Pro Asyl (Eigenschreibung in Majuskeln PRO ASYL) ist ein Verein mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Menschenrechtsorganisation setzt sich insbesondere für den Schutz und die Rechte von asylsuchenden Menschen in Deutschland und Europa ein. Pro Asyl besteht aus drei Körperschaften: der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl (BAG Pro Asyl, gegründet 1986), dem Förderverein Pro Asyl e. V. (gegründet 1987) und der Stiftung Pro Asyl (gegründet 2002). Neben dem Hauptsitz in Frankfurt unterhält Pro Asyl ein Büro in Berlin. 2026 feiert die Organisation ihr 40-jähriges Bestehen.

In der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl sind Mitarbeitende landesweiter Flüchtlingsräte, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen sowie Einzelmitglieder vertreten.Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl

Die Tätigkeiten des Fördervereins Pro Asyl ergeben sich vielfach aus thematischen Schwerpunktsetzungen und Anstößen der BAG Pro Asyl. Neben Öffentlichkeitsarbeit, rechtspolitischen Analysen, Recherchen und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen sowie der Unterstützung bundesweiter Initiativgruppen berät der Förderverein Flüchtlinge in ihren Asylverfahren und begleitet Einzelklagen Geflüchteter vor deutschen und europäischen Gerichten. Überdies ist der Verein europaweit vernetzt und unterhält Partnerschaften mit anderen Organisationen, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzen. 2017 war Pro Asyl wesentlich an der Gründung der griechischen Menschenrechtsorganisation Refugee Support Aegean (RSA) beteiligt. Ende 2025 waren rund 25.000 Menschen Mitglied des gemeinnützigen Vereins, der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

Zu den Aufgaben der Stiftung Pro Asyl gehören die langfristige Absicherung der Arbeit des Fördervereins sowie die Umsetzung wichtiger Kooperationsprojekte im In- und Ausland.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft und der Förderverein sind eingetragen im Lobbyregister des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung und nehmen mit zusammen neun Mitarbeitern die Interessenvertretung bei politischen Entscheidungen wahr.

Geschichte Die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl wurde am 8. September 1986 in Frankfurt am Main von Mitarbeitenden und Engagierten aus bereits aktiven Flüchtlingsräten, aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen zum Schutz verfolgter Menschen gegründet.Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl, abgerufen am 28. Oktober 2020.Jürgen Micksch: Wandel durch Kontakte, Darmstadt 2021, Seiten 35–41. Ziel war, in der Asyldebatte eine Stimme für die Rechte von Flüchtlingen in Deutschland zu etablieren. Beteiligt an der Gründung waren unter anderen Jürgen Micksch, Herbert Leuninger sowie Günter Burkhardt. Im selben Jahr fand der erste bundesweite "Tag des Flüchtlings" (nicht zu verwechseln mit dem Weltflüchtlingstag) statt.

Im Jahr Dezember 1987 wurde der Förderverein Pro Asyl e. V. gegründet. Er realisiert die Einzelfall- und Rechtshilfe sowie Projekte, Kampagnen, Dokumentationen und Recherchen. Daneben stellt der Verein die unabhängige Arbeit von Pro Asyl sicher. 1998 wurde der Verein mit dem Bonhoeffer-Preis und 2001 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Zudem erhielt Pro Asyl im Jahr 2001 als Mitherausgeber des Grundrechte-Reports zusammen mit anderen Bürger- und Menschenrechtsorganisationen die Theodor-Heuss-Medaille. Im Jahr 2010 erhielt der Verein den Göttinger Friedenspreis. Gewürdigt wurde die Kampagne Stoppt das Sterben, mit der der Verein darauf aufmerksam machte, dass jedes Jahr viele Flüchtlinge bei dem Versuch, Europa zu erreichen, sterben. Die Organisation wurde 2011 mit dem Sonderpreis zum Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis „für ihr Engagement zum Schutz verfolgter Menschen in Deutschland und Europa, auch hier im Hinblick auf die Flüchtlingsströme aus Nordafrika nach Europa“ ausgezeichnet.

2002 wurde die Stiftung Pro Asyl gegründet. Ihr Ziel ist die Finanzierung der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit auf lange Sicht. Die Stiftung realisiert mittel- und langfristige Projekte in der Flüchtlingsarbeit – von der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in Griechenland oder Ungarn bis zur Unterstützung von Stipendien für Flüchtlingskinder. Mit der jährlich verliehenen Pro Asyl-Hand fördert und ehrt die Stiftung seit 2006 Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen einsetzen.

Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl (BAG Pro Asyl) Die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl ist ein Zusammenschluss von Mitarbeitenden aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen und landesweiten Flüchtlingsräten. Sie verbindet die Überzeugung, dass es die Pflicht einer demokratischen und humanen Gesellschaft ist, Flüchtlinge und verfolgte Menschen zu schützen. Sie wurde 1986 gegründet.Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl, abgerufen am 18. September 2023

Vorstand Dem ehrenamtlichen Vorstand der BAG Pro Asyl gehören an (Stand August 2026): Vorsitzende Halima Gutale (Referentin bei der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus), stellv. Vorsitzender Tim W. Kliebe (Rechtsanwalt in Frankfurt am Main), Schatzmeisterin Sükran Budak (Gewerkschaftssekretärin bei IG Metall), Katharina Grote (Bayerischer Flüchtlingsrat), Günter Burkhardt (Mitbegründer von Pro Asyl), Sonkeng Tegouffo (Flüchtlingsrat Brandenburg) und Anna Frölich (Rechtsanwältin in München).

Förderverein Pro Asyl e. V. Der Förderverein finanziert die Arbeit von Pro Asyl. Er realisiert die Einzelfall- und Rechtshilfe sowie Projekte, Dokumentationen und Recherchen. Er organisiert Advocacy-Arbeit, politische Kampagnen, die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit nationalen und internationalen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen. Die Geschäftsführung liegt bei Karl Kopp und Helen Rezene.

Vorstand Dem ehrenamtlichen Vorstand des Fördervereins Pro Asyl gehören an (Stand August 2026): Vorsitzende Dr. Beate Wagner (Geschäftsführerin der Global Young Academy mit Sitz an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle), Schatzmeister Tim W. Kliebe (Rechtsanwalt in Frankfurt am Main), Dr. Fessum Ghirmazion (Politischer Sekretär beim Vorstand der IG Metall im Ressort Migration und Teilhabe), Doris Peschke. Dr. Jürgen Micksch ist als Mitbegründer der Bundesarbeitsgemeinschaft Ehrenvorsitzender des Fördervereins.

Finanzierung Der gemeinnützige Verein ist unabhängig von staatlichen Zuschüssen und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Stiftung Pro Asyl Im Jahr 2002 wurde die gemeinnützige Stiftung Pro Asyl gegründet. Ziel der Stiftung Pro Asyl ist die Finanzierung der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit auf lange Sicht. Die Stiftung realisiert mittel- und langfristige Projekte in der Flüchtlingsarbeit. Sie dokumentiert zum Beispiel Menschenrechtsverletzungen in Griechenland oder Ungarn, engagiert sich mit der griechischen Partner-Organisation von Pro Asyl, Refugee Support AegeanUnser Projekt in Griechenland, abgerufen am 28. Oktober 2020, in Griechenland und förderte ein Stipendienprogramm.

Vorstand Günter Burkhardt, Karl Kopp und Helen Rezene bilden den Vorstand der Stiftung (Stand August 2026). Den Stiftungsrat bilden Halima Gutale (Vorsitzende), Andreas Lipsch, Hubert Heinhold, Beate Wagner und Doris Peschke.

Menschenrechtspreis "PRO ASYL-Hand" Die Stiftung Pro Asyl verleiht jährlich ihren Menschenrechtspreis, die PRO ASYL-Hand. Damit werden Menschen und Initiativen für ihr besonderes Engagement für Geflüchtete an den europäischen Außengrenzen ausgezeichnet. Erstmals wurde der Preis im Jahr 2006 anlässlich des 20. Jahrestags der Vereinsgründung verliehen.

2006 ging er an Stefan Schmidt, Kapitän der Cap Anamur, der im Jahr 2004 Flüchtlinge in Seenot aufnahm und dafür von den italienischen Behörden vor Gericht gestellt wurde, und an Ferenc Kőszeg, der sich seit vielen Jahren in Ungarn, Polen und der Ukraine für Menschen- und Flüchtlingsrechte engagiert.

Im Jahr 2007 wurde der Menschenrechtspreis an José Palazón Osma und Maite Echarte Mellado von der Kinderrechtsorganisation PRODEIN für ihren Einsatz für Flüchtlingskinder in der spanischen Exklave Melilla verliehen.

2008 hat die Stiftung ihren Menschenrechtspreis an die Athener Rechtsanwältin Marianna Tzeferakou verliehen. Sie wurde auch stellvertretend für die Group of Lawyers (Griechische Anwaltsvereinigung für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten) sowie die Solidaritätsgruppen auf Chios, Samos und Lesbos für ihren Einsatz für Migranten an der europäischen Außengrenze sowie den griechischen Haftlagern ausgezeichnet.

2009 wurde der Preis an Nissrin Ali und Felleke Bahiru Kum verliehen. Die selbst zum Leben in Gemeinschaftsunterkünften gezwungenen Flüchtlinge setzten sich für die Achtung der Menschenwürde von Flüchtlingen und die Abschaffung des Wohnens in Gemeinschaftsunterkünften ein und stießen damit eine viel beachtete politische Debatte in Bayern an.

Im Jahr 2010 wurde der italienische Journalist Gabriele Del Grande, der seit Jahren Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen Europas dokumentiert, mit dem Preis geehrt.

2011 wurde Julia Kümmel der Preis verliehen. 2003 hatte sie am Frankfurter Flughafen Flugblätter verteilt, die sich gegen die Abschiebung eines Irakers nach Griechenland richteten. Die Fraport AG, die Betreiberfirma des Flughafens, erteilte ihr daraufhin ein Hausverbot und drohte ihr mit einem Strafantrag wegen Hausfriedensbruch. Kümmel klagte dagegen bis vor das Bundesverfassungsgericht, das im Februar 2011 entschied, dass deutsche Flughäfen keine grundrechtsfreien Räume sind. Mit ihrem Engagement hat Kümmel erstritten, dass an Deutschlands Flughäfen demonstriert werden darf., Pro-Asyl-Website

Im Jahr 2012 ging der Preis an die aus Eritrea stammende Gergishu Yohannes. Ihr Bruder starb mit 76 anderen Bootsflüchtlingen im Mittelmeer. Yohannes brachte daraufhin rund 1.300 Angehörige in einer Interessengemeinschaft zusammen und erstattete in deren Auftrag Anzeige gegen den italienischen Staat wegen unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge.

2013 wurde das Ehepaar Luise und Gerjet Harms ausgezeichnet – stellvertretend für alle, die sich für die Rückkehr von Gazale Samale und ihrer Kinder nach Deutschland eingesetzt haben. Durch ihr Engagement konnte die Familie acht Jahre nach der Abschiebung wieder vereint werden.

2014 erhielt der italienische Journalist Fabrizio Gatti die Auszeichnung für die Enthüllung, dass 260 libysche Bootsflüchtlinge am 11. Oktober 2013 starben, weil italienische Behörden deren Seenotruf mehrere Stunden lang ignoriert hatten.

Im Jahr 2015 wurde der US-Deserteur André Shepherd mit dem Preis bedacht, dieser entzog sich seinem Dienst in der US-Armee, um nicht nochmals im Irak-Krieg eingesetzt zu werden, und stellte 2008 in Deutschland einen Asylantrag, der abgelehnt wurde. Danach klagte er bei verschiedenen deutschen und europäischen Instanzen, um auch über seinen Fall hinaus klarzustellen, dass alle Soldaten, die sich durch Desertion völkerrechtswidrigen Handlungen entziehen, ein Anrecht auf Schutz haben.

2016 erhielt Father Mussie Zerai den Menschenrechtspreis. Der katholische Priester hilft seit Jahrzehnten Flüchtlingen in Seenot.

2017 ging der Preis an Synagogenvorsteher Wolfgang Seibert aus Pinneberg und an Pfarrerin Doris Otminghaus aus Haßfurt, die beide durch die Gewährung von Kirchenasyl Abschiebungen von Asylbewerbern aus Deutschland nach den Dublin-Reglungen ins Europäische Ausland verhindert hatten.

2018 wurde das Ungarische Helsinki Komitee ausgezeichnet. Die Begründung: Trotz der zunehmenden Kriminalisierung und Bedrohung durch die ungarische Regierung kämpft das Komitee für Rechtsstaatlichkeit und fundamentale Menschenrechte.

2019 zeichnete die Stiftung Pro Asyl den Rechtsanwalt Peter Fahlbusch mit ihrem Menschenrechtspreis aus. Der Anwalt setzt sich seit Jahren für Geflüchtete in Abschiebungshaft ein.