mini|hochkant=2|Potentiale und Kosten verschiedener Klimaschutzoptionen bis zum Jahr 2030 gemäß Sechstem Sachstandsbericht des IPCC mini|hochkant=2|Veranschaulichung zum Stand der Klimaschutzpolitik im Jahr 2023 mini|hochkant=1.4|Jugendliche Demonstranten am Brandenburger Tor in Berlin am 20. September 2019 mini|hochkant=1.4|Klimaschutz-Demo-Transparent vom 14. Februar 2025 am Brandenburger Tor in Berlin
Klimaschutz ist der Sammelbegriff für (organisatorische bzw. technische usw.) Maßnahmen, die der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenwirken und mögliche Folgen der globalen Erwärmung abmildern (Mitigation) oder verhindern sollen.Climate Change 2007. Mitigation of Climate Change. Vierter Sachstandsbericht des IPCC. Abgerufen am 27. November 2015. Als wichtige Grenze gilt die Zwei-Grad-Schwelle, die nicht überschritten werden sollte, wenn katastrophale Auswirkungen der globalen Erwärmung verhindert werden sollen. Einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern gilt als eine der größten Herausforderungen der menschlichen Zivilisation. Da Kohlenstoffdioxid als wichtigster Treiber der gegenwärtigen Erderwärmung sehr lange in der Atmosphäre bleibt und manche Folgen des Klimawandels langfristig und irreversibel sind, werden die politischen Weichenstellungen der Gegenwart und unmittelbaren Zukunft tiefgreifende Auswirkungen für Tausende bis Zehntausende von Jahren haben.
Kernelement des Klimaschutzes ist die drastische Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen aus Energieerzeugung und Energienutzung in Industrie, Landwirtschaft, Verkehr und Privathaushalten, bis schließlich Netto-Null-Emissionen erreicht werden. Zur Begrenzung der globalen Erwärmung gemäß dem Pariser Übereinkommen sind bis in die 2030er Jahre hinein rasche und umfassende Emissionsminderungen notwendig, insbesondere durch eine Transformation des Energiesektors, wobei erneuerbare Energien eine zentrale Rolle spielen und je nach regionalen Voraussetzungen auch Kernenergie sowie CO2-Abscheidung und -Speicherung zur Emissionsminderung beitragen können.
Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau erfordert langfristig Klimaneutralität, da für jede Temperaturgrenze nur ein begrenztes Emissionsbudget zur Verfügung steht. Die Begrenztheit dieses Budgets bedeutet zugleich, dass jede Verzögerung des Klimaschutzes in der Gegenwart später deutlich schnellere und tiefgreifendere Maßnahmen erforderlich macht.Umweltprogramm der Vereinten Nationen: Emissions Gap Report 2019, S. XV. Abgerufen am 31. März 2021.
Ebenfalls wichtig ist die Erhaltung und gezielte Förderung von Kohlenstoffsenken, also natürlichen Bestandteilen wie insbesondere Wäldern, die Kohlenstoffdioxid aufnehmen und binden können. Solche Klimaschutzmaßnahmen mindern zudem die Luftverschmutzung und haben weitere positive Nebeneffekte für Umwelt und Gesundheit.
Die Auswirkungen der Erderwärmung sind aus Sicht vieler Forscher bereits nicht mehr vollständig vermeidbar, sondern nur noch abzumildern und zu begrenzen. Daher sind parallel zur Senkung der Treibhausgasemissionen auch Maßnahmen zur Anpassung an die bereits jetzt unvermeidlichen Folgen des Klimawandel nötig (Adaption), z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge. Anpassungsmaßnahmen zeigen vor allem kurz- und mittelfristig Wirkung; ihre langfristige Wirksamkeit ist jedoch schwerer zu bestimmen, da die Folgen der globalen Erwärmung nur begrenzt abgemildert werden können.Ottmar Edenhofer, Susanne Kadner, Jan Minx: Ist das Zwei-Grad-Ziel wünschenswert und ist es noch erreichtbar? Der Beitrag der Wissenschaft zu einer politischen Debatte. In: Jochem Marotzke, Martin Stratmann (Hrsg.): Die Zukunft des Klimas. Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen. Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66968-2, S. 69–92, hier S. 76.
Angesichts bisher ungenügender Erfolge bei der Reduktion der Treibhausgasemissionen werden im Rahmen des sogenannten Geoengineerings auch großtechnische Ansätze wie CO2-Abscheidung und -Speicherung oder die Eisendüngung der Weltmeere geprüft und lokal erprobt.
Zum Klimaschutz gehören neben großtechnischen Maßnahmen, makroökonomischen Rahmenbedingungen sowie staatlicher und internationaler Klimaschutzpolitik auch Aufklärung und Verhaltensänderungen auf individueller Ebene, insbesondere in Industriestaaten mit vergleichsweise hohem Energiekonsum und entsprechendem Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen.
Angesichts der trotz zahlreicher Klimakonferenzen bisher wenig erfolgreichen Bemühungen um eine wirksame Reduktion der weltweiten Treibhausgasemissionen formierte sich 2019 Fridays for Future, eine weltweit agierende Jugendprotestbewegung nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg, die breite Unterstützung auch in Wissenschaftskreisen erhielt.
Rahmenbedingungen mini|Deutschlands Beitrag zur Klimarettung – Tagesschau
Grundlagen Hauptursache für die globale Erwärmung ist die Freisetzung von Treibhausgasemissionen durch menschliche Aktivitäten. Im Jahr 2019 produzierte die Menschheit Treibhausgasemissionen in Höhe von 59 Milliarden Tonnen (± 6.6) CO2-Äquivalent. Das jährliche Wachstum der Emissionen in den 2010er Jahren lag bei 1,3 % pro Jahr, etwas niedriger als in den Jahren 2000 bis 2009, als es bei 2,1 % gelegen hatte. Die wichtigste Emissionsquelle war die Kohlendioxidfreisetzung aus fossilen Energieträgern und Industrieprozessen mit 38 ± 3 Mrd. Tonnen, gefolgt von Methanfreisetzung (11 ± 3,2 Mrd. Tonnen), Kohlendioxidemissionen aus Landnutzungsänderungen wie Entwaldung (6,6 ± 4,6 Mrd. Tonnen), Lachgasproduktion (2,7 ± 1,6 Mrd. Tonnen) und weiteren Treibhausgasen wie FCKWs (1,4 ± 0,41 Mrd. Tonnen). Von 1990 bis 2019 stieg der CO2-Ausstoß aus fossilen Energien und Industrie um 15 Mrd. Tonnen bzw. 67 % an und damit deutlich stärker als die Emissionen aus anderen Quellen.M. Pathak, R. Slade, P.R. Shukla, J. Skea, R. Pichs-Madruga, D. Ürge-Vorsatz, 2022: Technical Summary. In: Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change. Sechster Sachstandsbericht des IPCC [P.R. Shukla, J. Skea, R. Slade, A. Al Khourdajie, R. van Diemen, D. McCollum, M. Pathak, S. Some, P. Vyas, R. Fradera, M. Belkacemi, A. Hasija, G. Lisboa, S. Luz, J. Malley (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, USA. .
Aufgrund der langen Verweildauer von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre erfordert das Aufhalten der globalen Erwärmung, dass die Kohlendioxidemissionen netto praktisch auf null reduziert werden müssen. Für eine wirksame Klimaschutzpolitik reicht es daher nicht aus, Emissionen nur zu reduzieren oder gar nur auf dem heutigen Niveau zu stabilisieren, vielmehr muss die Klimapolitik auf eine vollständige Vermeidung von neuen Treibhausgasemissionen abzielen.; auch Kai Niebert: Der Klimawandel lässt nicht mit sich verhandeln. In: Jörg Sommer, Michael Müller (Hrsg.): Unter 2 Grad? Was der Weltklimavertrag wirklich bringt. Stuttgart 2016, S. 255–265, S. 260f. Manche Szenarien gehen dabei von einem temporären „Überschießen“ der Temperatur im Laufe des 21. Jahrhunderts aus, bevor die Temperaturen zum Ende des Jahrhunderts wieder auf klimaschutzkompatible Werte reduziert wird. Der IPCC hält fest, dass ein solches Überschießen schwerwiegende Risiken birgt und irreversible Folgen für Mensch und Umwelt mit sich bringt, selbst wenn bis 2100 die Temperatur wieder so weit reduziert wird, dass das Übereinkommen von Paris erfüllt wird. Beispiele für solche irreversiblen Folgen sind das Abschmelzen von Gletschern, das Absterben von Korallenriffen und zusätzliche Todesfälle infolge von Hitzeereignissen. Zudem steigt dadurch das Risiko, dass durch verschiedene Faktoren wie Waldbrände, Baumsterben, Insektenplagen, Austrocknen von Mooren und dem Auftauen von Permafrostböden große Mengen Kohlenstoff freigesetzt werden, die ihrerseits den Klimawandel wieder verstärken und seine Bekämpfung umso schwerer machen. Auch steigt mit jeder weiteren Erwärmung das Risiko für das Aussterben von Arten stark an und liegt selbst bei der niedrigsten IPCC-Prognose um den Faktor 1000 höher als unter natürlichen Umständen.Sechster Sachstandsbericht des IPCC, Pörtner, H.-O et al.: , in: Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability, Cambridge University Press 2022, S. 42f.
Auf technischer Ebene existiert eine Vielzahl von Optionen zur Verminderung der Emission von Treibhausgasen. So ließe sich auch mit heutigen Mitteln ein effektiver Klimaschutz realisieren.Stephen Pacala, Robert Socolow: Stabilization Wedges: Solving the Climate Problem for the Next 50 Years with Current Technologies. In: Science 305, 14. August 2004, S. 968–972. (englisch) (PDF; 181 kB) Dies bestätigt der 5. Sachstandsbericht des IPCC. Das Erreichen von Klimaschutzzielen erfordert in jedem Fall einen grundlegenden Umbau der Energieversorgung, unabhängig davon, ob die Erderwärmung auf 1,5 °C, 2 °C oder 3 °C begrenzt werden soll; Unterschiede ergeben sich dabei nur in Bezug auf die Geschwindigkeit des Umbaus, nicht aber hinsichtlich dessen grundsätzlicher Notwendigkeit. Je später der Klimaschutz jedoch aufgenommen wird, desto teurer wird er – zusätzlich zu den nicht vermiedenen Schäden vor und nach dem Beginn – und desto notwendiger wird der Einsatz riskanter Techniken. Ohne Klimaschutz ist dagegen eine Erderwärmung von 4 °C und mehr bis Ende des 21. Jahrhunderts nicht auszuschließen, sie wäre mit nicht abzuschätzenden Risiken verbunden.Ottmar Edenhofer, Susanne Kadner, Jan Minx: Ist das Zwei-Grad-Ziel wünschenswert und ist es noch erreichbar? Der Beitrag der Wissenschaft zu einer politischen Debatte. In: Jochem Marotzke, Martin Stratmann (Hrsg.): Die Zukunft des Klimas. Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen. Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66968-2, S. 69–92, hier S. 90f.
Laut einer internationalen Studie, die 40 Länder und einen Zeitraum von 32 Jahren betrachtet, ist die Kombination von Maßnahmen – „... von CO2-Preis und Mineralölsteuer bis zu Forschung und Investition in erneuerbare Energien ...“ – am wirksamsten, um Klimaschutz zu erreichen.
Um gravierende Konsequenzen der globalen Erwärmung zu vermeiden, dürfen die bis 2015 bekannten und förderbaren fossilen Energiereserven nur noch teilweise genutzt werden. Soll das Zwei-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % erreicht werden, dürfen im Zeitraum 2011 bis 2050 nach Daten des IPCC maximal zwischen 870 und 1.240 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlenstoffdioxid freigesetzt werden. Umgerechnet auf die Reserven heißt dies, dass etwa ein Drittel der globalen Ölreserven, die Hälfte der Erdgasreserven und mehr als 80 % der Kohlereserven nicht verbrannt werden dürfen.Christophe McGlade, Paul Ekins: The geographical distribution of fossil fuels unused when limiting global warming to 2°C. In: Nature. 517, 2015, S. 187–190. doi:10.1038/nature14016 Damit verbunden ist eine mögliche Wertminderung für zahlreiche Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft, die die Förderrechte an einem Großteil dieser Reserven bereits erworben und in ihren Bilanzen als Vermögenswert eingestellt haben. Die mögliche Überbewertung von Unternehmen im Bereich der fossilen Brennstoffe wird auch als Kohlenstoffblase bezeichnet. Ebenso erfordert der Schutz des Klimas die Dekarbonisierung des Chemiesektors. Dies bedeutet, dass stofflich genutzte fossile Grundstoffe wie Erdöl ersetzt werden müssen. Alternativen zu fossilen Chemierohstoffen sind neben Biomasse synthetisch hergestellte Kohlenwasserstoffe auf der Basis von Power-to-X-Technologien wie z. B. Power-to-Gas.Michael Sterner, Ingo Stadler (Hrsg.): Energiespeicher. Bedarf, Technologien, Integration. 2. Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2017, S. 169 und S. 190.