Die Carl Zeiss AG ist ein Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie. Der Sitz der Konzernleitung liegt heute im baden-württembergischen Oberkochen. Weitere Standorte befinden sich in Jena, Aalen, Dresden, Berlin, Göttingen, Braunschweig, München, Karlsruhe, Bochingen, Roßdorf, Neubeuern, Neuenstein, Leipzig, Görlitz und Wetzlar sowie in den USA, Ungarn, der Schweiz, Italien, Mexiko, Belarus, Frankreich, Israel, Indien, im Vereinigten Königreich und in der Volksrepublik China. Im Geschäftsjahr 2024/25 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 11,894 Mrd. Euro.

Geschichte Carl Zeiss 1846–1945 mini|Werkstätten in der Neugasse (1846–1847), in der Wagnergasse (1847–1858), am Johannisplatz (1858–1881) und die ersten Gebäude des Hauptwerks in Jena (ab 1881), 1896 mini|Das Zeiss-Hauptwerk in Jena um 1910

Der aus Weimar stammende Mechaniker-Meister Carl Zeiß eröffnete 1846 eine feinmechanisch-optische Werkstatt in der Neugasse 7 in Jena.Zur frühen Geschichte siehe: Edith Hellmuth, Wolfgang Mühlfriedel: Zeiss 1846–1905. Vom Atelier für Mechanik zum führenden Unternehmen des optischen Gerätebaus (= Carl Zeiss. Die Geschichte eines Unternehmens. Band 1). Böhlau, Weimar u. a. 1996, ISBN 3-412-05696-0.Zur frühen Geschichte siehe: Horst Alexander William: Carl Zeiss 1816–1888 (= 6. Beiheft der Tradition, Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie). Bruckmann, München 1967. Hierfür erhielt er eine „Großherzogliche Konzession zur Fertigung und zum Verkauf mechanischer und optischer Instrumente“. 1847 stellte er August Löber als seinen ersten Lehrling ein, der später Werksmeister bei Zeiss wurde. Ende des Jahres wurden bereits die ersten einfachen Mikroskope in der Werkstatt gefertigt. 1852 beschäftigte Zeiss zehn Mitarbeiter.

Der 1860 zum „Universitätsmechanikus“ ernannte Carl Zeiß war mit der Qualität seiner Mikroskope nicht zufrieden. Jedes Mikroskop war ein Unikat. Man hatte zwar große Übung darin, Linsen durch Probieren („Pröbelei“) zu einem vollständigen Mikroskopobjektiv zusammenzustellen, es gab aber keine Möglichkeit, die Eigenschaften eines Mikroskops vorauszuberechnen und gezielt zu optimieren. Der Mathematiker Friedrich Wilhelm Barfuß versuchte zwischen 1850 und 1854 Mikroskop-Optiken zu berechnen, um so die Grundlagen für einen wissenschaftlichen Mikroskopbau zu schaffen. Er hatte jedoch keinen Erfolg. Zeiss arbeitete deshalb ab 1866 mit Ernst Abbe, einem Physikprofessor der Universität Jena, zusammen.Zur Zusammenarbeit mit Abbe siehe: Edith Hellmuth, Wolfgang Mühlfriedel: Zeiss 1846–1905. Vom Atelier für Mechanik zum führenden Unternehmen des optischen Gerätebaus (= Carl Zeiss. Die Geschichte eines Unternehmens. Band 1). Böhlau, Weimar u. a. 1996, ISBN 3-412-05696-0, S. 59ff.Zur Zusammenarbeit mit Abbe siehe: Rüdiger Stolz, Joachim Wittig (Hrsg.): Carl Zeiss und Ernst Abbe. Leben, Wirken und Bedeutung. Universitätsverlag, Jena 1993, ISBN 3-925978-14-3. Diesem gelang es nach jahrelanger Arbeit und Rückschlägen, eine Theorie der Mikroskop-Optik aufzustellen. Als weltweit einziges Unternehmen war Carl Zeiss nun in der Lage, Mikroskope mit vorberechneten Eigenschaften zu produzieren. Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Bereits 1875 beschäftigte Carl Zeiss 60 Mitarbeiter.

Ein wichtiges Problem konnte aber von Zeiss und Abbe nicht gelöst werden: Die Herstellung von speziellem optischem Glas, das ganz neue Optiken ermöglichte. Sie arbeiteten deshalb mit dem Chemiker Otto Schott zusammen, den sie nach Jena holten. Nach erfolgreichen Glasschmelzversuchen für Carl Zeiss bauten sie das Jenaer Glaswerk Schott und Genossen in Jena auf, heute Schott AG.Zur Zusammenarbeit mit Schott siehe: Edith Hellmuth, Wolfgang Mühlfriedel: Zeiss 1846–1905. Vom Atelier für Mechanik zum führenden Unternehmen des optischen Gerätebaus (= Carl Zeiss. Die Geschichte eines Unternehmens. Band 1). Böhlau, Weimar u. a. 1996, ISBN 3-412-05696-0, S. 90ff. 1875 entschloss sich Carl Zeiß, seinem Freund Ernst Abbe die Teilhaberschaft am Unternehmen anzubieten.Edith Hellmuth, Wolfgang Mühlfriedel: Zeiss 1846–1905. Vom Atelier für Mechanik zum führenden Unternehmen des optischen Gerätebaus (= Carl Zeiss. Die Geschichte eines Unternehmens. Band 1). Böhlau, Weimar u. a. 1996, ISBN 3-412-05696-0, S. 85ff. Roderich Zeiss (1850–1919), der älteste Sohn von Carl Zeiß, trat ein Jahr später ebenfalls in das Unternehmen ein. Carl Zeiß starb 1888 und hinterließ ein bedeutendes Unternehmen mit nun 327 Beschäftigten und glänzenden Perspektiven.

Vor dem Ersten Weltkrieg erlebte das Unternehmen einen rasanten Aufstieg, der auch mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht nachließ.Wolfgang Wimmer: Carl Zeiss im Ersten Weltkrieg. In: Birgitt Hellmann, Matias Mieth (Hrsg.): Heimatfront. Eine mitteldeutsche Universitätsstadt im Ersten Weltkrieg (= Bausteine zur Jenaer Stadtgeschichte. Band 17). Stadtmuseum Jena, Jena 2014, ISBN 978-3-942176-32-3, S. 193–212. In beiden Weltkriegen gehörte das Unternehmen zu den wichtigsten deutschen Produzenten von rüstungs- und kriegsrelevanten Optiken. Unter anderem wurde im Jahr 1912 in Wien eine Fabrik eröffnet, für die in den Kriegsjahren 1916 und 1917 durch den Architekten Robert Oerley ein viergeschossiger Neubau – das Zeiss-Werk Wien – errichtet wurde.Robert Oerleys Zeiss-Fabrik in Wien-Breitensee (PDF; 7,5 MB) in Denkma(i)l der Initiative Denkmalschutz Ausgabe 07/2011, abgerufen am 1. März 2018.

Nach anfänglichen Konflikten mit den nationalsozialistischen Machthabern beteiligte sich das Unternehmen in den 1930er Jahren an der Aufrüstung der Wehrmacht und sponserte die sogenannte Rassenforschung an der Universität Jena. Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Zeiss Tausende von Zwangsarbeitern, etwa am Hauptstandort in Jena und in den verschiedenen Produktionsstandorten und Beteiligungsgesellschaften.Zur Geschichte Carl Zeiss Jena in der NS-Zeit siehe: Rolf Walter: Zeiss 1905–1945 (= Carl Zeiss. Die Geschichte eines Unternehmens. Band 2). Böhlau, Köln u. a. 2000, ISBN 3-412-11096-5.Evelyn Halm, Margitta Ballhorn: Ausländische Zivilarbeiter in Jena 1940–1945. Städtische Museen, Jena 1995, ISBN 3-930128-21-7.

Spaltung Carl Zeiss in Jena mini|VEB Carl Zeiss Jena, Gebäudeansicht 1978 mini|Bau 6/70 und Astrojustierkuppel des Südwerkes des VEB Carl Zeiss Jena, 1987

Nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen aus Thüringen übernahm die Rote Armee die Kontrolle über das Unternehmen und begann mit der Demontage.Zur Geschichte Carl Zeiss Jena in der DDR-Zeit siehe: Edith Hellmuth, Wolfgang Mühlfriedel: Carl Zeiss 1945–1990 (= Carl Zeiss. Die Geschichte eines Unternehmens. Band 3). Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-11196-1. 1946/47 wurde das Werk fast vollständig demontiert und am 1. Juli 1948 verstaatlicht. Das Jenaer Werk wurde als VEB Carl Zeiss Jena in die DDR-Staatsindustrie integriert. Damit zusammenhängend kam es auch zu Auftragsarbeiten für das Ministerium für Staatssicherheit, wie das Infrarot-Lichtsprechgerät JO-4.03 als streng geheimes Projekt unter dem Decknamen „Palme“. Das Dresdner Werk der Tochterfirma Zeiss Ikon wurde ebenfalls verstaatlicht und firmierte zunächst als VEB Zeiss Ikon, 1960 wurde es, zusammengelegt mit der optischen Abteilung des VEB Feinmeß Dresden, die das Bonotar produzierte, zu einer Fertigungsabteilung von Carl Zeiss.

Zugehörige Betriebe 1965 wurde der VEB Carl Zeiss Jena zum Stammbetrieb des gleichnamigen Kombinates, dem nach und nach andere VEB der optisch-feinmechanischen und Elektronik-Industrie zugeordnet wurden. 1965 wurde der VEB Rathenower Optische Werke an das Kombinat angegliedert. Weitere Kombinatsbetriebe gab es in Dresden, Suhl, Gera, Saalfeld, Eisfeld und Freiberg. 1985 kam das Kombinat VEB Pentacon Dresden hinzu, in dem seinerzeit bereits große Teile der sächsischen optisch-feinmechanischen Industrie aufgegangen waren (u. a. Zeiss Ikon, Meyer-Optik, Ihagee, Filmosto, Praktica). In den 1980er Jahren gehörten zum Kombinat Carl Zeiss Jena 25 Betriebe und Betriebsteile mit bis zu 70.000 Beschäftigten: Liste der privatisierten Unternehmen der Treuhandanstalt Liste der Treuhandunternehmen in: Zusammenstellung der beim Versorgungsträger für die Zusatzversorgungssysteme zu den ehemaligen Betrieben und Einrichtungen der DDR vorhandenen Unterlagen bei Deutsche Rentenversicherung (in archive.org)

Generaldirektoren Hugo Schrade (1945–1966) Ernst Gallerach (1966–1971) Helmut Wunderlich (1971–1975) Wolfgang Biermann (1975 bis 1989)

Technologische Höhepunkte des VEB Carl Zeiss

mini|Planetariumsprojektor von Carl Zeiss Jena mini|Eines der ersten Zeiss-Spiegelteleskope mit einem Spiegeldurchmesser von 40 cm wurde 1905 in der Universitäts-Sternwarte Innsbruck aufgestellt. mini|Der 1-Megabit-Chip U61000D

1955 wurde bei Carl Zeiss Jena mit dem OPREMA der erste in der DDR gebaute Computer fertiggestellt, der zur firmeninternen Optikberechnung diente. 1961 wurde mit dem Zeiss-Rechen-Automaten (ZRA 1) ein weiterer Computer vorgestellt, der bis 1964 gefertigt wurde.Edgar Mühlhausen: OPREMA und ZRA 1 – Frühe Entwicklungen der digitalen Rechentechnik im Zeiss Werk Jena. In: Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte. 1999, ISBN 3-931743-10-1, S. 109–127. Ab den 1960er Jahren übernahm ein betriebsinternes Designbüro, das durch den Industriedesigner Gerd Böhnisch geleitet wurde, die Gestaltung aller neuentwickelten Produkte des VEB Carl Zeiss Jena.Ingeborg de Roode: Bauhaus-Rezeption und DDR-Designpolitik: Vom Sozialismus über Stalinismus zum Kapitalismus. In Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen. Weimar 1992, Ausg. 38, S. 291–292. Online auf e-pub.uni-weimar.de (PDF; 6 MB) Mikroskope, Theodolite, Planetarien, Teleskope, Kinotechnik und andere Geräte zeigten einheitliche Designelemente (Produktdesign, Corporate Design). Im VEB Carl Zeiss Jena wurde die Multispektral-Kamera MKF 6 zur Fernerkundung der Erde vom Weltraum und aus Flugzeugen heraus entwickelt und gebaut. Sie wurde im September 1976 an Bord des Raumschiffs Sojus 22 eingesetzt. Die weiterentwickelte Version MKF 6M kam u. a. auf der Raumstation Mir zum Einsatz.Achim Zickler: Die Multispektralkamera MKF-6. Beginn der Zeiss-Jena-Beteiligung an der bemannten Raumfahrt. In: Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte. Band 3, 2001, ISBN 3-931743-48-9, S. 101–121.

Die Sowjetunion erteilte dem Werk seit den 1970er Jahren zunehmend militärische Entwicklungs- und Produktionsaufträge. Damit gewann das Kombinat zunehmend größere Bedeutung als Rüstungsbetrieb: Eine Vielzahl optischer Militärgeräte wurden hier entwickelt und produziert, so unter anderem das Universalmessgerät UMGPi für Pioniere, das Stereo-Nachtsichtgerät PM 1 für Pionierpanzer, der Zielsuchkopf der Luft-Luft-Rakete K-13M, die Feuerleitanlage Wolna für den T-55 A und der Zielentfernungsmesser für den T-72.Klaus-Dieter Gattnar: Produktion militärischer Erzeugnisse im VEB Carl Zeiss Jena. In: Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte. Band 10, 2007, ISBN 978-3-940265-06-7, S. 127–153. In den Jahren 1976 bis 1980 betrug der Anteil der militärischen Aufträge 5,5 %, 1986 betrug er für das Kombinat Carl Zeiss 21,8 %. Bis 1990 war die weitere Erhöhung auf 28 % geplant.