Die Schnaken (Tipulidae) sind eine Familie in der Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Innerhalb dieser werden sie normalerweise den Mücken (Nematocera) zugeordnet, obwohl ihre exakte Position im System bislang nicht geklärt ist. Eindeutig erscheint aber eine Zusammengehörigkeit der Überfamilie Tipuloidea. Die übrigen dorthin gehörigen Familien wurden traditionell als Unterfamilien der Schnaken betrachtet und erst spät abgetrennt.

Weitere Trivialnamen Regional werden Schnaken auch als Bachmücken, Pferdemücken, Averlaker, Langbeinmücken, Schneider, Keilhacken, Mückenhengste, Hexen, Schuster, Schnegger, Slak, Schnok, Amel, Emel, Purks, Pock(s), Hemel, Fräter, Sappen oder Kothammel bezeichnet.László Gozmány: Vocabularium nominum animalium europae septem linguis redactum. Latina, Germanica, Anglica, Gallica, Hungarica, Hispanica, Russica. Band I. Akadémiai Kiadó, Budapest 1979, ISBN 963-05-1381-1. S. 1049 Eintrag 11340 TIPULIDAE. In Bayerisch-Schwaben sind sie auch als Habergaukler oder Habergock(e)l bekannt.

Bei einigen der Trivialnamen dieser Insekten handelt es sich offenbar um Verwechslungen mit den zu den Spinnentieren gehörenden Weberknechten, die regional ebenfalls als Schneider, Schuster, Tod oder Kanker bezeichnet werden. Auch die aus dem Englischen stammende Bezeichnung „daddy long-legs“ taucht zuweilen in der deutschen Bezeichnung für Schnaken auf als „Meister Langbein“ oder „Opa Langbein“. Dabei ist zu beachten, dass „daddy long-legs“ in Großbritannien meist Schnaken sind, in den Vereinigten Staaten Weberknechte und in Australien Große Zitterspinnen. Mancherorts wird irrtümlicherweise auch der Begriff Siebenstecher auf Schnaken angewendet, obwohl dieser im Volksmund ursprünglich die ebenfalls nicht zum Stechen befähigten Libellen bezeichnet. Die Bezeichnung als Mückenhengste und ähnliches hängt mit dem Irrglauben zusammen, es handle sich bei Schnaken um die Männchen der Stechmücken.

Merkmale Weltweit sind etwa 4000 Arten der Schnaken bekannt, davon etwa 140 in Deutschland. Sie stellen die größten Vertreter der Mücken dar und können eine maximale Größe von fast 40 Millimeter Körperlänge und über 50 Millimeter Flügelspannweite erreichen (Tipula maxima).

Die Schnaken besitzen trotz ihrer Größe einen sehr schlanken Körper und schmale Flügel. Der Körper ist meistens grau bis braun, bei einigen Gattungen auch gelb gezeichnet (Krähenschnaken (Nephrotoma)) oder schwarz-gelb beziehungsweise schwarz-rot (Kammschnaken (Ctenophora)).

Die Flügel sind sehr häufig schwarz gefleckt. Sie werden in Ruhe meistens schräg nach hinten gehalten. Wie bei allen Zweiflüglern sind die Hinterflügel zu Schwingkölbchen (Halteren) umgewandelt. Bei einigen Arten sind auch die Vorderflügel verkümmert.

Auffällig sind die langen Beine, die häufig mit Sollbruchstellen versehen sind und entsprechend schnell abbrechen. Die Antennen sind bei den Arten verschieden ausgebildet und bestehen aus einer bei Unterfamilien oder Gattungen unterschiedlichen Anzahl von Antennengliedern.

Der Kopf ist nach vorn ausgezogen, wobei die Mundwerkzeuge sehr weich sind und nur zur Aufnahme von Flüssigkeiten befähigen. Das Hinterende ist deutlich verdickt und trägt beim Männchen Zangen und beim Weibchen einen Eierleger (Ovipositor), gebildet aus den Hinterleibsanhängen (Cerci).

Lebensweise Besonders gegen Abend bilden die Schnaken häufig kleine Schwärme, die wahrscheinlich der Partnerfindung dienen. Dabei fliegen die verschiedenen Arten zu sehr unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Kohlschnake (Tipula oleracea) etwa fliegt von April bis in den Juni und in einer zweiten Generation vom August bis in den Oktober.

Die Wiesenschnake (Tipula paludosa) fliegt nur im August und September und die Art Tipula czizeki tritt nur im Oktober und November auf. Wahrscheinlich stellt dieses unterschiedliche zeitliche Vorkommen einen Arttrennungsmechanismus dar, da eine Verpaarung der Kohlschnake mit Tipula czizeki zumindest im Labor möglich ist.

Ernährung Schnaken ernähren sich von freiliegenden Säften wie Wasser und Nektar. Andere Nahrung können sie durch ihre Mundwerkzeuge nicht aufnehmen. Die verbreitete Annahme, dass Schnaken den Menschen „stechen“, ist bereits dadurch widerlegt, dass die Mundwerkzeuge der Schnaken die menschliche Haut nicht durchdringen können.

Fortpflanzung Paarung Die Paarung der Schnaken findet in der Regel ziemlich direkt nach dem Schlüpfen aus der Puppenhülle statt. Bei manchen Arten wird das Weibchen dabei regelrecht schon erwartet, die Erkennungsmechanismen dafür sind allerdings nicht bekannt. Bei der Kohlschnake beginnt das Paarungsspiel mit einem eher zufällig wirkenden Berühren der Beine, woraufhin das Männchen das berührte Bein festhält. Ein paarungsbereites Weibchen hebt daraufhin seine Beine und induziert damit einen Aufstieg des Männchens. Ist das Weibchen nicht bereit zur Paarung, tut es das nicht, und das Männchen entfernt sich. Das Männchen drückt die angehobenen Beine des Weibchens herunter und beleckt dann den Kopf der Partnerin, danach rutscht es nach hinten und beginnt mit der Kopulation. Wird ein solches Paar während der etwa 1,5-minütigen Paarung gestört, fliegt es auf und bleibt dabei in der Kopulationshaltung.

Eiablage Die Eiablage erfolgt bald nach der Kopulation durch Einschieben des Legebohrers meist in feuchten Boden, auf Wiesen, in Gewässernähe, bisweilen direkt in den Gewässerschlamm oder auch in moderndes Holz (Ctenophora). Typischerweise fliegt dabei das Weibchen dicht über dem Boden auf der Suche nach einer geeigneten Ablagestelle und sticht an dieser mit ihrem Legebohrer ein. Bei einigen Arten (etwa Tipula scripta und Tipula hortorum) gräbt das Weibchen eine kleine Aushöhlung in den Boden. Danach legt es die Eier ab. Bei manchen Arten produzieren die Weibchen mehrere hundert Eier.

Larvalentwicklung Aus den Eiern schlüpfen walzenförmige, meist graue Larven ohne Beine oder andere füßchenartige Fortbewegungsorgane. Anders als die Maden der Fliegen besitzen die Larven der Schnaken eine Kopfkapsel, diese ist jedoch (im Gegensatz zu der einer Mücke) hinten nur unvollständig geschlossen (hemicephal). Ein auffälliges Merkmal der Larven sind die beiden hintersten Tracheenöffnungen (Stigmen), die von einem dunklen Feld und sechs artspezifisch angeordneten Fortsätzen umrundet werden. Diese erinnern in der Draufsicht an ein Gesicht und werden deshalb volkstümlich als Teufelsfratze oder Teufelsmaske bezeichnet. Bei wasserlebenden Schnakenlarven werden diese Fortsätze beim Untertauchen zusammengelegt und halten dadurch eine Luftblase, die der Atmung unter Wasser dient. Des Weiteren besitzen die Larven neben dem After so genannte Analpapillen, die ausstülpbar sind und der Osmoregulation dienen.

Die Mandibeln der Larven sind kräftig und zerkleinern zerfallendes und frisches pflanzliches (selten tierisches) Material. Die Larven spielen eine wichtige Rolle für das Aufarbeiten von Laub und Nadeln, von morschem Holz in feuchten bis nassen Böden oder in Süßwasser. Wenige Arten leben auch im Meer- oder Brackwasser. So leben die ausgewachsenen, etwa fünf Zentimeter langen Larven von Tipula maxima in Waldbächen und verzehren Falllaub. Hilfe beim Aufarbeiten der schwer verdaulichen cellulosereichen Nahrung bieten als Gärkammern funktionierende und mit Bakterien gefüllte Darmanhänge.

Nach vier Larvenstadien verpuppen sich diese, wobei eine Puppe mit kleinen Hörnchen im Brustbereich (Prothorakalhörnchen) als Atmungsorgane gebildet wird. Der Körper ist mit Dornen besetzt und die Puppe ist beweglich. Die Verpuppung erfolgt meist im Boden oder in morschem Holz. Bei einigen Arten überwintert die Puppe, bei anderen kommen zwei Generationen pro Jahr vor.

Schadwirkung Neben der oben erwähnten nützlichen Funktion können die Larven der Schnaken bei Massenauftreten auch schädlich sein und vor allem in Anpflanzungen von Gemüsepflanzen einen beträchtlichen Schaden anrichten. Im Extremfall können bis zu 400 Larven pro Quadratmeter im Boden leben und dort durch Wurzelfraß sowie durch nächtlichen Oberflächenfraß die Pflanzungen zerstören. Zu den besonders schädlichen Arten zählen dabei die Wiesenschnake (Tipula paludosa), die Kohlschnake (T. oleracea), T. czizeki und verschiedene Nephrotoma-Arten, die hauptsächlich im Wald an Jungpflanzen fressen.

Systematik Die Schnaken werden gemeinhin zu den Mücken (Nematocera) gezählt, diese Zuordnung ist jedoch umstritten. Über die genaue Position der Schnaken innerhalb der Zweiflügler ist man sich derzeit nicht einig. Die Familien der Stelzmücken (Limoniidae) und der Moosmücken (Cylindrotomidae) werden häufig als Unterfamilien der Schnaken angesehen.

Die etwa 140 in Deutschland heimischen Arten werden gemeinhin in drei Unterfamilien mit mehreren Gattungen verteilt. Schnaken (Tipulidae) Ctenophorinae Ctenophora Ctenophora festiva Ctenophora flaveolata Ctenophora ornata Ctenophora pectinicornis Dictenidia Dictenidia bimaculata (, 1761) Tanyptera Schwarze Kammschnake (Tanyptera atrata) Dolichopezinae Dolichopeza Tipulinae Tipula Tipula confusa Tipula czizeki Tipula fascipennis Riesenschnake (Tipula maxima) Kohlschnake (Tipula oleracea) Wiesenschnake (Tipula paludosa) Frühlingsschnake (Tipula vernalis) Tipula vittata Krähenschnaken (Nephrotoma) Gefleckte Wiesenschnake (Nephrotoma appendiculata) Nephrotoma cornicina Gelbbindige Schnake (Nephrotoma crocata) Nephrotoma dorsalis Nephrotoma flavescens Nephrotoma flavipalpis Nephrotoma guestfalica Nephrotoma quadrifaria Nephrotoma pratensis Nephrotoma scurra Nephrotoma submaculosa Prionocera

In Europa kommen folgende Arten vor: Angarotipula tumidicornis (, 1907) Ctenophora elegans , 1818 Ctenophora fastuosa , 1871 Ctenophora festiva , 1804 Ctenophora flaveolata (, 1794) Ctenophora guttata , 1818 Ctenophora nigriceps (, 1949) Ctenophora ornata , 1818 Ctenophora pectinicornis (, 1758) Ctenophora sibirica , 1873 Ctenophora tricolor , 1869 Dictenidia bimaculata (, 1761) Dolichopeza albipes (, 1768) Dolichopeza fuscipes , 1889 Dolichopeza graeca , 1954 Dolichopeza hirsuticauda , 1968 Dolichopeza hispanica , 1951 Dolichopeza modesta (, 1980) Dolichopeza nitida , 1874 Nephrotoma aculeata (, 1871) Nephrotoma analis (, 1833) Nephrotoma antithrix (, 1962) Nephrotoma appendiculata (, 1919) Nephrotoma austriaca (, 1959) Nephrotoma beckeri (, 1951) Nephrotoma brevipennis (, 1858) Nephrotoma cornicina (, 1758) Nephrotoma cretensis , 1982 Nephrotoma crocata (, 1758) Nephrotoma croceiventris (, 1909) Nephrotoma dorsalis (, 1781) Nephrotoma euchroma (, 1874) Nephrotoma flavescens (, 1758) Nephrotoma flavipalpis (, 1830) Nephrotoma forcipata (, 1919) Nephrotoma guestfalica (, 1879) Nephrotoma helvetica (, 1959) Nephrotoma lamellata (, 1910) Nephrotoma lempkei , 1978 Nephrotoma lucida (, 1868) Nephrotoma lundbecki (, 1907) Nephrotoma lunulicornis (, 1833) Nephrotoma malickyi , 1979 Nephrotoma minuscula (, 1951) Nephrotoma moravica , 1971 Nephrotoma pratensis (, 1758) Nephrotoma quadrifaria (, 1804) Nephrotoma quadristriata (, 1833) Nephrotoma ramulifera , 1955 Nephrotoma relicta (, 1973) Nephrotoma rossica (, 1910) Nephrotoma saccai (, 1951) Nephrotoma scalaris (, 1818) Nephrotoma scurra (, 1818) Nephrotoma semiflava (, 1909) Nephrotoma spatha , 1975 Nephrotoma submaculosa , 1928 Nephrotoma sullingtonensis , 1938 Nephrotoma tenuipes (, 1910) Nephrotoma theowaldi , 1978 Nigrotipula nigra (, 1758) Phoroctenia vittata (, 1830) Prionocera abscondita , 1933 Prionocera chosenicola , 1945 Prionocera dimidiata (, 1866) Prionocera mannheimsi , 1983 Prionocera pubescens , 1844 Prionocera recta , 1948 Prionocera ringdahli , 1948 Prionocera serricornis (, 1838) Prionocera setosa , 1948 Prionocera subserricornis (, 1851) Prionocera subturcica , 1983 Prionocera tjederi , 1951 Prionocera turcica (, 1787) Prionocera woodorum , 1987 Tanyptera atrata (, 1758) Tanyptera nigricornis (, 1818) Tipula acuminata , 1900