Mohsen Namjoo oder Mohsen NamdschuVgl. etwa www.n-tv.de. (; * 4. März 1976 in Torbat-e Dscham) ist ein iranischer Sänger und Songwriter, Autor, Musiker und Setarspieler. mini|Mohsen Namjoo, 2013

Biografie Mohsen Namjoo wurde 1976 in Torbat-e Dscham, einer kleinen Stadt im Nordosten Irans, geboren und wuchs in einer traditionellen Familie in der Stadt Maschhad auf. Namjoos Leidenschaft für Musik und Literatur entstand schon in der frühsten Kindheit. Er mochte es sehr, den Koran in der Schule zu besingen, war schon früh künstlerisch aktiv und beteiligte sich schon als Kind an diversen Vorführungen. Nach dem Tod seines Vaters – Namjoo war 12 Jahre alt – entschieden sich seine Mutter und sein älterer Bruder dazu, ihn auf eine Musikschule zu schicken. Dort wurde er von Nasrollah Nassehpoor ausgebildet. Entgegen den Wünschen seiner Familie entschied er sich dazu, Berufsmusiker zu werden, und zog nach Teheran, um Musik an der Universität von Teheran zu studieren. Um die Aufnahmeprüfung dort zu bestehen, musste er ein Instrument erlernen. Aufgrund seiner schlechten finanziellen Situation reichte es hierbei nur zu einer Setar.

Im Jahre 1994 wurde er an der Universität von Teheran zugelassen und nahm sein Studium mit den Schwerpunkten Theater und Musik auf. In den Veranstaltungen der Theaterwissenschaften eignete er sich Wissen um das klassische Drama an und wendete dieses in seinen Ideen und Liedern an. Als 1995 sein Musikstudium erst begann, merkte er sehr schnell, dass Musikwissenschaften nicht das waren, was er sich darunter vorgestellt hatte. Er war sehr unzufrieden mit dem klassischen Lehrsystem der Universität. Nachdem er sich mit klassisch-traditioneller iranischer Musik beschäftigt hatte, wollte er experimentieren. Er versuchte, diese mit moderneren Stilrichtungen zu mischen. Seine Ideen wurden von verschiedenen Stellen nicht akzeptiert und bereiteten ihm oftmals Schwierigkeiten.

Aufgrund seiner ungewöhnlichen Ideen, seiner Art des Gesanges und seiner Anwendung der iranischen Musik wurde er im dritten Jahr der Universität verwiesen. Danach hatte er drei Konzerte in Teheran. Seit dem Jahre 2000 wurde Rock- und Jazzmusik für ihn wichtiger und er versuchte – ähnlich wie bei Fusion – diese beiden Musikrichtungen mit traditioneller iranischer Musik zu mischen. Die Resultate dieser Experimente waren zum Teil nur Etüden und wurden mit sehr schlechter Technik aufgenommen. Einige dieser Aufnahmen wurden im ganzen Land kopiert und von vielen Menschen dort gehört. Im Jahre 2006 fand eine Serie von Privatkonzerten statt und er wurde ausgewählt, beim Internationalen Filmfestival in Rotterdam zum Thema „Hotspot Teheran“ aufzutreten. Das Konzert war ein großer Erfolg für ihn und Auszüge mit einem Interview wurden sogar im niederländischen Radio übertragen. Über die Grenzen des Iran hinaus wurde Mohsen Namjoo vor allem durch den Dokumentarfilm Sounds of Silence bekannt. In dem Film von Amir Hamz und Mark Lazarz wurde die Underground-Musikszene Teherans porträtiert, zudem sind auch weitere iranische Musik-Pioniere wie O-Hum, Hich-Kas oder Emad Bonakdar dort zu sehen.

Im Juli 2009 wurde er zu fünf Jahren Haft wegen Verunglimpfung des Korans verurteilt und lebt seit 2008 im Exil.

Seit 2020 wurde Namjoo in sozialen Medien sexueller Übergriffe beschuldigt, auch im Verlauf der MeToo-Debatte im Iran,Yasamin Rezai, Mehdy Sedaghat Payam: Twitter Data Analysis on #MeTooIran. In: Claudia Yaghoobi (Hrsg.): The #MeToo Movement in Iran: Reporting Sexual Violence and Harassment. Bloomsbury Publishing, London 2023, S. 71–88, hier S. 75 jedoch nie strafrechtlich verfolgt oder verurteilt. Er und seine Anwältin Alalah Kamran weisen alle Vorwürfe als falsch zurück und verfolgen Verleumdungsklagen.

Ausbildung 1988 bis 1993: Unterricht im traditionellen persischen Gesang unter Nasrollah Nassehpoor 1994 bis 1997: Universität von Teheran

Diskografie Alben 2005: Damavand 2006: Jabr 2006: Gis 2007: Toranj 2008: Jabr-e Joghrafiyai 2009: Oy 2011: Useless Kisses 2014: Trust The Tangerine Peel 2016: Personal Cipher 2018: On the String of the Tear's Bow 2019: Phantasm (mit Ehsan Matoori) 2020: Motantan 2022: Odd Time Rock 2023: Restless 2024: Oula

Live-Alben 2011: Alaki 2012: 13/8 2017: Voices From The East 2017: Axis of Solitude 2020: Symphonic Odyssey

EPs 2021: Ba Sad Hezar

Singles (Auswahl) 2005: Nobahari 2005: Ey Sareban 2007: Zolf (mit Shahryar Masrour) 2007: Toranj (mit Mud Band & Omid Nikbin) 2008: Shirin 2011: Yaare Jaani 2014: Man Mast 2014: Baroon 2016: Farda Soraghe Man Bia (mit Ali Azimi) 2020: Che Bashad

Weblinks

Nazila Fathi: Iran's Dylan on the lute with songs of sly protest. In: The New York Times, 1. September 2007. Der Erneuerer. Der iranische Singer-Songwriter Mohsen Namjoo. Quantara, 27. November 2012

Einzelnachweise

Kategorie:Musiker (Iran) Kategorie:Setarspieler Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Iranische Diaspora Kategorie:Iraner Kategorie:Geboren 1976 Kategorie:Mann