie beim ersten gemeinsamen Abendessen mit Melanie im Haus der Brenners.

Produktion Besetzung und Synchronisation Melanie Daniels Tippi Hedren Edith Schneider Mitchell Brenner Rod Taylor Gert Günther Hoffmann Lydia Brenner Jessica Tandy Alice Treff Cathy Brenner Veronica Cartwright Marion Hartmann Annie Hayworth Suzanne Pleshette Ruth Scheerbarth Mrs. Bundy,Vogelkundlerin Ethel Griffies Lili Schönborn Sebastian Sholes,Fischer Charles McGraw Benno Hoffmann Deke Carter, Wirt Lonny Chapman Gerd Duwner Handelsreisender Joe Mantell Heinz Petruo Mrs. McGruder Ruth McDevitt Anneliese Würtz Deputy Al Malone Malcolm Atterbury Anton Herbert Betrunkener „Prophet“ Karl Swenson Hans Walter Clasen Helen Carter Elizabeth Wilson Gisela Reißmann Mitchs Nachbar Richard Deacon Heinz Welzel Postbote John McGovern Gerhard Schinschke

Tippi Hedren arbeitete seit 1950 erfolgreich als Model in New York City. Im Oktober 1961 wurde sie von einem Produzenten der Universal Studios entdeckt, nachdem sie in der US-amerikanischen Fernsehsendung The Today Show über mehrere Wochen in einem Werbespot für ein Getränk zu sehen gewesen war. Über die Schauspielagentur MCA wurde sie an Alfred Hitchcock vermittelt, der nach dem Rückzug von Grace Kelly aus dem Filmgeschäft auf der Suche nach einer Darstellerin ähnlichen Typs war. Im Dezember 1962 veröffentlichte das Magazin Look eine Titelstory unter der Überschrift Hitchcock’s new Grace Kelly. Hedren absolvierte an der Seite von Martin Balsam einen dreitägigen Leinwandtest, in dem sie Szenen aus den früheren Hitchcock-Filmen Rebecca, Berüchtigt und Über den Dächern von Nizza spielte.Laurent Bouzereau: Filmdokumentation All About ‘The Birds’, 2000. Anschließend unterschrieb sie einen langjährigen Exklusivvertrag, der ihr ein wöchentliches Gehalt von 500 US-Dollar zusicherte.Michael Thornton: Hitchcock the Psycho: As Birds star Tippi Hedren reveals he tried to destroy her when she spurned his advances, how all his blondes lived in fear of the sadistic director. In: Daily Mail. 22. März 2012 (englisch). Mit dem Vertrag übernahm der Regisseur die Kontrolle über ihr Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit und formte sie zur „Hitchcock-Blondine“. Bei der Auswahl von Kleidern, Make-up, Schmuck und Frisur fungierte Kostümbildnerin Edith Head als Beraterin.