Profit (Aussprache: []) ist im deutschsprachigen Raum ein politisches Schlagwort, mit dem – meist abwertend – der Gewinn als Überschuss des Ertrags über den Aufwand bezeichnet wird.
Etymologie Seinen Ursprung hat das Wort in der Bedeutung „vorwärtskommen, gewinnen, bewirken“ (), was sich aus („für, voran, voraus“) und („tun, machen“) zusammensetzt,Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 392; ISBN 3-426-26074-3 wobei für „Fortgang, Zunahme, Vorteil“ steht.
In der deutschen Sprache ist das Wort überwiegend negativ konnotiert („Profitgier“ für „überzogenes Gewinnstreben“, „Profiteur“ für „Nutznießer aus einer Situation“). Eher neutral sind Worte wie „profitabel“ („gewinnbringend“) und „Profitabilität“ („Rentabilität“). Bei Anglizismen wie Profitcenter oder Non-Profit-Organisation ist das Wort nicht negativ konnotiert. Im Deutschen wird der Begriff vor allem in der Umgangssprache benutzt, in anderen Sprachen auch als Fachbegriff der Wirtschaftswissenschaft. Im englischsprachigen Raum dagegen steht ausschließlich neutral für den Gewinn; so heißt die Gewinn- und Verlustrechnung dort .
Seine heutige negative Konnotation im deutschsprachigen Raum ist auf die Kapitalismuskritik von Karl Marx zurückzuführen, der den Profit des Unternehmers als das Ergebnis der Ausbeutung der Arbeiter ansah.
Begriffsgeschichte Im englischsprachigen Raum gibt es nach dem Webster’s Dictionary den aus dem französischen stammenden Begriff, der auf die lateinischen Wörtern profectus und proficere zurückgehe, seit dem 14. Jahrhundert.profit. In: Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary. 2023. Merriam-Webster.com; abgerufen am 28. Februar 2023 (englisch). Erich Fromm wies 1976 darauf hin, dass "Profit … in der Bibel und auch noch bei Spinoza, 'Gewinn für die Seele' bedeutete".Erich Fromm: Haben oder Sein. dtv, Stuttgart 1976. Das Grammatisch-kritische Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von 1798 führte den Begriff Profit dagegen auf den lateinischen Begriff Proficuum zurück, und definiert Profit als „der Gewinn, besonders der zufällige Gewinn. Profit bey einer Sache haben, Gewinn. Dabey ist kein Profit, kein Nutzen, kein Gewinn. Das Profitchen, ein kleiner Gewinn, im gemeinen Leben, wo man auch das Zeitwort profitiren hat, Gewinn bey einer Sache haben, und in weiterer Bedeutung, Nutzen von etwas haben.“ Das Pierer’s Universal-Lexikon von 1861 definiert Profit als „Gewinn, Vortheil …“ Ähnlich das Große Meyers Konversations-Lexikon von 1908: „Vorteil, Gewinn; profitieren, Vorteil ziehen; profitabel, vorteilhaft“; wie auch das Kleine Konversations-Lexikon von Brockhaus 1911: „Gewinn, Vorteil; profitieren, Nutzen haben; profitābel, gewinnbringend.“ Die Etymologie geht heute davon aus, dass das Fremdwort auf „vorwärts kommen, gewinnen, bewirken“ () beruht.Ursula Hermann: Knaurs etymologisches Lexikon. 1983, S. 392.
Der Begriff wurde in der Politischen Ökonomie verwendet und findet sich schon bei James SteuartSir James Steuart: Unterscheidung zwischen dem „profit upon alienation“ und der positiven Vermehrung des Reichtums. Karl Marx: Theorien über den Mehrwert. MEW 26.1, S. 7 ff. David Ricardo: Wert, Rente, Lohn und Profit. 1946. oder Adam Smith. Der englische und französische Begriff profit entspricht dem deutschen Gewinn. Über denglische Wortbildungen hat er auch Eingang in Schlagworte wie „Profitcenter“Andreas Kreuter, Verrechnungspreise in Profit-Center-Organisationen, 2., aktualisierte Auflage 1999. oder „Non-Profit-Organisation“ gefunden. Ebenso wurde er in Buchtiteln wie „Profit für alle“ (Norbert Bolz) mit neutraler Konnotation ins Deutsche importiert. Laut Duden wird in der deutschen Sprache der Ausdruck oft abwertend verwendet.Wörterbuch zum richtigen Fremdwortgebrauch. Dudenverlag, 2003 Im Sprachgebrauch der Deutschen Demokratischen Republik wurde ab den 1960er Jahren das Wort „Profit“ dem Wort „Gewinn“ gegenübergestellt. Profit wurde dabei mit der Konnotation „geldgierig“, „kapitalistisch“ verwendet – eine derartige Unterscheidung zwischen Profit und Gewinn findet sich hingegen bei Marx nicht.Colin Good: Sprache im totalitären Staat - Der Fall DDR. In: Ruth Reiher (Hrsg.): Sprache im Konflikt: Zur Rolle der Sprache in sozialen, politischen und militärischen Auseinandersetzungen. Verlag Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-013958-8, S. 269 (Sprache, Politik, Öffentlichkeit, Band 5).Differenzierungstendenzen zwischen der ehemaligen DDR und BRD. In: Ein internationales Handbuch zur Natur und Struktur von Wörtern und Wortschätzen. Band 21. Verlag Walter de Gruyter, 2005, ISBN 3-11-017147-3, S. 1206. Ebenso wird der Begriff in der Kapitalismuskritik in Form einer maßlos überhöhten Bedeutung bzw. als Motiv für Ausbeutung und Raubbau mit negativem Wertakzent belegt.als Beispiel: Noam Chomsky: Profit over people. 5. Auflage. 2001.
Frühe politische Ökonomie (1662–1776) Die Physiokraten kannten Mehrwert nur als Mehrprodukt in Naturalform, nämlich als die Lebensmittel, die der Landarbeiter über das zu seiner eigenen Existenzsicherung erforderliche Maß hinaus produziert.Karl Marx: Theorien über den Mehrwert. MEW 26.1. S. 14. Die Physiokraten gingen also von der Annahme aus, dass Arbeit in der Landwirtschaft die Basis des nationalen Reichtums bildet, und andere Gewerbe den landwirtschaftlichen Reichtum nur umformen und in ihrem Umfang abhängig davon sind. Der Profit des Kapitalisten war für die Physiokraten lediglich eine Art Unternehmerlohn, im Grunde eine Abzweigung aus dem in der Landwirtschaft hergestellten Überschuss.Karl Marx: Theorien über den Mehrwert. MEW 26.1. S. 17.
Für Ronald L. MeekRonald L. Meek: Ökonomie und Ideologie. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1973, S. 31–35. war die Entwicklung einer Profittheorie wie sie bei den Klassikern Smith und Ricardo zu finden ist, mit einigen Problemen verbunden, die mit der noch keimhaften Entwicklung des entstehenden Kapitalismus verbunden waren. Die ersten Theoretiker hätten Probleme gehabt den Kapitalprofit als eine eigenständige Einkommensquelle von der Rente, dem Zins und dem Lohn zu unterscheiden, sofern sie den Profit nicht einfach als „Veräußerungsprofit“ fassten, der durch billigen Kauf und teuren Verkauf zustande kam.
Veräußerungsprofit James Steuart würde beispielsweise in seiner politischen Ökonomie dazu tendieren, den Begriff Profit als bloßes Synonym für Gewinn zu begreifen.Ronald L. Meek: Ökonomie und Ideologie. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1973, S. 16. Der Preis eines Gutes setzt sich für ihn aus dem „wirklichen Wert“ und dem „Veräußerungsprofit“ zusammen. Der wirkliche Wert bzw. Herstellungspreis wäre bestimmt durch die Arbeit die für die Ware aufgewendet werden muss, den Wert zur Erhaltung der Arbeitskraft und den Materialwert. Die Differenz zwischen Herstellungspreis und Verkaufspreis wäre der Veräußerungsprofit.Ronald L. Meek: Ökonomie und Ideologie. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1973, S. 17. Durch die Konkurrenz werde der Profit auf ein „vernünftiges“ oder „geeignetes“ Maß reduziert. Bei einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage eines Gutes „findet man die Preise in einem adäquaten Verhältnis zu den wirklichen Ausgaben, die zur Herstellung erforderlich waren, einschließlich eines kleinen Zuwachses an Profit für den Hersteller und Händler.“James Steuart: Political Oeconomy. Band 1. S. 199; zitiert nach: Ronald L. Meek: Ökonomie und Ideologie. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1973, S. 18.
Vermengung des Profits mit den Einkommensquellen Rente, Zins und Lohn Im wirklichen Produktionsprozess des Frühkapitalismus waren die Einkommensquellen oft noch kombiniert und nicht in reiner Form vorzufinden, der Grundbesitzer war auch Unternehmer; der zum Unternehmer werdende Handwerksmeister leitete weiter den Produktionsprozess usw.
Mit der Pacht entstand die Differenzierung zwischen der Klasse der Grundbesitzer und der Pächter. Während der Grundbesitzer (Landlord) für das Zur-Verfügung-Stellen seines Landes eine Rente kassierte, betrachtete der unternehmerische Pächter sein Reineinkommen als Profit, den er auf sein vorgeschossenes Kapital für Löhne, Saatgut, Vieh, Werkzeuge und andere Hilfsmittel bezog.
Die Unterscheidung zwischen Profit und Zins wurde erst mit dem Aufkommen einer Klasse von Händlern schlagend, durch die die qualitative Differenz zwischen aktiver und passiver Anlage des Geldkapitals immer deutlicher wurde.
Unternehmer die sich aus dem Kreis der unmittelbaren Produzenten heraushoben, hatten ihren Profit dagegen oftmals als einen höheren Lohn für ihre größeren Anstrengungen oder ihre größere Verantwortung begriffen, die sie in gehobener Position leisteten. Selbst wenn sie sich letztlich vom unmittelbaren Produktionsprozess zurückzogen und nur noch Aufsichtpositionen übernahmen, so begriffen sie weiterhin ihren Profit als einen „Lohn für die Oberaufsicht“.
Übergang zur klassischen politischen Ökonomie Erst ab einer gewissen historischen Entwicklung des Kapitalismus bildeten sich neue, eigenständige und klar voneinander unterscheidbare gesellschaftliche Gruppen im Produktionsprozess heraus, die von ebenso klar unterscheidbaren Einkommensformen mit eigenen Gesetzmäßigkeiten lebten, und von Adam Smith für Meek mit großer historischer Voraussicht in das System der politischen Ökonomie eingearbeitet wurden:
Klassische politische Ökonomie
Adam Smith Adam Smith unterschied erstmals wirkmächtig die Einkommensquellen Kapitalprofit, Lohnarbeit und Grundrente qualitativ voneinander. Der Kapitalprofit war für ihn ein Einkommen, wie Meek schreibt, „das allein an den Gebrauch von Kapital zur Beschäftigung von Lohnarbeit gebunden war“; die Kapitalbesitzer waren für Smith die führende ökonomische Klasse und die Triebfeder des Wirtschaftens.Ronald L. Meek: Ökonomie und Ideologie. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1973, S. 31. Für ihn stellt der Profit das Einkommen einer bestimmten Klasse dar. Der Wohlstand der Nationen wäre durch das jährliche Produkt bestimmt, welches Boden und Arbeit einer Nation hervorbringen. Der Wert dieses jährlichen gesellschaftlichen Produkts lässt sich zurückführen auf die geleistete Arbeit, spaltet sich jedoch in die den gesellschaftlichen Gruppen entsprechenden Einkommens-Formen:“Labour measures the value, not only of that part of price which resolves itself into labour, but of that which resolves itself into rent, and of that which resolves itself into profit.” Adam Smith: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations. Book 1. 1776, Chapter 6. Grundrente, Arbeitslohn und Kapitalprofit.
Den Einkommensquellen entsprechen die drei großen gesellschaftlichen Gruppen oder Klassen, die eine zivilisierte Gesellschaft konstituieren: Grundbesitzer (Landlords), Lohnarbeiter und Unternehmer – zu letzteren gehören auch die Pächter von Land (Landwirte).“The whole annual produce of the land and labour of every country, or, what comes to the same thing, the whole price of that annual produce, naturally divides itself, it has already been observed, into three parts; the rent of land, the wages of labour, and the profits of stock; and constitutes a revenue to three different orders of people; to those who live by rent, to those who live by wages, and to those who live by profit. These are the three great, original, and constituent, orders of every civilized society, from whose revenue that of every other order is ultimately derived.” Adam Smith: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations. Book 1. 1776, Chapter 11.