mini|Historischer Sundgau: Bereich unten (hellgelb) Als Sundgau wird eine hügelige Landschaft im Süden des Elsasses im südlichen Bereich des Départements Haut-Rhin bezeichnet. Sie befindet sich heute fast gänzlich auf französischem Staatsgebiet; zum Sundgauer Hügelland zählen jedoch auch die Schweizer Gemeinden Allschwil und Schönenbuch sowie jene des Leimentals und das Bruderholz am südöstlichen Rand, die geografisch wie kulturhistorisch zum Sundgau gehören.

Das Gebiet in seiner geschichtlichen Entwicklung

Im Mittelalter - um die Mitte des 8. Jahrhunderts - wurde das Gebiet des damaligen Elsasses in zwei Gaue eingeteilt, die „Nordgau“ (Nordgowe, „Unterelsass“) und „Südgau“ (Suntgowe, „Sundgau“, „Oberelsass“) genannt wurden. Die Grenze entsprach etwa derjenigen, welche 297 bei der Teilung der römischen Provinz Germania superior in Maxima Sequanorum im Süden und Germania prima im Norden festgelegt wurde – am Landgraben südlich von Schlettstadt.

mini|Ausdehnung des Bistums Basel im 15. Jahrhundert

Bis weit in die Neuzeit grenzte dort auch das Bistum Basel (Kirchenprovinz Besançon) an das Bistum Straßburg (Kirchenprovinz Mainz).siehe z. B. Klaus Malettke: Richelieu: Ein Leben im Dienste des Königs und Frankreichs. Verlag Ferdinand Schöningh, 2018, S. 735

Der Sundgau bzw. das Oberelsass entsprach also etwa dem heutigen Département Haut-Rhin, bis ins 11. Jahrhundert jedoch reichte er im Süden noch über den Jura bis an die Aare. Im Spätmittelalter fand eine Begriffsverengung auf jene Teile statt, die unter habsburgischer Herrschaft standen. Diese reichten im Norden bis zur Thur, im Westen bis über Belfort hinaus, also in traditionell französisches Sprachgebiet.

Die Habsburger wurden im Rahmen des Westfälischen Friedens 1648 gezwungen, den Sundgau an den französischen König abzutreten. Bis zur französischen Revolution gehörte das Oberelsass kirchlich zum Bistum Basel.

In neuester Zeit, nachdem 1871 das Territoire de Belfort vom Département Haut-Rhin getrennt wurde, fand eine weitere Reduzierung auf die Gebiete im südlichen Oberelsass statt.

2021 wurde die Europäische Gebietskörperschaft Elsass ("Collectivité européenne d’Alsace (CeA)") geschaffen. Sie umfasst die beiden Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin, gehört zur Region Grand Est und hat ihren Sitz in Straßburg. Das Logo (Buchstabe A in stilisiert herzförmiger oder Brezel-Umrandung) ist häufig an Ortseinfahrten zu sehen.

Seit 2017 gibt es einen 64 Gemeinden umfassenden Kommunalverband Sundgau, die Communauté de Communes Sundgau. Der Hauptort ist Altkirch.

Geografie

Unter Berücksichtigung geologischer Gesichtspunkte lässt sich der Sundgau ungefähr in ein sechseckiges Gebiet mit folgenden Eckpunkten eingrenzen: Thann im Nordwesten: Hier stößt das von Lösslehm und Vogesenschottern bedeckte Sundgauer Tertiärhügelland an die kristallinen Gesteine der Vogesen (Karbon-Schiefer, Porphyre) Mülhausen im Nordosten: Hier grenzt das lössbedeckte Sundgauer Tertiärhügelland an die Schotterfelder des Oberrheins und des Doller sowie den Schwemmfächer der Thur. Basel im Südosten. Die Ostgrenze des lössbedeckten Sundgauer Tertiärhügellandes bildet der Osthang des Bruderholzes über dem Birstal. Bei Basel erhebt sich das Bruderholz, der schweizerische Sundgau-Ausläufer, über die Schotterterrassen des Rheins. Im Süden grenzt das Bruderholz an die Oberjurakalke der Blauen-Antiklinale und der Landskronkette. (Die zwischen Basel und Mülhausen dem Sundgau vorgelagerte Rheinebene wird oft noch zum Sundgau gerechnet.) Ferrette im Süden: Hier tauchen die Oberjura-(Malm-)Kalke des nördlichsten Faltenjuras unter das Tertiär des Sundgauer Hügellands ab oder sind stellenweise nach N über die jüngeren Schichten überschoben. (Historisch wird der Pfirter Jura noch zum Sundgau gerechnet.) Delle im Südwesten: Hier grenzt das von Lösslehm und Sundgauschottern bedeckte Sundgauer Tertiärhügelland an die nur schwach gefalteten Oberjura-(Malm-)schichten der Ajoie. Belfort im Westen: Unmittelbar östlich Belfort endet das Sundgauer Tertiärhügelland vor den Oberjuraschichten um Belfort. (Historisch erstreckte sich der Sundgau im Südwesten zeitweise bis Montbéliard.)

Das Regionalzentrum ist die Kleinstadt Altkirch. Die Hügellandschaft ist von Landwirtschaft und dörflichen Strukturen geprägt. Der höchste Punkt des Sundgaus befindet sich in der Gemeinde Bettlach auf 525 m.ü.NN.

Das Erscheinungsbild der Sundgaudörfer Die Sundgaudörfer sind typische Haufendörfer des Altsiedellandes mit den dazu gehörenden großen Gemarkungen. Häufig sind sie straßendorfartig oder als Bachzeilendörfer in die Länge gezogen (z. B. die Dörfer im oberen Illtal oder auch das Bachzeilendorf Hirzbach). Bevorzugt ist die Tallage oder die Lage in einer Mulde. Einzelhofsiedlungen sind sehr selten. Der Weiler St. Blaise bei Bettlach entstand um die Mutterkirche von Fislis, Linsdorf und Bettlach. Der Birkenhof bei Ruederbach und der Windenhof bei Willer sind Mennoniten-(Wiedertäufer-) Hofgruppen, von denen es westlich der Rhein-Rhône-Wasserscheide noch weitere gibt.

Abgesehen von den modernen Zuwächsen sind die ländlichen Siedlungen noch immer gut erhaltene, meist recht locker bebaute Fachwerkdörfer. Es gibt Dörfer, bei denen Fachwerkbauten in größerem Umfang fehlen, da sie im Ersten Weltkrieg stark zerstört wurden (z. B. Ammertzwiller, Burnhaupt-le-Bas, Seppois-le-Bas). In den Dörfern des Pfirter Jura und im unmittelbar angrenzenden Randbereich spielt der Fachwerkbau keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Hier dominiert das steinerne Haus.

Die idealtypische Hofanlage besteht aus dem mit dem Giebel zur Straße stehenden Wohnhaus, einer rechtwinklig dazu den Hofraum nach hinten abschließenden (Stall-Tenne-Stall-)Scheune und gelegentlich noch einem kleineren Wirtschaftsgebäude gegenüber dem Wohnhaus. Es gibt aber auch zahlreiche Gehöfte, bei denen Wohnhaus und Stallscheune in einer Achse angeordnet sind. Der Hofraum ist zur Straße hin offen. Die in der Mehrzahl zweistöckigen Wohnhäuser besitzen Satteldächer, fast immer mit einem Krüppelwalm, seltener (oft bei älteren Bauten) einem Halbwalm an der Giebelseite. Verbreitet sind giebelseitige Wetterdächlein („Welschkorndächlein“, da einst auch zum Trocknen des Maises benutzt). Manche Wohnhäuser besitzen an einer der Traufseiten Fachwerk-Lauben und einen Backofenanbau unter einem kleinen Sattel- oder Pultdach. Verbreitet sind stockwerkweise abgezimmerte Häuser (erkennbar an den sichtbaren Balkenköpfen zwischen Erd- und Obergeschoss = Stockwerk- oder Rähmbauweise). Es gibt aber auch zahlreiche Häuser in der älteren Ständerbauweise, die traufwandhohe Wandständer und Langstreben besitzen. Diese Konstruktion war schon im Mittelalter gebräuchlich, war aber im Sundgau auch noch lange nach dem Dreißigjährigen Krieg üblich. Im westlichsten Sundgau tritt an die Stelle des Krüppelwalms oft ein Vollwalmdach. Vor allem im südöstlichen Teil (z. Bsp. in Ranspach-le-Haut) wurde auch auf den Krüppelwalm verzichtet. (Mehr zum Fachwerkbau s. unten bei Sehenswürdigkeiten!)

Die Dorfkirchen sind vielerorts noch vom ummauerten Friedhof umgeben. Einige (z. Bsp. Saint-Cosme, Eschentzwiller oder Knoeringue) haben so den Charakter von Wehrkirchen. Von den mittelalterlichen Kirchen blieb meist nur der Turm unverändert. (Trotz späterer Umbauten gut erhalten die Burnkirche bei Illfurth.) Die alten Türme besitzen das typische Satteldach, markante Eckquader und spitzbogige (gotische) oder kleinere rundbogige (romanische) Schallöffnungen. Oft sind es so genannte Chortürme, deren Erdgeschoss als Chorraum diente. Die romanische Kirche von Feldbach war einst Kloster- und Leutkirche. Zahlreiche Orte besitzen Kirchen aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, manchmal mit beibehaltenem mittelalterlichem Turm, andre besitzen schlichte Sakralbauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit spätklassizistischen Architekturelementen an der Portalfassade (z. B. Spechbach-le-Bas, St. Bernard oder Oltingue). Die Kirchen der Barockzeit sind im Außenbau untypisch schlicht. haben aber mitunter eine beachtenswerte Innenausstattung, so etwa Koestlach und Folgensbourg. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden alte Kirchen durch neuromanische oder neugotische Bauten ersetzt (z. B. von Jean Baptiste Schacre die Kirche in Jettingen, von Charles Winkler in Morschwiller-le-Bas und Pfetterhouse und von J. W. Tugginer in Ballersdorf und Dietwiller).

Von den einstigen, sehr zahlreichen Adelssitzen in den Dörfern sind nur noch wenige vorhanden. Mehr oder weniger gut erhalten sind die von Hirtzbach, Heidwiller, Blotzheim, Hégenheim, Hagenthal-le-Bas und -le-Haut, Durmenach und das Deutschordensschloss in Rixheim. Von den Juraburgen Morimont (Mörsberg), Landskron und Hoh-Pfirt ist nur die letztere ortsbildprägend.

Es sind noch zahlreiche Schulhäuser (einst auch Mairie-École, heute nur noch Mairie) des 19. Jahrhunderts vorhanden, meist aus der Louis-Philippe-Zeit oder dem Second Empire.

Die Sundgauweiher Ein charakteristisches Landschaftselement des westlichen Sundgaus sind die in natürlichen Senken entstandenen Weiher. Meist wurden sie nachträglich durch Dämme weiter aufgestaut oder es wurden auch neue Teiche künstlich angelegt. Sie verdanken ihre Existenz den hohen Niederschlägen in der den regenreichen Westwinden offenen Burgundischen Pforte und dem ausreichend verlehmten Untergrund. Die Zisterziensermönche des Klosters Lützel haben sie nachweislich schon im 12. Jahrhundert als Karpfenteiche benutzt. Für sie waren die Fische eine wichtige Fastenspeise. Im Mittelalter war vielfach der örtliche Adel an der Anlage von Fischweihern interessiert und scheute dabei vor der Enteignung der Bauern nicht zurück. Im Largtal, wo zwei Drittel der Weiher liegen, war im Mittelalter das Augustinerpriorat St. Ulrich wesentlich am Aufstau der Weiher beteiligt. Spärliche Funde lassen vermuten, dass Fischteiche hier bereits in der Römerzeit oder sogar noch früher existierten.

Heute spielen sie in dreifacher Weise eine Rolle: Sie sind für die Biodiversität wertvolle Biotope, die insbesondere auch für Ornithologen von Interesse sind. Der Conseil géneral du Haut Rhin kümmert sich seit 2003 bei Altenach (les étangs Nérac) um die Renaturierung von Weihern. Ein Maison de la Nature bietet dort Informationen, vor allem auch über die Vogelwelt. Des Weiteren dienen die Weiher dem auch vereinsmäßigen Angelsport und nach wie vor der Fischzucht. Produziert wird vorrangig für den lokalen Markt (gastronomische Route des Carpes frites). Schon in früheren Zeiten wurden die Karpfen aber auch bis Colmar und Freiburg lebend verkauft, heute werden sie bis Straßburg, Zürich und Paris versandt. Neben Karpfen werden heute auch Hechte, Schleien und Zander gezüchtet. Ein Fischzuchtbetrieb im Largtal bietet heute daneben auch Forellen, Barsche, Lachse und Welse an.

Im November werden die Teiche abgelassen und die Fische eingesammelt. Zur Teichkultur gehört auch, dass die Weiher alle 5 bis 10 Jahre trockengelegt und eventuell vorübergehend mit (nicht für die Ernte bestimmtem) Hafer bepflanzt werden. Das Trockenlegen beugt Parasitenbefall vor und wirkt einer Eutrophierung entgegen. Andererseits wird auch gedüngt, um das Zooplankton und die Gewässerflora zu fördern.

Der Sundgau gehört wie etwa die Sologne, La Dombes oder die Brenne zu den sieben großen Weiherlandschaften Frankreichs. Über die Anzahl der Weiher gibt es verschiedene Angaben. In der Broschüre des Maison de la nature in Altenach ist von über 1000 die Rede. Ihre Größe variiert zwischen 5 a und 7 ha, sie sind selten tiefer als 5 m. mini|345x345px|Sundgauweiher bei Überstrass

Geologie