Die Münchner Stadtentwässerung (MSE) ist ein Eigenbetrieb der Landeshauptstadt München der die Münchner Kanalisation und Abwasserreinigung Münchens und angeschlossener Umlandgemeinden verantwortet. Ihr Sitz ist im Technischen Rathaus im Stadtbezirk Berg am Laim. Die MSE betreibt zwei Großklärwerke im Münchner Norden mit insgesamt drei Millionen Einwohnerwerten reinigen täglich 560.000 Kubikmeter Abwasser aus Haushalt und Industrie. Seit April 1998 betreibt die MSE eine Klärschlammverbrennungsanlage, die einen Großteil des anfallenden Klärschlammes thermisch verwertet.
Kläranlagen Die Münchner Stadtentwässerung betreibt zwei Kläranlagen, Gut Großlappen und Gut Marienhof. Durch ihre Lage im tief liegenden Münchner Norden fließen die Abwässer durch das Münchner Kanalsystem von Süden aus fast allen Teilen der Stadt ohne Pumpen zu den Kläranlagen.
Gut Großlappen alternativtext=Klärwerk Gut Großlappen|mini|Klärwerk Gut Großlappen Die Großkläranlage Gut Großlappen liegt im Münchner Stadtteil Freimann am Fröttmaninger Berg zwischen der Autobahn München – Nürnberg (A9) und der Freisinger Landstraße. Das Klärwerk hat eine Reinigungsleistung von zwei Millionen Einwohnerwerten (EW). Die gereinigte Jahresabwassermenge betrug 136,4 Millionen Kubikmeter im Jahr 2024.
Gut Großlappen hat drei Reinigungsstufen:
mechanische Reinigung mit Rechenhaus, Sandfängen, Vorklärbecken und Abwasserpumpwerk biologische Reinigung mit zwei Stufen, deren Belebungsbecken mit anaeroben und aeroben Zonen zur biologischen Phosphor- und Stickstoffentfernung ausgestattet sind
Das geklärte Abwasser fließt zum größten Teil durch ein Dükerbauwerk unter der Isar hindurch zum Hauptpumpwerk der E.ON Wasserkraft zwischen Unterföhring und Ismaning. Von diesem wird es in die fünf Meter höher liegenden ehemaligen Fischteiche des Teichguts Birkenhof am Ismaninger Speichersee und zum Teil direkt in den Speichersee gepumpt. Von dort fließt es durch das Kraftwerk Neufinsing in den Mittleren-Isar-Kanal und an dessen Ende schließlich in die Isar.
Die Geschichte von Gut Großlappen Ab 1916 kaufte die Stadt München die zum Gut Großlappen gehörigen Gründe auf und ließ dort 1926 die große städtische Kläranlage errichten. Nach der offiziellen Einführung der Schwemmkanalisation im Jahr 1890 hatte das Kanalnetz noch einen geringen Umfang und die Abwassermenge war entsprechend klein. Doch die Stadt wuchs von Jahr zu Jahr – und mit ihr das Kanalnetz. Die Folge war die immer deutlicher erkennbare Verunreinigung der Isar. 1912 forderte die Regierung von Oberbayern den Bau einer Kläranlage für München mit einem Anschluss von 60 Prozent der Haushalte an das öffentliche Kanalnetz. Daraufhin besichtigten die Stadträte die Abwasserreinigungsanlagen anderer Städte. Im Anschluss an diese Erkundigungen wurde eine Versuchsanlage gebaut und 1915 bereitete die Stadt den Bau einer Kläranlage vor, die bei Großlappen liegen sollte.
Der Erste Weltkrieg machte diese Pläne jedoch zunichte. Als erwogen wurde, das Wasser der Isar zur Stromerzeugung zu nutzen, wurde das Projekt erneut diskutiert und die Umsetzung beschlossen. Mit dem Bau des Oberföhringer Wehrs und der Ableitung des größten Teils des Isarwassers wurden der Bau und die Inbetriebnahme einer mechanischen Kläranlage sowie einer biologischen Fischteichanlage am Speichersee bei Ismaning in Großlappen notwendig. Der Bau dauerte von 1922 bis 1926. Die mechanische Reinigung erfolgte zunächst mithilfe von Grobrechen und dann in zweistöckigen Ausfaulbecken, Emscherbecken genannt, die noch bis 1989 in Betrieb waren. Der entnommene Schlamm wurde mit der so genannten Schlammbahn zu den bis zu zehn Kilometer nördlich der Kläranlage gelegenen Feldern der Garchinger Ödlandgenossenschaft und des städtischen landwirtschaftlichen Gutes Großlappen befördert.
Mit zunehmendem Umweltbewusstsein stiegen die Anforderungen an die Reinigungsleistung des Klärwerks. Der weitere Ausbau des Klärwerks Gut Großlappen war die Folge. Die Fertigstellung eines zweiten Zulaufs mit den dazugehörigen mechanischen Reinigungsanlagen im Jahr 1960 sowie die Vollendung der biologischen Reinigungsstufe im Jahr 1973 waren die vorgenommenen Schritte zum Ziel, die Isar sauberer zu halten. 1994 ging die zweite biologische Reinigungsstufe, die der Stickstoffentfernung dient, in Betrieb. Der räumliche Ausbau stieß aber bald an seine Grenzen, denn auch die Umgebung des Klärwerksgeländes wurde im Lauf der Jahrzehnte durch Ansiedlungen, Straßen und den Müllberg im Norden immer dichter. Neubaumaßnahmen konnten deshalb oft nur an der Stelle von zuvor demontierten Anlagen errichtet werden. Die Lösung dieser Probleme war der Bau eines zweiten Klärwerks in den 1980er Jahren.
Gut Marienhof Klärwerk Gut Marienhof ist seit 1989 in Eching-Dietersheim in Betrieb. Es hat eine Reinigungskapazität von einer Million Einwohnerwerten (EW). Die gereinigte Jahresabwassermenge betrug 81,3 Millionen Kubikmeter im Jahr 2024.
Geschichte Die ersten Pläne für ein zweites Klärwerk entstanden bereits im Jahr 1940, kamen aber nicht zur Umsetzung, da der Zweite Weltkrieg und die anschließende Nachkriegszeit andere Prioritäten setzten. Doch mit weiterem Wachstum der Stadt wuchs auch die Menge des Abwassers. Mit den zu Beginn der 1970er Jahre wachsenden allgemeinen Umweltbewusstseins wurden auch die gesetzlichen Anforderungen zur Abwasserklärung verschärft. Schließlich stand 1972 das Projekt einer zweiten Kläranlage wieder im Fokus. Ein Raumordnungsverfahren in den Jahren 1972 bis 1974 brachte die Entscheidung über den künfigten Standort. Dieser liegt etwa zehn Kilometer nördlich der Stadtgrenze flussabwärts auf dem Gebiet der Gemeinde Eching im Ortsteil Dietersheim und hat den Vorteil, Abwässer aus dem Norden und Nordwesten Münchens in freiem Gefälle zum künftigen Klärwerk leiten zu können. Nachdem der Standort beschlossen war, wurden in einem Bebauungsplan und einem Wasserrechtsverfahren die städtebaulich-gestalterischen wie auch die technischen, auf die Reinigungsleistung bezogenen Anforderungen an das Klärwerk konkretisiert. Im Jahr 1989 schließlich – 17 Jahre nach der Wiederaufnahme des Projekts – war die Anlage Gut Marienhof fertiggestellt und konnte in Betrieb gehen.
Ultraviolett-Technologie in Gut Marienhof alternativtext=Die Ultraviolett-Anlage in Klärwerk Gut Marienhof|mini|Die Ultraviolett-Anlage in Klärwerk Gut Marienhof Zusätzlich zu den drei Reinigungsstufen hat Gut Marienhof eine Ultraviolett-Anlage, die eine Reinigungsleistung von 99 Prozent ermöglicht. Bereits 1994 liefen erfolgreich Versuche der Münchner Stadtentwässerung in halbtechnischem Maßstab, Ultraviolettlicht zur Desinfektion des Abwassers einzusetzen.
Um dem Wasser der Isar wieder Badegewässerqualität zu geben, setzten sich Münchens Bürgermeister Hep Monatzeder und die Münchner Stadtentwässerung gemeinsam mit anderen Isargemeinden und Fachbehörden seit 1998 ein. Nach einigen Beratungen beschlossen die Bürgermeister von München gemeinsam mit weiteren Isargemeinden, die mikrobiologisch hygienische Wasserqualität der Kläranlagenabläufe durch den Bau von Abwasserdesinfektionsanlagen zu verbessern. Im Mai 1999 beschloss der Münchner Stadtrat die Planung einer Abwasserdesinfektionsanlage. Die Realisierung des Projekts wurde davon abhängig gemacht, inwieweit die anderen Isargemeinden ebenfalls bereit waren, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Vier Jahre später einigten sich auch die Betreiber der im Norden Münchens gelegenen Klärwerke in Garching, Ismaning, Grüneck und Freising, Abwasserdesinfektionsanlagen zu errichten. Die Landeshauptstadt München fasste den endgültigen Beschluss zum Bau einer Desinfektionsanlage im Klärwerk Gut Marienhof im Juni 2003. Die Einweihung der Anlage erfolgte im August 2005. Betrieben wird die Desinfektionsanlage während der Badesaison im Sommerhalbjahr vom 15. April bis 30. September zeitgleich mit denen der anderen Isargemeinden. Das Bayerische Umweltministerium förderte das Projekt mit einer Million Euro.
Klärschlammverbrennungsanlage (KVA)
Zur Entsorgung der jährlich anfallenden 1,2 Millionen Tonnen Klärschlamm betreibt die MSE seit 1998 auf dem Klärwerk Gut Großlappen eine eigene Mono-Klärschlammverbrennungsanlage. Im Klärwerksverbund werden dort bisher rund 70 Prozent des Schlamms thermisch verwertet. Die restlichen 30 Prozent werden im Müllblock des Heizkraftwerk Nord verbrannt.
Durch die Novellierung der Klärschlammverordnung (AbfKlärV) ist die Ausbringung von Klärschlamm auf Felder zum Schutz der Böden und Gewässer für Großkläranlagen ab 2029 nicht mehr erlaubt. Daher entfällt ab 1. Januar 2029 die Möglichkeit zur Mitverbrennung von rund einem Drittel des Münchner Klärschlamms im Heizkraftwerk Nord. Auch altersbedingt steigt der Instandhaltungsbedarf der bestehenden KVA. Diese wird 2028 nach 30 Jahren Betrieb das Ende ihrer vorgesehenen Nutzungsdauer erreichen.
Mögliche Sanierungsvarianten wurden untersucht und Strategien für die künftige Entsorgung entwickelt. Als wirtschaftlichste und den Anspruch an die Nachhaltigkeit erfüllende Lösung hat sich – auch vor dem Hintergrund der Novellierung der Klärschlammverordnung – der Neubau einer Mono-Klärschlammverbrennungsanlage, also einer Anlage, in der ausschließlich Klärschlamm verbrannt wird, für den gesamten Schlamm beider Klärwerke ergeben.
Kanalisation siehe Münchner Kanalisation
Regenrückhalteanlagen alternativtext=Das Regenrückhaltebecken unter dem Hirschgarten|mini|Das Regenrückhaltebecken unter dem Hirschgarten Kanalnetze und Kläranlagen können nicht so groß dimensioniert werden, dass auch die Wassermengen von Extremniederschlägen, beispielsweise von starken Gewitterregen, vollständig abgeleitet und behandelt werden könnten. Deshalb sind bei starken Niederschlägen sogenannte Mischwasserentlastungen in die Isar und ihre Nebengewässer sowohl technisch erforderlich wie rechtlich zulässig. Um große Wassermengen zwischenzuspeichern, betreibt die Münchner Stadtentwässerung innerhalb des Münchner Kanalnetzes Rückhalteeinrichtungen mit einem Gesamtvolumen von 703.000 m³.
Regenüberlaufbecken
Leinthaler Brücke, 44.000 m³ Schenkendorfstraße, 20.000 m³ Gyßlingstraße, 60.000 m³ Vorfeld Großlappen, 60.000 m³
Regenrückhaltebecken
Oberwiesenfeld, 80.000 m³ Bertha-von-Suttner-Weg, 10.000 m³ Albert-Schweitzer-Straße, 4.000 m³ Hirschgarten, 90.000 m³
Regenrückhaltekanal
Becker-Gundahl-Straße, 2.000 m³ Verbindungskanal, 80.000 m³ Thalkirchner Straße, 10.000 m³ Notumlauf Klärwerk Gut Marienhof, 8.000 m³ Nordwest-Sammler Abschnitt I, 200.000 m³ Nordwest-Sammler Abschnitt II, 35.000 m³
Großprojekte
Neubau Klärschlammverbrennungsanlage auf Gut Großlappen Die Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) auf dem Klärwerk Gut Großlappen ist seit 1998 in Betrieb und verwertet circa zwei Drittel des ausgefaulten Klärschlamms beider Klärwerke thermisch. In den vergangenen Jahren kam es vermehrt zu Revisionen und Störungen. In einem aufwändigen Anlagencheck wurden daher die Sanierungsvarianten für die bestehende KVA ausgiebig beleuchtet. Auch vor dem Hintergrund der künftig rechtlich vorgegebenen Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor wurden in einem Klärschlammbehandlungskonzept Strategien für die zukünftige Klärschlammentsorgung entwickelt. Als wirtschaftlichste Lösung wurde der zügig zu erstellende Neubau einer KVA für den gesamten Schlamm beider Klärwerke vorgeschlagen.