mini|Gregorios Palamas (Byzantinische Ikone aus dem 15. Jhd.) Gregorios Palamas (; * Ende 1296 oder Anfang 1297 in Konstantinopel; † 14. November 1359 in Thessaloniki) war ein byzantinischer Theologe, Schriftsteller und Erzbischof von Thessalonike. Er wurde 1368 heiliggesprochen und zählt zu den höchsten Autoritäten der orthodoxen Kirchen.

Seine Lehre, der Palamismus, war die letzte Weiterentwicklung der orthodoxen Theologie, die für verbindlich erklärt wurde. Ein Hauptmerkmal des Palamismus ist seine Unterscheidung zwischen einem prinzipiell für die Geschöpfe unzugänglichen Wesen Gottes und den Energien Gottes, mit denen Gott sich zu erkennen gebe. Seinem Wesen nach bleibe Gott, selbst wenn er sich willentlich dem Nichtgöttlichen zuwende, immer von seiner eigenen Zuwendung unterschieden und unerkennbar. In seinen Taten hingegen, das heißt in seinen Energien, könne Gott erkannt und erfahren werden. Diese Energien hält Palamas ebenso wie Gottes Wesen für ungeschaffen.

Mit der Unterscheidung zwischen Wesen und Energien Gottes und der Behauptung der Ungeschaffenheit der Energien verteidigt Palamas theologisch den sogenannten Hesychasmus, die Gebetspraxis der Athos-Mönche, deren Gemeinschaft er selbst angehörte. Der Hesychasmus geht von der Annahme aus, dass das ungeschaffene Taborlicht vom Menschen geschaut werden könne, womit Gott in seinen Energien wahrnehmbar werde. Palamas’ Gegner meinen dagegen, dass es außerhalb von Gottes ungeschaffenem Wesen nur geschaffene Wirkungen gebe.

Leben mini|Byzantinisches Reich etwa zur Lebenszeit Palamas’ (ca. 1340)

Jugend und frühe Phase des Mönchslebens Gregorios Palamas stammte aus einem vornehmen Geschlecht kleinasiatischen Ursprungs; sein Vater, der byzantinische Senator Konstantin Palamas, war ein Vertrauter des byzantinischen Kaisers Andronikos II. und Erzieher von dessen Enkelsohns, des künftigen Kaisers Andronikos III. Schon als Kind kam Gregorios in engen Kontakt mit Mönchen. Als er sieben Jahre alt war, starb sein Vater. Darauf übernahm Andronikos II. die Verantwortung für seine Erziehung, und Gregorios wuchs zusammen mit dem gleichaltrigen Andronikos III. im kaiserlichen Palast auf. Seine Hochschulbildung erhielt er unter der Leitung des prominenten Gelehrten Theodoros Metochites. Sie bestand in erster Linie aus dem Studium der Schriften des Aristoteles zur Logik. Gregorios hielt wenig vom Studium der antiken Philosophie; er meinte, man solle sich nur so lange wie nötig damit befassen und sich dann so bald als möglich der Theologie zuwenden. Weltliche Studien hielt er für unvereinbar mit dem Leben eines Mönches, auf das er sich vorbereitete.John Meyendorff: A Study of Gregory Palamas, 2. Auflage, Leighton Buzzard 1974, S. 30 f.

Im Alter von etwa zwanzig Jahren wurde er Mönch und bewog auch seine Mutter und seine vier jüngeren Geschwister zur monastischen Lebensweise. Mit seinen beiden Brüdern siedelte er sich auf dem Berg Athos an, wo sie sich der Leitung eines Hesychasten namens Nikodemos, der in der Nähe des Klosters Vatopedi lebte, unterstellten. Drei Jahre lang, bis zum Tod des Nikodemos, beschäftigte sich Gregorios mit asketischen Übungen. Dann wechselte er zum Kloster Megisti Lavra über. Nach drei Jahren trat er in die Skite Glossia ein. Dort blieb er zwei Jahre. Unter der Leitung eines berühmten Meisters, der Gregorios der Große genannt wurde, befasste er sich mit der Praxis des Hesychasmus. Um 1325 zwangen türkische Überfälle Gregorios Palamas und andere Mönche, die außerhalb der befestigten Anlagen der großen Klöster lebten, den Athos zu verlassen. Zunächst begab er sich nach Thessalonike, wo er 1326 zum Priester geweiht wurde. Später zog er sich mit zehn anderen Mönchen in eine Einsiedelei auf einem Berg im Gebiet von Berrhoia (heute Veria) zurück, wo er weitere fünf Jahre Askese und Hesychasmus praktizierte. Gemäß der hesychastischen Tradition verbrachte er fünf Tage in der Woche schweigend in völliger Einsamkeit, am Samstag und Sonntag widmete er sich dem Gespräch mit den Mitbrüdern. Er praktizierte also einen Mittelweg zwischen reinem Einsiedlerleben und klösterlicher Gemeinschaft.

Als serbische Überfälle das Leben auf dem Berg unsicher machten, kehrte Gregorios auf den Athos zurück, wo er sich in der Einsiedelei von St. Sabas niederließ und seinen gewohnten Lebensrhythmus fortsetzte. Zeitweilig war er Hegoumenos (Abt) des Klosters Esphigmenou, wo zweihundert Mönche lebten, doch kehrte er dann wieder nach St. Sabas zurück. Um 1334 begann er seine schriftstellerische Tätigkeit; er verfasste ein Heiligenleben sowie Abhandlungen über theologische Themen und Fragen des Mönchslebens. Zwei seiner damals entstandenen Traktate handeln vom Ausgang des Heiligen Geistes, einem Hauptpunkt im theologischen Konflikt mit der Römisch-katholischen Kirche. Dieses Thema war damals wegen der Verhandlungen über eine Wiedervereinigung (Kirchenunion) aktuell.

Anfang des Konflikts um den Hesychasmus Um 1330 kam der Mönch und humanistisch gesinnte Philosoph Barlaam von Kalabrien nach Konstantinopel. Dort war er 1334 auf der Seite der Griechen an Unionsgesprächen mit päpstlichen Gesandten beteiligt. Als Vertreter der neuplatonisch geprägten negativen Theologie des Pseudo-Dionysius Areopagita hielt er alle positiven Behauptungen über Gott für fragwürdig. Daher bestritt er, dass man über den Ausgang des Heiligen Geistes, den Hauptstreitpunkt zwischen östlicher und westlicher Kirche, Aussagen machen kann, die sich philosophisch als zwingend richtig erweisen lassen. Er plädierte dafür, der Auffassung der Kirchenväter zu folgen und im Übrigen die mit Argumenten nicht klärbare Frage privater theologischer Spekulation zu überlassen. Gregorios Palamas, den seine Freunde zu einer Stellungnahme aufforderten, trat für die gegenteilige Position ein. Ihm zufolge hat Gott, den die negative Theologie für unerkennbar hält, sich nicht nur den Aposteln und Kirchenvätern offenbart, sondern offenbart sich auch weiterhin der Kirche durch die Stimmen kompetenter Theologen. Demnach seien zuverlässige Aussagen über ihn möglich und als verbindliche Wahrheit zu betrachten. Den Behauptungen nichtchristlicher Philosophen hingegen sei kein Vertrauen zu schenken.

In Thessalonike erfuhr Barlaam von der Gebetsweise der hesychastischen Mönche, mit der versucht wurde, mittels einer Meditationstechnik eine Gottesschau zu erreichen und sogar den menschlichen Körper an der göttlichen Gnade teilhaben zu lassen. Dieses Verhalten betrachtete er als skandalöse Anmaßung ungebildeter Mönche, die er als omphalopsychoi („Menschen mit der Seele im Nabel“) bezeichnete, weil in der hesychastischen Meditation die Aufmerksamkeit auf den Nabel gelenkt wurde (Nabelschau). 1338 versuchte Barlaam vergeblich, in Konstantinopel ein Einschreiten der kirchlichen Behörden gegen die hesychastischen Athosmönche zu erreichen. Das Ergebnis war, dass ihm der Patriarch von Konstantinopel die Polemik gegen die Mönche verbot. Barlaam hielt sich nicht an diese Anweisung, sondern kehrte nach Thessalonike zurück und setzte seine Kritik gegen die Mönche fort.

Damit begann der Streit um den Hesychasmus, in dem Palamas die Verteidigung der Athosmönche übernahm. Es kam zu persönlichen Begegnungen zwischen Barlaam und Palamas, doch diese Versuche zur Beilegung des Konflikts scheiterten. Palamas verfasste die Triaden, drei Gruppen von je drei Abhandlungen zur theologischen Rechtfertigung des Hesychasmus. Barlaam veröffentlichte eine Erwiderung auf die erste Triade und setzte seine Bemühungen fort, eine Kirchenunion zu erreichen, bei der auf eine Festlegung in der strittigen Hauptfrage verzichtet werden sollte. Zu diesem Zweck schickte ihn der Kaiser zu Verhandlungen nach Avignon, doch besaß Barlaam kein kirchliches Verhandlungsmandat und erreichte nichts.

Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung stellten sich die maßgeblichen Autoritäten der Athos-Gemeinschaft hinter Palamas. Sie unterzeichneten den von ihm oder in seinem Auftrag verfassten Tomos hagioreitikos, der die Position Barlaams verdammte, ohne den Gegner namentlich zu erwähnen. Damit nahmen Mönche eine Lehrentscheidung vorweg, die nach traditioneller Auffassung nur einer Synode zustand.Hans-Georg Beck: Geschichte der orthodoxen Kirche im byzantinischen Reich, Göttingen 1980, S. 221. Neue Zusammenkünfte der beiden Widersacher blieben wiederum erfolglos. In einer Schrift Gegen die Messalianer griff Barlaam Palamas erstmals persönlich an und bezichtigte ihn der Häresie des Messalianismus; dieser war unter dem Vorwurf manichäischer Beeinflussung bereits 390 auf der Synode von Side und 431 auf dem Konzil von Ephesos verurteilt worden.

Konzilien von 1341 Im Jahr 1340 begann Barlaam in Konstantinopel eine Kampagne mit dem Ziel, einflussreiche Kreise für eine kirchliche Verurteilung der Theologie des Palamas zu gewinnen. Seine Unterstützer konnten die Einberufung eines Konzils durchsetzen, das Palamas vorlud. Kaiser Andronikos III., der ein Jugendfreund von Palamas war, und Patriarch Johannes XIV. Kalekas wollten vor allem einen dogmatischen Streit vermeiden, der den Frieden in Reich und Kirche gefährden konnte. Hinsichtlich der theologischen Auseinandersetzung nahm der Patriarch eine unklare, schwankende Haltung ein; er wollte den Konflikt möglichst unauffällig durch disziplinarische Maßnahmen beenden, um einer inhaltlichen Stellungnahme auszuweichen. Darauf zielte auch die Politik des Kaisers ab; Andronikos verbot Barlaam, Palamas der Häresie zu bezichtigen. Dieser auf Befriedung und Beschwichtigung ausgerichtete Kurs der höchsten staatlichen und kirchlichen Autoritäten wirkte sich im Ergebnis zugunsten von Palamas aus, denn Palamas verteidigte den Status quo, während Barlaam der Angreifer war und eine Veränderung anstrebte.Günter Weiss: Joannes Kantakuzenos – Aristokrat, Staatsmann, Kaiser und Mönch – in der Gesellschaftsentwicklung von Byzanz im 14. Jahrhundert, Wiesbaden 1969, S. 106 f.; John Meyendorff: A Study of Gregory Palamas, 2. Auflage, Leighton Buzzard 1974, S. 50–59.

Das Konzil trat am 10. Juni 1341 unter dem Vorsitz des Kaisers in der Hagia Sophia zusammen; seine Sitzung nahm nur einen einzigen Tag in Anspruch, und es nahmen nur wenige Bischöfe teil. Zuerst wurde Barlaam als Ankläger gehört, dann Palamas. Barlaam musste erkennen, dass die Mehrheit gegen ihn war. Er sah sich gezwungen, seine Auffassung als irrig zu widerrufen und um Verzeihung zu bitten, die ihm bereitwillig gewährt wurde. So endete das Konzil mit allgemeiner Versöhnung auf der Basis einer Kapitulation Barlaams. Für Palamas war es aber kein vollständiger Sieg, denn die Verurteilung der Position seines Gegners bedeutete nicht zwangsläufig, dass das Konzil sich vollumfänglich hinter seine Lehre stellte. Sogleich nach der Beendigung des Konzils verbot der Patriarch den Besitz von Barlaams antihesychastischen Schriften und ordnete die Aushändigung aller Exemplare an die kirchlichen Behörden an.

Wenige Tage nach der Konzilssitzung starb der Kaiser. Darauf begann Barlaam seine Angriffe erneut. Er fand aber so wenig Unterstützung, dass er sich entschied, das Reich zu verlassen und in den Westen zu emigrieren. Zum neuen Hauptgegner von Palamas wurde nun der Mönch und Theologe Gregorios Akindynos, der zuvor eine vermittelnde Position eingenommen hatte. Akindynos akzeptierte die hesychastische Gebetspraxis, bekämpfte aber deren theologische Rechtfertigung durch Palamas. Im August 1341 trat ein zweites Konzil zusammen, das den Beschluss des ersten bestätigte und Akindynos verurteilte.

Theologischer Streit im byzantinischen Bürgerkrieg