mini|Signum der Legio VII Claudia, vereinfachte Darstellung nach einer Münze des Gallienus Die Legio VII Claudia (lateinisch „7. claudische Legion“) war eine Legion der römischen Armee, die wohl vor dem Jahr 59 v. Chr. aufgestellt und durch Octavian im Jahr 44 v. Chr. neu formiert wurde. Sie bestand bis ins frühe 5. Jahrhundert.
Ihr Emblem war der Stier und im 1. und 2. Jahrhundert auch der Löwe.Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin dem Großen. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 287.
Späte Republik Gallischer Krieg lang=de|mini|Caesars Feldzüge während des gallischen Krieges Die Legio VII wurde 59 v. Chr. oder schon früher von Gaius Iulius Caesar für den Gallischen Krieg erstmals aufgestellt.Lesley Adkins: Handbook to Life in Ancient Rome. Sonlight Christian, 2004, ISBN 0-8160-5026-0, S. 59–60. Vereinzelt wird auch die Auffassung vertreten, sie sei im Jahr 65 v. Chr. von Gnaeus Pompeius Magnus in Spanien ausgehoben worden.Stephen Dando-Collins: Caesar’s Legion: The Epic Saga of Julius Caesar’s Elite Tenth Legion and the Armies of Rome. Wiley, New York 2002, ISBN 0-471-09570-2, S. 269.
Die Legion nahm 57 v. Chr. an der Schlacht gegen die Nervier teil. Dann machte Caesar Publius Licinius Crassus zum Legaten der Legio VII, der mit ihr an der Nordküste Galliens (heutige Normandie und Bretagne) operierte und die Veneter, Veneller (Uneller), Osismier, Curiosoliten, Esuvier, Aulercer und Redonen unterwarf.Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico II,34. Im Winter 57/56 v. Chr. flammten die Unruhen bei den keltischen Stämmen der Veneter, Osismer, Lexovier, Namneten, Ambiliaten, Moriner, Diablinten und Menapier nochmals auf, als die Legio VII Lebensmittel requirierte. Nach der Einnahme mehrerer Oppida (Städte) und dem Einsatz der Flotte konnte Caesar den Aufstand beenden.Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico III,7–16. In den Jahren 55 und 54 v. Chr. nahm die Legion an den Invasionen Britanniens teil.Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico IV,32 und V,9.
52 v. Chr. kämpfte die Legio VII in der Schlacht am Armançon gegen die Bellovaker und HaeduerGaius Iulius Caesar: De bello Gallico VII,62. und nahm wahrscheinlich an den Kämpfen gegen Vercingetorix bei Lutetia und der Schlacht um Alesia teil.. Im Jahr 51 v. Chr. wurde die Legion wieder namentlich genannt, als Caesar mit der VII., VIII., VIIII. und XI. Legion einem Aufstand der Bellovaker, Ambianer, Aulercer, Caleten, Veliocasser und Atrebaten unter der Führung des Correus entgegentrat. Caesar errichtete ein stark befestigtes Lager in Sichtweite des feindlichen Lagers und rief die verbündeten Remer und Lingonen sowie drei weitere Legionen als Verstärkung herbei. Nach einer Entscheidungsschlacht war der Aufstand beendet.Aulus Hirtius: De bello Gallico VIII, 6–10 (online).
Bürgerkriege
Caesar verlegte die Legion im Jahr 49 nach Spanien um die Legionen seines Widersachers Gnaeus Pompeius Magnus zu bekämpfen. Sie siegte im Jahr 49 v. Chr. in der Schlacht bei Ilerda. Dann wurde die Legion nach Griechenland verlegt und musste 48 v. Chr. eine Niederlage in der Schlacht von Dyrrhachium hinnehmen. Im August desselben Jahres kämpfte sie bei der wichtigen Schlacht von Pharsalos erfolgreich. Danach löste Caesar die Legion auf und schickte die Veteranen nach Italien. 46 v. Chr. wurden die Veteranen reaktiviert. Caesar setzte sie im Afrikanischen Krieg am 6. April 46 v. Chr. in der Schlacht bei Thapsus in der Provinz Africa gegen die republikanischen Senatstruppen unter Metellus Scipio und Cato dem Jüngeren ein. Die Legion wurde nochmals aufgelöst und den Veteranen in Italien bei Capua und Luca Land zugewiesen.
Nach Caesars Ermordung stellte Octavian die Legio VII Paterna (die Väterliche) und Legio VIII wieder her, um seinen Einfluss zu stärken. Er setzte sie in Italien am 14. oder 15. April 43 v. Chr. in der Schlacht von Forum Gallorum und am 21. April 43 v. Chr. in der Schlacht von Mutina ein. Dann wurde die Legion nach Makedonien verlegt, wo sie im Oktober/November 42 v. Chr. in der Schlacht bei Philippi kämpfte. Dann verlegte Octavian die Legio VII wieder nach Italien und setzte sie im Winter 41/40 v. Chr. im Perusinischen Krieg gegen Marcus Antonius’ Bruder Lucius Antonius bei der Belagerung von Perugia ein. Im Jahr 36 v. Chr. siedelte Octavian Veteranen im südlichen Gallien an. Vermutlich nahm die Legion auch an den Kämpfen gegen Sextus Pompeius teil, der Sizilien besetzt hatte, und schließlich wiederum gegen Marcus Antonius in der Seeschlacht von Actium 31 v. Chr. Nach dem Bürgerkrieg wurden Veteranen der Legion in Mauretania angesiedelt.
Julisch-claudische Dynastie Von etwa 30 bis 20 v. Chr. war die Legion in Galatia stationiert und wurde dann auf den Balkan verlegt. Es ist unsicher, ob die Legion den Beinamen Macedonica bereits 42 v. Chr. im Zusammenhang mit der Schlacht bei Philippi oder erst hier bekam. Im Zusammenhang mit dem Pannonischen Aufstand (6–9 n. Chr.) oder der Varusschlacht (9 n. Chr.) wurde sie um das Jahr 9 n. Chr. ins dalmatische Tilurium (Trilj)Lawrence J. F. Keppie: Legions and veterans: Roman army papers 1971–2000 (= Mavors. Roman Army Researches. Band 12). Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07744-8, S. 304. verlegt. Unter Tiberius (14–37) wurden Veteranen im vicus Scunasticus bei Narona nahe dem heutigen Metković angesiedelt.Lawrence J. F. Keppie: Legions and veterans: Roman army papers 1971–2000 (= Mavors. Roman Army Researches. Band 12). Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07744-8, S. 54–55.
Während der Revolte des dalmatischen Statthalters Lucius Arruntius Camillus Scribonianus im Jahr 42 hielten die Legionen VII und XI zu Kaiser Claudius (41–54) und erhielten daraufhin den Beinamen Claudia und die Ehrenbezeichnung Pia Fidelis („pflichtbewusst und treu“). Um die Mitte des 1. Jahrhunderts wurden Veteranen der Legio VII Claudia und der Legio XI Claudia in Aequum (Čitluk) angesiedelt.
Vermutlich verlegte bereits Claudius die Legion nach Moesia an die untere Donau in ein unbekanntes Lager,András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia. A history of the middle Danube provinces of the Roman empire. Routledge, 1974, ISBN 0-7100-7714-9, S. 48. möglicherweise bei Scupi (Skopje).Alan K. Bowman, Edward Champlin, Andrew Lintott (Hrsg.): The Augustan Empire, 43 B.C.–A.D. 69 (= The Cambridge Ancient History, 2nd Edition. Band 10). Cambridge University Press, Cambridge 1996, ISBN 0-521-26430-8, S. 453. Nach anderer Auffassung erfolgte die Verlegung erst um 57/58 unter Nero (54–68) nach Viminatium (Kostolac/Serbien), wo sie die Legio IIII Scythica ablösteErik Gren: Kleinasien und der Ostbalkan in der wirtschaftlichen Entwicklung der römischen Kaiserzeit. Ayerpub, 1979 (Reprint der Ausgabe von 1941), ISBN 0-405-12365-5, S. 93. oder im Jahr 62, um die Legio V Macedonica in Oescus in der Provinz Moesia zu ersetzen.Steve Mason, Honora Chapman: Flavius Josephus: Translation and Commentary, Volume 1B – Judean War 2. Brill, Leiden 2008, ISBN 978-90-04-16934-0, S. 286.
Vierkaiserjahr und flavische Dynastie Im Vierkaiserjahr 69 stellte sich die Legion wie die übrige Donauarmee erst hinter Otho. Zu spät erreichte eine Vexillation der Legio VII Claudia Italien um Othos Niederlage gegen Vitellius in der Ersten Schlacht von Bedriacum am 14. April 69 (bei Cremona) zu verhindern. Vitellius sandte die Legion nach Viminatium an die Donau zurück, wo sie sich Vespasian anschloss. Die Legion marschierte nochmals nach Italien und siegte in der Zweiten Schlacht von Bedriacum am 24. Oktober 69 über Vitellius’ Truppen. Die geschlagene Legio V Alaudae wurde nach der Schlacht zur Verstärkung der Legio VII nach Moesia Superior abkommandiert, um die im Bürgerkrieg entblößte Grenze gegen Sarmaten und Daker zu schützen.András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia: History of the Middle Danube Provinces of the Roman Empire. Routledge, 1974, ISBN 0-7100-7714-9, S. 81f.
In Moesia kam es im Winter 69/70 unter dem Statthalter Fonteius Agrippa zu verlustreichen Kämpfe gegen die Scythen (Sammelbegriff für die osteuropäische Barbarenvölker, gemeint sind die Sarmaten).Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 7,4,3. Fonteius Agrippa fiel im Kampf, worauf Vespasian Rubrius Gallus als neuen Statthalter zur Unterwerfung der Sarmaten sandte, was dieser im Verlauf des Jahres 70 mit Hilfe der Legionen I Italica und VII Claudia exekutierte.Barbara Levick: Vespasian (Roman Imperial Biographies). Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-16618-7, S. 115.
Domitian (81–96) siedelte zu Beginn seiner Herrschaft Veteranen der Legionen I Italica, III Augusta, IIII Macedonica, V Macedonica, V Alaudae, IIII Flavia und VII Claudia in der neugegründeten Stadt Scupi (Skopje) an.Miroslava Mirkovic: Einheimische Bevölkerung und römische Städte in der Provinz Obermösien. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Teil II, Band 6, Politische Geschichte (Provinzen und Randvölker: Lateinischer Donau-Balkanraum). Walter de Gruyter, Berlin/New York 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 831. Im Winter 85/86 drangen starke dakische Kriegerhorden des Königs Diupaneus von Norden über die Donau in die römische Provinz Moesia ein und trafen die Römer völlig unerwartet. Ihr Statthalter, Gaius Oppius Sabinus, fiel im Kampf und die Angreifer konnten fast zügellos plündern und brandschatzen.Brian W. Jones: The Emperor Domitian. Routledge, 1992, ISBN 0-415-04229-1, S. 138. 86/87 befehligte Cornelius Fuscus eine Armee im Kampf gegen die Daker unter deren König Decebalus. Er erlitt zu Beginn der Dakerkriege eine vernichtende Niederlage, bei der die V Alaudae vermutlich aufgerieben wurde.Miriam Griffin: The Flavians. In: Alan K. Bowman, Peter Garnsey, Dominic Rathbone (Hrsg.): The Cambridge Ancient History. Band 11: The High Empire, A.D. 70–192. Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-26335-2, S. 73. Im Jahr 88 drang der römische Feldherr Lucius Tettius Iulianus in dakisches Gebiet ein. In der Schlacht von Tapae siegte das römische Heer, zu dem auch die Legio VII gehörte, über Decebalus. Decebalus und Domitian handelten im Jahre 89 n. Chr. einen Frieden aus, bei dem Decebalus formal römischer Klient wurde und die Römer ihn dafür mit Geld und Waffen bezahlten.András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia. A history of the middle Danube provinces of the Roman empire. Routledge, 1974, ISBN 0-7100-7714-9, S. 84. Nach Domitians Feldzug gegen die Daker wurde die IIII Flavia möglicherweise für einige Zeit zur Legio VII Claudia nach Viminatium verlegt, bevor sie im obermoesische Singidunum (Belgrad) stationiert wurde.András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia. A history of the middle Danube provinces of the Roman empire. Routledge, 1974, ISBN 0-7100-7714-9, S. 82.
Adoptivkaiser und antoninische Dynastie Von 98 bis 101 wurde die Legion zu Vorbereitungen für den Dakerkrieg Trajans herangezogen, so baute sie zum Beispiel die Kunststraße durch die Felsenufer des Eisernen Tores.Pat Southern: The Roman army. A social and institutional history. ABC-Clio, 2006, ISBN 1-85109-730-9, S. 104. Im ersten Krieg gegen die Daker kämpfte die Legion 101/102 unter ihrem Legatus Lucius Minicius Natalis. Auch im darauffolgenden zweiten Dakerkrieg 105/106 kämpfte sie aktiv mit, Teile der Legio VII waren außerdem am Bau der trajanischen Donaubrücke bei der Festung von Drobeta Turnu Severin beteiligt.