Viel Lärm um nichts (frühneuenglisch Much adoe about Nothing) ist eine Komödie von William Shakespeare. Das Werk handelt von der Hochzeit des Florentiner Adligen Claudio mit Hero, der Tochter des Gouverneurs von Messina. Die Hochzeitspläne stoßen auf äußere Hindernisse in Gestalt einer Intrige Don Johns, des illegitimen Bruders des Königs von Aragón. Dagegen gestehen sich Beatrice und Benedikt erst durch einige Machenschaften der übrigen Figuren ihre Zuneigung. Als Quelle wird unter anderem Bandellos Prosaversion von Ariosts Versepos Orlando Furioso angesehen. Die erste Erwähnung des Werkes findet sich in einem Eintrag im „Stationer's Register“ im August 1600. Im selben Jahr wurde es in der Werkstatt von Valentine Simmes als Quarto gedruckt. Die erste belegte Aufführung datiert in das Jahr 1613. Shakespeare hat das Stück wahrscheinlich in der Zeit um den Jahreswechsel 1598/99 fertig gestellt. Zusammen mit Wie es euch gefällt und Was ihr wollt wird es zu den sogenannten romantischen Komödien Shakespeares gezählt.

Übersicht Handlungsstränge Die Haupthandlung beschreibt die Umstände der Heirat des florentinischen Edelmannes Claudio mit Hero, der Tochter von Leonato, dem Gouverneur von Messina. Das Werk hat zwei Nebenhandlungen. Die erste beschreibt eine Intrige des spanischen Edelmannes Don John, der aus Hass auf Claudio dessen Heirat hintertreiben will. In diesen Nebenstrang ist die komische Episode um den Wachmann Dogberry und seine Helfer eingeflochten. Die zweite Nebenhandlung beschreibt die Liebe zwischen dem Edelmann Benedikt und Beatrice, der Nichte von Leonato.

Hauptcharaktere Die Bühnengesellschaft des Werkes hat zwei Hauptgruppen. Die erste ist um Leonato, den Gouverneur von Messina zentriert. Sein Landsitz ist der Ort der Handlung. Leonato ist Witwer und hat nur ein Kind, seine Tochter Hero, die seine Allein-Erbin ist. Er lebt in Gesellschaft seines Bruders Antonio und seiner Nichte Beatrice. Zur Gruppe um Leonato zählen außerdem Margarethe und Ursula, die Hofdamen von Hero, sowie der Wachtmeister Dogberry mit seinem Gefolge und der Geistliche Bruder Franziskus. Das Zentrum der zweiten Hauptgruppe ist der Thronfolger des Königreiches Aragonien, Prinz Don Pedro. Er wird von seinem Halbbruder Don John sowie den Edlen Benedikt aus Padua und Claudio aus Florenz begleitet. Zu ihnen gehören auch die Diener Conrad und Borachio sowie der Sänger Balthasar. Man erkennt gleich die Symmetrie der beiden Gruppen: die Brüder Leonato und Antonio aus Sizilien und die Brüder Don Pedro und Don John aus Spanien. Zur sizilianischen Gruppe gehören Beatrice und Hero und zu der italienischen Gruppe die Lehensmänner des Prinzen, die Edlen Benedikt und Claudio.

Erzählte Zeit und Ort der Handlung Das Werk spielt in der Hafenstadt Messina, die zu der Zeit als Teil Siziliens unter spanischer Herrschaft stand. Darauf deutet der Titel von Don Pedro, Prinz von Aragonien. Die Beziehungen zwischen Sizilien und Spanien, insbesondere der Krone von Aragonien umfassen allerdings den recht langen Zeitraum zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. Die Handlung selbst dauert nur wenige Tage und wird üblicherweise in die Sommerzeit verlegt.

Handlung mini|hochkant=1.3|rechts|Die Ohnmacht der Hero in der KirchenszeneGemälde von Alfred Elmore, 1846

Akt I Das Stück beginnt mit der Ankündigung, dass Don Pedro, der Prinz von Aragonien, noch heute mit seinem Gefolge nach Messina kommt. Bei der Begrüßung der Gäste in der Residenz des Gouverneurs verliebt sich einer der Edelleute in die Tochter des Gastgebers.

[Szene 1] Ein Bote berichtet dem Gouverneur von Messina, dass Don Pedro von Aragonien nach einem erfolgreichen Feldzug in die Stadt kommt. Es habe in der Schlacht nur wenige Verluste gegeben, denn die Soldaten hätten sich ungewöhnlich tapfer geschlagen. Insbesondere Claudio, ein junger Florentiner Edelmann sei vom Prinzen für seinen außerordentlichen Mut im Kampf ausgezeichnet worden und wird nun in Messina von seinem Onkel erwartet. Beatrice, die Nichte des Gouverneurs Leonato erkundigt sich nach einem weiteren Teilnehmer des Feldzuges, einem gewissen Benedikt, den sie bei dieser Gelegenheit herzhaft verspottet.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 1, 1–88. Als die Soldaten eintreffen, empfängt Leonato sie in seinem Haus und lädt sie ein, für einen Monat in Messina zu bleiben. Don Pedro nimmt die Einladung an und stellt dem Gastgeber seinen schweigsamen Halbbruder Don John vor, mit dem er sich kürzlich ausgesöhnt habe.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 1, 89–104 und 138–150. Unterdessen liefern sich Beatrice und Benedikt ein heftiges Wortgefecht. Beide sind dafür bekannt, dass sie im Umgang mit ihren Mitmenschen kein Blatt vor den Mund nehmen, und hegen eine lange, wenn auch grundlose Abneigung gegeneinander.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 1, 105–137. Claudio berichtet seinem Kampfgenossen Benedikt von seiner Liebe zu Hero.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 1, 151–188. Gegenüber Don Pedro und Claudio drückt Benedikt seine Verachtung für die Ehe aus.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 1, 189–265. Don Pedro bietet Claudio an, an seiner statt um Hero zu werben.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 1, 266–305.

[Szene 2] Leonato und sein älterer Bruder Antonio besprechen die Vorbereitungen für das Fest zur Begrüßung des Prinzen und seinem Gefolge. Antonio erzählt, einer seiner Bediensteten habe ein Gespräch zwischen dem Prinzen und Claudio belauscht, indem der Prinz seine Liebe zu Leonatos Tochter Hero gestanden habe. Der Gouverneur zweifelt den Bericht an und beide beschließen die Sache abzuwarten und vorsorglich Hero zu informieren.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 2, 1–26.

[Szene 3] Don John, der illegitime Bruder des Prinzen gesteht seinen Bediensteten Conrad und Borachio seinen Missmut und seine Bereitschaft, keine Rücksicht auf Dritte zu nehmen. Sie beschließen, die Heirat zwischen Claudio und Hero zu hintertreiben.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. I, 3, 1–68.

Akt II [Szene 1] Leonato und Antonio mit Hero und Beatrice sowie den Zofen.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 1–73. Einzug der Masken.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 74–140. Don John und Borachio behaupten gegenüber Claudio, dass Don Pedro in Hero verliebt ist.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 141–156. Claudio bekennt im Selbstgespräch, dass er nun von der betrügerischen Absicht des Prinzen überzeugt ist. Als Benedikt hinzutritt, bestätigt er den Eindruck Claudios.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 157–192. Der Prinz erklärt gegenüber Benedikt seine lauteren und ehrlichen Absichten bezüglich Hero.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 193–239. Beatrice kommt mit Claudio zum Prinzen. Der Prinz bemerkt, dass Claudio bedrückt ist. Der Prinz berichtet, dass er sein Versprechen gehalten und erfolgreich für Claudio um Hero geworben hat. Der Prinz macht Beatrice ein Heiratsangebot, sie lehnt ab.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 240–313. Der Prinz bespricht mit Leonato und Claudio die Vorbereitungen für die Heirat zwischen Hero und Claudio. Man vereinbart die Hochzeit binnen Wochenfrist.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 1, 314–356.

[Szene 2] Don John und Borachio planen die Intrige gegen Claudios Heirat mit Hero.William Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther, 5. Auflage, München 2012. II, 2, 1–51.

Akt II-V Zusammen mit anderen beschließen Claudio und Hero, sich die Zeit bis zu ihrer Hochzeit damit zu verkürzen, Benedikt und Beatrice in die Liebesfalle zu locken. Claudio, Leonato und Don Pedro lassen Benedikt ein Gespräch belauschen, in dem sie besprechen, wie sehr Beatrice leide, da sie ihn eigentlich liebe. Benedikt beschließt, sich ihrer zu erbarmen und ihre Liebe zu erwidern. Hero und ihre Kammerfrau Ursula halten eine Konversation gleichen Sinns in Hörweite von Beatrice ab, wobei nun freilich Benedikt der unglücklich Liebende sei. Sofort beschließt sie, fortan freundlicher zu Benedikt zu sein.

Don John, Don Pedros ungeratener Halbbruder, plant unterdessen, die Hochzeit zu verhindern und so Unheil zu stiften. Um Heros Untreue zu beweisen, inszeniert er im Fenster von Heros Kammer eine Liebesszene zwischen seinem Gefolgsmann Borachio und Heros Zofe Margaret, die Heros Kleidung trägt, und sorgt dafür, dass Claudio und Don Pedro die Szene beobachten. Beide fallen auf das Schauspiel herein und halten Hero für untreu. Am folgenden Hochzeitstag beschuldigt Claudio sie in der Kirche vor allen Anwesenden der Untreue und verweigert die Heirat. Hero fällt in Ohnmacht. Nachdem Claudio, Don Pedro und Don John die Kirche verlassen haben, rät der Mönch, bis ihre Ehre wiederhergestellt sei, alle im Glauben zu lassen, dass Hero in Anbetracht der Schmach gestorben sei.

Nachdem auch Leonato, Hero und der Mönch gegangen sind, gestehen sich die allein in der Kirche verbliebenen Benedikt und Beatrice ihre Liebe. Beatrice ist von Heros Unschuld überzeugt und nimmt Benedikt das Versprechen ab, seinen Freund Claudio für den Schaden, den er angerichtet hat, zu töten.

Doch wird Heros Ehre, noch bevor das Duell stattfinden kann, wiederhergestellt. Wie sich herausstellt, haben die Wachen, die in der Nacht von Don Johns Inszenierung den Übeltäter Borachio und seinen Verbündeten Konrad festnahmen, diese zudem belauscht und so von den Machenschaften Don Johns erfahren. Nachdem er ihre Aussage gehört hat, ist Leonato völlig von Heros Unschuld überzeugt.

Claudio empfindet tiefe Reue über den vermeintlichen Tod seiner Braut. Leonato verspricht, ihn mit seiner Nichte zu verheiraten, die genauso aussehe wie Hero. Natürlich stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich um die lebende Hero selbst handelt. Bei der Hochzeit verfallen Benedikt und Beatrice wieder in ihr altes Muster, ihre gegenseitige Liebe mit viel Wortwitz zu leugnen, bis Hero und Claudio einige Liebesgedichte hervorholen, die Benedikt und Beatrice sich gegenseitig geschrieben haben. Das Stück endet in einer fröhlichen Doppelhochzeit, die mit der guten Nachricht schließt, dass Don John auf der Flucht aus Messina festgenommen wurde.

Literarische Vorlagen und kulturelle Bezüge mini|hochkant=0.8|Herbert Beerbohm Tree als Benedikt und Winifred Emery als BeatriceZeichnung von Max Cowper, 1905