Nagoya (jap. , -shi) ist eine Großstadt, Hafenstadt und Verwaltungssitz der japanischen Präfektur Aichi auf Honshū am Pazifik (Japan).
Nagoya ist mit Mio. Einwohnern nach Tokio, Yokohama und Osaka viertgrößtes japanisches Industriezentrum und sportlich hauptsächlich durch den Baseballverein Chūnichi Dragons und den Fußballverein Nagoya Grampus Eight bekannt.
Geografie Nagoya erstreckt sich nördlich der Ise-Bucht über den zentralen Teil der ausgedehnten und fruchtbaren Nōbi-Ebene. Die höchste Erhebung ist daher der 198,3 m hohe Hügel Tōgoku-san () im äußersten Nordosten der Stadt auf der Grenze zu Seto.
Der wichtigste Fluss der Stadt ist der Fluss 1. Ordnung Shōnai-gawa mit seinen vielen Nebenflüssen, sowie die Flusssysteme 2. Ordnung des Tempaku-gawa () und Nikkō-gawa ().
Die Metropolregion Nagoya (, ~-ken) bzw. Chūkyō (, ~-ken, dt. etwa: „[Region] zwischen den Hauptstädten“ in Bezugnahme auf Tokio und die frühere Hauptstadt Japans Kyōto), die sich um die gesamte Ise-Bucht herum und damit auch in die Präfekturen Gifu und Mie erstreckt, umfasst 7072 km² mit 9,1 Mio. Einwohnern (2015) und ist die drittgrößte Japans nach den Metropolregionen Tokyo-Yokohama und Kyoto-Osaka-Kobe.
Stadtgliederung Nagoya gliedert sich in 16 Stadtbezirke (-ku) mini|links|Die 16 Stadtbezirke Nagoyas
Codemit PrüfzifferNameFläche (in km²)BevölkerungBevölkerungs-dichte (Ew./km²)Rōmaji, Kanji1.10.201711.10.201821.10.2015323101-1Chikusa-ku 18,18166.070164.6969059,1923102-9Higashi-ku 7,7180.56878.04310122,3123103-7Kita-ku 17,53163.712163.5799331,3723104-5Nishi-ku 17,93149.830149.0988315,5623105-3Nakamura-ku 16,30135.075133.2068172,1523106-1Naka-ku 9,3888.85683.2038870,2623107-0Showa-ku 10,94109.596107.1709796,1623108-8Mizuho-ku 11,22107.197105.3579390,1123109-6Atsuta-ku 8,2066.16265.8958035,9823110-0Nakagawa-ku 32,02220.660220.2816879,4823111-8Minato-ku 45,64144.198146.7453215,2723112-6Minami-ku 18,46136.451136.9357417,9323113-4Moriyama-ku 34,01175.471172.8455082,1823114-2Midori-ku 37,91246.273241.8226378,8423115-1Meito-ku 19,45165.589164.0808435,9923116-9Tempaku-ku 21,58164.653162.6837538,623100-2Nagoya-shi 326,452.320.3612.295.6387032,13
Klimatabelle
Angrenzende Städte und Gemeinden Präfektur Aichi Kasugai Seto Kiyosu Tōkai Nisshin Owariasahi Toyoake Kitanagoya Ama Ōbu Toyoyama Ōharu Nagakute Tōgō Tobishima Kanie
Geschichte Name Die zur Schreibung des Ortsnamens genutzten Schriftzeichen lassen sich wörtlich als „namhaftes, altes Haus“ lesen. Diese sind jedoch Ateji, d. h. sie wurden hauptsächlich ihrer Aussprache wegen gewählt, um einen bereits vorher vorhandenen gleichlautenden Begriff zu schreiben, dessen Bedeutung heute nicht mehr bekannt ist.
So findet sich als ältester Beleg für den Ortsnamen in der späten Heian-Zeit das Lehen (shōen) Nagoya-shō (), das im Besitz von Taira no Shigeko (Kenshū-mon’in; 1142–1176) war, einer Frau des Tennōs Go-Shirakawa und Mutter des Tennōs Takakura.
Später wurde zur Bezeichnung des Herrenhauses statt des Schriftzeichens ‚Feld, Grasland‘ das gleichlautende ‚Haus‘ verwandt. Alternative Schreibweisen neben diesem waren auch und , wobei letztere sich später durchsetzte. Dieses Herrenhaus lag im heutigen Stadtteil Nagono des Bezirks Nishi-ku. Für kam zur Unterscheidung als Aussprache eben jenes Nagono auf, bei dem das letzte Schriftzeichen in der japanischen Lesung no, statt wie die anderen beiden in sinojapanischer Lesung ya gesprochen wurde. Die frühere Aussprache für diese Schreibweise findet sich noch im Namen des Nagoya-Schreins (, Nagoya-jinja).
Nach dem Bau der Burg Nagoya erhielt auch die umgebende Burgstadt (jōkamachi) diesen Namen, während unabhängig davon südwestlich das Dorf Nagono eigenständig fortbestand, bis es im August 1898 eingemeindet wurde.
Eine historische Bezeichnung für Nagoya war auch Hōsa (), was „links des Atsuta-Schrein“ meint, der auch mit der mythologischen Insel Hōrai gleichgesetzt wurde.
Mittelalter
Die Stadt war schon im Mittelalter als Handelszentrum und Hauptort der Provinz Owari bekannt. Oda Nobunaga wurde 1534 in der Burg Nagono, Vorgängerin der Burg Nagoya, geboren. 1555 zog er in die Burg Kiyosu um und verlagerte damit das Machtzentrum in Zentraljapan nach Kiyosu. 1610 wurde die Burg von Nagoya von Tokugawa Ieyasu wieder aufgebaut. Anschließend wurde Nagoya wieder zum eindeutigen Zentrum Owaris. Nachdem die Familie Tokugawa ihre Macht als Shōgun gesichert hatte, gab der erste Shōgun Tokugawa Ieyasu die Stadt Nagoya an seinen 7. Sohn weiter.
Moderne Von den historischen Bauten überstanden nur wenige den Krieg. Die meisten wurden im Zweiten Weltkrieg bei den Luftangriffen auf Nagoya insbesondere am 14./17. Mai 1945 völlig zerstört. Die Burg wurde 1959 teilweise wieder aufgebaut, der Burgturm ist berühmt für seine beiden circa 2 m hohen vergoldeten Shachi () an den Giebelenden. Der Kulturschatz des Owari-Zweiges der Tokugawa-Familie wird heute im privaten Tokugawa-Kunstmuseum ausgestellt. In dieser bedeutenden Kunstsammlung aus allen Kulturepochen befinden sich eine Reihe von Nationalschätzen.
Am 26. September 1959 wurde der Südteil der Stadt durch den Ise-wan-Taifun verwüstet.
Eingemeindungen Am 20. Dezember 1878 wurde die Stadt zur Verwaltungseinheit Nagoya-ku (), die zum 1. April 1889 mit der Einführung des modernen japanischen Gemeindewesens zur heutigen Nagoya-shi wurde. Damals betrug die Gemeindefläche 13,34 km². Die erste Gebietsvergrößerung fand am 23. März 1896 statt mit Teilen (0,80 km²) des Dorfes (mura) Gokizō (). Am 22. August 1898 wurde das Dorf Nagono () und Teile von Furusawa () eingemeindet (beide zusammen 2,15 km²), sowie am 1. Juni 1907 die kreisangehörige Stadt (chō) Atsuta (; 1,25 km²), die damals auch die restlichen Teile von Furusawa erhielt. Einen Monat später am 16. Juli folgten Teile (14,39 km²) von Ousu (), sowie am 1. Oktober 1909 wiederum Teile von Gokizō als auch von Chikusa (), beide 1,27 km². Am 22. August 1921 fand eine Eingemeindungswelle statt bei der mehr als die Hälfte der Gemeinden des Landkreises Aichi, sowie mehrere aus dem Landkreis Nishikasugai komplett eingemeindet wurden. Diese waren Arako (), Tokiwa (), Nakamura (), Aichi (), Yahata (), Yobitsugi (), Kasadera (; am 20. Februar bereits Teile davon), Ousu, Gokizō, Chikusa, Higashiyama (), Rokugō (), Shimizu (), Sugimura (), Kinjō () und Biwajima (). Das Stadtgebiet wuchs um mehr als das Dreifache von 38,26 auf 149,56 km². Am 3. März 1928 kam der Ortsteil Yagoto (; 0,01 km²) aus Tempaku () hinzu, am 15. Juni 1930 Teile (0,01 km²) von Shōnai () und am 15. Juli 1931 Teile (<0,01 km²) von Shimonoisshiki (). Der Rest von letzteren beiden folgte dann gemeinsam mit Hogino () am 1. März 1937, insgesamt 8,84 km². Während der Kriegszeit erfolgten keine weiteren Eingemeindungen, die erst wieder 1950 begannen – am 5. April Itaka () und das verbliebene Tempaku (beide zusammen 43,71 km²), sowie am 1. Oktober Kusunoki (), Yamada (), Tomita () und Nan’yō () – alle vier zusammen 42,09 km². 1963 folgte am 15. Februar die kreisfreie Stadt Moriyama (; 34,01 km²) und am 1. April Narumi (; 26,30 km²). Die letzte Eingemeindung fand am 1. Dezember 1964 mit Ōdaka () und Arimatsu () statt – beide zusammen 11,39 km².
Politik und Verwaltung mini|links|Rathaus von Nagoya
Zum Nachfolger von Takashi Kawamura als Bürgermeister von Nagoya wurde im November 2024 sein früherer Vizebürgermeister Ichirō Hirosawa gewählt. Mit 53,4 % der Stimmen und Wahlempfehlungen von Konservativer Partei Japans (Nippon Hoshutō) und Genzei Nippon, Kawamuras National- und Regionalpartei, setzte er sich gegen den von etablierten bürgerlichen Parteien (LDP, KDP, Kōmeitō, DVP) unterstützten vorherigen DVP-Oberhausabgeordneten für Aichi, Kōhei Ōtsuka (35,6 %), die KPJ-gestützte Keiko Ogata (7,3 %) und vier weitere Kandidaten durch. Die Wahlbeteiligung sank auf 39,6 %. Die Wahl war nötig geworden, nachdem der einstige Demokrat Kawamura nach 15 Jahren als Bürgermeister bei der Unterhauswahl im Oktober 2024 für die Konservative Partei in die Nationalpolitik zurückgekehrt war.
Der 68-köpfige Stadtrat (Nagoya-shikai) wurde bei den einheitlichen Regionalwahlen im April 2023 neu gewählt. Die Liberaldemokratische Partei blieb mit 20 Sitzen stärkste Partei, die Genzei Nippon legte auf 14 Sitze zu und wurde damit wieder zweitstärkste Partei, die KDP gewann 13 Sitze, die Kōmeitō 12.
Ins 102 Mitglieder starke Präfekturparlament von Aichi wählen die Stadtbezirke von Nagoya insgesamt 31 Abgeordnete. 11 Bezirke sind Zweimandatswahlkreise, in denen eine Sitzteilung zwischen den beiden stärksten Lagern wahrscheinlich ist. Präfekturparlamentswahlen in Aichi finden ebenfalls im einheitlichen Wahlzyklus statt.
Die Stadt Nagoya, wie ganz Aichi vor der Wahlniederlage 2012 und den folgenden Parteispaltungen lange eine Hochburg der Demokratischen Partei, erstreckt sich in fünf Wahlkreise (Aichi 1 bis 5) für das nationale Unterhaus, Aichi 5 umfasst seit 2024 auch die Stadt Kiyosu. Bei der Unterhauswahl 2026 verteidigte Kawamura den Wahlkreis 1, nun für das landesweit sonst erfolglose Bündnis Genzei Nippon - Yukoku Rengō, Motohisa Furukawa den Wahlkreis 2 für die DVP, die LDP gewann die drei anderen Sitze.
Nagoya-Protokoll
Das Nagoya-Protokoll ist ein am 29. Oktober 2010 in Nagoya beschlossenes internationales Umweltabkommen zur Umsetzung der Ziele der UN-Konvention über die biologische Vielfalt, das am 12. Oktober 2014 in Kraft trat. Es regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechten Vorteilsausgleich.
Partnerstädte
Los Angeles, USA (seit 1959) Mexiko-Stadt, Mexiko (seit 1978) Nanjing, Volksrepublik China (seit 1978) Sydney, Australien (seit 1980) Turin, Italien (seit 2005) Reims, Frankreich (seit 2017) Taichung, Republik China (Taiwan) (seit 2019) Taschkent, Usbekistan (seit 2019)
Wirtschaft Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 erwirtschafte der Großraum Nagoya ein Bruttoinlandsprodukt von 364 Milliarden US-Dollar (KKB). In der Rangliste der wirtschaftsstärksten Metropolregionen weltweit belegte sie damit den 22. Platz und den dritten Rang in Japan hinter Tokio und der Region Osaka-Kobe.
Industrie Wichtigste Wirtschaftszweige sind die Automobil- und Maschinenbauindustrie. Der Großkonzern Toyota residiert in der nahegelegenen gleichnamigen Stadt Toyota. Auch weitere Hersteller wie die Toyota-Tochter Lexus und Zulieferer wie Denso, Aisin Seiki und das mittlerweile auf Zündkerzen spezialisierte ursprüngliche Keramikunternehmen NGK Spark Plug sowie dessen Ableger NGK Insulators residieren im Großraum um Nagoya. Ein weiteres Unternehmen aus Nagoya von Weltruf ist der vor allem für Drucker und Faxgeräte bekannte Hersteller Brother Industries. Eine jüngere Gründung in Nagoya ist die Mitsubishi Aircraft Corporation.
Finanzwirtschaft Eine der japanischen Wertpapierbörsen sitzt weiter im gleichnamigen Nagoya: die Nagoya Stock Exchange.
Bildung Universität In Nagoya befinden sich die Universität Nagoya und die Städtische Universität Nagoya. Daneben besteht die private Nanzan-Universität, die von den Steyler Missionaren gegründet wurde und durch das Center for Japanese Studies (CJS) größere Bekanntheit erlangt hat.
Verkehr Nagoya hat ein aus 6 Linien bestehendes U-Bahn-Netz. Die beiden größten Eisenbahngesellschaften sind JR Central und Meitetsu, bedeutend ist ebenfalls Kintetsu. Der zentrale Eisenbahnknotenpunkt ist der Bahnhof Nagoya mit den JR Central Towers, er gilt als höchstes Bahnhofsgebäude der Welt.
Als Zentrum der Autoindustrie hat Nagoya für japanische Verhältnisse sehr gut ausgebaute Straßen, entsprechend hoch ist der Anteil des privaten Autos am Gesamtverkehr (ca. 70 % gegenüber 30–50 % in anderen japanischen Metropolen). Das Gebiet der Stadt wird vom Nagoya-Autobahnnetz umgeben.