Eine Koloskopie, auch Darmspiegelung oder Colonoskopie (von „Colon“, dem mittleren Abschnitt des Dickdarms), dient der Untersuchung des Dickdarmes und meistens auch der angrenzenden Zentimeter des Dünndarmes. mini|Modelldarstellung einer Darmspiegelung
Ein Pionier auf dem Gebiet war ab 1969 der Schweizer Peter Deyhle.
Indikation Als Gründe (Indikation) für die Durchführung einer Koloskopie gelten: Vorsorgekoloskopie ab dem 50. Lebensjahr Vorsorgekoloskopie bei familiären Formen des kolorektalen Karzinoms bereits vor dem 20. Lebensjahr Blut im Stuhl (Haemoccult positiv) Rektaler Blutabgang oder Teerstuhl bei unauffälliger Gastroskopie Tumorsuche insbesondere bei unklarer Gewichtsabnahme oder Metastasen bei unbekanntem Primärtumor Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung Verdacht auf eine sonstige entzündliche Darmerkrankung Unklare Stuhlgangsveränderungen wie Verstopfung (Obstipation) und/oder Durchfall (Diarrhoe) Unklare Mittel- und Unterbauchbeschwerden Kontrolluntersuchung nach Darmkrebstherapie und/oder Polypektomie
Alternativen Bevor zu einer Koloskopie durch den behandelnden Arzt oder Gastroenterologen geraten wird, kommt es zunächst zu einer ausführlichen Anamnese über familiäre Vorbelastung sowie das Appetitverhalten, Gewichtsverlust ohne Diätanstrengung, Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen oder Stuhlgang, die beim Verdacht auf eine Darm-Erkrankung verändert sein können.
Durch das Abhören des Bauches werden Darmgeräusche erkannt, die Rückschlüsse auf die Darmfunktion geben können. Das Abtasten von möglichen Widerständen (z. B. Tumoren), Abklopfen (Perkussion) und die Inspektion des Bauches dienen ebenfalls als weitere Möglichkeit, den Magen-Darm-Trakt auf Veränderungen hin zu beurteilen. Auch die rektale Untersuchung kann zu einer alternativen Untersuchung beitragen, wodurch Schleimhautverhältnisse und untere Darmabschnitte beurteilt werden können.A. Bürger–Mildenberger, N. Menche, J. Willert: Pflege bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. In: N. Menche, T. Klare (Hrsg.): Innere Medizin. Lehrbuch für Krankenpflegeberufe. 4. Auflage. Elsevier GmbH, München 2005. S. 318–319
Die Stuhluntersuchung durch einen Schnelltest auf okkultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl zählt ebenso wie die Koloskopie zur Darmkrebsvorsorge. Der Test wird Männern und Frauen ab dem 50. Lebensjahr nach Leitlinien jährlich empfohlen, die Krankenkassen zahlen den Test ab dem 50. Lebensjahr. Eine regelmäßige Teilnahme ist wichtig, um die Chance der frühen Diagnostizierung eines positiven Testergebnisses zu erhöhen. Ein solches positives Testergebnis (also Blut im Stuhl) ist eine Indikation für die Koloskopie. Ein negatives Testergebnis ist aber kein sicheres Kriterium, einen Darmkrebs auszuschließen.„Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme“ (PDF; 452 kB) Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im April 2016 beschlossen, dass bei der Früherkennung von Darmkrebs zukünftig neue Testverfahren anzuwenden sind. Quantitative immunologische Tests zum Nachweis von nicht sichtbarem Blut im Stuhl (iFOBT) lösen den derzeit verwendeten Gujak-basierten Test (gFOBT) ab.Darmkrebs-Screening wird auf neuem Testverfahren basieren, PM G-BA vom 21. April 2016, abgerufen am 26. April 2016 Der iFOBT soll mit einer 5 % höheren WahrscheinlichkeitGraser et al.: Comparison of CT colonography, colonoscopy, sigmoidoscopy and faecal occult blood tests for the detection of advanced adenoma in an average risk population. In: Gut 58(2), 2009. S. 241–248 doi:10.1136/gut.2008.156448 eine Erkrankung aufdecken. (PDF; 270 kB). Handlungsfeld 1: Ziele-Papier 2 b. Weiterentwicklung der Darmkrebsfrüherkennung (u. a. Entwicklung eines organisierten Darmkrebs-Screenings)
Der Kolonkontrasteinlauf, der mittels konventioneller Röntgenaufnahmen Dickdarm und Rektum darstellen kann, wird zunehmend von der virtuellen Koloskopie abgelöst, da diese zuverlässiger Tumoren und andere Veränderungen erkennen kann. Weitere bildgebende Verfahren sollen in Zukunft eine größere Rolle spielen, wie die Kolonkapsel-Endoskopie.H.-J. Schulz: Die Kolon-Kapsel – Eine Methode sucht ein Problem? 34. Deutscher Koloproktologen-Kongress. München, 6.–9. März 2008 doi:10.1007/s00053-008-8030-9 Mittels einer Videokamera ist eine nichtinvasive, sehr genaue Darstellung des Darmes schneller sowie ohne große Vorbereitung und Belastung für den Patienten durchführbar.
Vorbereitung Vor der Untersuchung muss der Dickdarm entleert werden, damit die Untersuchung nicht durch Stuhlreste behindert wird. Dafür wird am Vortag oder gelegentlich auch einige Stunden vor der Untersuchung ein starkes Abführmittel meistens in Form einer orthograden Darmspülung, seltener als Einlauf, verabreicht. Das Abführen mittels PEG-Abführlösung empfinden viele Patienten als belastend und unangenehm. Bis Anfang des 21. Jahrhunderts mussten 3 bis 5 Liter wenig wohlschmeckende Flüssigkeit innerhalb weniger Stunden getrunken werden. Der unangenehme Geschmack kann durch Kühlung der Lösung oder Mischung mit klarem Apfelsaft abgemildert werden. Es sind auch 2-Liter-Präparate mit Zitronen- oder Orangengeschmack auf dem Markt, die den Vorgang erleichtern sollen. Wer das Abführmittel nicht trinken kann oder will, kann die Lösung auch über eine Magensonde erhalten. Es gibt auch die Möglichkeit, mit der Kombination von osmotischen und motilitäts- und sekretionsbeeinflussenden Abführmitteln den Darm zu reinigen. Zwar muss der Patient dabei auch viel trinken (Tee, Wasser usw.), aber das Trinken fällt ihm meistens leichter. Der Nachteil dieser Methode liegt darin, dass es hierbei häufiger zu Elektrolytverschiebungen im Wasser- und Mineralhaushalt des Körpers kommt, die Kreislaufbelastung höher sein kann und der Darm nicht ganz so sauber wird.
Gerät mini|Koloskop mit variabler Biegsamkeit Das flexible Koloskop hat einen Durchmesser von etwa 1 cm und eine Länge von zirka 1,2 Metern. Zumeist wird heute ein Video-Koloskop verwendet, das an der Spitze eine Kamera besitzt und das Bild auf einen Monitor überträgt. So ist es möglich, dass der Patient die Untersuchung mitverfolgen kann. Das Koloskop ist mit einer Absaugvorrichtung ausgerüstet, um flüssige Stuhlreste und Spülflüssigkeit absaugen zu können. Ein Arbeitskanal ermöglicht das Einführen von kleinen Instrumenten (Zangen und Schlingen), mit denen kleine Gewebeproben bzw. Polypen entnommen werden können.
Sedierung und Überwachung Die Koloskopie wird von einem Arzt entweder in einer Praxis oder einer Klinik durchgeführt. Man kann zu dieser Untersuchung auf Wunsch ein Beruhigungsmittel, z. B. Midazolam, bei Bedarf in Verbindung mit einem Schmerzmittel wie Pethidin oder Tramadol, gespritzt bekommen, um die Untersuchung angenehmer zu gestalten. Inzwischen wird die Untersuchung auch unter Kurznarkose, meist mit dem Narkosemittel Propofol, durchgeführt, sodass die Patienten von der gesamten Prozedur nichts mitbekommen. Jedoch ist dabei zu beachten, dass die Sedierung bzw. Kurznarkose für mindestens 50 % der bei der Untersuchung auftretenden Komplikationen verantwortlich ist.Andrea Riphaus et al.: S3-Leitlinie „Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie“. 2015. PDF Abschnitt 4.1.4. Insbesondere ist sie die wesentliche Ursache kardiopulmonaler (d. h. das Herz-Kreislauf-System und die Atmung betreffender) Komplikationen, die die häufigste Ursache von Todesfällen im Zusammenhang mit einer Koloskopie darstellen.Guido Schachschal: Praktische Koloskopie. Stuttgart 2010. S. 17.
Das Vorschieben des Gerätes kann zum Zug an den Aufhängebändern des Kolons (Dickdarm) führen. Dabei können Schmerzen auftreten. Diese Schmerzen sind jedoch mit den o. g. Medikamenten vollständig unterdrückbar, sodass kein Patient mehr unter der Untersuchung leiden muss. Möchte der Patient also zunächst wach bleiben und die Untersuchung am Monitor verfolgen, so besteht bei Beschwerden jederzeit die Möglichkeit, dann noch eine Sedierung oder Kurznarkose zu erhalten.
Während der Sedierung wird der Patient kontinuierlich überwacht. In der Regel wird ein Messfühler am Finger des Patienten angebracht, der die Sauerstoffsättigung und den Puls misst (Pulsoximetrie). Bei Risikopatienten wird ggf. auch der Blutdruck mehrfach gemessen.
Untersuchungsablauf Zu Beginn der Untersuchung liegt der Patient auf dem Rücken. Während ggf. die Sedierung oder Narkose zu wirken beginnt, wird der Patient mit leicht angewinkelten Beinen in eine stabile linksseitige Lage gebracht. Das Instrument wird unter Sicht mit Begradigungs- oder Umlagerungsmanövern vorgeschoben, bis der Blinddarm (Caecum) bzw. der letzte Teil des Dünndarmes (terminales Ileum) erreicht ist. Beim Rückzug des Koloskops wird dann mittels Luftinsufflation (Lufteinblasung) der Darm zur Entfaltung gebracht und die gesamte Darmschleimhaut sorgfältig nach krankhaften Veränderungen abgesucht. Die Untersuchung dauert normalerweise etwa 25 Minuten. Das zur Darmentfaltung eingeblasene Luftvolumen von einigen Litern kann während und auch nach der Untersuchung kurzzeitig Darmblähungen verursachen, die allerdings meist schnell wieder verschwinden. Die Verwendung von CO2 anstelle von Raumluft kann das Problem minimieren, da CO2 von der Darmschleimhaut bis zu 150-mal schneller resorbiert wird.
Befunde Aussackungen (Divertikel) Polypen Entzündungen (z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, pseudomembranöse Colitis) Geschwüre (Ulcera) Tumoren Engstellen (Stenosen) Schleimhautblutungen Fremdkörper, Parasiten
Therapie Divertikel Divertikel bedürfen keiner Therapie und sind auch nicht als Krankheit anzusehen. Lediglich bei einer Blutung aus Divertikeln ist in sehr seltenen Fällen eine Blutstillung endoskopisch möglich. Ebenfalls kann eine Divertikulitis diagnostiziert werden, wobei während der Entzündungsphase wegen einer möglichen Perforation der entzündeten und dadurch leichter verletzbaren Darmwand von einer Koloskopie abzuraten ist.
Polypen Polypen sind makroskopisch sichtbare, meist gestielte Ausstülpungen der Mukosa. Im Laufe mehrerer Jahre können sie entarten und zu Dickdarmkrebs (siehe auch Adenom-Karzinom-Sequenz) führen, und sie werden deshalb (auch im Rahmen von Vorsorgekoloskopien) in derselben Sitzung entfernt.
Entzündungen/Geschwüre Zur genaueren Differenzierung von entzündlichen Veränderungen und Geschwüren werden mit einer durch das Endoskop geschobenen Zange Proben aus der Schleimhaut entnommen (Biopsie) und/oder gezielt Sekret zur bakteriologischen Untersuchung gewonnen.
Tumoren mini|Biopsie eines tumorverdächtigen Bezirks Bei Tumoren und hier insbesondere dem Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) werden zur genauen feingeweblichen Untersuchung Gewebsproben Biopsien entnommen. Bei nicht mehr operablen Patienten kann endoskopisch bei hochgradiger Einengung ein Stent eingelegt werden, um die Kotpassage zu ermöglichen und einen künstlichen Darmausgang (Anus praeter) zu vermeiden. In einer groß angelegten Studie im Saarland konnte gezeigt werden, dass Personen, die sich innerhalb der letzten zehn Jahre einer vorbeugenden Koloskopie (Krebsvorsorge) unterzogen hatten, deutlich weniger häufig fortgeschrittene Krebsvorstufen hatten als die Personen einer Vergleichsgruppe, die sich zum ersten Mal einer Koloskopie unterzogen (6,1 % zu 11,4 %).Erstmals bevölkerungsweit belegt: Darmspiegelung schützt vor Krebs – möglicherweise auch kleine Darmspiegelung von großem Nutzen. (PDF; 40 kB) Pressemitteilung des DKFZ vom 4. Januar 2010
Stenosen Bei Engstellen kann durch das Endoskop ein Ballon eingeführt werden, der nach Füllung mit Luft oder Wasser die Engstelle aufdehnt (Ballondilatation). Diese Therapie ist jedoch nur Spezialisten vorbehalten, da die Gefahr des Darmrisses (Perforation) besteht.
Blutungen Blutungen treten auf bei: entzündlichen Veränderungen Divertikelblutungen Hämorrhoiden-Blutungen Gefäßfehlbildungen (Angiodysplasien) Geschwüren (Ulcera)