John „Jack“ Stewart Service (* 3. August 1909 in Chengdu, Sichuan, China; † 3. Februar 1999 in Oakland, Kalifornien, Vereinigte Staaten) war ein US-amerikanischer Diplomat, dessen politische Karriere durch die Kommunisten-Hatz der McCarthy-Ära zerstört wurde.
Als Einer der Fernost-Experten („China Hands“) des amerikanischen Außenministeriums wurde Service in der Zeit der McCarthy-Ära Opfer gezielter Angriffe der „China Lobby“. Er wurde als Sympathisant des Kommunismus und Spion diffamiert; und wie andere „China Hands“ für den Verlust Chinas an die chinesischen Kommunisten verantwortlich gemacht.
Leben John Service wurde als viertes Kind von Robert Roy Service und dessen Frau Grace, geb. Boggs geboren. Seine Eltern waren dort seit 1905 als Missionare für den Y.M.C.A. tätig und so verbrachte Service seine frühe Kindheit in der chinesischen Provinz, erlernte die chinesische Sprache. 1915 kehrte die Service-Familie in die USA, nach Cleveland, Ohio zurück und John ging hier zur Grundschule (primary school).
Als seine Familie sich 1920 erneut nach China begab, diesmal nach Shanghai, besuchte John die Shanghai American School, eine 1912 in Shanghai gegründete internationale Privatschule. Die Familie ging nochmals in die USA zurück, diesmal nach Kalifornien und John ging zur Berkeley High School in Berkeley, Kalifornien. Nach der Schule arbeitete Service für kurze Zeit in einem Architekturbüro, entschloss sich aber im Jahre 1927 am Oberlin College, Oberlin, Ohio ein Studium der Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften aufzunehmen, das er 1931 mit dem A.B. (Artium Baccalaureus – Bachelor of Arts) abschloss. Am 9. November 1931 heiratete er Caroline Schulz (* 30. November 1909 in Kansas City, Missouri; † 18. November 1997 in Oakland, Kalifornien), die er während seines Studiums am Oberlin College kennengelernt hatte. Die Ehe wurde in Haiphong, Französisch-Indochina (heute: Vietnam) geschlossen – wo Johns Vater zu dieser Zeit als Missionar arbeitete.
Diplomatischer Dienst in China 1932 befand sich die Wirtschaftskrise auf dem Höhepunkt, Service fehlte Geld für ein Doktorandenstudium und mit seinen Studienfächern bestanden auch keine allzu großen Aussichten auf einen Job. So ging Service auf den Vorschlag eines Freundes ein und bewarb sich um Aufnahme in den diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten. Er bestand die Aufnahmeprüfung auf Anhieb, bekam auch 1933 eine Anstellung beim amerikanischen Konsulat in Shanghai, wenn auch zunächst nur als einfacher Büroangestellter. Bereits zwei Jahre später, im Jahre 1935, wurde er jedoch als Foreign Service Officer in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten aufgenommen und beim amerikanischen Konsulat in Kunming, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan stationiert. Er wurde weiter befördert und diente von 1938 bis 1941 als Dolmetscher (Language Attaché) an der amerikanischen Botschaft in Shanghai. Amerikanischer Botschafter war von Mai 1941 bis November 1944 Clarence E. Gauss.
Gauss beförderte Service 1941 zunächst zum Third Secretary, 1943 zum Second Secretary der amerikanischen Botschaft in Chongqing. Gauss beschreibt Service in einer Beurteilung aus dem Jahre 1942 als tolerant, aufrichtig, ausgeglichen, arbeitsam, kooperativ, ausdauernd, gewissenhaft, mit scharfsinnigem Urteil.
Service’ Berichte über die politische und militärische Lage weckten die Aufmerksamkeit von John Paton Davies, einem Foreign Service Officer, der seit 1942 als politischer Attaché für General Joseph Stilwell arbeitete. Stilwell war zu dieser Zeit der Befehlshaber der US-Streitkräfte am chinesisch-burmesisch-indischen Kriegsschauplatz (China-Burma-India theatre / CBI), zugleich kontrollierte er als Stabschef von Chiang Kai-shek in Chongqing sämtliche militärischen und andere Hilfeleistungen der Vereinigten Staaten an das Kuomintang-Regime. Ab Sommer 1943 arbeitete Service für Davies bzw. General Stillwell. Stilwell, Davies und auch Service kamen schnell und übereinstimmend zu der Überzeugung, dass das korrupte Kuomintang-Regime Chiang Kai-sheks nicht in der Lage sein würde die japanischen Invasoren zu besiegen, ganz gleich mit wie vielen Millionen Dollar die amerikanische Regierung ihren Verbündeten auch noch zufließen lassen würde. Stilwell beschrieb die Kuomintang Chiang Kai-sheks in seiner knappen, direkten Art:
Stilwell, Davies und Service sahen daher die einzige Möglichkeit den japanischen Truppen entscheidende Schläge zu versetzen in der (militärischen) Zusammenarbeit mit den chinesischen Kommunisten. Angesichts dieser Lage stellten sie auch Überlegungen zu möglichen Entwicklungen in der Nachkriegszeit an und der daran auszurichtenden außenpolitische Strategie der Vereinigten Staaten.
So schrieb Service in einem Bericht vom April 1944 u. a.:
Und John Paton Davies schrieb in einem Memorandum vom 15. November 1944:
Stilwell, als auch Davies und Service setzten sich daher in den folgenden Monaten bei der amerikanischen Regierung verstärkt für eine Aufnahme von Gesprächen mit den chinesischen Kommunisten ein. Von Chiang Kai-shek wurden zu diesem Zeitpunkt allerdings jedwede Versuche mit den chinesischen Kommunisten Kontakt aufzunehmen, strikt unterbunden.
Service und die Amerasia-Affäre Im April 1945 kehrte John Stewart Service aus China in die USA zurück. Kurze Zeit darauf wurde er von Philip J(acob) Jaffe, einem Herausgeber von Amerasia, einer linksgerichteten Zeitschrift, die sich überwiegend mit politischen, wirtschafts- und sozialpolitischen Themen des ostasiatischen Raums, insbesondere Chinas, beschäftigte, um Hintergrundmaterial für einen geplanten Artikel gebeten. Service traf sich einige Male mit Jaffe, übergab ihm mehrere von ihm selbst (ursprünglich für das amerikanische Außenministerium) geschriebene Berichte. Was Service nicht ahnte, war, dass er mit diesen Treffen in das hineingeriet, was später als Amerasia Affair (Amerasia-Affäre) umschrieben wurde und für sein gesamtes späteres Leben bestimmend sein sollte.
Die Amerasia Affäre hatte damit begonnen, dass Kenneth Wells, ein Ostasien-Experte des Office of Strategic Services (OSS) (einem Vorläufer der CIA) bemerkte, dass ein Artikel der am 26. Januar 1945 in der Amerasia gedruckt worden war, fast wortwörtlich mit einem Bericht übereinstimmte, den er ein Jahr zuvor verfasst hatte. Der Bericht war als geheim eingestuft worden.
Das OSS setzte Frank Brooks Bielaski als Sonderermittler auf den Fall an. Am 11. März 1945 brach Bielaski mit vier Gehilfen illegal in die New Yorker Redaktionsräume der Amerasia ein. Sie fanden rund 300 Dokumente (Originale + Kopien) des Außenministeriums, des Kriegsministeriums, der Marine, des OWI sowie des OSS. Einige mit dem Aufdruck „Confidential“, „Secret“ oder auch „Top secret“ („Vertraulich“, „Geheim“, „Streng geheim“).
Das OSS schaltete das FBI ein. Vom FBI wurden daraufhin die Beschäftigten von Amerasia, insbesondere Philip Jaffe und Kate Louise Mitchell, die beiden Herausgeber von Amerasia, sowie die mit diesen in Kontakt stehenden Personen, überwacht. Da Philip J. Jaffe enge Kontakte zur Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) unterhielt, etwa mit dem ehemaligen Führer der CPUSA, Earl Browder aber auch mit anderen Parteioffiziellen (der CPUSA), unterstellte das FBI, dass die in den Redaktionsräumen von Amerasia aufgefundenen Dokumente letztendlich für die Sowjetunion bestimmt gewesen seien. Die Ermittlungen des FBI ergaben, dass Phillip J. Jaffe die Dokumente höchstwahrscheinlich von Larsen und (John) Andrew Roth erhalten hatten. Larsen arbeitete als Fernost-Experte im mittleren Dienst des amerikanischen Außenministeriums, (John) Andrew Roth hatte vor dem Zweiten Weltkrieg beim IPR für Jaffe gearbeitet und war Reserve-Leutnant (Navy Reserve Lieut.) des Office of Naval Intelligence. Es kam zu illegalen Aktionen. Ohne von irgendeiner Stelle dazu autorisiert worden zu sein, brach das FBI in die Büroräume von Amerasia sowie in die Wohnung von Larsen ein und durchsuchte sie. Abhörwanzen wurden installiert, die Telefone wurden angezapft.
Am 6. Juni 1945 wurden 6 Verdächtige verhaftet: Philip J. Jaffe und Kate Louise Mitchell, die beiden Herausgeber der Amerasia, sowie Mark Julius Gayn ein freier Mitarbeiter von Amerasia. Gayn war ein bekannter Journalist, der u. a. für die Washington Post, Newsweek und Time arbeitete. Die anderen drei Festgenommenen arbeiteten für die amerikanische Regierung: Larsen arbeitete als Fernost-Experte im mittleren Dienst des amerikanischen Außenministeriums, (John) Andrew Roth hatte vor dem Zweiten Weltkrieg beim IPR für Jaffe gearbeitet und war Reserve-Leutnant (Navy Reserve Lieut.) des Office of Naval Intelligence. John Stewart Service, Foreign Service Officer + Fernost-Experte des Außenministeriums war durch die oben erwähnten Treffen mit Jaffe in den Kreis der Verdächtigen geraten und wurde ebenfalls verhaftet. Zeitgleich wurden die Büroräume von Amerasia – nun offiziell und legal -durchsucht und rund 1 700 Dokumente des Außenministeriums, der Marine, des OSS, des Office of War Information und anderer Ministerien und Dienststellen sichergestellt.
Alle sechs Festgenommenen argumentierten, dass sie nichts weiter beabsichtigt hätten, als die öffentliche Diskussion über die amerikanische Asien-politik wach zu halten. Der Fall wurde einer Grand Jury des Districts of Washington vorgelegt. Da sich keinerlei Hinweise darauf ergaben, dass tatsächlich Dokumente an Agenten der Sowjetunion bzw. eines anderen Staates ausgehändigt worden waren, entschied die Grand Jury bereits im Vorfeld der Verhandlung, am 10. August 1945, die Anklagen gegen John Stewart Service, Kate Louise Mitchell und Mark (Julius) Gayn fallen zu lassen. Bei John Stewart Service fiel diese Entscheidung besonders klar und eindeutig aus. Mit 20 : 0 entschied die Grand Jury, dass die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen für eine Anklage nicht ausreichend seien. Bei Philip J. Jaffe, (John) Andrew Roth und Emmanuel Larsen wurden die Anklagen aufrechterhalten, allerdings auch bei ihnen nicht mehr – wie ursprünglich anvisiert – wegen Spionagetätigkeit, sondern nur mehr wegen unerlaubten Besitzes bzw. unerlaubter Weitergabe von Regierungsdokumenten. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass nach einer ersten Durchsicht des beschlagnahmten Materials sich eine Anklage wegen Spionagetätigkeit nicht aufrechterhalten ließe. Noch vor Eröffnung der Gerichtsverhandlung erfuhr der Verteidiger von Emmanuel Larsen vom illegalen Einbruch des FBI in dessen Wohnung und verlangte die Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten. Da man nun fest damit rechnen konnte, dass im Rahmen einer Gerichtsverhandlung weitere illegale Praktiken des FBI ans Tageslicht befördert und folglich die gesamte Gerichtsverhandlung platzen würde, Philip J. Jaffe zudem damit drohte das illegale Vorgehen des FBI publik zu machen, wurde ein Deal arrangiert. Am 29. September 1945 bekannte Philip J. Jaffe sich für schuldig sich widerrechtlich geheime Regierungsdokumente beschafft zu haben und wurde zu einer Geldstrafe von 2 500 Dollar verurteilt (die er gleich an Ort und Stelle bezahlte). Emmanuel Larsen wurde zu einer Geldstrafe von 500 Dollar verurteilt. Die Anklage gegen Andrew Roth ließ man vollständig fallen. Dieser Deal, die – eher symbolischen – Strafen, ersparten der Staatsanwaltschaft die vollständige Auflösung ihrer Anklagen ins Nichts.
Loyalty – Überprüfung der Staatstreue Mit der Entscheidung der Grand Jury bzw. des Gerichts war die Angelegenheit für John Stewart Service keineswegs abgeschlossen, sondern hatte eigentlich erst begonnen.
Überprüfung durch das Außenministerium