mini|Golden Delicious Äpfel miniatur|Ansichten der Frucht Der Golden Delicious [] ist eine Tafelobstsorte des Kulturapfels. Er gilt als die wichtigste gelbgrüne Apfelsorte im Welthandel.

Golden Delicious ist ein süßaromatischer Apfel, dessen Baum sehr ertragreich ist. Ursprünglich stammt er aus West Virginia, wird aber seit der Mitte des 20. Jahrhunderts weltweit angebaut. In Deutschland wird er erst am Ende der Wachstumsperiode reif und benötigt klimatisch günstige Bedingungen, um voll auszureifen.

Vor allem aufgrund seines hohen gleichmäßigen Ertrags ist Golden Delicious eine Lieblingssorte der Apfelzüchter. Sein Erbgut ist mittlerweile in zahlreiche im Handel erhältliche Sorten eingeflossen. Von Golden Delicious stammen mehrere andere Sorten ab, die ebenfalls global im kommerziellen Anbau angebaut werden, darunter Elstar, Jonagold, Gala, Cripps Pink, Rubinette und Pinova.

In Deutschland hat Elstar schon lange Golden Delicious als beliebteste Sorte im Anbau abgelöst. Golden Delicious steht noch auf 3,5 Prozent der Fläche, auf der Äpfel angebaut werden. In der Schweiz war Golden Delicious bis 2009 die beliebteste Sorte im Anbau. Auch in Südtirol war der Apfel die am meisten verbreitete Sorte, mit abnehmender Anbaufläche in den letzten Jahren. Während 1992 noch 73 Prozent der Neupflanzungen auf Golden Delicious entfielen, waren es 2016 nur noch 9 Prozent, überholt von Gala mit 39 Prozent, Pink Lady mit 14 Prozent und Red Delicious.Neugepflanzte Äpfelbäume: Gala überholt Golden Delicious. 24. Februar 2017. Auf BuonGiornoSuedtirol.it, abgerufen am 20. Oktober 2019. In Frankreich und Italien ist Golden Delicious durch mehrere geographische Herkunftsbezeichnungen geschützt.

Beschreibung

Früchte mini|Längs- und Querschnitt Die Früchte sind grünlich, werden mit Reife cremefarben gelblich und können an der Sonnenseite leicht gerötet sein. Der Apfel entwickelt aber keine roten Streifen. Die Früchte sind mittelgroß bis groß. Sie sind rund bis länglich und gleichmäßig gebaut.Obstbau-Beratung Baden-Württemberg: Der Körper ist erkennbar gerippt, insbesondere am Kelch sind die fünf Rippen deutlich erkennbar.

Die Stielgrube ist schmal und tief, meist mit etwas Berostung. Der Stiel selbst ist lang und schmal, er sitzt fest in der Stielgrube. Die Kelchgrube ist im Vergleich zu anderen Äpfeln durchschnittlich weit und tief. Die Haut des Golden Delicious ist glatt, trocken und dünn. Bei Anbau in feuchtem Klima kann es zu Berostung kommen. Die Lentizellen sind vergleichsweise groß und von grau-brauner Farbe.

Das cremefarbene Fruchtfleisch ist saftig und fest. Wird Golden Delicious erst spät geerntet, ist sein Fruchtfleisch mehlig. Zum Zeitpunkt der Ernte sollte das Fruchtfleisch eine Festigkeit von 7 bis 8 kg/cm² haben und einen Zuckergehalt von 11,5 bis 13,0° Grad Brix.

Voll ausgereift sind die Äpfel süßaromatisch und etwas anisartig., Agroscope, Schweizerische Eidgenossenschaft Golden Delicious hat nur wenig Säure, was sich im Geschmack zeigt. Früchte, die im Schatten hingen, können wässrig schmecken, nicht ausgereifte Äpfel können geschmacksarm sein. Wird Golden Delicious aufgeschnitten, oxidiert das Fruchtfleisch nur langsam.

Baum Der Baum ist etwa mittelgroß. Äste und Zweige wachsen in weiten Winkeln voneinander entfernt. Unbeschnitten ist der Baum recht raumgreifendCheryl R. Hampson, Henk Kemp: Characteristics of Important Commercial Apple Cultivars. In: D. C. Ferree, I. J. Warrington (Hrsg.): Apples. Botany, Production and Uses. CABI Publishing, 2003, ISBN 0-85199-592-6, S. 65 mit Neigung zu herunterhängenden Ästen.Bioversity International: Apple Descriptors Bioversity International ISBN 9290431040, S. 20 Der Baum trägt Früchte an einjährigem Holz und den Astenden.

Geschichte Entdeckung und Verkauf an Stark Brothers Für die Entdeckung des Golden Delicious existieren zwei verschiedene Varianten. Nach der verbreiteteren Variante – die über Jahrzehnte von Stark Brothers verbreitet wurde – entdeckte Anderson H. Mullins im Jahr 1905 in Porter’s Creek in Clay County, West Virginia/USA einen zufällig gewachsenen Apfelbaum mit großen gelben Äpfeln auf seinem Grundstück.Cheryl R. Hampson, Henk Kemp: Characteristics of Important Commercial Apple Cultivars. In: D. C. Ferree, I. J. Warrington (Hrsg.): Apples. Botany, Production and Uses. CABI Publishing, 2003, ISBN 0-85199-592-6, S. 64 Der Baum trug selbst in Jahren reichlich, in denen die anderen seiner Obstbäume kaum Früchte trugen. Die Äpfel vom Baum hielten sich bis in den April. J. M. Mullins, Neffe von Anderson Mullins nahm aber für sich in Anspruch, den Baum bereits 1890 entdeckt zu haben. Als Jugendlicher auf der Farm seines Vaters mähte er das Gras und ließ den Baum am Leben, bis er schließlich Äpfel trug. J. M. Mullins vermutete, dass der ursprüngliche Same von einem der Bäume der Farm stamme, die ebenso vermutlich von der Sorte Golden Reinette waren., Good Fruit Grower 15. Februar 2011 Als Vatersorte wird Grimes Golden angenommen, unter anderem da viele gemeinsame Eigenschaften erkennbar sind. mini|Apfel Golden Delicious

Sicher ist wieder, dass L. L. Mullins, Vater von J. M. Mullins und Bruder von Anderson Mullins das Land samt Apfelbaum Anfang des 20. Jahrhunderts an Anderson Mullins verkaufte. Anderson Mullins nannte den Apfel Mullins Yellow Seedling und schickte im Frühjahr 1914 einige Exemplare an die Stark Brothers in Missouri. Stark hatte bereits erfolgreich die Apfelsorte Red Delicious in den Vereinigten Staaten eingeführt und war einer der erfolgreichsten und aggressivsten Obstzüchter in jener Zeit. Paul Stark, der zu dieser Zeit das Geschäft leitete, war beeindruckt vom Geschmack des Apfels und auch davon, dass er noch im April festes Fruchtfleisch hatte.

Der von Stark später in zahlreichen Katalogen verbreiteten Legende nach, erkannte er das Potenzial des Apfels und machte sich auf den : Der Weg führte mit der Bahn, einer Schmalspurbahn und zu Pferde durch die Berge West-Virginias hin zum Grundstück der Mullins. Dort öffnete ihm niemand, und hinter dem Haus sah er nur einen kleinen Obstgarten mit kleinen verkrüppelten Bäumen. Erst auf den zweiten Blick entdeckte er einen allein an einem Berg stehenden großen, reichlich tragenden Apfelbaum. Als er diesen Baum näher in Augenschein nahm, traf Mullins auf ihn und stellte den Apfel vor: Tara Auxt Baugher, Steve Blizzard: The ‘Golden Delicious’ Apple. In: David C. Ferree (Hrsg.): A History of Fruit Varieties. Good Fruit Grower Magazine, ISBN 0-9630659-7-1, S. 20.

Stark zahlte an die Familie 5000 US-Dollar (laut Anderson Mullins) beziehungsweise 50 US-Dollar (laut J. M. Mullins) für den Baum und die knapp hundert Quadratmeter Land um ihn herum. Ebenso zahlte Stark der Familie die nächsten 30 Jahre lang 100 Dollar pro Jahr dafür, dass sie sich um den Baum kümmere, und blieb im regelmäßigen Austausch über den Zustand des Originalbaums. Stark ließ auch einen Käfig mit einer batteriebetriebenen Alarmanlage um den Apfelbaum herum bauen. Der Ur-Golden-Delicious starb im Jahr 1958. Reste des Käfigs waren im Jahr 1987 noch zu sehen.

Im kommerziellen Handel Im Jahre 1916 brachten Stark Brothers, die schon den Red Delicious vertrieben, den Apfel unter dem Namen Golden Delicious in den Handel. Stark Brothers empfahlen Golden Delicious als perfekte Ergänzung zu Red Delicious. Da Red Delicious sich nicht selbst befruchtete, musste auf Red-Delicious-Plantagen eine weitere Apfelsorte stehen, die Pollen spendete. Golden Delicious, der lange blühte und dabei mehr Pollen produzierte als fast alle anderen Apfelsorten, wurde von Stark extra zu diesem Zweck beworben. Kataloge aus der Mitte des 20. Jahrhunderts sprechen von der Red/Golden-Delicious als „Modellplantage“.Susan Dolan: Fruitful legacy. A historic context of orchards in the United States, with technical information for registering orchards in the National Register of Historic Places. United States Government Printing Office, ISBN 0-16-082127-4, S. 100.

Es dauerte nur wenige Jahre, bis sich Golden Delicious in den USA verbreitete. Die American Pomological Society verlieh ihm 1921 die Wilder Medal. Die Washington Apple Commission, die – im New Deal gegründet – den Obstbau im Staat Washington fördern wollte, empfahl seit den 1930er-Jahren Golden Delicious als Tafelapfel und als Pollenspender. Golden Delicious benötigte jedoch länger, um seine Marktbedeutung zu erlangen, als Red Delicious. 1945, als Red Delicious schon lange den Markt dominierte, lag in den USA der Anteil der Fläche mit Golden Delicious erst bei 1,8 Prozent, von sieben anderen Apfelsorten bauten die Obstbauern mehr an. Erst ab 1950 begann sich die Situation zu ändern. Seit den 1970er- bis in die 2000er-Jahre war Golden Delicious nach Red Delicious die am häufigsten angebaute Sorte in den USA, und Obstplantagen mit Golden Delicious waren auf allen Kontinenten entstanden.Susan Dolan: Fruitful legacy. A historic context of orchards in the United States, with technical information for registering orchards in the National Register of Historic Places. United States Government Printing Office, ISBN 0-16-082127-4, S. 99.

Bedeutung für Golden Delicious hatte dabei der Aufstieg des Obstanbaus in Washington zur wichtigsten Region für Apfelanbau in den USA. In Washington war Golden Delicious über Jahrzehnte die zweite Sorte nach Red Delicious. Zu seinen Hochzeiten in den 1970er-Jahren standen auf 95 Prozent der Anbauflächen in Washington Red Delicious oder Golden Delicious. Golden Delicious wird heute besonders in Europa und den USA angebaut. Während Golden Delicious über Jahrzehnte der dominierende „grüne“ Apfel im Welthandel war, und nach Red Delicious der weltweit am stärksten verbreitete Apfel, hat er seit der Jahrtausendwende Marktanteile an Sorten wie Jonagold, Gala, Fuji oder Elstar verloren. In Washington beispielsweise hat Gala den Golden Delicious im Jahr 2003 überholt, und im Jahr 2010 war Golden Delicious nur auf Platz 5 der Sorten. In den gesamten USA löste Gala Golden Delicious im Jahr 2008 ab. In Europa ist Golden Delicious weiterhin sehr stark verbreitet.

Gelber Köstlicher in der DDR mini|hochkant=1.1|Schädlingsbekämpfung im Apfelanbau in der LPG Dürrweitzschen (1973) In der DDR war der Golden Delicious, dort „Gelber Köstlicher“ genannt, allgegenwärtig.Henry Klix: In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 17. April 2007, online auf PNN.de, abgerufen am 30. Dezember 2016. Bei ungünstigem Klima verliert der Golden Delicious an Aroma, auch muss er früher geerntet werden, bevor er vollreif ist. Der Ertrag bleibt jedoch weiterhin sehr hoch. Obwohl sich das örtliche Klima ungünstig auf sein Aroma auswirkte, führte die Ertragsstärke dazu, dass er überall angebaut wurde. Folge war die Überversorgung mit Mengen von Äpfeln verminderten Aromas. Der frühzeitig geerntete „Gelbe Köstliche“ bekam so auch den Spottnamen „Grüner Grässlicher“ In: Sächsische Zeitung Online. 18. Mai 2011, online auf SZ-online.de, abgerufen am 30. Dezember 2016. oder „Gelber Würger“.

Ehrungen und Bezugnahme