mini|300px|Territoriale Entwicklung Sachsens zwischen 1815 und 1990 mini|300px|Territoriale Entwicklung der Markgrafschaft Meißen, dem zwischen 930 und 1423 bestehenden Hauptvorläufer Sachsens; die Umfänge von 983 und 1156, sowie bis 1273 (nach dem Verlust des Landes Budissin an Böhmen 1158 nach Westen verschoben)

Die Geschichte Sachsens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des gegenwärtigen deutschen Bundeslandes Freistaat Sachsen und historischer sächsischer Reiche, die dem Land als Namensgeber dienten, von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Zu den historischen sächsischen Reichen gehören jene Gebiete, die ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts im Laufe der Zeit in den Besitz der Wettiner gelangt und von den Herzögen und Kurfürsten von Sachsen regiert wurden.

Seinen Namen hat das heutige Sachsen von dem untergegangenen frühmittelalterlichen Stammesherzogtum Sachsen, dessen Name vom historischen Volk der Sachsen in Norddeutschland abgeleitet wurde.

Von der Steinzeit bis zur Gründung Meißens Stein-, Bronze-, Eisenzeit mini|Der Grenzwald (Miriquidi) in den Höhenlagen des Erzgebirges als natürliche Grenze

Bereits in urgeschichtlicher Zeit hatte die Mittelgebirgslandschaft des südlichen Teils des heutigen Sachsens (Vogtland, Elstergebirge, Erzgebirge, Sächsische Schweiz und Lausitzer Gebirge) eine Grenzfunktion.

Für kulturelle Impulse aus dem Südosten Europas war die aus dem Böhmischen Becken kommende Elbe wichtig. Bedeutsame Gebirgspässe waren immer beim heutigen Oelsnitz/Vogtl., im mittleren Erzgebirge, in der Nähe von Sayda und am Lückendorfer Pass beim heutigen Zittau. Der Bergbau im Erzgebirge begann spätestens am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. mit dem Abbau von Zinngraupen an der Roten Weißeritz bei Schellerhau – siehe Metallverarbeitung in der Bronzezeit. Die dort vom Forschungsprojekt Archeo Montan entdeckten Bergbauspuren sind die derzeit ältesten in Europa.Stephan Schön: Sachsens Geschichte begann viel früher als gedacht. In: Sächsische Zeitung. 2. November 2018 (abgerufen am 2. November 2018).

mini|Bandkeramische Gefäße aus Mitteldeutschland im Bestand der ur- und frühgeschichtliche Sammlung der Universität Jena. In der Jungsteinzeit und in der Bronzezeit wurden vor allem die großen Auen der Flüsse und deren Nebenflüsse besiedelt. Sie wurden in der Regel flussaufwärts besiedelt. Das Sächsische Hügelland war wegen der Bodenverhältnisse offenes Siedlungsland (etwa ein, nach Westen allerdings nicht abgegrenztes Gebiet zwischen den heutigen Städten Leipzig, Riesa, Großenhain, Bautzen, Meißen, Döbeln, Rochlitz, Geithain). Gleichrangige Siedlungsgebiete waren die Lausitzen,Carmen Liebermann: Die letzten Jäger und Sammler in der Oberlausitz. In: Archæo – Archäologie in Sachsen. Heft 8, 2011, S. 14–19 (Heftinhaltsverz. PDF-Datei; 264 kB) die von jeher intensive Verbindungen zur Oderlandschaft hatten.

Die erste jungsteinzeitliche Besiedlung erfolgte durch die Träger der Linearbandkeramischen Kultur (LBK) um 5500 v. Chr. aus Böhmen. Dorfanlagen der LBK sind beispielsweise aus Eythra bekannt, wo 20 Langhäuser und ein Brunnen freigelegt wurden. Harald Stäuble: Die ersten Bauern in Sachsen. In: Archæo – Archäologie in Sachsen. Heft 8, 2011, S. 4–13 (Heftinhaltsverz. PDF-Datei; 264 kB) Bei Casabra wurde luftbildarchäologisch eine Siedlung mit Langhäusern von 40 bis 43 m Länge nachgewiesen, was für die LBK nichts Ungewöhnliches darstellt. Ein einzelnes Haus, das sich von Nord nach Süd erstreckt, weist allerdings mit 68 m Länge ein für das Sachsen dieser Kultur ungewöhnliche Maß auf. Dieses Gebäude war im Norden bis zu 6,5 m, im Süden bis zu 8 m breit.Ronald Heynowski: Ein außergewöhnliches Langhaus, in: Archäologie in Deutschland 01 | 2024, S. 64.

Aus der nachfolgenden stichbandkeramischen Kultur 4800 bis 4600 v. Chr. stammen die Erdwerke von Dresden-Nickern. Eine dieser Anlagen hatte ca. 150 m im Durchmesser und bestand aus Gräben, Erdwällen und Palisaden.

Vereinfacht für die Zeit ca. 4000–500 v. Chr.: Nach der Trichterbecherkultur entstand in der Bronzezeit aus der Schnurkeramik- und der Glockenbecherkultur die Aunjetitzer Kultur. Ihr folgte die Lausitzer Kultur.

Funde im Vogtland, bei Teplice und Halle lassen auch ein keltisches Vordringen auf das Gebiet des heutigen Sachsen als wahrscheinlich erscheinen.

Die germanische Besiedlung bis zum 6. Jahrhundert Ein Großteil des sächsischen Raumes gehörte zum Einflussgebiet des suebischen Stammes der Hermunduren und von anderen, namentlich nicht bekannten elbgermanischen Kleinstämmen. 17 n. Chr. kam es in der Leipziger Tieflandsbucht zum Kampf zwischen dem Cheruskerbund und dem Markomannenbund unter König Marbod, aus dem kein eindeutiger Sieger überliefert ist. Des Weiteren zog der Stamm der Langobarden im Verlauf der Völkerwanderung die Elbe aufwärts und somit auch durch weite Teile des heutigen Sachsens. Besondere Bedeutung für den Raum Sachsen hatte der Stamm der Thüringer. Nordwestsachsen gehörte gesichert zum ursprünglichen thüringischen Stammesgebiet. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts gerieten die Thüringer in Abhängigkeit von den Hunnen unter Attila, der sein Reich damit auch auf Mitteldeutschland ausdehnen konnte. Nach dem Abzug der Hunnen und dem Zerfall des Hunnenreiches konnte sich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts ein eigenständiges thüringisches Königreich etablieren. Die Ostgrenze dieses Reiches zog sich durch das heutige Sachsen; ihr Verlauf ist heute unbekannt.

Die slawische Besiedlung bis zum 10. Jahrhundert mini|Karte der Hauptsiedlungsformen in Sachsen (slawische Siedlungen in braun und orange) mini|Das Fränkische Reich bis 814

Nach der Niederlage der Thüringer gegen die Franken im Jahre 531 n. Chr. fielen die südlichen Gebiete des Königreiches unter fränkische Herrschaft, die nördlichen Gebiete unter sächsische (heutiges Niedersachsen). Die Gebiete östlich der Saale konnten von den Franken nicht gehalten werden und wurden im ausgehenden 6. Jahrhundert von den westslawischen Sorben beherrscht und verstärkt besiedelt. Teile des heutigen Sachsen wohl bis zur Elster und Pleiße, vielleicht sogar stellenweise bis zur Mulde, gehörten vermutlich schon seit der Mitte des 9. Jahrhunderts zur Sorbischen Mark und standen damit in loser Abhängigkeit vom Fränkischen Reich. Ihren Namen erhielt diese Grenzmark von dem östlich davon siedelnden Stammesverband der Sorben. Die Gebiete an der Elbe und in der Lommatzscher Pflege waren von den slawischen Daleminziern besiedelt, in der Oberlausitz saßen die Milzener und Besunzane.

Die Mark Meißen im Mittelalter Die Daleminzier wurden 929/930 in einem großangelegten Heereszug von König Heinrich I. besiegt, ihre Hauptburg Gana zerstört und auch dieses Gebiet in das Reich eingegliedert. Während der Ungarneinfälle ließ Heinrich 929 bis 931 zur dauerhaften Beherrschung und Sicherung des neuerworbenen Landes auf einem Felsplateau an der Mündung der Triebisch in die Elbe die Burg Meißen (Misina, Misni) gründen, die Namensgeberin der Markgrafschaft Meißen und die „Wiege des heutigen Sachsens“ wurde.

Die Eroberungen slawischer Länder setzte sich unter Kaiser Otto I. durch den Markgrafen Gero fort. Unter dem Terminus sächsische Ostmark versteht sich kein Vorläufer Sachsens, sondern lediglich ein großes Territorium, das bis ins nördliche heutige Brandenburg reichte und von dem Tribut gesammelt wurde. Nach heutigem Forschungsstand hat eine derartige Markgrafschaft mit Gero als königlichem Amtswalter nicht existiert.

Zwischen 985 und 1002 fanden erste Münzprägungen in Meißen statt. Es sind die Münzen vom Typ Sachsenpfennige mit der Inschrift EKKIHART und MISSNI.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. Berlin 1974, S. 13. Einen Burggrafen gab es wahrscheinlich seit 965, belegt ist er allerdings erst 1068. 968 wurde das Bistum Meißen durch Kaiser Otto I. gegründet, Bischofssitz wurde wiederum die gleichnamige Burg. Der Markgraf bzw. die Markgrafschaft wurden 1046 erstmals als Marchia Misnensis erwähnt. Bis 1089 herrschten verschiedene Adelsgeschlechter in der Mark Meißen. In dem Jahr übernahmen die damals sich selbst noch nicht so bezeichnenden Wettiner die Markgrafschaft. mini|Die Burg Wettin

Der Name Wettin für dieses Geschlecht taucht in den Quellen erst im 12. Jahrhundert auf und bezieht sich auf den Stammsitz, die Burg Wettin an der Saale nordwestlich von Halle (Saale). Ein männlicher Spross dieses Geschlechts vermählte sich 1089 mit der Witwe des Markgrafen, aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, Heinrich I. von Eilenburg (1070 bis 1103), der erste Wettiner, der 1089 mit der Mark Meißen belehnt wurde. Dessen Nachfolger, sein Sohn, war Heinrich II. von Eilenburg. Dieser starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, deshalb ging der Titel des Markgrafen auf seinen Vetter Konrad den Großen (1123 bis 1156). Nachfolger Konrads wurde sein Sohn, Otto der Reiche, Markgraf von 1156 bis 1190. In seine Regierungszeit fällt die Gründung Leipzigs 1165 (Ersterwähnung 1015) als er, der Markgraf, dem Ort an der Kreuzung der Via Regia mit der Via Imperii Stadtrecht und Marktprivileg erteilte, die Entdeckung der Silbervorkommen beim jetzigen Freiberg 1168/70 und die Gründung der Stadt Freiberg als „freie Stadt auf dem Berge“ um 1170. Außerdem wurde vermutlich um 1185/90 die Stadt Chemnitz gegründet, die damals nicht zur Mark Meißen gehörte, sondern als Reichsstadt dem Kaiser unterstand. Otto der Reiche erwarb verschiedene Territorien, so unter anderem Weißenfels, dem er 1185 das Stadtrecht verlieh. Das von den Burggrafen von Dohna gegründete Dresden wurde 1206 erstmals urkundlich erwähnt.

Das askanische Herzogtum Sachsen (1180 bis 1422) mini|Gebiet des 1180 entstandenen askanischen Herzogtums Sachsen um das Jahr 1235 (grün hinterlegt), bestehend aus Teilen des ehemaligen Herzogtums Sachsen um Wittenberg und bei Lauenburg und dem Hadelner Gebiet

1180 wurde der mächtige Reichsfürst Heinrich der Löwe entmachtet und sein Herzogtum Sachsen geteilt: Der westliche Landesteil wurde als Herzogtum Westfalen dem Erzbischof von Köln unterstellt. Mit dem östlichen Landesteil, das den Namen Sachsen weiter trug, wurde der Askanier Bernhard III. belehnt, Sohn Albrechts I. von Brandenburg. Nach Bernhards Tod um den Jahreswechsel 1211/12 auf seiner Burg Bernburg an der Saale wurde die askanische Herrschaft beim Bernburger Erbfall zwischen den beiden Söhnen Albrecht und Heinrich geteilt. Albrecht erbte dabei den sächsischen Herzogstitel und Gebiete um Aken (Elbe) und Wittenberg, während Heinrichs Erbteil sich später zum Fürstentum Anhalt weiter entwickelte.Paul Marcus: Herzog Bernhard von Anhalt (um 1140 bis 1212) und die frühen Askanier in Sachsen und im Reich. Lang, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-631-46242-5, S. 170. In der Folge dieser Teilung überschritt der Name Sachsen im Zuge der historischen Namensverschiebung die alte Kulturgrenze der Elbe-Saale-Linie.Matthias Springer: Die Sachsen. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-016588-7, S. 13 ff. Aus dem herzoglich-sächsischen Erbteil gingen 1296 die askanischen Herzogtümer Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg hervor. 1356 wurden die Wittenberger Askanier durch die Goldene Bulle zu Kurfürsten erhoben.

Mit dem Tod von Albrecht III. 1422 starben die Wittenberger Askanier im Mannesstamm aus. In der Folge erhoben sowohl die lauenburgischen Askanier unter Herzog Erich V. als auch die Meißner Wettiner in Person von Friedrich I. Anspruch auf Sachsen-Wittenberg und die damit verbundene Kurwürde. 1423 verlieh König Sigismund das Kurfürstentum Sachsen an die meißnischen Wettiner, womit auch die Kurwürde an die Wettiner überging und der Name Sachsen elbaufwärts wanderte. Die Lauenburger Herzöge erhielten jedoch ihren Anspruch auf Herzogtum und Kurwürde weiter aufrecht.

Die Pfalzgrafschaft Sachsen mini|hochkant|links|Wappen der Pfalzgrafschaft Sachsen