Die Kartoffel- oder Hartboviste (Scleroderma) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Kartoffelbovistverwandten. Das Äußere der Fruchtkörper lässt eine Verwandtschaft zu den Bovisten und Stäublingen vermuten, tatsächlich aber zählen sie zu den Steinpilzartigen. Früher wurden die Sclerodermataceae auch zusammen mit den Wettersternen in die eigene Ordnung Sclerodermatales gestellt. Die Vertreter der Gattung sind giftig. Gering dosiert wurden die Kartoffelboviste auch schon zur Fälschung von Echten Trüffeln in Lebensmitteln eingesetzt.
Merkmale Makroskopische Merkmale Die oberirdischen und mehr oder weniger kugelig-knolligen Gebilde sind teils durch derbe Myzelstränge scheinbar gestielt. Die einfache, derbe Außenhaut ist glatt oder anliegend schuppig beschaffen und zerfällt bei Reife vom Scheitel her. Sie ist gelb oder braun gefärbt, die Gleba im Inneren ist bereits unreif dunkel gefärbt, ein Capillitium ist nicht vorhanden.
Mikroskopische Merkmale Die braunen Sporen haben eine kugelige Form und sind deutlich netzförmig oder stachelig ornamentiert. Sie trennen sich bereits früh von den Basidien und werden anschließend von Nährhyphen versorgt, um vor allem das Ornament aufzubauen.
Arten Die Gattung umfasst weltweit etwa 30 Arten. In Europa kommen rund zehn Arten vor bzw. sind dort zu erwarten:
Kartoffelboviste (Scleroderma) in Europa Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat Leopardenfell-, Getupfter oder Gefelderter Kartoffelbovist Scleroderma areolatum Netzsporiger, Gelbflockiger oder Rotbräunlicher Kartoffelbovist Scleroderma bovista Zwiebel-Kartoffelbovist Scleroderma cepa Dickschaliger Kartoffelbovist Scleroderma citrinum Scleroderma franceschii Mittelmeer-Kartoffelbovist Scleroderma meridionale Starkwurzelnder Kartoffelbovist Scleroderma polyrhizum Scleroderma septentrionale Braunwarziger Hartbovist (u. a. auch als Dünnschaliger Kartoffelbovist bezeichnet) Scleroderma verrucosum
Ökologie Die Scleroderma-Arten sind Mykorrhizabildner mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen.
Systematik Mit einigen ebenfalls als Boviste bezeichneten Arten aus der Familie der Stäublingsverwandten (Lycoperdaceae) sind die Kartoffelboviste nicht näher verwandt, die ähnlichen Fruchtkörper sind durch konvergente Evolution in Anpassung an relativ trockene Standorte entstanden.
Bedeutung Toxikologie Der Verzehr von Kartoffelbovisten kann zu Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen und Bauchschmerzen führen, akute Brechdurchfälle können ebenfalls auftreten (gastrointestinales Syndrom).Helmut Schubothe: Pilzvergiftungen. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1214 f., hier: S. 1214 (Satanspilzvergiftung). Zudem können Schweißausbrüche sowie niedriger Blutdruck mit Schwindel, Kollaps, möglicherweise bis zur Bewusstlosigkeit auftreten. Die Giftwirkung kann schon 30 bis 45 Minuten nach der Pilzmahlzeit auftreten. Auch Sehstörungen, Missempfindungen, Krämpfe und rauschartige Zustände sind nach dem Konsum von Kartoffelbovisten jedenfalls in einzelnen Fällen aufgetreten.
Welche Stoffe für die Giftwirkung von Kartoffelbovisten verantwortlich sind, ist nicht bekannt.
Namensherkunft Das Aussehen der rundlichen, gelb-bräunlichen Fruchtkörper erinnert an Kartoffelknollen, was der Gattung den Namen „Kartoffelboviste“ einbrachte. Bei dem zweiten Namen „Hartboviste“ handelt es sich um die Kurzform von „Hartschalboviste“. Er nimmt auf die beständige, harte Außenhülle Bezug. „Hartboviste“ könnte aber auch auf das feste Fleisch hindeuten, ehe die Fruchtkörper im Inneren zu Sporenpulver zerfallen.
Quellen Literatur German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0. Heinrich Dörfelt, Gottfried Jetschke (Hrsg.): Wörterbuch der Mycologie. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2001, ISBN 3-8274-0920-9. Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 2: Heterobasidiomycetes (Gallertpilze), Aphyllophorales (Nichtblätterpilze), Gastromycetes (Bauchpilze). Mykologia, Luzern 1986, ISBN 3-85604-020-X.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Sclerodermatineae (Unterordnung)