mini|hochkant|Maimonides-Statue in Córdoba (Spanien) mini|Maimonides, Abbildung aus dem 18. Jahrhundert rechts|rahmenlos|Unterschrift von Maimonides

Moses Maimonides ( Mosche ben Maimon; geboren zwischen 1135 und 1138Ältere Sekundärliteratur führt zumeist noch 1135, der Konsens der jüngeren Forschung geht zu eher 1138, evtl. 1137 vgl. mit Erklärungen zur Quellenlage Davidson 2005, 6–9; Shelomo Dov Goitein: Moses Maimonides, man of action: a revision of the Master’s biography in (the) light of the Genizah Documents. In: Gérard Nahon, Charles Touhati (Hrsg.): Hommage à Georges Vajda: études d’histoire et de pensée juives. Peeters, Louvain 1980, ISBN 2-8017-0151-3, S. 155–167, hier: S. 155; Görge K. Hasselhoff: Dicit Rabbi Moyses. Studien zum Bild von Moses Maimonides im lateinischen Westen vom 13. Bis zum 15. Jahrhundert. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2692-6, S. 22. in Córdoba; gestorben am 13. Dezember 1204 in Kairo) war ein andalusischer jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter, Theologe und Arzt, der vor allem in al-Andalus und Ägypten wirkte. Für Jahrzehnte war er das geistige Haupt der Sephardim. Er gilt als bedeutender Gelehrter des Mittelalters.Bernhard J. Bamberger: Von Maimonides bis zur Kabbala. In: Frederick R. Lachmann: Die jüdische Religion. Aloys Henn Verlag, Kastellaun 1977, ISBN 3-450-11907-9, S. 129.

Maimonides ist die gräzisierte Form () des hebräischen Namens ben Maimon; die Endung -ides bezeichnet die Herkunft und entspricht arabisch ibn/hebräisch ben. Moses Maimonides wird auch RaMBaM (hebräisch ) genannt. Hierbei handelt es sich um ein rabbinisches Akronym für Rabbi Mosche Ben Maimon, . Sein arabischer Name lautet oder einfach Musa bin Maimun bzw. Musa ibn Maimun oder kürzer Ibn Maimun.Wörtliche Bedeutung: „Sohn des mit Glück Gesegneten“; vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch. Wiesbaden 1968, S. 985.

Seine Hauptwerke, die Systematisierung des jüdischen Rechts Mischne Tora und das um 1190 in arabischer Sprache erschienene religionsphilosophische Werk Führer der Unschlüssigen, waren ihrer Radikalität wegen lange Zeit heftig umstritten. Daneben hat Maimonides zahlreiche weitere Schriften zur Religion, Philosophie, Medizin und Astronomie hinterlassen.

Leben Maimonides wurde zwischen 1135 und 1138 geboren.Shelomo Dov Goitein: Moses Maimonides, man of action: a revision of the Master’s biography in (the) light of the Genizah Documents, in: Gérard Nahon, Charles Touhati (Hrsg.): Hommage à Georges Vajda: études d’histoire et de pensée juives; Peeters, Louvain 1980; S. 155–167, hier 155. Görge K. Hasselhoff: Dicit Rabbi Moyses: Studien zum Bild von Moses Maimonides im lateinischen Westen vom 13. Bis zum 15. Jahrhundert; Königshausen & Neumann 2004; S. 22 Er entstammte einer der angesehensten Familien Córdobas, deren Haus zu den Zentren des dortigen intellektuellen Lebens gehörte. Unterweisung in die jüdische Lehre erhielt er durch seinen Vater, einen Rabbiner und Richter in Córdoba. Zudem unterrichteten ihn arabische Lehrer in der Philosophie der Antike und in Naturwissenschaften.

Im Jahr 1148, nach der Invasion der Almohaden (von arabisch al-muwahhidun, „Bekenner der Einheit Gottes“), die einen intoleranten Islam vertraten und jüdische Gemeinden verfolgten, wurde seine Familie vor die Wahl gestellt, zum Islam überzutreten oder auszuwandern. Maimonides’ Familie entschied sich für Letzteres: Sie floh, verbrachte mehrere Jahre unstet in Spanien und möglicherweise auch in der Provence und ließ sich vermutlich 1160 im marokkanischen Fès nieder. Maimonides vermochte sich trotzdem während dieser Zeit weiterzubilden und verfasste 1158 bzw. 1159 eine Einführung in die Grundlagen der Kalenderberechnung und 1159 eine Einführung in die aristotelische Logik.

Maimonides’ Vater und 1160 auch Maimonides selbst intervenierten im Streit um die Beurteilung von Juden, die sich ohne innere Überzeugung zum Islam bekannten, wobei sich beide gegen deren rigorose Verurteilung richteten.

1165 zog die Familie weiter nach Jerusalem, dann nach Alexandria und schließlich nach Fustat, heute ein Teil von Kairo, wo Maimonides bis zu seinem Tod lebte.

Die ersten Jahre in Ägypten konnte er ohne Verpflichtungen als Gelehrter verbringen, da sein Bruder David als Juwelenhändler zwischen Indien und den Mittelmeerländern für den Familienunterhalt sorgte. Nachdem sein Bruder bei einem Schiffsunglück den Tod gefunden hatte und dabei nicht nur das gesamte Vermögen der Familie, sondern auch anvertrautes Kapital anderer Händler verloren gegangen war, musste Maimonides, auch um die Schulden zu begleichen, eine Erwerbsarbeit aufnehmen. Um nicht als Rabbiner finanziell von einer „Lizenz des Exilarchen“ abhängig sein zu müssen, wählte er, bereits in früher Jugend medizinisch ausgebildet, um 1170 den Beruf des Arztes, in dem er sich einen so großen Ruf erwarb, dass er 1185 Leibarzt Qadi al-Fadils wurde, des Sekretärs von Sultan Saladin, quasi des ägyptischen Regierungschefs. Eine Quelle berichtet auch davon, dass Saladin und dessen ältester Sohn al-Afdal zu seinen Patienten zählten.Vgl. Davidson 2005, 69.

Seit 1177 war er zudem Vorsteher (Nagid) der jüdischen Gemeinde von Kairo. Damals schrieb er an seinen provenzalischen Übersetzer Schmuel ibn Tibbon:

mini|hochkant|Maimonides’ Grab in Tiberias mini|Sarkophag des Maimonides. 2017

Seine erste Frau war jung gestorben, und in Ägypten heiratete er ein zweites Mal. Seine zweite Frau war die Schwester von Ibn Almali, einem königlichen Sekretär, der selbst Maimonides’ einzige Schwester heiratete. Der Erziehung seines einzigen Sohnes Abraham widmete Maimonides viel Liebe und Aufmerksamkeit. Ein weiterer Trost in dieser Zeit, in der er mit ausführlicher Korrespondenz und dem Verfassen seiner Hauptwerke beschäftigt war, war sein begeisterter Schüler Joseph ibn Sham'un, den er wie einen Sohn liebte; für ihn schrieb er den Führer der Unschlüssigen und schickte ihm das Werk Kapitel für Kapitel zu.

Als Maimonides am 13. Dezember 1204 starb, wurde in sämtlichen damaligen jüdischen Gemeinden öffentliche Trauer ausgerufen, die in Fustat drei Tage dauerte. In Jerusalem wurde ein öffentliches Fasten verordnet, wobei aus diesem Anlass aus dem 1. Buch Samuel vorgelesen wurde: „Fort ist die Herrlichkeit aus Israel, denn die Lade Gottes ist weggeschleppt worden.“ Maimonides wurde entsprechend seinem Wunsch in Tiberias bestattet; das Grab ist heute noch zu besichtigen.

Werk Texte zum jüdischen Glauben und Recht Während seines Aufenthalts in Kairo schrieb und redigierte er seine wichtigsten, lange vieldiskutierten Werke:

In Kitāb al-Sirāj, auf Arabisch verfasst und später von ibn Tibbon ins Hebräische übersetzt, kommentierte er die Mischna; seine in der Einleitung zu Sanhedrin X,1 zusammengefassten 13 Glaubensartikel (Iqqarim) wurden in gekürzter und hymnisch-poetisierter Form später als Jigdal in viele Ausgaben des jüdischen Gebetbuches aufgenommen.Maimonides: Mischna-Kommentar (Kitāb al-Sirāj), Traktat Sanhedrin, Einleitung zu X, 1 (Pereq Heleq), ähnlich in: Mischne Toram Sefer ha-Madda, Hilchot Teshuvah, 3, 6–8; der Text hg. und übers. Fred Rosner: Maimonides’ commentary on the Mishnah, Tractate Sanhedrin, Sepher-Hermon Press, New York 1981, 134–158; arabischer Text auch in: Israel Friedländer (Hrsg.): Selections from the arabic writings of Maimonides, Leiden 1901, Nachdruck 1951; arab. und hebr. Text und dt. Übersetzung bei J. Holzer: Moses Maimunis Einleitung zu Cheleq / Zur Geschichte der Dogmenlehre in der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters, Poppelauer, Berlin 1901 (darauf basierender e-Text); dt. Übers. auch bei Josef Maier: [Einleitung] Zu Person und Werk des Mose ben Maimon, in: Josef Maier (Hrsg.): Moses Maimonides. Führer der Unschlüssigen, hrsg. und übersetzt von Adolf Weiss, Bd. 1, 2. Auflage. Meiner, Hamburg 1972, S. xi-civ und xli-xlviii. Eine solche Kodifikation, die im Stile einer „Dogmatik“ verstanden werden konnte, war sehr umstritten. Vgl. überblicksweise Menachem Kellner: Dogma in Medieval Jewish Thought. From Maimonides to Abravanel, Oxford 1986; Arthur Hyman: Maimonides’ „Thirteen Principles“, in: Alexander Altmann (Hrsg.): Jewish Medieval and Renaissance Studies, Harvard University Press, Cambridge, MA 1967, 119–144.

1180 erschien Mischne Tora („Wiederholung des Gesetzes“), eine Überarbeitung der rabbinischen Rechtsauslegung in 14 Bänden, die Mischna und Tora streng logisch organisierte. Das Werk wurde u. a. von Rabbi Abraham ben David von Posquières zum Teil heftig kritisiert, was, auch im Zusammenhang der Kontroversen um seine religionsphilosophische Position, zum Maimonidesstreit führte. Dennoch gilt Maimonides als die Autorität schlechthin auf dem Gebiet der religionsgesetzlichen Literatur. Im Gegensatz zu Maimonides’ anderen bedeutenden Werken, die auf Arabisch verfasst wurden, ist Mischne Tora im Original hebräisch geschrieben.

„Führer der Unschlüssigen“

An seinem religionsphilosophischen Hauptwerk Führer der Unschlüssigen arbeitete Maimonides von 1176 bis 1190 oder 1200 (die Datierung ist umstritten).

Das Werk ist auf Judäo-Arabisch unter dem Titel Dalālat al-Ḥā’irīn verfasst und wurde von Maimonides’ Zeitgenossen Samuel ibn Tibbon in einer wörtlichen Fassung und von Juda al-Charisi in freierer Form, beide Male unter dem Titel More nevuchim, „Lehrer der Beschämten – oder: der Unschlüssigen, Verwirrten“ ins Hebräische übersetzt. Wenig später erschienen lateinische Übersetzungen, zuerst in zwei kurzen Auszügen, dem Liber de parabola und dem Liber de Uno Deo Benedicto, dann – vermutlich um 1242/1244, gleichzeitig, als in Paris Talmudausgaben verbrannt wurden – vollständig, und zwar möglicherweise von Nikolaus Donin und Thibaud de Sézanne (so G. K. Hasselhoff), basierend auf der zweiten hebräischen Übersetzung von Juda al-Charisi, unter dem Titel Dux neutrorum. Diese Übersetzung ließ 1520 der Humanist Jodocus Ascensius Badius in Paris drucken. Sie wurde 1964 und 2005 in Faksimile neu aufgelegt. 1629 veröffentlichte Johann Buxtorf der Jüngere in Basel eine zweite vollständige lateinische Übersetzung.

Bezugsproblem des Werks ist die Vereinbarkeit von religiösem Glauben und Wissenschaft, was im historischen Kontext bedeutete: aristotelischer Logik und Metaphysik. Auf die Schwierigkeit, diese zu vereinbaren, bezieht sich die titelgebende „Unschlüssigkeit“. Das Werk versucht daher, die jüdische Religion mit der aristotelischen, z. T. auch der neuplatonischen Philosophie zu verbinden. Dazu schlägt er unter anderem eine Vielfältigkeit der Bedeutungen verschiedener Torastellen vor, insbesondere solche, wo bildhaft und anthropomorph formuliert wird und Kategorien physischer Körper Gott beigelegt werden. Der Philosoph und Wissenschaftler solle im Falle eines (scheinbaren) Widerspruchs mit dem Text der Tora diese allegorisch deuten und so auf eine eigentliche Wahrheitsebene stoßen, die mit den Prinzipien von Logik und Wissenschaft übereinstimme. Der philosophisch ungeschulte Gläubige hingegen möge den wörtlichen Textsinn als unmittelbare Wahrheit nehmen. Die genaue Rekonstruktion dieser Theorie ist bis heute umstritten. (S. zu ähnlichen Traditionen allegorischer Bibellektüre PaRDeS.) Ihren erkenntnis-, sprachtheoretischen und metaphysischen Rahmen bildet eine besonders radikale Form der negativen Theologie.